Liebe Irene,
ich denke, mein Mann war zu dem Zeitpunkt nicht wirklich trocken. Er hat keinen Alk mehr konsumiert, aber weil ich es ja so wollte und ihn unter Druck gesetzt habe. Das hab ich auch noch lange nach meinem Einzug gespürt und es war für mich ein riesiges Problem. Ich hab nix großartig verkündet, wegen Ende oder so. Mir ging es seelisch total mies ... hab keinen anderen Ausweg gesehen, als weg da. Über die Konsequenzen wie Trennung/Scheidung hab ich nicht nachgedacht, ich wollte nur raus. Er hat das natürlich nicht so hingenommen, wollte unbedingt, dass ich zurück komme. Es hat lange gedauert, bis er eine 4-wöchige Kontaktsperre akzeptiert hat. Da konnte ich dann auch ein bisschen zur Ruhe kommen, weil ich nicht ständig darüber nachdenken musste, was er gesagt hat und kam auch von den Gedanken weg, wie es ihm geht, was er macht .... . Ich musste mein Leben auf die Reihe kriegen. Ich hab mir professionelle Hilfe gesucht, hab viele Ratgeber gelesen und hier im geschlossenen Bereich im Forum geschrieben. Der Anfang war gemacht, aber bis sich in meinem Inneren die Veränderungen einstellten hat das echt lange gedauert. Hab selbst meine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Ich hatte genug mit mir zu tun, da war kein Platz für einen anderen Mann und er war immer noch meine Nr. 1. Dann gab es eine sehr schwere Situation in meiner Herkunftsfamilie und da war er bedingungslos an meiner Seite. Und ich hab ihn in meinem Kämmerlein schon sehr vermisst. Also bin ich dann zurück, weil ich uns die eine Chance geben wollte. Ich kann Dir gern sagen, was mein Hauptproblem war, er war für mich trocken und nicht für sich. Ich fühlte mich schuldig, weil sein Leben jetzt so langweilig und ohne Freunde war. Ich hatte meinen Willen, er trank nicht mehr und doch war es nicht gut. Und dann kam diese magische Erkenntnis - dass es egal ist, ob ich ihm die Welt zu Füßen lege, wenn er unglücklich sein will, dann kann ich das nicht ändern - in meinem Gefühl an. Das war für mich enorm wichtig. Ich bin nicht für ihn und seine Stimmungen verantwortlich. Da konnte ich loslassen und wollte mich endgültig trennen. Da ich ihn ja immer noch liebe, will ich nicht, dass er an meiner Seite unglücklich ist. Das alles ist ja eine Entwicklung von Monaten. Ich hatte meine Hobbies wieder aufleben lassen und ging zum Psychotherapeuten. Er trank weiterhin nicht und hat sich ein Hobby gesucht, bei dem er auch seinen Gedanken freien Lauf lassen konnte. Irgendwann wollte er für sich trocken sein und wir kamen ins Reden, so richtig auf Augenhöhe über uns. Das war so der Neubeginn unserer Beziehung. Mein Fazit, sich selbst und seine Bedürfnisse wichtig nehmen, den anderen nicht verändern wollen, miteinander reden.
Ich gebe sunshine recht, Du weißt nicht, wie sich die Beziehung entwickelt. Ich war eher pragmatisch, die Zeit wird zeigen, ob es funktioniert. Was kommt, kannst Du nicht wissen, aber Du kannst im Hier und Jetzt leben. Das Leben ist so voller Überraschungen und Wendungen, das kannst Du alles nicht planen und einkalkulieren. Aber Du kannst ein Leben führen, dass sich für Dich gut anfühlt und in so einem Leben hat ein nasser Alki kein Platz.
Weißt Du, als ich hier im Forum aufgeschlagen bin, hab ich tagelang nur gelesen und alles aufgesogen. Ich dachte immer: 'so mach ich das auch und dann ist alles gut'. Dann hab ich die Ratgeber verschlungen und ich dachte wieder: 'so mach ich das auch und dann ist alles gut'. Hat beides nicht funktioniert. Trotzdem hab ich durch das Forum und die Bücher viel gelernt, aber umsetzen musste ich auf meine Art und Weise und daraus ist mein Weg entstanden. Ich bin in meiner "alten" Beziehung glücklich, andere in einer "neuen" und wieder andere sind zufriedene Single. Du musst Deinen Weg gehen. Gehen! und nicht auf die Entscheidungen eines nassen Alkis warten.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Geduld.
sonnige Grüße
Lütte