Beiträge von Petter

    Hallo Freunde.

    Zu Beginn meiner Trockenheit habe ich es mit AA versucht. Wegen des damals für mich etwas übertriebenen Bezuges zu Gott, und auch, weil ich das Prozedere in einem Meeting nicht verstand, bin ich dann erstmal nicht wieder in ein Meeting gegangen. Heute denke ich über mein damaliges Verhalten: Wäre meine Not größer und mein Tiefpunkt tiefer gewesen, hätte ich mich mit solchen Luxus-Gegenargumenten nicht einem Meetingbesuch verweigert. Ich musste erst noch ein wenig tiefer fallen, um zu erkennen, daß Demut ein wichtiger Punkt meines Trockenwerdens werden sollte.

    Etwas später fuhr ich dann zweigleisig: zum einen schrieb und las ich hier im Forum, zum anderen ging ich in Meetings. Demut, Gelassenheit, Zuhören können, Reden ohne zwingende Gegenrede und das Aussprechen des eigenen Versagens - das hat mich gehörig auf den Teppich geholt.

    Letzten Sommer im September, als ich nach der Flut am Ende meiner Kraft war, kam ein Ensemble des Mainzer Kammerorchesters in meinen Nachbarort. Dort steht oben am Berg eine wunderbare Wallfahrtskapelle aus dem Barock. Ich bin diesen Musikern bis heute so dankbar, daß ich das erleben durfte. Dort wieder zu mir finden. Ich habe nur geheult und sah alles vor mir. Den Schlamm, die Menschen, das apokalytische anmutende und größte Elend.

    Nur einige Tage vorher wollte ich in einer Pause in Essen von einer Brücke springen. Gottseidank war das nur ein kurzer Gedanke. Ich fand in dieser Kapelle zu mir, obwohl ich nur "schwach" religiös bin. Atmosphäre, Liturgie. Mir half es und hilft es. Den Musikern habe ich hinterher gedankt. Das musste sein :) Sie wussten gar nicht, wofür!

    Danke fürs Lesen.

    Peter

    Hallo Hera,

    Cadda hat es schon geschrieben: auch für dich kann die Suchtberatung sehr hilfreich sein. Die haben auch Schritte im Kopf, an die du jetzt womöglich noch gar nicht denkst. Das wäre ein sehr guter erster Schritt.
    Was man lernt beim Trockenwerden: ein Schritt nach dem anderen. Nicht zu weit nach vorne denken. Dann gibt es schnell Stolpersteine.

    LG Peter

    Es tut mir so leid zu lesen, wie sehr euch das mitnimmt, Kolja. Das ist sicher mit das Schwerste im Leben von Eltern, mit einem süchtigen Kind umzugehen. Dabei ist das Alter des Kindes wohl gleich.

    Ich beide müsst aber auch selber zusehen, daß es euch gut geht. Dass ihr heute zuhause bleibt, ist richtig, auch wenn es aus einer anderen Motivation heraus geschieht.

    Versucht, etwas abzuschalten und euch was gutes zu tun. Er wird sich wieder melden, wenn er da erstmal durch ist.
    Ihr habt wirklich alles getan und vor allem seid ihr nicht für alles verantwortlich. Achtet auf euch!

    LG, Peter

    Linseneintopf zum Frühstück! ^^ Na, warum nicht. Wahrscheinlich erheblich gesünder als Brötchen & Marmelade.

    Alles hat seine Zeit, Hanseat. Mein Süsses, Dein Rauchen und die Versuche, davon wegzukommen. Das all dies Suchtpotential hat, darüber wenigstens muss man nicht mehr streiten!

    Wie auch & wann auch immer: viel Glück dafür!

    Peter

    Liebe Freunde,

    heute, morgen oder übermorgen - so genau weiß ich das nicht mehr, habe ich im Jahr 2004 aufgehört zu rauchen. Das sind dann 18 tolle Jahre rauchfrei. Neben der Freiheit, mir keine Glimmstengel mehr in den Mund stecken zu müssen, frage ich mich: "Wo verflixt nochmal ist das Geld gebieben, daß ich für die Zigaretten gebraucht habe?" Immerhin habe ich jeden Tag gut 40 Stück verpafft. Es hat sich wohl verflüchtig... einige Jahre noch in Alkohol und ansonsten ist das Geld einfach verschwunden, wie ein scheues Reh :)

    Drei dicke Brocken waren auf meinem langen Weg in ein zufriedenes Leben wichtig, zum Teil lebenswichtig: rauchfrei werden, alkoholfrei werden, das Outing gegenüber meiner Familie. Sowohl als Süchtiger als auch als Schwuler. Letzteres hatte meine Mutter so locker aufgenommen, daß ich mir die Frage stellen musste "Na das wäre ja auch etwas früher möglich gewesen..."
    Die Sache mit den Süchten hat sie aber leider nie verstanden. Das wollte sie vielleicht auch nicht verstehen und machte alles an einem "festen Willen" fest, den schließlich jeder Mensch habe. Ich habe der alten Frau nicht widersprochen. Es hätte mich zuviele Nerven gekostet.

    Heute habe ich neue (dicke) Brocken und diese Brocken sind mein Zucker- und Fettkonsum, vor allem in Form von Schokolade, Eis, Keksen und Kuchen. Davon muss ich dringend weg. Ohne es zu merken, waren das meine Ersatzstoffe in den letzten drei Jahren, die mich fast süchtig machen. Das macht sich bemerkbar, gewichtsmäßig und vom Wohlgefühl, daß mir immer mehr abhanden kommt. Samstag hab ich mir gesagt "Genug ist genug!" und nun habe ich mich innerlich ein wenig vorbereitet, um die Schalter umzulegen. Heute habe ich Eis und Schokolade entsorgt. Das ist ein Anfang. Der Rest folgt dann auch noch. Zucker macht mir mittlerweile richtig Angst. Je mehr ich mich in das Thema einlese, desto gruseliger wirds!

    Peter

    Hallo Hera,

    willkommen hier im Forum und herzlichen Glückwunsch zu zwölf Tagen ohne Alkohol. Ich kann gut nachempfinden, wie es dir gerade geht, denn ich habe auch nach ungefähr so vielen Tagen den Mut gefunden, mich hier anzumelden. Schön, daß du hier bist!

    Fummle dich mal hier rein. Es gibt viele Geschichten und Erfahrungen, die uns weiterhelfen und uns stabilisieren, ein trockenes und nüchternes Leben auf die Reihe zu kriegen :)

    Erzähl doch mal ein wenig mehr von dir.

    VG Peter

    Hallo Rosanna,

    es gibt ja momentan hier Einige, denen es ganz ähnlich geht.

    Mit der Zeit des Abstandes werden auch die kurzen Gedanken weniger. Ganz weg geht das sicher nicht, es geht ja um dein Kind.

    Vielleicht kannst du dich ein wenig mehr um dich selber kümmern, um das Gedankenkarussell zu verlangsamen?

    LG Peter

    Hallo Kolja,

    natürlich schwirrt das ständig im Kopf herum. Es ist ja euer Kind. Wer könnte sowas abstellen?
    Es ist gut zu lesen, daß ihr Unterstützung anbietet, wenn er es zulässt. Ihr schlagt die Tür nicht zu, sondern lasst sie angelehnt.
    Das finde ich großartig.

    Ich wünsche euch eine gute Urlaubszeit!

    LG Peter