Beiträge von Rattenschwanz

    Zitat von Tiuri

    Genau das sind die kritischen Momente, in denen ich die meiste Gefahr der "Versuchung" erwarte.
    Meinst du das mit "Übermut", Rattenschwanz?

    Nee, ich meine diese Momente:" oléolé :D "

    In diesen Momenten wirst du nämlich denken (?), dass du über den Dingen stehst, weil du mal paar Situationen ohne Alk überstanden hast. Wow ich bin ein Held, wer kann mir was. Und schwuppdiwupp säufst du wieder, wenn du vor Übermut vergisst auf dich aufzupassen.

    Off Topic:

    Zitat von Pancho

    ... von einer Band namens edit.
    Bei dem Namen leuchteten bei mir diverse rote Alarmlämpchen auf.

    Soviel zu den Schubladen.

    Ich wohne im "höchsten" Norden Deutschlands und wenn ich hier jeden, der was mit der nordischen Mythologie zu tun hat, in die rechte Schublade stecken würde, dann würden wahrscheinlich 85 % der Bevölkerung zwischen Schleswig und Krusau in dieser Schublade stecken.

    Wenn ich dran denke, was hier - offensichtlich von den Medien - für erfolgreiche Verdummungsarbeit geleistet wurde und wird. Nordische Götter = Nazigötzen. Sich aber auf der anderen Seite darüber aufregen, wenn alle Flüchtlinge in eine Schublade gesteckt werden. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

    Zitat von Pancho

    Ich bin mir nicht sicher, was du meinst.
    Kannst du mir auf die Sprünge helfen?

    Du bist zur Therapie, weil ja bei dir offensichtlich irgendwas nicht so ist wie es sein soll und du deswegen gesoffen hast. So und nun erkennst du selbst, dass du Angst davor hast vor vielen fremden Menschen zu sprechen - hier: Dich vorzustellen. Jetzt bekommst du das Angebot etwas gegen deine Angst zu tun - also, dich im Rahmen deiner Therapie vor vielen fremden Menschen vorzustellen - und du bist froh, dass du nichts gegen deine Angst machen musst.

    Na wo issn hier der Fehler?

    Nur mal nebenbei: Bei der LZT in Leipzig musste sich jeder vor ca. 80-100 Mitpatienten vorstellen - musste. Nicht nur mit "Hallo ich bin Rattenschwanz aus Dingens", sondern mit seinem Suchtbericht in Kurzfassung. Die Vorstellung dauerte so 10 bis 15, 20, ... Minuten und anschließend, konnten alle Anwesenden Fragen zu der Vorstellung stellen, die beantwortet wurden - soweit das möglich war. Auf die Vorstellung wurde in der Gruppe (ca. 10 Patienten) hin "trainiert" und wenn das einigermaßen funktionierte, erfolgte die Vorstellung - nach ca. einer Woche, wie oben beschrieben, vor dem ganzen Team. :o

    Zitat von Pancho

    Was meinst du denn mit "sinnvolle Angebote"?
    Es ging hier doch nur um die kurze Vorstellung in der Großgruppe (Hallo, ich bin Robert aus Berlin), mehr wäre das nicht gewesen.
    Aber für mich eben ein Akt, der mit viel Furcht behaftet ist.

    ...

    So war ich aber erst mal froh, davon gekommen zu sein.

    Finde den Fehler.

    Zitat von Pancho

    Das Glück, ...

    Dass ich wohl durch ein Versehen um die Vorstellung in der Großgruppe rum gekommen bin. :lol:

    Ich bin immer etwas irritiert, wenn jemand eine Therapie anfängt und sich dann darüber freut, dass sinnvolle Angebote nicht in Anspruch genommen werden müssen.

    Zitat von Carl Friedrich

    ... Weihnachten und Silvester. Auf beide Ereignisse bin ich vorbereitet. Alles wurde mehrfach gedanklich durchgespielt.

    Wie wird denn Weihnachten und Sylvester gedanklich durchgespielt - was Saufdruck oder so betrifft? Ich kann mir das nicht vorstellen.

    Ich würde mich "verrückt machen", wenn ich da im Voraus jede Situation - aber wirklich jede - gedanklich durchspielen sollte, in der ich mit Alk in Berührung kommen könnte. Da würde bei mir erst recht Saufdruck entstehen, weil mich angesichts der unzähligen nicht voraus zu berechnenden Situationen, eine geistige Ohnmacht und somit Hilflosigkeit befallen würde. :)

    Danke für deine Antwort "Sunshine-33".
    Das muss ich noch loswerden: Am Anfang konnte ich mit dir nicht so richtig umgehen oder direkter geschrieben, dich nicht leiden. Warum weiß der Fuchs, vielleicht weil du immer so auf das geschlossene Forum "gepocht" hast. Inzwischen schätze ich deine Beiträge und auch wenn ich dich nicht persönlich kenne, hast du als Mensch meinen Respekt und meine Achtung.

    Da fällt mir noch folgendes ein: Letzte Woche in der SHG waren u. a. zwei Patienten aus der Entgiftung. Nachdem die sich vorgestellt hatten und etwas von sich erzählt hatten - Vergangenheit/Zukunftspläne - waren wir - Stammmitglieder der SHG - uns darin einig, dass die Zwei zwar wollen, es aber kaum schaffen werden. Es war nichts von irgendwelchen geplanten Veränderungen zu erkennen. Beide waren - auch nach mehrmaligem Nachfragen noch - der Meinung, dass es ausreicht, wenn sie mit dem Saufen aufhören wollen und sonst alles sonst weiter so läuft wie immer. Da musste auch nichts mehr dazu sagen, die brauchen noch.

    So weit ich mich erinnern kann, tauchte bei mir der Wunsch mit dem Saufen aufzuhören immer dann auf, wenn ich voll war. War ich gerade mal nüchtern weil ... was weiß ich ... tauchte der Wunsch nicht auf. Nein, da hab ich mir Gedanken darüber gemacht, wo ich den nächsten Liter Schnaps her bekomme. Erst nach den Halluzinationen - also im Krankenhaus und nüchtern - war klar für mich: Jetzt ist Schluss, muss Schluss sein, sonst löst sich mein Gehirn alsbald wahrscheinlich in Luft auf.

    Also auch bei mir hätte das ohne persönlichen Tiefpunkt nicht funktioniert und mit "gut zureden" von Irgendjemandem gleich gar nicht.

    Zitat von Sunshine_33

    Oder gibt es für Dich besser Trockene und schlechtere Trockene, Rattenschwanz?

    Das hab ich - glaub ich jedenfalls - nirgends geschrieben und die gibt es für mich auch nicht.

    Es ist doch aber so, dass man statt sich einer Bedrohung oder einer Gefahr zu stellen, sich dadurch Mut macht, dass man - eben wie ein ängstliches Kind, das durch einen dunklen Wald muss - versucht, sich allein durch das Pfeifen einer Melodie zu erleichtern.

    Bedeutet für mich, dass wer pfeift - oder eben hier ständig siehe oben wiederholt - ständig in Angst vor Irgendwas - hier: vlt. Rückfall (ich weiß es nicht) - lebt.

    Und da frage ich mich, ob das die zufriedene Trockenheit ist, wenn ich ständig Angst vor einem Rückfall habe.

    (Ich hoffe, dass meine Gedankengänge irgendwie nachvollziehbar sind.)

    Das ständige Wiederholen von Formeln wie z. B. "Ich brauche in meinem Leben keinen Alk mehr" oder "Glücklich sein kann ich nur noch ohne Alk" oder ähnlichem und das bei jeder Gelegenheit, kommt mir - auch wenn sie ihre Berechtigung haben mögen - vor, wie "pfeifen im Wald".

    Gestern Abend wurden in der realen SHG der Termin und der Ort für unsere Weihnachtsfeier bekannt gegeben. Die Weihnachtsfeier findet - mit den Partnern - in einer Gaststätte statt. Mutig - finde ich - aber alle wollten das so. Nun nehmen wir (meine Frau und ich) ja das erste Mal an einer Weihnachtsfeier in der SHG teil und so sind wir gespannt darauf, wie das so abläuft. Natürlich bin auch neugierig auf die Partner der Mitglieder und meine Frau freut sich darauf, mal die Leute kennenzulernen, mit denen ich meine Mittwochabende verbringe. Ich finde, dass das mit den Partnern eine gute Idee ist. Die Idee mit der Gaststätte ist mir persönlich egal - stört mich nicht.

    Zitat von Sunshine_33


    Rattenschwanz schrieb:

    Das sehe ich nicht so.
    Das geht mir auch wieder zu sehr in Richtung "selbst schuld an der Alkoholkrankheit".
    An Krankheiten IST man aber nicht schuld !

    So hab ich das nicht gemeint, von wegen selbst schuld an der Krankheit, daran sind wir nicht schuld.

    Ich hätte aber mit etwas mehr Mut und vlt. bissl mehr Selbstbewusstsein und auf jeden Fall ohne dieses schreckliche darüber Nachdenken, was der Nachbar dazu wohl sagen wird, einiges in meinem Leben anders regeln können. Und das bevor ich abhängig vom Alk wurde und das schieb ich mir schon in die Schuhe.

    Denn als ich mit dem Saufen angefangen habe, war ich noch nicht krank - du bestimmt auch nicht - und da hätte ich noch einen anderen Weg einschlagen können. Wollte ich - und kein anderer Mensch oder so nicht - aber offensichtlich nicht. Wahrscheinlich aus Bequemlichkeit nicht und weils eben nicht in die damalige Zeit und Gesellschaft gepasst hätte und ich so irgendwem irgendwas hätte erklären müssen. Sozusagen, keinen Ar.sch für Veränderungen zu meinen Gunsten in der Hose daraus folgt: Doch irgendwie Schuld an der Gesamtsituation.

    Bequem bin ich heute immer noch aber bissl anders als damals. Damit geht mir's aber entschieden besser, weil sich meine Wertevorstellungen verschoben haben, besser geschrieben: Weil ich - unter anderem - meine Wertevorstellungen verschoben habe, geht es mir heute gut.

    Zitat von Calida78

    Ich hätte doch meine arbeitslosen Mann verlassen können und mir einen reicheren suchen.....
    Oder keine Kinder kriegen.

    Das hättest du machen können, das hätte dich aber sicher nicht "weiter" gebracht.

    Und es stimmt, die Freiheit sich für etwas zu entscheiden hast du (ich) nicht immer. Ich wage aber zu behaupten, dass wir die Freiheit hatten, uns für ein für uns gut erträgliches Leben und gegen das Saufen zu entscheiden.

    Du musst - gut, du musst nicht - dich mal davon lösen, dass das einzig wahre Leben das Leben ist, welches in der Gesellschaft propagiert wird, nämlich ganz primitiv ausgedrückt: finanzieller Reichtum - wie viel auch immer das sein soll.

    Ja klar kann ich "klug daher schnacken", dass das nicht einfach ist was zu ändern, das weiß ich auch.

    Zitat von Calida78

    Siehst Du, genau das meine ich.
    Ich bin selber schuld!
    Wie konnte ich nur so dumm sein und kapieren, dass ich das alles gar nicht mitmachen muss?
    Ich hätte doch meine arbeitslosen Mann verlassen können und mir einen reicheren suchen.....

    Jetzt verwechselst du was, das hat nichts mit Dummheit zu tun. Das Anspruchsdenken, das ist z. B. was, was wir hätten ändern können/müssen. Ich kann dich verstehen - glaub mir - sonst hätte ich in der entscheidenden Zeit ja mein Leben auch anders gestaltet. Aber dass es so gekommen ist wie es ist, das haben wir nun mal selbst verbockt. Und jetzt haben wir die Gelegenheit nicht wieder in diese Falle zu tappen und entweder irgendwas runter- oder was hoch zu schrauben. Wir haben ja nun offensichtlich eine Chance bekommen was zu ändern und jetzt liegt's wieder in unsere Hand.

    Na ja, das ist auch einfach, der „Gesellschaft“ die Schuld in die Schuhe zu schieben. Hat die Gesellschaft nicht gewusst wann Sie die Bremse ziehen soll und hat deswegen angefangen zu saufen oder du?

    Wer hat dich denn daran gehindert, diesen ganzen Trott nicht mitzumachen, das war doch dein Verlangen so zu leben wie du lebst. Oder hat dich dazu jemand gezwungen?

    Ich nehme mich hier nicht aus. Ich hab mir’s auch – vermeintlich – einfacher gemacht und bin mitgeschwommen und rausgekommen ist die Sauferei. Wirklich einfacher wär’s wahrscheinlich gewesen, mal den Ar.sch zusammen zu kneifen, nicht alles mitzumachen was andere machen und dafür am Ende glücklich und zufrieden zu sein. Es gibt genug Menschen die das vormachen und es gibt eben uns (auch genug).

    Die Kurve hätte ich aber kriegen müssen und nicht die Gesellschaft. Hab ich nicht, statt dessen hab ich gesoffen und brauch mich nun über Niemanden zu beschweren außer über mich selbst.

    Zitat von Pancho

    Ich bin sehr froh, dass mein nächster Schritt, die LZT, so nah und greifbar ist, auch wenn ich mir davon keine Wunder erwarte.

    Wunder wirst du dort auch nicht erleben. :D

    Was mir in der LZT geholfen hat, waren vor allen Dingen die räumliche Trennung zu meiner Saufumgebung und der klar strukturierte Tagesablauf. Die Gespräche und das Kennenlernen der Mitpatienten sehe ich als eine willkommene Zugabe. Das war schon nicht schlecht, mal für paar Monate aus der gewohnten Umgebung - auch aus der geistigen - rauszukommen.

    (Den Rest meiner Gedanken zur LZT kannst du in "Moin" lesen.)

    Moin Karsten.

    Genau, dein Beispiel mit dem Selbstbewusstsein zum Beispiel, da muss dann theoretisch heute nicht mehr dran rumgedoktert werden. Und wenn das Selbstbewusstsein nach 30 Jahren immer noch fehlt, da brauch ich dann wahrscheinlich auch keinen Therapeuten mehr dazu, das festzustellen, dass das fehlt. Denk ich mal.

    Aber: Eben, dass muss am Ende jeder selbst für sich entscheiden, ob ja oder nein.