Ich bin jetzt seit etwa zwei Jahren hier im Forum, und seit mehr als zweieinhalb Jahren trocken. Es kommt mir viel länger vor. Es hat sich so viel bewegt in dieser Zeit, in mir und in meinem Leben, innen und außen. Zwei erstaunliche Sachen sind mir dabei aufgefallen (na gut, mehr, aber diese zwei will ich benennen): es bewegt sich, auch wenn sich vermeintlich nichts bewegt. Und: es ist ganz leicht.
Mit dem Trinken aufzuhören war lange nicht leicht, sonst hätte ich nicht getrunken, als und so lange wie ich es tat. Ich weiß nicht, warum ich aufhören konnte im November 2013. Wenn mich jemand fragt, was am Anfang wichtig war, würde ich wohl sagen: Ansammeln abstinenter Zeit. Das war wichtig und ermöglichte alles weitere. Erst einmal Abstand herstellen zum Alkohol. Ich hatte es gut, da ich von Anfang an mein Zuhause alkoholfrei gestalten konnte. Ich musste keine Diskussionen führen und lief auch nicht Gefahr, faule Kompromisse einzugehen. Ich erinnere mich an eine der ersten Abendeinladungen, die ich Freunden gegenüber aussprach, als ich einige Monate trocken war. Ich hatte mich nicht als alkoholkrank geoutet gegenüber diesen Freunden. Aber es gab natürlich, anders als sonst bei mir, keinen Wein zum Essen. "Wirklich gar nichts Alkoholisches?" fragte die Freundin. "Nein." sagte ich.
Ich vermute, und meine Erfahrung mit mir selbst zeigt mir, dass ich nicht trocken geblieben wäre ohne ein alkoholfreies Zuhause. Als ich dann auf dies Forum stieß, bestätigten die Grundbausteine meine eigenen Erfahrungen.
Leicht ist es, weil ich eben nicht "das Leben beim Schopfe packen und in (m)eine bestimmte Richtung zwingen muss". Sondern anhand einiger grundlegender Entscheidungen zulassen, dass sich danach die Weichen stellen. Das Ziel ist Glück. Und in weiten Teilen habe ich es schon erreicht, denn ich empfinde es ja schon. Das befreit und ermöglicht mir mitunter, aus anderer Motivation heraus zu handeln. Daraus entsteht Gelassenheit und Freude am Alltag. Freude auch, mein Kind wachsen und lernen und sein zu sehen. Es geht nicht mehr darum (ging es in Wirklichkeit nie), etwas zu erreichen. Ich bin immer schon da. Ich kann es jetzt manchmal spüren, und so fühlt sich für mich auch Glück an.
Zum Forum kann ich noch sagen, dass ich mir hier selbst die Chance gegeben habe, mich mir selbst anzunähern. Das war (und ist) spannend und herausfordernd und lohnend und nur möglich, weil ich mich nicht mehr betäube, und weil ich mich darauf einlasse, mich durch mein Schreiben mir selbst zu zeigen (dass ihr anderen da "draußen" seid, ist ja lediglich eine Vorstellung.)
Es hat mir ungemein geholfen, mich auch anderen zu zeigen, denn in dem Maße, wie ich lernte, den Blick auf mich selbst zu richten und dabei nicht die Augen zuzukneifen, konnte ich auch vorsichtig, Stückchen für Stückchen, den Blick anderer zulassen. Inzwischen auch in einer "RL"-Selbsthilfegruppe, aber eben auch und vor allem in einzelnen Kontakten zu Menschen, in denen ich mir Mühe gebe, auch tatsächlich in Kontakt zu treten, statt wie früher die Nebelmaschinen anzuschmeißen.
Das Forum hat mir hierfür die Plattform, den Übungsraum geboten, und das ist das, was ich für mich bis jetzt daraus gemacht habe. Ich glaube, das Forum kann für jeden so gut oder so hilfreich sein, wie er oder sie es selbst zulässt.
Ich kann mich nicht mehr so richtig erinnern, wie ich mich gefühlt habe, als ich auf dies Forum stieß und bevor ich mich anmeldete. Eins weiß ich jedoch noch, und zwar, dass ich mich irgendwann hier anmelden und in den Austausch gehen wollte, obwohl mein Verstand (oder was auch immer) noch längst nicht akzeptiert hatte, dass ich Alkoholikerin bin. In der Auseinandersetzung mit mir selbst, im Austausch mit anderen Teilnehmern hier, und natürlich in Abstinenz vom Suchtmittel konnte sich bei mir diese Erkenntnis, und damit die Stabilität der Trockenheit, erst langsam entwickeln. Ich bin sehr froh, dass ich auch für diesen Prozess den Raum hier gefunden habe (mir genommen habe.)
Wenn ich jetzt meist im "Inneren Bereich" schreibend unterwegs bin, dann deshalb, weil ich wirklich recht Persönliches hier mit mir teilweise inzwischen auch persönlich bekannten Menschen teilen möchte, das ich hier draußen nicht schreiben möchte.
Aber manchmal hab ich den Wunsch, hier draußen "laut" zu sagen, wie sehr es sich lohnt, mit dem Trinken aufzuhören. Ob mit Hilfe dieses Forums oder anders.
Mir geht es gut.
Viele Grüße
Thalia