Hallo Kadett,
ja, die Scham, das war auch eins meiner großen Themen beim Trockenwerden.
Dazu gibt es hier im Forum auch schon einiges zu lesen, weil es nicht nur mir (und dir) so geht.
Ich bin vor ein paar Jahren mal über einen Artikel gestolpert, der mir deutlich gemacht hat, dass die Scham (ganz oft) direkt mit der Sucht zusammenhängt, und dass sie zu fühlen mich eher daran hindert, aus dem nassen Denken herauszukommen. Der ist hier auch unter Literatur irgendwo verlinkt.
Alkoholabhängigkeit ist eine Erkrankung, die dazu führte, dass ich nicht mehr selbstbestimmt und in Eigenverantwortung handeln konnte. So lange ich mich schäme, Schuldgefühle habe, tue ich so, als hätte ich eine Wahl gehabt, einen freien Willen, aber den hatte ich nicht mehr.
Zuzugeben, machtlos (gewesen) zu sein, scheint manchmal offenbar eine größere Hürde zu sein, als sich selbst „die Schuld zu geben“ und sich für sein Verhalten zu schämen.
Als ich verstanden hatte, dass diese Schuldgefühle und die Scham ein Symptom meiner Suchterkrankung sind, dass sie mich sogar in der Sucht festhalten, konnte ich viel differenziert damit umgehen.
War und ist auch in meinem Erleben ein ganz zentraler Punkt in der Auseinandersetzung mit meinem Alkoholismus.
Viele Grüße
Thalia