Zitat von rowi
Zur Zeit ist es wirklich so , sage ich nichts ,gehts mir hinterher nicht gut und sage ich etwas ,auch nicht, weil dann geht wieder die Spirale los ,was hast du nu wieder vom Stapel gelassen und was denken die anderen nun von dir .
Befürchte da sind noch große Portionen Minderwertigkeitsgefühle und Unsicherheit in mir.
[...],werde beim durchlesen schon wieder unsicher ob ich diese "Ergüsse" jemanden zumuten kann und soll.
Liebe rowi,
damit gibst du dir ja quasi Marschroute und Ziel in einem vor!
Ich bilde mir ein, bei dir häufiger herauszulesen, dass dein Selbstwertgefühl nicht so doll entwickelt ist, weil du schon häufiger geschrieben hast, du seist unsicher, du wüsstest nicht so recht, und was dann wieder die anderen denken...! Ich kann das gut nachvollziehen und ich finde es toll, wie ausführlich du geantwortet hast, denn wenn ich weiß, wie schwer es dir fällt, dann ist das meiner Meinung nach eine Riesenleistung!
Ich nehme an, dich plagen ähnliche Gedanken wie ich sie vor noch nicht allzu langer Zeit hatte: Wie werde ich selbstbewusster?
Wenn das so einfach wäre, gäbe es nicht hunderte von Ratgebern auf dem Markt, hätten sogenannte Motivations-Coaches mit ihrem aufdringlichen "Chakaa - du schaffst es!"-Geschreie nicht solchen Erfolg und, da sind wir doch mal ehrlich, es würden sich nicht so viele Menschen Mut ansaufen (um dann später in die Sucht abzurutschen).
Das nützt bloß alles nichts, denn eine Eigenschaft wie Selbstwusstsein kann man meiner Erfahrung nach nicht lernen wie eine Tätigkeit (z.B. ein bestimmtes Gericht kochen), sondern man macht sich eine bestimmte Vorstellung davon, wie ein selbstbewusster Mensch eventuell denn so ist und versucht dann, genau dahin zu kommen. Also, das ist jetzt mal meine Vorstellung davon.
Für mich ist das ein Prozess, der sehr zäh sein kann und sich lange hinziehen kann (und eventuell nie so ganz abgeschlossen ist), und bei dem zumindest ich immer wieder das feedback von anderen brauche. Es gibt ja so Menschen, die finden stets das richtige Wort im richtigen Augenblick oder handeln immer situationsangemessen, und glaube mir, die beneide ich glühend! Aber soweit bin ich noch nicht, aber ich arbeite daran. Deshalb bin ich z.B. auch hier. Wo sonst habe ich die Gelegenheit, mir genau zu überlegen, was ich als nächstes sage bzw. schreibe? Im realen Gespräch geht mir das oft zu schnell. Und hier kriege ich auch Rückmeldungen. Über die positiven freue ich mich, über die negativen kann ich in Ruhe nachdenken. Ich brauche nicht sofort zu antworten. Gehe ich auf einen möglichen Angriff ein oder ignoriere ich ihn komplett?
Was ich meine, ist, dass ich ganz bei mir bin, wenn ich hier schreibe. Was tut mir gut? Was beflügelt mich? Wo muss ich lachen? Wo ärgere ich mich? Was nervt mich? Und diese Beschäftigung mit sich selber, liebe rowi, die solltest du dir auch gönnen! Das macht beileibe nicht immer Spaß, denn leider stößt man auch auf seine Grenzen, oder auf Dinge, die unangenehm sind und weh tun. Aber das Ergebnis ist ein langfristiges. Karsten hat in den letzten Tagen wieder einige tolle Themen angeregt, z.B. "Ablehnung" oder "Persönlichkeitsentwicklung", da lese ich sehr gerne mit, weil mich eben auch die Erfahrungen der anderen interessieren bzw. wie die damit umgegangen sind.
Vielleicht ist es dir ja möglich, dich selbst ein bisschen mehr ins Zentrum deiner Überlegungen zu rücken, ohne gleich Angst haben zu müssen, ein egozentrisches Arschloch zu werden. Es geht nicht um Egozentrik, sondern um Egoismus, und der muss nicht immer per se negativ sein.
Zitatund es bliebe immer noch der Gedanke versagt zu haben , der liebe Stolz.
Das hier zum Beispiel.
Ich stelle mir die Frage, ob ich tatsächlich von versagen sprechen kann, wenn es hier doch um vernünftig sein geht. Und was der Stolz an der Stelle soll, habe ich auch nicht genau verstanden. Ist es wirklich Stolz, nicht versagt zu haben? Oder nicht eher Erleichterung? Hier machst du dich meiner Meinung nach selber ganz verrückt - und trittst deine Seele mit Füßen - , weil du hier irgendwelche Begriffe, die mit dem Kontext nichts zu tun haben, wild miteinander vermischt.
Das Wort "versagen" kann ich verwenden, wenn ich mich bewusst einer Wettbewerbssituation ausgesetzt habe, in der ich etwas beweisen wollte, und dann das Ziel nicht erreicht habe. In unserer Situation, rowi, in der wir noch keine Abstinenzprofis sind, ist es besser, gar nicht erst erst in so eine Wettbewerbssituation zu gehen. Und das hat dann nichts mit "versagen" zu tun, sondern mit realistischer Selbsteinschätzung, die nun wiederum etwas mit Selbstbewusstsein zu tun hat.
Zitatespoir, das mit eigener Schuld ,da schlecht organisiert , hier tu ich mal so als hätte ich es nicht gelesen .
Warum?
Ich habe ja nicht ausschließlich von "schlechter Organisation" geschrieben. Ja nach Job und Branche sind gewisse Dinge einfach so. Mehr Arbeit, die von weniger Mitarbeitern in kürzerer Zeit erledigt werden müssen. Ja, wo ist das denn nicht so? Ich jedenfalls kenne keinen Beruf, in denen Menschen nicht bis zum Anschlag getrieben werden. Und wenn es nicht die anstrengende Tätigkeit an sich ist, dann ist es eben die angespannte Finanz- oder Personallage. Irgendwo hakt es immer.
Deshalb habe ich ja auch die private Freizeit erwähnt. Vielleicht kannst du da ja mal ansetzen. Du hast Kinder, gell? Tja, dann hast du künftig ein paar "Gegner" mehr, denn Mann und Kinder müssen mit ran. Dass die dir erstmal 'n Vogel zeigen, kann sogar ich mir denken, wo ich keine Kinder habe. Aber es geht doch nicht anders. Wenn du nicht völlig zusammenbrechen willst, musst du delegieren - und auch mal akzeptieren, dass Dinge nicht so erledigt werden, wie wenn du dich darum gekümmert hättest. Ja und? Hauptsache, du gehst nicht unter! Wenn du erst einmal zusammengebrochen bist, hatten deine Kinder und dein Mann zwar ein bequemes Leben, aber nun - zumindest vorerst - keine rowi mehr.
Sodala, jetzt habe ich mich endgültig für den "Goldenen Labersack" qualifiziert, aber es war mir wichtig, dir meine Gedanken zu schreiben. Ich hatte gestern den Eindruck, als hätte ich bei dir ordentlich was in Bewegung gebracht, und ich möchte nicht einfach nur Emotionen wecken - in deinem Fall ja leider auch ein paar schlechte - und dich dann einfach alleine damit lassen.
Alles Liebe dir!
espoir
PS: Wie geht's deinem Vater? Kannst du deine Sorgen um ihn mit deiner Familie teilen? Ich wünsche es dir von Herzen!