Beiträge von delilah

    Liebe Aurora,

    danke.

    Ich habe mich etwas gefangen, der Absturz war zwar intensiv, aber kürzer als die letzten Male.

    Ich frage mich auch, warum ich mich mit mir selbst allein oft so unvollständig, so fehlerhaft und falsch anfühle. In diesen Krisen bin ich irgendwie kein ganzer Mensch. Ich fühle mich völlig hilflos und in Panik, wie jemand, der gerade in eine Schlucht stürzt und sich irgendwo

    Jetzt geht es schon wieder besser. Mein Psychologe, zu dem ich ab und zu gehe, wenns ganz schlimm wird, sagt mir, ich solle freundlicher zu mir sein und besser mit mir umgehen.

    Hallo rainbow,

    ich kann mir vorstellen, wie zerrissen du dich fühlst zwischen deinen Verlustängsten wegen der anderen Frau und zwischen dem Bewusstsein, dass du dringend etwas nur für DICH tun solltest.

    Diese zerstörerischen Verlustängste kenne ich nur zu gut, sie sind ein Zeichen dafür, dass es sich nicht um eine "normale" Beziehung handelt, sondern um eine Suchtbeziehung. Dein Partner ist sozusagen dein Suchtmittel und alles kreist darum, ob du ihn haben kannst oder nicht.

    Für ihn kreist wiederum alles um sein Suchtmittel, den Alk.

    Auch ich bin einfach ausgetauscht worden, im Mittelpunkt für meinen Ex stehe nicht ich und auch nicht seine jetzige Freundin, sondern seine Sucht.

    So weh es auch tut, ich bin dieser neuen Frau auf diffuse Weise dankbar, dass sie ihn genommen hat; denn so habe ich nach 20 Jahren die Gelegenheit, dieser krankmachenden Beziehung, die meine ganze Kraft geraubt hat, zu entkommen.

    Dadurch, dass er sie hat, kommt er nicht zu mir zurück, für sie ist er jetzt der Held, er fühlt sich toll und das ist mein großes Glück. Hört sich verrückt an, ist aber so.

    Diese Chance steht jetzt im Moment vor dir. Auch für mich hat mein Ex alles bedeutet, ich habe ihn geliebt fast bis zur Selbstaufgabe.

    Sei schlauer als ich und nutze deine Möglichkeiten früh genug!

    Liebe Grüße
    Delilah

    Hallo Mandarine,

    ich gehöre zu den Co-Abhängigen, die dieses Spiel fast 20 jahre lang mitgemacht haben.

    Die Schuldzuweisungen sind typisch und eine reine Abwehrreaktion gegen die Wahrheit. Seine Sucht konnte und wollte sich mein Exmann nie eingestehen, er hat alles auf mich projiziert. Ich war der Sündenbock, der ihm nicht die kleinste Freude gönnt und ihm sein Leben vermiest.

    Überlege dir gut, was noch auf dich zukommt; denn es wird nicht besser, sondern immer schlimmer. Ich war soweit, dass ich mich wirklich habe kleinmachen lassen und dachte, ich kann ohne ihn nicht leben und wie dankbar ich sein muss, dass er trotz allem bei mir bleibt.

    In meinem letzten Beitrag kannst du sehen, dass ich selbst noch fast 1 Jahr nach der Trennung Rückfälle habe. Ich habe einfach zu lange gewartet und gelitten.

    Ich hoffe, du hast frühzeitig die Kraft, dich aus diesem Hamsterkäfig zu befreien!.

    Alles Gute dir!

    delilah

    Pfingsten, es ist zum Heulen.

    Heute ist der 1. Pfingsten und es ist ein wirklich schlimmer Tag. Das Gefühl der Einsamkeit, der Entwurzelung und des Heimwehs sind heute sehr stark.

    Ich war zwar zum Kaffee bei Verwandten eingeladen, aber das hat nur geholfen, solange ich dort war.

    Sobald ich nach Hause kam, war mit einem Schlag das ganze Elend wieder da. Die Vorstellung, wie mein Exmann im Garten sitzt, stand bildlich vor mir und ich habe die Rollos Richtung Garten heute erst gar nicht aufgemacht, damit ich dort nicht hinsehen muss.

    Ich fühle mich fremd und unwohl im eigenen Haus und will eigentlich nur weg.

    Jetzt ist er bestimmt bei seiner Freundin und die beiden genießen den Nachmittag.

    Das Wetter ist traumhaft und umso elender fühle ich mich. In mir ist November und das passt so gar nicht. Ich könnte mich in den Garten setzen, aber das wäre jetzt das schlimmste.

    Ich spinne jetzt weiter, so wie es in der letzten Zeit unserer Ehe war: Ich komme nach Hause, mein Ex sitzt im Garten, hat schon die erste oder zweite Flasche Bier vor sich stehen.

    Wie meist habe ich meinen Sonntag mit meiner Tante und ihrem Mann verbracht, mein Ex wollte nicht mitkommen, ist zuhause geblieben, weil er seine Ruhe haben wollte und nicht gerne läuft, ich aber schon. Ich brauche halt Bewegung. Er hat den ganzen Tag in seinem Gartenstuhl mit seinem Laptop verbracht, zwischendurch gegessen und ein Nickerchen gemacht.

    Wir begrüßen uns und erstmal ist alles gut. Ich hole mir ein Glas Wein, setze mich zu ihm, wir unterhalten uns. Nach 3 Flaschen Bier kippt dann die Stimmung, er will diskutieren über Politik, ich bin nicht so interessiert, versuche abzulenken und er wird aggressiv. Ich habe dann 2 Möglichkeiten, entweder ins Haus gehen oder mich auf einen Streit einlassen. Meistens gehe ich ins Haus und bleibe auch dort, jeder verbringt den Abend dann für sich.

    Jetzt die Zweifel: Hätte ich es nicht hinbringen können, dass es anders läuft? Hätte ich mir mehr Mühe geben sollen, frühzeitig etwas zum Grillen besorgen oder ihm etwas zu Essen hinstellen, damit er den Alkohol besser verträgt? Aber er wog ja schon 120 Kilo.

    Hat er am Ende soviel getrunken, weil er so unglücklich war? Bin ich das alles selber schuld?
    War am Ende tatsächlich ich diejenige, die, wie er immer behauptet hat, ihm das ganze Leben verderben und ihm alles verbieten will?

    Im Grunde genommen weiß ich, dass es nicht so ist, aber in diesen Zuständen wie heute sehne ich ihn so sehr herbei und denke, dieses grausame Einsamkeitsgefühl ist die Strafe dafür, dass ich mich von ihm getrennt habe.

    Es war jemand DA, ich war nicht ALLEINE, ich hatte einen MANN und zwar einen EHEMANN, wie es sein sollte. Selbst wenn er mich nicht respektiert und manchmal sogar beschimpft hat,
    heute würde ich mich sogar beschimpfen lassen und einfach nur froh sein, dass ich nicht alleine bin.

    Im Grunde war es ja 20 Jahre lang so, mal schlimmer oder besser, aber wir hatten auch schöne, ruhige Zeiten. Es war nicht alles schlecht.


    Heute ist die Angst ganz groß, dass ich niemals mit meiner Entscheidung, ihn zu verlassen, fertig werden werde und dass das ein Fehler war, den ich für immer bereuen muss.

    Liebe flower 40,

    ich finde es bewundernswert, dass du deine Wochenenden allein verbringen kannst. Bei mir ist es immer ein gutes Stück Planungsarbeit, damit ich täglich Verabredungen, Verpflichtungen und halt Termine habe, in der Woche habe ich ja meine Arbeit und bin oft abends froh, allein zu sein, aber am Wochenende gehts mir meistens richtig schlecht. Jetzt steht Pfingsten vor der Tür und ich bin erkältet, so dass ich nicht viel unternehmen kann. Ich habe jetzt schon Angst vorm WE.

    Früher habe ich auch so gerne Haushalt gemacht am Wochenende, rumgekramt, bei lauter Musik geputzt ;) und ähnliches. Seit ich alleine bin, macht mir das keinen Spaß mehr. Ich komme einfach nicht richtig zur Ruhe.

    Das Gute momentan ist: Mein Exmann wird von Tag zu Tag mehr zu einem Fremden für mich. Die ganz schlimme Sehnsucht ist wohl vorbei, obwohl mich so manches Mal die Einsamkeit quält.

    Aber er selbst wird immer bedeutungsloser für mich, das Bedürfnis, ihn bei mir zu haben und mit ihm zu reden, ist einfach weg seit der Kontaktsperre.

    Zumindest ein Fortschritt, aber gut gehts mir noch lange nicht.

    LG delilah

    Und: auch mit deiner Meinung über mich und Männer liegst du richtig. Es ist tatsächlich so, dass ich dazu neige, meinen Wert daran festzumachen, ob ich von einem Mann begehrt werde und ihn halten kann.

    Meinen eigenen "Wert" zu erkennen und anzuerkennen, ist Schritt Nr. 1 in die Unabhängigkeit. Ich glaube, ich war stolz darauf, es trotz allem zu schaffen, mit ihm zusammenzuleben, es hat mich wahnsinnig viel Kraft gekostet. Das hat mir wohl einen Wert verliehen, den ich nun nicht mehr spüre, das ist ein großer Schmerz.

    Und mein Selbstwertgefühl will ich nicht mehr durch einen Mann festigen, sondern aus mir selber, aber das ist eine schwierige Sache, eine echte Herausforderung, da habe ich noch allerhand vor mir.

    Trotzdem lenke ich mich gerne ab mit Dates, das macht das Leben einfach interessanter ;) und Spaß muss sein!

    Liebe Paddy,

    du hast nur zu Recht. Er hat sich kein Stück geändert, nur gewechselt, das habe ich in den letzten Tagen nochmal deutlich gemerkt.

    Folgendes ist passiert: Auf zwei Baustellen war er zu langsam und man hat ihn (Zeitarbeiter) wieder nach Hause geschickt. Er hat zur Zeit keine Arbeit.

    Dann kam ein Anruf, ob ich ihm Geld geben könnte, er wäre so gut wie pleite und habe gar nichts mehr. Ich sagte nein.
    Er fragte dann, ob er bei mir (bin selbstständig) als Aushilfe arbeiten könnte.

    Auch das habe ich abgelehnt, ich hatte ihm eine mail geschickt, dass ein weiterer Kontakt per Kaffeetrinken oder Telefonat nicht gut für mich ist und ich das nicht mehr möchte, hat er natürlich nicht gelesen.

    Der "Witz" ist: Ich habe ihm jahrelang angeboten, bei mir einzusteigen, aber durch seine Sauferei und seine Dickköpfigkeit hatte er das total vermasselt.

    Er will jetzt Frührente beantragen!

    Paddy, ich glaube jetzt so langsam, dass ich den Absprung geschafft habe, denn jetzt geht es abwärts mit ihm. Kein halbes Jahr ohne mich und schon pleite!!!

    In den letzten 20 Jahren kamen wir dank meiner Arbeit und meines Einsatzes immer zurecht, auch wenn er mal wieder keine Arbeit hatte.

    Das alles bestätigt mich. Ich habe oft gezweifelt, ob ich nicht doch übertrieben habe und seine Sauferei vielleicht doch unter "normal" fällt, aber immer mehr wird mir klar, wie sehr ich meine Perlen vor die "Sau" geworfen habe.

    Danke für deine Worte und dir alles Liebe!

    Delilah

    Heute war ein blöder Tag.

    ich war bei meiner Mutter Kaffeetrinken, was aber keine wahre Freude war, unser Verhältnis war nie so, dass ich mich gut und geborgen in ihrer Gegenwart fühlen konnte, sie war mir gegenüber nie "mütterlich", das habe ich immer vermisst bei ihr, ich erinnere mich an meine Kindheit und welchen Kloß ich im Hals hatte, als ich an ihr hing und ihr nur lästig war. Nun ist sie alt und auf fremde Hilfe angewiesen, und hat sich kein bisschen geändert. Jetzt fordert sie und alles hat sich um sie zu drehen.

    Meine Freundin hatte mir mittags schon abgesagt für heute abend, wg. diffusem Unwohlsein (???)

    Ich habe dann im Haushalt rumgewuselt, das hat mir früher - als ich noch Teil eines Paares war - immer sehr viel Spaß gemacht, mein Mann saß in seinem Arbeitszimmer oder im Garten und wir kamen immer mal auf einen Kaffee zusammen. Das kommt mir allerdings schon wie tiefe Vergangenheit vor, zum Ende hin war das auch nicht mehr so, weil wir keine 5 min. miteinander aushalten konnten, ohne das ein Streit losbrach.

    Heute habe ich auch gewuselt, aber es fühlte sich irgenwie sinnlos an.

    Ab und zu dachte ich an ihn und an früher, aber es war kein Absturz, sondern ein Gefühl des Bedauerns und des Abschieds.

    Ich fühle mich einsam, alle anderen schienen am Wandern und Grillen zu sein. Während meiner Ehe habe ich keine Freunde gewonnen, ich bin sogar gesellschaftlich eher isoliert, da ich mich nicht mehr getraut habe, mit anderen Paaren etwas zu unternehmen wg. Alk. und mich zurückgehalten habe, damit keiner hinter unser "dunkles Geheimnis" kam, was völlg umsonst war. Denn mein Ex hat sich oft in der Öffentlichkeit total beschüttet, also wusste es wahrscheinlich jeder.

    Ich wünsche mir, dass ich bald wieder unbeschwert in Haus und Garten rumwuseln kann und das wieder einen Sinn hat. Denn es gibt viel zu tun!
    Das war früher mein liebstes Hobby, alles in Schuss halten, alles schön machen und abends stolz und müde sein.

    Auf jeden Fall geht es mir nicht wirklich schlecht, ich weiß immer noch, wer ich bin. Nämlich die wahre Delilah, nicht die Co.

    Hallo Grazia,

    du hast recht, ich habe mir überlegt, dass ich ihn nicht wieder hier in meinem Haus empfangen werde.

    Seine Post schicke ich ihm und wenn wir uns sehen müssen (wg. Unterschriften und ein paar Dingen, die noch zu regeln sind) dann werde ich mich mit ihm auf neutralem Boden treffen, in einem Cafe.

    Dann da war das verhängnisvolle, durch sein HIersein war ich plötzlich wieder wie in die Vergangenheit zurückversetzt.

    Das Loslassen kommt mir heute wie der einzig logische Schritt vor, nach dem Albrtraum gestern.
    Ich hoffe, ich kann diese Stabilität halten, aber ich bin zuversichtlich und freue mich auf den Termin beim Psychologen. Morgen nachmittag bin ich bei meiner Mutter zum Kaffee und abends gehe ich mit einer Freundin essen.

    Drücke mir die Daumen, dass das noch ein wenig anhält :)

    Liebe Grüße
    Delilah

    Hallo Rhein,

    ja, ich schäme mich heute ziemlich, dass ich gestern so bedürftig und hilflos vor ihm war (für wie erbärmlich muss er mich jetzt halten) aber ich kann mir das verzeihen. Was er von mir denkt, sollte mich nicht interessieren. ER ist auch schon wieder gefühlt weit weg.

    Mein Verhältnis zu meinem Körper hat sich seit der Trennung verbessert, zumindest mal etwas ;)

    Ich hatte ja auch vorher geplant, um mein Leben neu zu strukturieren und gehe seitdem ca. 3 x wöchentlich zum Sport. Das bringt mir viel, weil ich nun meinen Körper als durchaus normal und ansehnlich erlebe, und ich spüre den Zuwachs an Kraft und Ausdauer, was sich dann wohl irgendwie auf die Seele überträgt. Nach dem Sport bin ich einfach gut drauf!

    Das mit der Partnerbörse ist so eine Sache. Ich bin ja nun schon seit Ende letzen Jahres dabei, habe aber noch nie jemanden kennengelernt, bei dem die "Funken sprühten". Ich habe schon einige dates gehabt, mit netten, freundlichen Männern meist, aber es ist alles so nichtssagend, so normal und alltäglich. In einen habe ich mich verknallt, aber es hat bei ihm nicht gepasst, das hat mich ziemlich runtergezogen.

    Wie in meiner Ehe suche ich wohl das Extreme, den WOW-Effekt, der mich umhaut, so wie das bei meinem Mann war, als ich ihn kennenlernte.

    Jedesmal, wenn ich von einem Date nach Hause komme, bin ich froh, wieder daheim zu sein, obwohl die meisten dates ganz nett sind. Ich habe auch nette platonische Freundschaften, man schreibt sich ab und zu und übers Wochenende hatte ich einen schönen Ausflug.

    Nur denke ich, dass diese Suche ein Zeichen meiner Sucht ist, unbedingt meinen Wert auf diese Weise zu erhöhen, durch die Anerkennung und auch durch das Begehren, das ich wecke und wieder eine Existenzberechtigun zu haben, hart formuliert.

    Ich bin nämlich ziemlich attraktiv, behaupte ich jetzt mal einfach.

    Ich überlege, diese ganze dating-Sache abzuschaffen, habe aber Angst davor. Ich versuche seit meiner Trennung, mein Wochenende vollzupacken mit allem möglichen, um bloß nicht alleine sein zu müssen.

    Was ich auf jeden Fall tun werde, ist, es zu reduzieren, weil ich im Grunde weiß, dass ich das mache, um beschäftigt zu sein,- und du wirst lachen, viele Männer machen das genauso.

    Ich würde mich wahnsinnig gerne verlieben, das war auch mein Motiv, aber nach dem, was ich jetzt weiß, ist das wohl genau das Falsche, sofort wieder zum Suchtmittel zu greifen, um sich wieder gut zu fühlen.

    Ich wünschte, ich hätte den Mut, mal ein WE zuhause zu verbringen, aber davor habe ich totale Panik, es ging mich schon so schlecht hier, das ich regelrecht flüchte aus meinem Haus.

    Was macht ihr denn so am WE? Habt ihr mal ausprobiert, allein zu Hause zu bleiben. Ich habe es mal getan und es war der Horror, allerdings war ich da noch nicht so schlau wie jetzt.

    Liebe Grüße und danke für die Antworten!

    Delilah

    Übrigens trinkt er nach wie vor, für ihn und alle, die ihn kennen, ist das völlig normal, nur für mich war es das nie.

    Er hatte auch gestern die obligatorische Kiste Bier im Auto, es könnte ja sein, dass er einen Kumpel trifft....

    Es ist nur so, dass ich ja die Ausbrüche nicht mehr erlebe, denn abends ist er ja zuhause bzw. bei der Freundin, ich erlebe ihn z. Zt. nur nüchtern, und kann ihn wieder schön idealisieren und auf einen Sockel stellen.

    Er ist pleite und fragte mich wg. Geld, aber ich gebe ihm keines mehr.
    Vielleicht ist er auch deshalb gestern gekommen.

    Liebe Renate,

    wie lange hat dein innerer Winter gedauert? und welche Art Therapie hast du gemacht? Ich selber hatte vor ca. 25 Jahren eine Psychoanalyse und war vorher in einer psychosomatischen Klinik. Schon damals hatte ich starke Verlassensängste. Danach ging es mir viele Jahre lang gut.

    Was mich gestern so abstürzen ließ, war der Kontakt mit meinem Suchtmittel Nr. 1. In dem Moment, als er wegfuhr, hat er mein Selbstwertgefühl wieder mitgenommen und ich blieb zurück wie ausgehöhlt, völlig hilflos und ohne Wert.

    Heute morgen sehe ich klarer. Es geht mir nicht gut, aber erträglich. Freitag habe ich einen hzweiten Termin bei einem Psychologen, bin gespannt, was da raus kommt.

    Gestern abend habe ich noch in dem Buch "Wenn Frauen zu sehr lieben" gelesen und einen Satz gefunden, der trifft wie die Faust aufs Auge:

    Eines der typischen Merkmale für diese Frauen ist folgendes:
    "Sie sind abhängig von Männern und seelischem Schmerz"

    Hallo,

    ich habe schon einiges hier gelesen und weiß, dass ich co-abhängig bin.

    Ich habe mich letztes Jahr von meinem Mann getrennt, weil ich keine andere Wahl mehr hatte, das Zusammenleben erschien mir unerträglich.

    Ich hatte gehofft, dass ich mich fangen würde, dass ich mich schnell lösten könnte und frei wäre.

    Das ist leider nicht der Fall. Seit Oktober lebe ich alleine, und ich habe wenig Fortschritte gemacht. Die Tatsache, dass er sich relativ schnell mit einer anderen Frau getröstet hat, hat mich schwer mitgenommen.

    Ich spüre, wie sehr ich mich über ihn definiert habe. Seit er die andere hat, fühle ich mich wertlos wie ein ausrangierter Putzlappen. Ich sehe keinen richtigen Sinn mehr in meinem Leben, spule zwar mein Programm ab, aber es macht alles keinen richtigen Spaß. Ich treibe Sport und habe mich in einer Partnerbörse angemeldet, aber trotz einiger dates fühle ich mich leer und unglücklich.

    Heute ist ein besonders schwarzer Tag, mein Mann war da und holte seine Post. Wieder mal bin ich völlig eingeknickt und habe ihn darum gebeten, dass wir es doch noch einmal versuchen sollten.

    Er hat nein gesagt, er liebe seine Freundin.

    Ich konnte dieses Jahr bis auf ein einziges Mal unseren Garten (jetzt meinen) nicht betreten, ich habe panische Angst davor, weil ich ständig meinen Mann dort sitzen sehe. Ich kann auch den Sonnenschein nicht ertragen, sondern ziehe tagsüber die Jalousien runter.

    Nachts träume ich, er würde mich umarmen und sagen, dass er mich liebt und alles gut ist oder ähnliches.

    Momentan ist das Leben eine Qual und ich sehe nicht klar. Ich wollte das alles und habe die Scheidung schnell durchgezogen, wohl, weil ich ahnte, dass meine Kraft begrenzt ist. Und jetzt ist sie ausgeschöpft und ich fühle mich wie eine leere Hülle ohne Sinn.

    Ich weiß, dass ich gut zu mir selber sein sollte und mir selber der wichtigste Mensch, aber: Wie geht das? Ich habe es nie gelernt.

    ER ist nach wie vor der wichtigste Mensch für mich und ich verzweifle langsam daran, dass ich gar keine Fortschritte mache. Es gibt auch Momente, in denen ich mich stark fühle, aber diese Abstürze sind um so schlimmer, je besser es mir vorher ging.

    Das macht mir große Sorgen, wem geht es ähnlich? und wie lange kann das dauern?

    Liebe Grüße
    Delilah