Beiträge von espoir

    Ihr Lieben,

    nu' isses aber höchste Eisenbahn, dass ich wieder einmal "piep" sage! PIEP! :wink:

    Die letzten 10 Tage waren voll von verschiedenen Herausforderungen, die mich unterschiedlich stark beansprucht haben. Ich war vereinzelt hier und habe ein bisschen mitgelesen, oftmals aber nur so'n halbes Stündchen, gerade halt so, dass ich den Anschluss nicht ganz verpasse.

    In meinem Privatleben kehrt endlich wieder etwas mehr Ruhe ein. Den Todesfall habe ich inzwischen etwas aufarbeiten können, heute ist es 14 Tage her, dass ich davon erfuhr, mei, was soll ich sagen? Natürlich fallen mir Plattitüden ein wie "Das Leben geht weiter", und es stimmt ja auch, aber das wird dem Verlust nicht gerecht. Also lasse ich ihn da, wo er hingehört - in meinem Herzen, in meiner Erinnerung.
    Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich zu der Zeit nicht wieder vereinzelt an Alkohol gedacht hätte, doch ja, vor meinem geistigen Auge sah ich das eine oder andere Glas Rotwein. Interessant fand ich in dem Zusammenhang, dass ich ausgerechnet an Rotwein gedacht habe, ein Getränk, das ich in meiner nassen Zeit gar nicht einmal so gern getrunken habe, weil ich davon immer so müde wurde. Aber jetzt war der Gedanke an eben genau diese Schläfrigkeit, die ich mir hin und wieder gewünscht habe, wieder da.
    Erst im Nachhinein fiel mir auf, dass ich genau lobanshees Worte beherzigt habe - es kann zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund geben, wieder Alkohol zu trinken. Sie hatte diese Gedanken im Zusammenhang mit ihrem Sohn geschrieben (und ich hatte sie mir gleich mal ganz frech hierhin geklaut, an dieser Stelle nochmals danke, lobanshee! :wink: ). Damals bezog ich das mehr auf meinen Mann, aber ich habe nun erlebt, dass ich diese Worte auch auf enge Freunde übertragen kann: Wenn ich jetzt wieder getrunken hätte, hätte das H. nicht wieder lebendig gemacht, und gewollt hätte er das auch nicht. Im Gegenteil, er hätte das fürchterlich gefunden, wenn ich deswegen wieder in altes Fahrwasser geraten wäre. Das hat mir tatsächlich geholfen, mich nicht irgendwelchen schädlichen Impulsen hinzugeben.

    Kennt ihr das: Man durchlebt eine heikle Situation und erst im Nachhinein wird einem bewusst, dass man alles richtig gemacht hat? Im meine das jetzt im Zusammenhang mit Notfallkoffer oder Suchtgedächtnis? Womit ich wieder bei dem Wert besonders von schwierigen Situationen bin. Das hatte ich, glaube ich, schon einmal erwähnt. Natürlich freue ich mich ganz grundsätzlich über meine konsequente Abstinenz. Aber wenn alles passt, denke ich ja gar nicht mehr darüber nach. Ich habe mich so sehr ans abstinente Leben gewöhnt, dass das einfach Alltag geworden ist. In Krisen hingegen haben die abstinenten (sprich: richtigen) Verhaltensweisen erst so eine Bedeutung...

    Aber auch bei schönen Ereignissen leiste ich aktive Trockenheitsarbeit. So haben mein Mann und ich in den letzten Jahren brav gespart und waren nun in der glücklichen Lage, uns sowohl eine kleine Eigentumswohnung zur Kapitalanlage als auch mit Hilfe der Umwelt-Prämie einen neuen kleinen Zweitwagen leisten zu können. Himmel, früher wäre da der Sekt in Stömen geflossen. Und heute?
    Ich habe meinen Mann gefragt, ob er den Sekt zum Anstoßen vermisse, schließlich hätten wir gleich zwei Anlässe zu feiern. Da lächelte er und meinte glatt, dass die Frage ja wohl nur von einer trockenen Alkoholikerin kommen könne! Nein, er vermisse nichts! Die Wohnung sei eine sachliche Überlegung gewesen, wie wir unsere Ersparnisse vernünftig anlegen könnten, und das Auto sei eine Notwendigkeit, weil der alte Wagen keinen TÜV mehr bekommen hätte, da hätten wir noch einmal viel Geld reinschießen müssen, und wer weiß, was dann als nächstes kaputt gegangen wäre...?!

    Cool. So einfach ist das.
    So einfach ist das Leben mit dem richtigen Partner.

    Auch ansonsten geht es mir gut.
    Mich plagen zwar ein paar kleinere Zipperlein, wie z.B. ein lästiger Schnupfen, aber du lieber Himmel, es ist nur ein Schnupfen! Und wer hat den nicht im Moment? Außerdem leide ich an einer chronischen Hauterkrankung, die je nach persönlicher Befindlichkeit wochenlang verschwindet oder aber energisch ausbricht. Gut, und wenn ich zurückrechne, wann der Todesfall war und ich nun überlege, wie lange ich schon wieder damit herumturne, dann ist ja alles klar. Meine entschlossene Schkoladendiät zeigt mittlerweile Wirkung - jeden Tag eine halbe Tafel führen nach vier Monaten zuverlässig zu vier Kilo mehr Gewicht... :shock: Aber da ich nicht Germany's Next Topmodel werden möchte (hätte ich keine Zeit für, wisst ihr! :wink: ), nehme ich das wohl zur Kenntnis, mache mir aber keinen Kopf drum. Last not least fehlt halt auch mir ein bisschen der Sonnenschein. Wenn die Sonne lacht am bayrisch-blauen Himmel, dann ist alles halb so wild. Aber das wird wohl noch ein wenig dauern. :roll: Also: Kopf hoch und lächeln!

    In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen Donnerstag - wir lesen uns!

    LG
    espoir

    Liebe Backmaus,
    ja, es ist ein weiterer Meilenstein, auf den ich zu Recht stolz bin.
    Mit meinen gut acht Monaten Abstinenz bin ich ja noch nicht in der Profi-Liga der Trockenheit angelangt, aber ich finde, ich krieg' das schon ganz gut hin und bin auf einem guten Weg.
    Mitte Januar hatte ich ja diesen Ärger im Job, dem auch noch Umstrukturierungsmaßnahmen folgten, und da hatte ich tatsächlich nicht einmal die Zeit, über Alkohol nachzudenken, erst als du mich darauf angesprochen hast, fiel mir das auf. Jetzt, wo die vergangenen vier Tage in erster Linie emotional eine schlimme Zeit waren, habe ich die Prüfung ungleich härter empfunden - aber ebenso bestanden.

    LG
    espoir

    Liebe Backmaus und Lena sowie die anderen!

    Heute bin endlich soweit, dass ich mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben kann - und will. Am vergangenen Donnerstag musste ich einen Todesfall verkraften. Da hat's mir schier den Boden unter den Füßen weggerissen. Mehr möchte ich auch heute noch nicht dazu schreiben.
    Hinzu kam, dass meine Mutter am Wochenende ihren 75. Geburtstag feierte und ich ihr diesen schönen Anlass nicht mit meinen persönlichen Baustellen versauen wollte, auch war ich gesundheitlich schwer angeschlagen, von daher könnt ihr euch vorstellen, was es für enorme Kraft gekostet hat, insgesamt Haltung zu bewahren.
    Aber heute ist Montag, die Reise geht weiter und das Wichtigste ist, dass ich auch diese schwere Prüfung ohne Alkohol gemeistert habe.

    Ich scheine hier wohl einiges verpasst zu haben, deshalb gehe ich jetzt erst einmal ein bisschen nachlesen... :wink:
    Wir lesen uns!

    Alles Liebe euch
    espoir

    Liebe Backmaus,
    ich möchte mich gerne für deine Zeilen bedanken, bin aber momentan nicht in der Lage, darauf einzugehen. Ich habe heute sehr schlechte Nachrichten erhalten und demzufolge den Kopf nicht frei.

    Bitte sieh es mir nach!
    Alles Liebe
    espoir :(

    Sodala, da bin ich nochmal.
    Ich wollte doch deine SHG nicht unkommentiert lassen!
    Also ich find's toll, dass du so tough bist, eine eventuelle Unzufriedenheit auch anzusprechen. Da muss ich ja bekanntlich noch hart daran arbeiten... :wink: Aber du hast ja Recht: Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden! Umso schöner ist es dann ja, wenn der Impuls auf entsprechend offene Ohren stößt. Also - du darfst zu Recht stolz auf dich sein!
    Wie geht's dir denn sonst so?
    Ich weiß gar nicht, wie es dir so in den letzten Tagen ergangen ist. Magst du nicht mal ein bisschen davon erzählen? Hier, oder in deinem oder im Quassel-Thread? *schmeichel*

    Alles Liebe
    espoir

    Uiii, du hast'n neuen Laptop? Herzlichen Glückwunsch!
    Ich sitze jetzt auch zum ersten Mal mit dem Notebook im Wohnzimmer, weil ich unbedingt "Stern TV" sehen möchte, weißt schon, wegen des Amoklaufs. Unfassbar!

    Aber ich merke gerade, dass das Thema zu wichtig ist, als dass ich nur nebenbei schauen könnte und ansonsten eher hier tippe. Ich melde mich dann gleich nochmal, OK?

    Bis denn
    espoir

    Liebe Backmaus,

    vielen Dank für deinen kurzen Gruß! Ich freue mich schon, wenn ich dich heute Abend vielleicht noch antreffe - und die anderen natürlich auch! :wink:

    Das, was lobenshee geschrieben hat, habe ich mehr auf meinen Mann bezogen, aber da gilt ja das Gleiche. Ich habe in der letzten Zeit schon häufiger gedacht, dass es für mich mittlerweile keinen Grund mehr gibt zu trinken... es sei denn, meinem Mann würde etwas zustoßen. Also da könnte ich eben nicht garantieren, dass ich nicht eventuell in die Situation käme, so verzweifelt zu sein, dass ich mich wieder einmal wegbeamen wollte. Aber wenn ich näher darüber nachdenke, so makaber diese Gedankengänge auch sein mögen, komme ich zu dem Schluss, dass nicht einmal das ein Grund sein dürfte. Ich weiß, dass er mich liebt und dass er will, dass es mir gut geht. Was hätte er davon, wenn ich nach seinem Tod wieder zu trinken anfangen würde? Und was hätte ich davon? Macht ihn das wieder lebendig, wenn ich mich wieder in die Hölle begebe, der ich so mühsam entronnen bin? Wohl nicht.

    Nun, ich plage mich nicht ständig mit derart schwerem Gedankengut herum, aber es gibt eben so Momente, da geht mir eben auch so etwas mal durch den Kopf. Ähnlich ging es mir mit einem Beitrag von einer anderen Teilnehmerin, die irgendwo gepostet hat, dass sie wohl am Wochenende darüber nachgedacht hat, wie so ein typisches Trinker-Wochenende bei ihr aussah und dass sie über diese Erinnerung förmlich deprimiert war, anstatt wie sonst einfach nur heilfroh. Leider weiß ich nicht mehr, wer das war und wo sie das geschrieben hat. Ich weiß noch nicht einmal so genau, wann das war, ob vergangenes Wochenende oder das davor. Sollte ich's noch einmal wiederfinden, werde ich es mir umgehend hier reinkopieren.
    Das hat mich nämlich auch ganz eigenartig berührt, weil ich an genau dem gleichen Wochenende genauso gedacht und gefühlt habe. Auch ich bin manchmal seltsam traurig, wenn ich in so eine déjà-vu-Situation komme. Leider gibt es sehr viele solcher Momente, da ich als Spiegel-Trinkerin ja meistens dauerbreit war. Da reicht es schon, dass ich an einem trüben Spätnachmittag die Betten mache, aus dem Fenster schaue und darüber nachdenke, wie oft ich nachmittags meinen Rausch ausgeschlafen habe. Widerlich. Der Tag war im Eimer, und den Abend konntest du genauso vergessen.

    Aber naja, genug jetzt, ich mag mich jetzt nicht von meinen Erinnerungen runterziehen lassen. Immerhin hatte ich am Samstag mein Achtmonatiges. Und das ist schließlich ein Grund zur Freude! Viele von meinen Sorgen in den letzten Wochen haben sich zwar nicht in Luft aufgelöst, sind aber mittlerweile relativ.

    So habe ich mich recht gut mit den Veränderungen im Job arrangieren können, allerdings habe ich nun ein größeres Pensum zu bewältigen, und das macht mich oft so wahnsinnig müde. Aber ich lerne gerade, meine Grenzen zu akzeptieren und es hinzunehmen, dass irgendwann Schluss ist und Dinge eben bis morgen warten müssen.

    Das unschöne Intermezzo mit meiner Freundin hat sich auch noch ganz nett weiterentwickelt. Letzten Samstag rief sie mich an und wir haben quasi den Gesprächsmarathon von neulich noch mal kurz aufgearbeitet. Die Quintessenz war eben, dass wir doch sehr viel Neues voneinander erfahren haben, viele Missverständnisse auch auf Unkenntnis der genauen Lebenslage der jeweils anderen beruhen und wir das gemeinsam schon irgendwie schaffen werden. Ich habe jetzt nicht gerade euphorische Hoffnungen, aber immerhin.

    Tja, und ansonsten warte ich noch genauso auf den Frühling wie alle anderen auch. Menschenkinder, ich hab' doch wirklich alles getan, was in meiner Macht stand, Haare blond färben, Fenster putzen und Gardinen waschen, Primelchen kaufen und mediterran kochen - aber, nein, der Frühling macht alles andere als sein blaues Band flattern zu lassen! :evil:

    In diesem Sinne, Backmaus, wünsche ich dir und natürlich allen anderen einen schönen Abend! Wir lesen uns!

    espoir

    Mann, Mann, Mann...
    ich habe lange nichts mehr geschrieben!
    Entweder war ich tatsächlich gar nicht da, oder aber ich habe nur gelesen, weil mich so viele unterschiedliche Dinge beschäftigen, so dass ich mir zunächst einmal Klarheit über mich selber verschaffen wollte. Auch jetzt stehe ich ein bisschen unter Zeitdruck, möchte mich aber heute Abend noch einmal melden.
    Folgender Beitrag von lobanshee hat mich neulich sehr stark angesprochen, den möchte ich mir sicherheitshalber noch hierher "retten":

    Zitat

    Diese Selbstberuhigung "Rückfall gehört zum Krankheitsbild" habe ich natürlich auch mit meinem Sohn besprochen, der natürlich auch völlig überrascht war vom Ausmaß meiner Krankheit und er mich fragte, was denn für mich der Supergau sei, wieder trinken zu wollen. Ich sagte spontan, wenn ihm etwas passieren würde. Dann sei er tot, sagte er, wozu wolle ich dann langsam verrecken? Er nahm mir das Versprechen ab, seinen Tod nicht als Grund zu nehmen, gerade dann für ihn stark zu bleiben, denn er könne somit auch danach für mich präsent sein.
    [...]
    Die Möglichkeit des Rückfalls aus mir im Moment nicht nachvollziehbaren Gründen lässt mich aber wachsam sein und gibt mir die Berechtigung, mich mit einer gesunden Portion Egoismus in den Vordergrund zu stellen, was mir normalerweise gar nicht liegt. "Persönlichkeitsentwicklung" und Möglichkeiten der inneren Erneuerung für sich selbst, egal ob Sport, faulenzen oder Weiterbildung, alleine nur das gute Gefühl für sich selbst ist mein Weg der zufriedenen Trockenheit!


    Über diese Zeilen habe ich schon viel nachgedacht, weil sie so völlig unaufgeregt die Sache auf den Punkt bringen. Das, was ich mir heute, in meiner jetzigen Situation, vorstellen kann, ist kein Grund für einen Rückfall. Und das, was ich mir heute noch nicht vorstellen kann, das muss mich nicht ängstigen, weil ich dem - entsprechende Wachsamkeit vorausgesetzt - souverän entgegentreten kann.

    Schöner Gedanke!

    LG
    espoir

    Liebe Cora,
    es tut mir so Leid, dass ich dir nicht helfen kann.
    Aber ich kann mir wenigstens vorstellen, wie schwer es sein muss, wenn diese Gefühle so unerbittlich über dir zusammenschwappen.
    Keiner von uns kann dir jetzt in diesem Augenblick etwas Gutes tun, das kannst jetzt nur du. Fahre alle Geschütze auf, die dir einfallen. Bett finde ich schon mal ganz gut, weil warm und kuschelig. Schokolade? Eis? Ist doch wurscht, hauptsache es tut gut.
    Ich denke an dich!

    Alles Liebe
    espoir

    Hallo Krissi,
    na, da sag' ich doch erst einmal "Herzlich Willkommen" hier im Forum!
    Ich find's gut, dass du dich getraut hast, mal über dich zu sprechen, denn aus deinen Zeilen lese ich heraus, dass das offensichtlich sonst nicht so sehr gewünscht wird, richtig?
    Wenn ich dich richtig verstanden habe, hast du aus freien Stücken vor 10 Jahren mit dem Alkohol aufgehört und bist nun an einem Punkt angelangt, an dem du dich fragst, ob das überhaupt die richtige Entscheidung war. Nun, ich als "Frischling", der selber gerade mal knappe acht Monate nichts mehr trinkt, kann einfach nur sagen: Ja. Das war definitiv die richtige Entscheidung!
    Aber ich glaube, dich plagen im Moment ganz andere Probleme, nämlich, dass dein Mann immer noch trinkt, dass deine Kinder zum größten Teil aus dem Haus sind, und dass die restlichen Menschen in deinem Umfeld wenig Rücksicht auf dich nehmen.
    Das alles ist 'ne ganze Menge, und ich kann mir gut vorstellen, wie es in dir brodelt, weil jetzt einfach der Punkt erreicht ist, wo dir das alles gehörig auf den Wecker geht. Nimm dir die Zeit für dich und lies dich hier erst einmal in Ruhe ein. Sowohl bei uns Alkoholikern, als auch in der Nachbarrubrik "Angehörige". Ich bin mir sicher, dass du hier in diesem Forum unendlich viele Beiträge findest, in denen du vielleicht deine eigene Geschichte wiederfindest, oder aber welche, die dich zum Nachdenken anregen und dir helfen bei deinen Fragen.
    Wo stehe ich im Moment?
    Wie zufrieden bin ich mit meiner Situation?
    Was kann ich ändern?

    Ich wünsche dir alles Gute und einen regen Austausch mit den anderen Forenteilnehmern!
    espoir

    Wieder einmal so ein - wie ich finde - sensationeller Beitrag, den ich unbedingt in meinem Thread haben möchte, diesmal von Feuervogel:

    Zitat

    Seit ich hier im Forum bin, bist du wahrhaftig nicht der Erste, der sich darüber Gedanken macht (was mich immer wieder von Neuem verblüfft), wie man als (trockener) Alkoholiker die „Frechheit“ haben kann, seinem Partner das Alkoholtrinken zu verbieten (ich schreibe das mal so überspitzt, der Verständlichkeit halber).
    Ich kann mich dann immer des Eindrucks nicht erwehren, daß es offenbar für einen Alkoholiker wie ein RIESENverlust, oder -verzicht erscheinen muß, keinen Alkohol zu trinken.
    Soll ich dir mal etwas verraten? Für jemanden, der nicht süchtig ist, ist das weder ein Verlust noch ein nennenwerter Verzicht. Gut, es mag Menschen geben, die nicht süchtig sind und mehr trinken, als ich es je getan habe – die, obzwar nicht süchtig, aber Gewohnheitstrinker sind.
    Nun, für mich ist Alkohol nicht nur schon immer unwichtig gewesen, und jetzt, nachdem ich das Ausmaß dieser Krankheit nicht nur bei meinem Ex-Freund erlebt habe, wird er mir sogar immer widerwärtiger. Jemandem, der hingegen aus Gewohnheit trinkt, wird es vielleicht schwerer fallen als mir, keinen Alkohol mehr zu trinken, aber eine Gewohnheit kann man sich auch abgewöhnen - wenn man denn nicht süchtig ist Und, ganz ehrlich, ich (an eurer Stelle) würde von meinem Partner erwarten, daß er sich eine (schlechte) Gewohnheit mir zuliebe abgewöhnt. Ja, so viel Liebe und darum Entgegenkommen würde ich – bei einer tödlich verlaufenden Krankheit! – von meinem Partner erwarten!

    Zusammenfassend will mir scheinen, daß das Ganze auf einem Verständnisproblem beruht, resp. der Unmöglichkeit, sich in den Anderen hineinversetzen zu können.
    Was ich damit sagen will: wir Cos können uns noch so viel Wissen über die Alkoholkrankheit aneignen – wirklich hineinversetzen kann sich nur in einen Süchtigen, der selber süchtig ist/war. Und umgekehrt habe ich den Eindruck, daß sich ein Süchtiger einfach nicht vorstellen kann, daß es für einen nicht-süchtigen Menschen völlig nebensächlich ist, ob Alkohol getrunken wird oder eben nicht. Oder ob in China ein Sack Reis umfällt, salopp gesagt.
    Kannst du verstehen, was ich meine?

    Vielleicht kannst du jetzt akzeptieren, daß deine Frau dir zuliebe keinen Alkohol mehr trinkt – oder wenn sie nicht darauf „verzichten“ mag, möglicherweise selbst ein Problem hat…

    Den musste ich einfach haben!

    Zitat von Paolo

    In dem
    Moment wo mein Wunsch, -ein Leben ohne Alkohol zu führen-
    angezweifelt und meine Krankheit verharmlost wurde, dachte ich
    das es so nicht weitergehen kann.

    Boah, Paolo, den Satz finde ich wichtig!
    Und zwar in doppelter Hinsicht: Einerseits stellst du klar, dass unser Abstinenzwille oberste Priorität noch vor den Interessen der anderen genießt, andererseits schließt du ja nicht völlig aus, dass ein Fortbestand der Beziehungen (mit wem auch immer) möglich ist. Genauso empfinde ich das auch!

    Lieben Dank dir dafür!
    espoir

    Zitat von Backmaus

    Ist es nur der Aufhänger gewesen und da waren noch andere Leichen im Keller?

    Huhu, grüß dich, Backmaus!
    Leider war es tatsächlich so, dass das Glas Rotwein während der Diät der Aufhänger war, dann ging's weiter zu den Veränderungen bei mir, seit ich nicht mehr trinke, bis wir schließlich bei unserer Freundschaft im Allgemeinen angelangt waren. Ich möchte aber gar nicht sagen, dass nun das Kriegsbeil ausgegraben wurde, denn es geht ja nicht um einen bestimmten Konflikt, den man in Ruhe bearbeiten kann, sondern um die Tatsache, dass wir verwundert festgestellt haben, wie fremd uns die jeweils andere geworden ist.
    Ich sehe dieses Telefonat also eher als Startschuss für Veränderungen, die nun langsam eintreten werden. Denn ab jetzt wird nichts mehr so sein, wie es vorher mal war, egal ob positiv oder negativ. Es wird künftig einfach anders. Ich weiß, dass ich immer noch sehr viel Zuneigung für sie empfinde, und von daher finde ich den Gedanken angenehm, dass sie weiterhin zu meinem Leben gehört. Andererseits weiß ich aber auch, dass ich mir mein Leben, so wie es jetzt ist, hart erkämpft habe und viel dafür getan habe. Mein Standpunkt hat sich einfach verändert. Früher dachte ich oft, ich müsse etwas tun, damit andere Lust haben, bei mir zu sein. Jetzt bin ich so großzügig und lasse die anderen entscheiden, ob sie bei mir bleiben wollen.
    In diesem Zusammenhang fallen mir allen Ernstes zwei Dinge ein, das eine ist ein Zitat von Franz Josef Strauß, der mal gesagt haben soll: Everybody's darling is everybody's Depp! und ein uralter Schlager, der da lautet: I beg your pardon, I never promised you a rose garden!

    Also denn - ich wünsche dir und natürlich allen anderen einen friedlichen und freundlichen Freitag!
    Wie lesen uns! :wink:
    espoir

    Liebe Backmaus,

    vielen Dank für dein feedback! Es tut gut zu wissen, dass ich mit meinen Überlegungen nicht alleine dastehe!
    Ich habe das halt bisher in dieser krassen Form so noch nicht erlebt, denn wenn schon jemand gemeint hat, mich doof anquatschen zu müssen (mein eigener Bruder z.B.), dann habe ich das ja schon längst hinter mir und verarbeitet. Diese Freundin gehört nun auch zu den wenigen, denen ich's ansonsten noch erzählt habe, die weiß das also auch schon länger, aber erst jetzt, wo wir aus anderen Gründen mal wieder gründlich über unsere Freundschaft sprechen mussten, da fährt sie solche Geschütze auf. Der Fairness halber möchte ich noch kurz richtig stellen, dass der Ausdruck "militant" de facto nicht von ihr stammt, das ist eher mein Sprachgebrauch. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie mit meiner Betrachtungsweise nicht einverstanden ist.

    In vielen Gesprächen ist mir aufgefallen, wie hartnäckig der Genuss von Alkohol thematisiert wird, natürlich immer alles in der verniedlichenden Verkleinerungsform: das Feierabendbierchen, das genossen wird, das Weinchen, das gesüffelt wird, das Schnäpschen, das man noch schnell hinterher kippt. Obwohl es mir immer aufgefallen ist, habe ich peinlich genau darauf geachtet, nicht darauf zu reagieren, eben weil ich die Befürchtung hatte, verkniffen und missgünstig rüber zu kommen. Und entzündet hat sich die Diskussion dann an einem Glas Rotwein, auf das trotz Diät nicht verzichtet werden kann.

    Mei, was soll ich da sagen?
    Ich habe gestern zum ersten Mal (!) offensiv über meine Krankheit gesprochen und es gewagt (!), von mangelndem Taktgefühl und Anteilnahme zu reden - mit dem Ergebnis, dass ich halt jetzt die Böse bin. Aber wie ich heute Morgen schon geschrieben habe: Mir geht's ja weniger darum, dass sie vielleicht noch ein bisschen Zeit braucht, sondern darum, dass ich sie bzw. unsere Freundschaft offensichtlich falsch eingeschätzt habe. Veränderungen gehören doch zu jeder Freundschaft, oder? Wäre doch furchtbar, wenn man so viele Jahre befreundet wäre und noch auf demselben Level von damals wäre.

    In diesem Sinne: Die Reise geht weiter! :wink:
    LG
    espoir

    Ooops, hallo Maikel,
    bitte entschuldige, ich habe gar nicht gemerkt, dass du zwischenzeitlich geantwortet hast! :oops:

    Genauso, wie dir in meinem Beitrag ein bestimmter Satz ins Auge gefallen ist, bin ich an deinem Satz hängengeblieben:

    Zitat

    Zum Glück hat sie sich von dem Gedanken " vieleicht wird er wieder wie früher, als wir und kennenlernten" verabschiedet.


    Weißt du, genau das hat sie zu mir gesagt. Also, das "er" musst du natürlich durch "sie" austauschen... :wink:
    Sie vermisst mich, wie ich früher war.
    Und in gewissen Grenzen kann ich das sogar verstehen, denn das Vertraute löst bei uns Wohlfühlgefühle aus, das Fremde, Neue eventuell Unbehagen oder sogar Angst. Was mich irritiert und verunsichert hat, war ja auch nicht der Gedanke, dass sie einfach noch ein bisschen Zeit braucht, sondern mein eigener Eindruck, ich könnte eventuell bedrohlich auf sie wirken. Ich möchte ihr doch keine Angst einjagen! Ich bin doch immer noch ihre Freundin! Aber sie wirkt eben nicht zutraulich und neugierig, sondern eher befremdet.
    Vielleicht sollte ich an dieser Stelle auch noch erwähnen, dass sie nicht in meiner Stadt wohnt und wir uns deshalb nur vereinzelt unterm Jahr sehen. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum viele Entwicklungen an ihr vorbeigegangen sind. Und nur am Telefon und bei einzelnen Besuchen kann sie das alles vermutlich nicht so mitverfolgen.

    Trotzdem lieben Dank dir für deine Antwort!
    espoir