Beiträge von Nys

    Wie soll's jetzt hier weitergehen im Text?

    Der Grund meiner Anmeldung war der Gedankenkreis um XY. Dieser ist jetzt beendet. Die Aufarbeitung und endgültige Verabschiedung habe ich hinter mich gebracht und empfinde das als wirklich große Erleichterung.

    So kann ich jetzt nur noch berichten, was in meinem Alltag geschieht und da komme ich mir jetzt irgendwie ganz komisch bei vor. Na ja - egal mal ....- kann sein, daß es jetzt etwas langweiliger wird hier zu lesen. Dabei fällt mir grad auf, daß im offenen Co-Bereich nur wenige weiterschreiben, wenn das Thema XY durch ist. Wie seht ihr das? Spontan fallen mir nur Aurora und Lindi als regelmäßige Schreiberinnen ein. Die Teilnehmer im Alkoholiker-Bereich schreiben, weil sie ein Leben lang nicht vor Rückfällen gefeit sind. Alte Co Muster sind weit weniger auffällig, wenn man in sie zurückfällt, sie weiterlebt und dabei nicht gerade erneut XY oder einem anderen Suchtkranken in die Arme rennt. Wie aber gerade auch das Thema "Kann man zur Co erzogen werden" zeigt - gibt es Familienstrukturen in denen Co Verhalten auch ohne direkten Suchtbezug gelebt und weitergegeben wird. Im Gegensatz zur Alkoholsucht, meine ich, daß Co-Verhalten abgelegt und geheilt werden kann. Da ich mich als Suchtpersönlichkeit einstufe, kann ich eine Suchtverlagerung nicht ausschließen. Es ist also auch an mir, mein weiteres Leben regelmäßig kritisch unter die Lupe zu nehmen - ohne daß mir dabei die positive Leichtigkeit des Seins nicht abhanden kommt. Denn gerade dazu habe ich jetzt Freiraum und Luft. Endlich! (Vielleicht schaff ich es ja auch noch mit dem Rauchen wieder aufzuhören, da bin ich im Moment aber noch recht großzügig mit mir).

    Also Überleitung hingekriegt..... dann fang ich mal an:

    Tagesbilanz

    Bis 13.30 Uhr hatte ich ständig das Gefühl, es sei bereits der gesamte Nachmittag vorbei - :roll: so dunkel wars draußen. (Regen, Regen, Regen)
    Als ich dann endlich aus dem Haus kam, hab ich mich gleich nochmal vertan und stand vor der verschlossenen Bank und der verschlossenen Post - die ebenfalls erst wieder um 14 Uhr öffnet :P Meinen Lieblings-Kuli habe ich dann gleich als nächstes irgendwo liegen lassen und für die Gesamtstrecke von ca. 40 km Autofahrt habe ich dank Ampeln hin und zurück ca. 1.30 Std. Arbeitszeit auf der Straße gelassen. - Nu ja.
    Bin gut gelaunt und vor allem gut mit Sauerstoff versorgt (ich liebe Regenluft) wieder zuhause aufgeschlagen. Mit Männe die mitgebrachten Mohn-Schleifen verzehrt und jetzt wieder fit, noch die nächsten Stunden
    im Büro dranzuhängen. Jetzt mach ich mir nochmal ne Tasse Tee und dann gehts weiter.

    Hi Lindi

    - ja Mensch, das mit der Equitana wär ne Idee! -
    aber auch so müßt sich doch nach Deiner Rückkehr mal was einfädeln lassen. mmh? Das wär echt super.

    und ja- ich bleib im Forum. Im Geschlossenen werd ich noch bissl schreiben wie es zuhause jetzt weiter geht und was ich da so fabriziere. Und hier im Offenen gibts doch immer wieder was zu lesen, mitzudiskutieren und natürlich die Kontakte, wegen denen ich auf keinen Fall gehen will: Lindi z.B.

    für meinen Thread fällt mir dann hoffentlich auch noch was ein, was www - und forums-tauglich ist.
    Also Du siehst, so schnell werdet ihr mich hier nicht los. :wink:

    und ja- I'm happy- (so was von...)übrigens haben die auf der schwäbischen Alb meinem Araber einen Namen gegeben, der auf schwäbisch wie "Kamel" klingt - also mit Deinem Esel paßt das wunderbar zusammen. (Am Ende treffen wir uns noch in Betlehem :lol:) Nein im Ernst. Ich weiß nicht, ob sich über die Foren-Leitung da was machen läßt oder wie das Correns und Garcia gemacht haben. Ein Flughafen wär schon mal in Reichweite.

    Liebe Grüße
    Nys

    Ich mag Zahlenspiele

    Beim Eintrag in meinem Jahreskalender mußte ich jetzt schmunzeln. (Ich hab mir den 23.05. markiert) um es nächstes Jahr noch zu wissen.

    Jetzt ist mir was aufgefallen.
    (5 ist meine Lieblingszahl)

    23.05. = 5+5= 10 = Quersumme 1 (=ich, ohne Co.)
    23.05.13 = 5+5+4 = 14 = Quersumme 5

    freu !

    Hi Lindi

    ich glaub ich hab's geschafft! Hey Mädel: GIVE ME FIVE!
    s war noch nie so friedlich in mir. Die ganzen letzten 1,5 Jahre nicht. Ich mag's hier im ganz offenen www nicht so schreiben. Es gab ein letztes Gespräch, in dem ich keine Fragen gestellt hab. Nur gesagt, daß es für mich jetzt alles ok ist. Hab damit auch klar gestellt, daß es kein "vielleicht irgendwann mal" mehr geben wird.
    Das hat sich in dem Moment richtig angefühlt und fühlt sich immer noch richtig an. Auch wenn es nicht so leicht war - (er dacht immer, wir sehen uns irgendwann mal wieder...) Aber genau deshalb war's wichtig, daß er weiß, daß ich weg bin. Ganz weg.
    Hat mir schon weh getan. Aber 's war Frieden in mir. Die ganze Zeit. Und s' ist immer noch Frieden.Bin so froh darüber. Ich komm hierher Dir das zu erzählen -weil wir so viel Schönes miteinander geschrieben haben und ich es sehr schade find, daß ich Dir nie eine PN schicken kann. (so n Mist aber auch!) Hätt Dir gern damals auch das erzählt, was im Geschlossenen war (wär aber nich so korrekt gewesen). Aber das ist jetzt sowieso Schnee von gestern. Ich hab jetzt ein paar Tage gewartet, bis ich Dir das schreib. Wollte erst mal auf Nummer sicher gehen, ob sich mein innerer Friede nicht wieder verflüchtigt. Aber nein, es scheint ihm hier zu gefallen :wink:

    Wärst Du hier, - ich würd mit Dir beim Stall ein 2 Mädel-Grill-Fest machen.
    Bis bald. Nys

    Hallo cookie

    Zitat

    Nun engagiere ich mich etwas mehr für den alkoholabhängigen Menschen, den ich auch sehr mag.


    .... das "auch sehr mag"

    ist mir ins Auge gesprungen. Das ist bei mir z.B. ein Knopf an dem die CoAbhängigkeit anfangen kann. Engagieren ohne das Herz mit reinzustecken
    ist gut kontrollierbar und kann jederzeit beendet werden. Aber wenn ich jemanden mag. .... dann wird es schwierig. Bin dann leicht zu manipulieren, weil das geht ja fast nicht... jemand mögen und dann immer wieder mich abgrenzen gegen dieses Anspruchsdenken, das die meisten Süchtigen sofort aktivieren, wenn sie merken, da läßt sich jemand drauf ein.

    Weißt Du wie ich das meine? Jemand mögen der süchtig ist und dann helfen wollen ist oft nur ein Tanz ums "goldene Kalb" das sich jeder der beiden Beteiligten anders vorstellt. Da bist Du schnell drin und schwer wieder raus. Wo willst Du die Grenze setzen? Wenn Du einmal signalisierst: Ich bin für Dich da...?

    Überleg Dir's gut

    LG Nys

    Hallo Forum

    es war ein langer und kurven-reicher Weg an diesen Punkt:

    Loszulassen, hinter sich zu lassen und Verantwortung abzugeben, die ich mir (nur selber) nicht zugestehehn wollte abzugeben. Ich hab das nicht nur für mich im stillen Kämmerlein gemacht sondern eine klare Aussage. Auch wenn ich damit Erwartungen enttäuscht habe, so habe ich hier gelernt, daß ich ein Recht auf mein Glück habe und nicht verpflichtet bin unglücklich zu sein, nur weil es ein anderer ist. Das klingt so egoistisch. Ist aber dann nichts anderes als ein Lebenswille, wenn es nur noch darum geht, einen anderen glücklich zu machen, der selbst nicht für sein Glück sorgen will. Ein Schritt in eine selbsterkämpfte Freiheit, die mich diesen neuen Teil meines Lebens unbeschwert antreten läßt. Es hat seine Zeit gebraucht und wäre zu einem früheren Zeitpunkt eine glatte Lüge gewesen. Jetzt ist es stimmig. Wie Tocco54 mir mal schrieb: Herz und Verstand sind in Einklang gekommen.

    Es war dazu nicht nötig den, den ich so ganz zurücklies schlecht zu machen oder ihn "nur" als einen suchtkranken Menschen zu sehen. Ich wollte die innerliche Trennung von dem ganzen Menschen, den ich sehr geliebt habe. Mit allen Seiten. Dazu war für mich persönlich wichtig, meinen Frieden zu machen, mit allem was mich verletzt hatte. Meinen Wunsch Liebe wieder neu möglich zu machen - mußte ich gegen alle Gewissensbisse wahrnehmen und ihm Bedeutung geben. Daß es um mich geht. Denn was sind alle meine Gefühle, wenn es mich nur am Boden hält und mir den Raum zum Leben nimmt?

    Ich muß jetzt auch nix mehr wegreden. Weil ich alles was in mir noch so lebendig war, habe leben lassen. Ich lernte es zulassen ohne Selbstvorwürfe und Vernunftsappelle. Nur so lies es sich "bearbeiten" und umwandeln in etwas, das mich nicht zerstört und das auch nicht zerstört werden muß. Ich habe diesen Gefühlen einen anderen Platz zuweisen können. Die Zeit war mit Sicherheit ein wichtiger Helfer. Aber auch viele Helfer hier, die mir Vorbild waren oder mich einfach nur getröstet und verstanden haben.

    Ob ich nun co war? Vielleicht eher beziehungsabhängig? Vielleicht einfach nur mit einer sehr tiefen Liebe an einen Alkoholiker gefesselt? Wer weiß das schon. In der Beziehung habe ich mich oft co verhalten, in dem ich alles auf ihn ausgerichtet habe. Ein sich nicht Lösen können und ein ungestilltes Bedürfnis aus meiner Kindheit, eine Unsicherheit darin, gut für mich selbst zu sorgen. Das sind schon Dinge, die solch ein Verhalten ausmachten. Deshalb war es auch notwendig mich "von Vater und Mutter zu trennen" (nicht im Äußerlichen) sondern innerlich von den Verletzungen und von falsch belegten "Eltern-Kind-Beziehungen" Abstand zu nehmen. Daraus wurde das, was ich jetzt fühle: Mehr Kraft für mich selbst sorgen zu können. Mehr Mut loszulassen, wo es für mich notwendig ist und mehr Liebe zu mir selbst, um der Liebe Raum zu geben, die nicht zerfrißt und nicht zerstört, sondern die das Leben schöner macht.

    LG Nys

    Hi Andreas!

    danke für

    Zitat

    das ist bisher Dein schönstes Gedicht..

    und fürs mitfühlen. Bin schon gespannt, ob wir hier auch mal von Dir was lesen :?:

    XY Loslassen. Ja dazu hatte ich jetzt endlich den Mut. ...
    und es ist doch viel schrecklicher gewesen, als ich es mir vorgestellt hatte.
    Im Nachhinein eigentlich viel schlimmer als in der Situation selbst.


    Ich fühle mich meinen Gefühlen verpflichtet. Aber ich habe mich von dieser Verpflichtung losgemacht und dabei einen Angeketteten zurückgelassen, der ein Mensch ist, der bei seinen Gefühlen bleibt. Immer bleibt. Dort und bei dem, was er fühlt. Der leiden kann, und nie geht. Der aber nicht damit gerechnet hat, daß ich gehe, nicht damit, daß ich wirklich ganz loslasse. Wie es mir dabei geht, steht in dem Gedicht.


    LG Nys

    PS: (für alle Mitleser) wie und warum werde ich hier nicht schreiben. Mag es auch nicht diskutieren. Loslassen war dran, - und das habe ich getan.
    Nicht um zu verletzen, sondern um ein glückliches Leben hier zuhause überhaupt möglich zu machen.

    Hallo Roseanne

    Zitat

    Ich glaub ich ticke nicht mehr richtig und fange an mich für meine Unfähigkeit zu hassen.

    Dieser Satz von Dir hat mich berührt und aus Deinen Beiträgen lese ich schlicht und einfach Verzweiflung. Die größte Verzweiflung darüber, daß Du weißt, daß es so nicht weitergehen kann, aber kein Mut und keine Kraft da ist, entscheidende Schritte zu tun.

    Vielleicht könnte es Dir helfen, die Reihenfolge zu sortieren. Nicht beim Hausverkauf anzufangen, sondern dabei: den Zustand der Kraftlosigkeit aufzugeben. Und zwar nicht so, daß Du Dich für die Kraflosigkeit und Mutlosigkeit hasst. Das geht in die absolut falsche Richtung.

    Du kannst Dich nur dort abholen, wo Du gerade bist und das ist emotional momentan eben ganz weit unten. Damit Du dort nicht verharrst, haben Dir viele hier recht harte ehrliche Worte geschrieben. Das kann weh tun und zum Teil noch mehr entmutigen. Weil die Selbstvorwürfe dadurch noch schlimmer werden.

    So wäre der erste Schritt Dich mal lieb zu haben. Nicht im Sinne von Selbstmitleid sondern Selbst-Annahme. Dann findest Du vielleicht auch wieder Zugang zu Deiner Kraft, die Du ja in Deinem Leben schon bewiesen hast. Auf sich selbst schauen und erst mal fühlen, "wo bin ich"
    "was macht mich aus" - auch mal den ganzen Schmerz spüren, der bei allen Plänen für den Ausstieg gern verdrängt wird und in aller Wucht und ohne Vorwarnung über Dich hereinbricht. Einfach mal das sein, was Du bist: Verletzt und ängstlich. Und dann noch mal hinschauen: Was könnte Dir jetzt Mut machen? Dich so lieb haben, daß Du Dir helfen willst zu heilen und wieder in Deine Kraft zurückfindest. Dafür können Dir Außenstehende keinen Rat geben. Aber es wäre sicher hilfreich mit professioneller Unterstützung wieder Fuß zu fassen und erst mal Dich selbst aufzubauen, bevor Du Schritte unternimmst, die für Dich gefühlt eine Nummer zu groß sind. Diese Nummern werden kleiner und leichter, wenn Du wieder sehen kannst, daß man mit 49 noch viel Leben vor sich hat und auch viel Kraft. Den Zugang zu dieser eigenen Kraft mußt Du entweder allein oder mit Hilfe wieder finden. Manches geht auf einmal schnell, wenn man sich "vorstellt" genügend Zeit zu haben, um zu heilen.
    Du siehst ja schon hin, verdrängst Dein Problem nicht - aber Du verlangst von Dir da durchzustarten ohne Dich selbst vorher abgeholt zu haben. (Ist bissl schwierig, ich hoff ich kann mich verständlich ausdrücken). Komm aus Deiner Schwäche in die Kraft. Nicht Dich dafür verurteilen, sondern sagen: Da bin ich, so bin ich, so darf ich sein, - aber ich will wo anders hin und dafür sammle ich jetzt die Kraft und dann die Lösung. Sei liebevoll zu Dir, so wie Du es zu einem verängstigten Kind wärst, dann kommt auch der Mut zurück. Ich wünsche Dir alles Gute!

    LG Nys

    Hallo Flyer

    ich schreib Dir einfach mal ein Willkommen hier im Forum!

    Ich selbst bin kein EKA, aber vielleicht kannst Du zur besseren Verständlichkeit noch ausführen, was Du Dir wünscht.

    Möchtest Du einfach erst mal hier ankommen und Dich in Ruhe sortieren?

    Dann laß Dir alle Zeit, die Du brauchst.

    Falls Du ein Feedback auf Deinen Beitrag wünscht - wären das die Fragen, die sich mir beim Lesen so aufgetan haben:

    Geht es darum, emotional den notwendigen Abstand zu finden?
    und wenn ja, welche Emotionen ziehen Dich in dieser Angelegenheit
    am meisten runter? .... also welche Emotionen entfernen Dich so weit von Dir selbst, daß Du Dich nicht mehr wohl fühlst? Ist es das Verantwortungsgefühl, das Du mit Dir rumschleppst, oder mehr die Wut auf die Mutter. Wenn Wut, dann: Was macht Dich genau wütend?

    Bei einer notwendigen Betreuung kommst Du als naher Angehöriger evtl. in Frage. Ist das für Dich überhaupt vorstellbar? Und wenn ja, was würde das für Dich und Dein Leben bedeuten? Wenn nein: Wie geht es Dir damit, sie einem Betreuer zu überlassen? Bzw. eine Betreuung in die Wege zu leiten? Habt ihr darüber in irgendeiner Form überhaupt schon gesprochen?

    Also wie gesagt - das sind nur so meine Gedanken gewesen. Du mußt da nicht sofort drauf eingehen. Und es werden sicher noch weitere Rückmeldungen hier aus dem Forum kommen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall schon mal alles Gute und einen Austausch, der Dir weiterhilft.

    LG Nys

    Hi Lindi

    danke für den Einblick. Du hörst Dich gut an. Ich bin inzwischen ziemlich müde und überlege ins Bett zu gehen. Grmml .... so n paar Dinge sind hier noch kreuz und quer gestapelt. So fang ich eigentlich morgens nicht gerne an. Aber zu wenig Schlaf ist echt nicht gut für mich, das habe ich schon festgestellt. Also dann wohl doch "ab ins Körbchen" :)

    LG Nys

    Hallo Sternenhimmel

    danke daß Du mir Gelegenheit gibst manche Dinge klarzustellen, die evtl. falsch rüber kamen.

    Also es ist da wohl einiges von mir so ausgedrückt worden, daß ein komplett falsches Bild (zumindest bei Dir entstanden ist).

    Anfeindungen in meinem Beruf sind zwar an der Tagesordnung, richten sich aber meist nicht persönlich gegen mich. Es sind ab und zu hammerharte Diskussionen, da geht es aber darum was nun gerecht ist und was ungerecht. Darauf habe ich leider tatsächlich null Einfluß und tue nur meinen Job.

    Mit den meisten finde ich eine sehr gute Ebene auf der geklärt werden kann, wie weiter verfahren wird.

    Eigentlich wollte ich hier nicht viel über meinen Beruf schreiben. Weil es eben Menschen betrifft, wegen denen ich nicht hier bin. Und Du kannst mir glauben, ich würde keinen von denen (von mir aus) auf ihr Privatleben ansprechen. So etwas entwickelt sich daraus, daß ich eben versuche diesen Job so menschenwürdig wie möglich zu machen. Ob das jetzt bei einem Arzt, Rechtsanwalt, Firmeninhaber, HartzIV Empfänger oder sonst wo ist. Es sind alles Menschen mit ihren eigenen Problemen und oft bricht gerade in solchen Extremsituationen, wenn es um die Existenz, um den Job, um die Wohnung, um die Kinder oder die häusliche Gewalt geht- alles heraus, was mich null und garnix angeht. Was ich aber nicht wegbügle. Sondern weil ich eben nicht nur meinen Job mache und weil mir nicht alles am A... vorbeigeht, höre ich zu. Und weil die Menschen sehen, daß ich daran anteil nehme - und weil ich sie meist über viele Jahre regelmäßig kontaktiere, werde ich oft mit ihrer ganzen Verzweiflung konfrontiert und es wird gefragt: Frau.... sagen sie mir was ich tun soll?... Ich kann da nicht helfen. Und wenn darunter Menschen sind die alkoholkrank sind, dann bemerken sie oft selbst nicht wie gut man ihnen (alle anderen auch, nicht nur ich) ihren Alkoholkonsum ansieht und das auch riecht. Dann tue ich eben nicht so als wäre das ganze Problem die böse Welt. Sondern dann bin ich offensichtlich oft die erste, die so ehrlich ist und ausspricht, daß "man es merkt". Das sind dann Fälle in denen es jeder, absolut jeder merkt. Nur spricht das ja niemand an.
    Das war auch das einzige was ich zu dem Thema "Helfen" beitragen wollte. Du kannst mir glauben, daß ich sehr behutsam damit umgehe, wem ich was sage. Und wenn so etwas geschieht, dann ist bereits ein sehr offenes Gespräch vorausgegangen. Soll ich dann das Thema Alkohol komplett aussparen, wenn das oft die Ursache für den weiteren Werdegang ist? Mit den daraus folgenden Konsequenzen bin ich oft wieder involviert. Glaub mir, wenn ich da nicht eine gewisse Gleichgültigkeit nach getaner Arbeit aufbringen würde, wäre ich längst in der Klappse. Das meinte ich damit, als ich sagte: Ich sprech das einmal an und was dann draus wird ist mir egal. Ich bin kein Seelsorger und auch nicht verantwortlich für diese Menschen. Aber ich bin ehrlich, wenn sie mich um meine Meinung zu ihrer Situation fragen. Das hat nichts mit Machtspielchen oder so zu tun. Oh meine Güte. Wenn ich das bräuchte, dann hätte ich dazu Möglichkeiten ganz anderer Art. Ich glaube da hast Du einfach was reininterpretiert. Die Menschen die mit mir zu tun haben bedanken sich oft gerade dafür, daß ich so fair bin wie man in meinem Job nur fair sein kann - ohne seine Auftraggeber zu verraten.- Ich habe ihre Achtung und ihren Respekt und gleichzeitig ihr Vertrauen. Wäre ich so wie Du mich darstellst - sähe das anders aus. Oder was glaubst Du warum ich (im Thread Helfen) das mit den Kindern geschrieben habe? Wenn Dich jemand dazu um Hilfe bittet, dann bist Du wohl nicht so aufgetreten, daß der sich beschämt oder gar mit Machtspielchen mißbraucht gefühlt hat. Und so was ist kein Einzelfall. Wenn Du glaubst daß ich damit die Welt retten will, dann gerne. Es ist Zeit die ich investiere ins zuhören, dort wo es nicht zu meinem Job gehört. Wenn die Welt dadurch nicht besser wird ist es mir egal. Ich werd trotzdem weiter zuhören, ehrlich sein, konsequent sein und es jedem einzelnen überlassen was er draus macht. Das war alles was ich damit sagen wollte.

    Nys

    Hallo Lindi

    Habe bislang bei Dir nichts mehr gepostet, weil ich den Eindruck hatte, daß Du gerade sehr mit Deinem Leben beschäftigt bist und nicht unbedingt so viel darüber austauschen möchtest. Wie Du vllt. bei mir gelesen hast, bin ich ganz gut wieder rausgekrabbelt aus meinem Loch in das es mich mal kurz und heftig runtergezogen hat.

    Tatsächlich dachte ich eine Weile, daß ich da immer tiefer falle und daß die Zeit nicht die Wunden heilt, sondern
    die "Magie" noch verstärkt. Mittlerweile ist so was wie Vergangenheitsbewältigung passiert, - bei der ich neu entdeckt habe, wie vielfältig meine Lebensstile und Bedürfnisse in den verschiedenen Lebensphasen schon waren. Alles in allem macht mich aus und XY hat nur einen bestimmten Anteil davon abgedeckt. Seit dem ich da durch bin hat der Gedanke an die Beziehung mit ihm nicht mehr die schwere Gewichtung wie vorher. Irgendwie konnte ich es auf einmal nicht nur erklären sondern tatsächlich einsortieren. Es fühlt sich irgendwie verheilt an.

    .... und es ist schön, daß Du wieder Beiträge schreibst!

    LG Nys

    Hallo Forum

    will auch mal wieder im Offenen schreiben. Pfingsten war schön, bis auf einen etwas anstrengenden Besuch bei meiner Mutter. Für alles war Zeit und leider ist morgen schon wieder der Alltag zurück. Mit meiner letzten Vergangenheitsbewältigung (die ich irgendwie nicht so richtig im offenen beschreiben kann) habe ich einen großen Schritt geschafft - der mich absolut positiv in die Zukunft schauen läßt. So werde ich es morgen nur schaffen müssen, früh genug aus den Federn zu kommen, um alles zu erledigen, was ich mir vorgenommen habe. Jetzt freu ich mich auf den "Rest-Abend" mit meinem Mann und wünsche allen einen guten Start in die Woche.

    LG Nys

    Hallo Sternenhimmel


    die Menschen durchlaufen keine Station bei mir.
    Ich muß ihnen beruflich unschöne Dinge antun und dabei betreffe ich ihr Privatleben. Sie schätzen mich als ehrlich und offen. Weil ich in ihnen Menschen sehe und keine Nummer. Wenn Du ein Problem mit mir hast. Lassen wirs dabei.

    Nys

    Hallo Hartmut

    danke, Dir auch schöne Pfingsten! Und in sofern kann ich beruhigen: Meine Gedanken drehen sich um mich und mein Leben! Auch in Zukunft werde ich mit Alkoholikern regelmäßig zu tun haben. Das liegt an meinem Beruf, der
    kein Hilfsberuf ist und der deshalb auch nichts mit Co Abhängigkeit zu tun hat. Ich denke auch nicht über die Einzelschicksale nach: Eben gerade weil ich die Sucht beim Namen nenne. Sollte ich aus diesem Thread die Erkenntnis ziehen daß das nichts bringt? - Ja die Erkenntnis hatte ich bereits vorher -
    Aber ich muß in einem Gespräch halt Position beziehen. Und welche andere Postion sollte ich da einnehmen? "Ja alle sind böse und Sie sind der Ärmste" das wäre dann die bequemste Art, es wäre aber nicht meine Meinung.
    "Sie haben ein Alkoholproblem" ist etwas schwieriger auszusprechen. Dadurch helfe ich niemand, bleibe aber authentisch. Und der Rest interessiert mich dann auch nicht wirklich. Also kein Gedankenkreisel. Und was die Gesellschaft angeht: Es darf so bleiben wie es ist.

    LG Nys (die sich derzeit seeehr mit sich selbst beschäftigt hat und ihren XY getrost seinem Schicksal überlassen kann).

    Hallo Andreas

    schön vor Pfingsten noch was von Dir zu hören!
    Ich fahr bald raus zu den Pferden, die heute zum ersten Mal auf die Koppel dürfen. Die freuen sich da drauf, wie Du auf die freien Tage!

    Ich wünsch Dir viel Freude und Erholung!

    LG Nys

    Ok

    gebe mich geschlagen.

    Trotzdem geht es mir besser, wenn ich jahrelang mit diesen Menschen zu tun habe und bereits zu Beginn dieser unschönen Karriere Tacheles geredet hab.

    Danach sprech ich das Thema auch nicht wieder an.
    Aber die Leute wissen dann auch, daß die Leier:"Keiner hilft mir..." bei mir nicht zieht.

    Ich werde dann halt um Rat gefragt, wenn es darum geht den Kindern zu sagen, daß man nicht mehr lange zu leben hat. :(

    LG Nys

    Hallo Hartmut

    ich verstehe was Du meinst. Solange sich der Co Hilfe von der Gesellschaft wünscht, sieht er die Verantwortung nicht beim Süchtigen selbst. Das kann ich nur unterschreiben.

    Aber meinst Du nicht, daß es für einen Alkoholiker Hilfe zur Selbsthilfe wäre, wenn die Gesellschaft nicht immer weggucken würde - so lange bis er auffällig ist. Wäre nicht manchem geholfen, wenn er (zB als Auszubildender) klipp und klar gesagt bekäme, daß er in der Firma nicht übernommen wird, weil er zu oft mit Restalkohol daher kommt? Oder wenn man einem alleinerziehenden Vater sagt, daß er seine Kinder niemals gut versorgen kann, wenn er den Trennungsschmerz weiterhin im Alkohol ertränkt?

    Ich meinte mit meinem Wunsch, daß die Konfrontation von außen bereits dort beginnen könnte, wo der Süchtige noch glaubt unerkannt trinken zu können. Eben genau damit er sich bereits früher Gedanken über seine Abhängigkeit macht. Damit bleibt die Verantwortung, was er letztenendes draus macht trotzdem bei ihm.

    LG Nys

    Hallo zusammen

    das mit der Hilfe habt ihr ja schon ausführlich dargestellt. In meinem Beruf habe ich oft mit alkoholkranken Menschen zu tun, deren Gesundheit und Privatleben mich eigentlich nichts angehen. Ich bin dann mit etwas Überwindung aber immer direkt und spreche sie darauf an, daß sie offensichtlich ein Alkoholproblem haben und daß nichts besser wird, wenn sie sich nicht schnellstmöglich darum kümmern. Oft sind diese Menschen geschockt, daß man ihnen ihr Problem so eindeutig anmerkt.

    Ich würde mir eine Gesellschaft wünschen in der mehr Leute in aller Freundlichkeit die Betroffenen ansprechen, bevor alles zu spät ist. Das ist zwar keine Hilfe - aber es wurde mir bisher von allen hoch angerechnet und selbst wenn dadurch noch keiner trocken geworden ist, so habe ich mich doch nicht des Vertuschens und Wegsehens und wegprojezierens schuldig gemacht.

    LG Nys

    Hi Tocco!

    Toll, daß Du mich begleitest. Das mit dem Jahr! das ist eine ganz ganz eigene Zeitspanne! Ich kenne es von den Pferden. Wenn Du sie in einen anderen Stall stellst, dann fühlen sie sich dort erst nach einem Jahr wohl. Wenn Du ein Pferd kaufst, ist es erst nach einem Jahr mit dir vertraut.
    Ich habe bei den Pferden eine plausible Erklärung: Erst wenn sie an einem Ort alle Jahreszeiten überlebt haben, wissen sie, daß keine der Jahreszeiten an diesem Ort lebensbedrohlich werden. Auch bei den Mitgliedern einer Herde oder eines Vogel-Schwarms wird ein neues Mitglied erst nach einem Jahr voll akzeptiert und aufgenommen. Es hat bewiesen, das gesamte Jahr über gesund zu bleiben. Das Trauer Jahr beim Menschen ist sicher auch kein zufällig gewählter Zeitraum. Ich bin zuversichtlich und gebe mir trotzdem Zeit. Auch über das Jahr hinaus wird es Momente mit "Flash-Back" geben.
    Aber ich habe schon viel weniger Angst davor.

    Liebe Grüße
    Nys