Hallo liebe Freunde,
danke für die netten Worte und Gedanken. Sowas tut einfach gut 
Vier Wochen lang war ich wegen meiner PTBS in der Reha in den Alpen. Einer Klinik für Berufskrankheiten mit einer Abteilung für Psychotraumatologie.
Manchmal, bevor ich dorthin fuhr, dachte ich: "Ach, brauchst das wirklich?".. "Übertreibst du nicht?", gleichzeitig aber hatte ich diese üblen Gedankenkarusselle, wie ich schon weiter oben beschrieben habe. Wie auch immer.. ich fuhr also nach Bayern.
Überrascht war ich vor allem, wie vielen Menschen es den Symptomen nach ganz ähnlich geht wie mir, auch wenn die meisten ein anderes Ereignis hinter sich haben. Fast allen ging es ähnlich: dünnhäutig, Konzentrationsstörungen, Erschöpfung, Vergesslichkeit. Jemand sagte: "Wenn ich telefoniere und es klingelt an der Tür, bin ich überfordert." ... "Bingo"", dachte ich. Kenn ich doch.. Nur das ich mich nie getraut hätte, so etwas anderen zu sagen, weil mir das doch recht verschroben vorgekommen wäre. Als ich jeden Tag mehr merkte, daß alle Symptome auch auf mich zutrafen wusste ich, daß ich dort richtig bin.
Es wurden Einzel- und Gruppensitzungen angeboten. Natürlich war und ist es alles andere als einfach, wenn ich wieder und wieder das Erlebte durchkaue. Ob es damit "milder" wird und irgendwann einfach nur ein Teil meines Lebens, über das ich dann souverän seufzen kann "Ach ja, das war auch mal...", weiss ich noch nicht. Das ist aber das Ziel. Ich hoffe, ich komme da hin.
Die Gruppensitzungen haben mich von Anfang an am meisten interessiert, boten sie doch einen direkten Vergleich zu meinen Selbsthilfe-Gruppen. Aber ach - wie anders doch alles war
Vor allem, wie viel anstrengender und härter mir die meisten anderen Schicksale erschienen. So haben mir diese Gruppensitzungen deutlich gemacht: 1. es gibt viele verschiedene Arten, Therapien in Gruppen zu gestalten - und 2. es ist die wirkungsvollste Methode, um sich selber einschätzen zu können: "Wo stehe ich?" - "Wie möchte ich, daß es mir geht?".. Es ist so ganz anders, als eine SHG, aber die Möglichkeit der Selbsteinschätzung gilt wohl für alle Gruppentherapien, vermute ich.
Ein paar Teilnehmer habe ich mehr beobachtet, als andere. Das waren diejenigen, bei denen ich neben dem Trauma noch ein Suchtproblem vermutete. Nach vielen Jahren nüchtern Leben kann man das ja einigermaßen einschätzen und ich lag tatsächlich richtig. Abends habe ich den einen oder anderen Teilnehmer mit flaschenklappernden Tüten getroffen. Anderen sah ich sofort an, was los war und wieder andere suchten nach Geselligkeit in Biergärten. Ich bin aber nicht der Fachmann, der zu beurteilen befugt ist zu sagen: das ist richtig und das ist falsch. Vielleicht kam die Sucht durch das Trauma, vielleicht auch umgekehrt. Und wie und wo setzt man dann an? Alles Fragen, die eher was für Therapeuten sind.
Als ich vorgestern Abend wieder in meiner Waldhütte in der Eifel war, fiel erstmal nichts an Anspannung ab. Das kam erst am nächsten Tag. Anstrengend war dieser Aufenthalt in der Klinik, anstrengend und richtig. Gleich am nächsten Tag hatte ich ein Gespräch mit einer Psychologin, bei der ich noch sechs Monate lang eine ambulante Traumatherapie mache und hoffe, daß ich dann in einen Zustand von Gelassenheit und "Das-war-einmal" komme.
Das wichtigste Fazit für mich ist aber: ohne die intensive Arbeit an meinem nüchternen Leben könnte ich das oben Geschriebene alles vergessen - es wäre schlicht nicht existent, denn ich hätte den Vorfall des Suizids als Grund genommen, so viel Alkohol wie möglich in mich zu schütten.
Das ist gottseidank Geschichte 
Danke fürs Lesen!
Peter