Beiträge von Thalia1913

    Hallo Kadett,

    ja, die Scham, das war auch eins meiner großen Themen beim Trockenwerden.


    Dazu gibt es hier im Forum auch schon einiges zu lesen, weil es nicht nur mir (und dir) so geht.


    Ich bin vor ein paar Jahren mal über einen Artikel gestolpert, der mir deutlich gemacht hat, dass die Scham (ganz oft) direkt mit der Sucht zusammenhängt, und dass sie zu fühlen mich eher daran hindert, aus dem nassen Denken herauszukommen. Der ist hier auch unter Literatur irgendwo verlinkt.

    Alkoholabhängigkeit ist eine Erkrankung, die dazu führte, dass ich nicht mehr selbstbestimmt und in Eigenverantwortung handeln konnte. So lange ich mich schäme, Schuldgefühle habe, tue ich so, als hätte ich eine Wahl gehabt, einen freien Willen, aber den hatte ich nicht mehr.

    Zuzugeben, machtlos (gewesen) zu sein, scheint manchmal offenbar eine größere Hürde zu sein, als sich selbst „die Schuld zu geben“ und sich für sein Verhalten zu schämen.

    Als ich verstanden hatte, dass diese Schuldgefühle und die Scham ein Symptom meiner Suchterkrankung sind, dass sie mich sogar in der Sucht festhalten, konnte ich viel differenziert damit umgehen.

    War und ist auch in meinem Erleben ein ganz zentraler Punkt in der Auseinandersetzung mit meinem Alkoholismus.


    Viele Grüße

    Thalia

    Danke, Sonne, das finde ich auch für mich wertvoll, daraus kann ich auch lernen.


    Das mit dem Durst ist mir klar, so war es bei mir in der ersten trockenen Zeit auch, dass ich immer dafür gesorgt habe, dass ich was zu trinken (bei mir war es Sprudelwasser) bei mir hatte.

    Aber dieser Gedanke

    so schlimm kann ein bisschen Sekt nicht sein

    bedeutet für mich, dass ich die Akzeptanz, Alkoholikerin zu sein, verloren habe. Oder noch nicht wirklich hatte, kann ja auch sein.


    Zeigt mir, wie wichtig es für mich ist, diese Akzeptanz zu schützen, wertzuschätzen, lebendig zu halten, zum Beispiel durch meinen Austausch hier.


    Nochmal danke fürs Teilen,

    LG Thalia

    Liebe Sonne,

    wie ferngesteuert

    Kannst du das noch näher/anders erläutern? Wenn es „wie ferngesteuert“ war, kann das ja jederzeit wieder passieren, oder?

    Was war in deinen Gedanken vorher, nicht nur in den Stunden, sondern den Tagen und Wochen vorher? Wo bist du vom trockenen Weg abgekommen, kannst du das für dich rausfinden?


    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!

    Thalia

    Hallo KaDett,


    willkommen und schön, dass du hier bist! Ich bin auch Alkoholikerin wie du, und auch mir ist es unglaublich schwer gefallen, den Gedanken zu denken, geschweige denn auszusprechen. Es hat richtig lange gedauert, dieser Prozess - es zu denken, dann hier zu schreiben, später es zu sagen, dann irgendwann es tatsächlich zu akzeptieren und dann noch viel später (ein paar Jahre später) auch wirklich so weit damit im Reinen zu sein, dass ich es tatsächlich ziemlich offen und unbefangen auch nach außen trage. „Ziemlich“, weil es auch Ausnahmen gibt.

    Verzichtsgedanken sind mir im Laufe des Prozesses irgendwann abhanden gekommen.

    Damit will ich sagen, es ist ein Prozess, eine Entwicklung, und indem du jetzt hier bist und hier am Austausch teilnimmst, kommt was in Bewegung.

    Mir fällt es selbst schwer mit mir klar zu kommen dass ich Alkoholikerin bin. Das auszusprechen habe ich erst hier angefangen. Setze mich da mit mir selbst ständig auseinander. Ich schüttelte den Kopf und kann’s nicht verstehen. Ich dachte immer es sei Willensschwäche. Erst hier lese ich von Krankheit. Ich bin da mit mir noch überhaupt nicht im Reinen. Zu akzeptieren fällt mir schwer. Ich fange erst an alles aufzuarbeiten.

    Du hast angefangen, da ist jetzt Bewegung drin.

    Ich hab in den ersten Jahren im Forum sehr viel hier gelesen und auch geschrieben, mich wirklich drauf eingelassen, und die Worte anderer an mich rangelassen, und das bewegt sich immer weiter, bis heute. :)


    Ich wünsch dir auch einen guten und hilfreichen Austausch.

    Lieben Gruß

    Thalia

    Hallo Sonne,


    ich freue mich sehr, dass du wieder da bist, und ich wünsche dir alles Gute für deinen Neustart in dein trockenes Leben.


    Erzähl doch mal, wie du das jetzt ganz konkret angehst.

    Mir war das Bewusstsein für die Ernsthaftigkeit der Alkoholkrankheit abhandengekommen.

    Was denkst du, wie ist das passiert?

    Aber vielleicht ist es jetzt auch noch zu früh zum Aufarbeiten.

    Jetzt erstmal konkrete Schritte. Wie sehen die bei dir aus?


    Herzliche Grüße

    Thalia

    Guten Morgen Cambrina,


    willkommen auch noch von mir, bin ungefähr in deinem Alter und auch Alkoholikerin, trocken seit ein paar Jahren und fast so lange hier im Forum. Gratulation zu deinem Start in den neues trockenes Leben!

    Du schreibst „Ohne SHG werde ich’s nicht schaffen.“ Warum glaubst du das bzw. stellst das für dich so als Tatsache fest?

    Ich will dir die SHG gar nicht ausreden, bin selber seit Jahren in einer SHG zusätzlich zum Forum und finde das auch total hilfreich.

    Aber wenn du die Frage für dich beantwortest, kommst du vielleicht auf die Punkte, die du als besonders belastend für dich und deine Trockenheit empfindest, und kannst da evtl. auch ansetzen und weitere Veränderungen in deinem Alltag anstoßen?

    Viele Grüße und einen schönen Sonntag dir heute.

    Thalia

    Hallo Naira,

    Es ist viel mehr Arbeit als ich dachte. Vor allem der Umgang mit den Gefühlen, das beachten der eigenen Bedürfnisse, lernen nein zu sagen und Grenzen zu ziehen… ist nicht ohne. Ich bin dankbar das jetzt noch lernen zu dürfen. Es hilft mir auch in anderen Bereichen hoffentlich.

    So ist es bei mir. Seit ich „aktiv trocken“ bin (um mal Trocken“arbeit“ anders zu nennen), habe ich mich als Person sehr weiterentwickelt. Nicht im Sinne von „perfektionieren“ oder so, sondern hin zu mir. Selbstwahrnehmung, Selbstakzeptanz - mich wirklich kennenlernen, nicht weggucken oder abspalten, sondern annehmen, wer und was ich alles bin. Und das hat automatisch eine Wirkung auch nach außen.
    Auch ich bin dankbar, und spüre diese Dankbarkeit ganz oft ganz intensiv.

    Aber stimmt schon, je öfter ich diesen Satz sagen werde desto eher macht es nicht vielleicht irgendwann auch stolz. Momentan schäme ich mich zu fest…

    Es verändert sich auf jeden Fall. Ich habe auch in der ersten Zeit meiner Trockenheit noch weiterhin in dieser unfassbarer Scham gelebt und dem Bestreben, bloß nicht als Alkoholikerin erkannt zu werden… Aber genau, wie es auch Cadda geschrieben hat, es übt sich ein, und es beeinflusst sich dann auch gegenseitig. Je mehr ich mich bewusst für klare Kante nach außen entscheide, umso mehr fühlt es sich innerlich gut an, und umso leichter wird es, und irgendwann war es für mich selbstverständlich und erfordert jetzt überhaupt keine Überwindung mehr. Das braucht etwas Zeit, ich glaube, die kann man nicht abkürzen, nur sich drauf einlassen und Vertrauen haben.


    Viele Grüße

    Thalia

    Hallo Naira,


    ein spätes Willkommen auch von mir hier im Forum. Ich bin trockene Alkoholikerin und schreibe seit einigen Jahren hier. Es hat mir sehr geholfen, in Bezug auf meine Akzeptanz meiner Alkoholabhängigkeit, und dadurch (in der Stabilisierung meiner Trockenheit) auch allgemein bezüglich meines Umgangs mit mir selber, meiner Eigenwahrnehmung, meiner Entwicklung einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit usw.

    Daher spricht mich auch an, was du über deine Problematik schreibst, wie du dich von der Fremdbestimmung lösen willst.

    Ich fühle mich oft fremdbestimmt- und reagiere darauf mittlerweile allergisch. Natürlich auch, weil es mich krank gemacht hat (und damit meine ich nicht den Alkohol, sondern insgesamt meine Gesundheit). Ich möchte das nicht mehr.

    Da bist du - wenn ich mal meine eigene Erfahrung zugrunde lege - hier genau richtig aufgehoben. :)


    Ich wünsch dir weiter einen guten Austausch und heute einen schönen Sonntag.

    Viele Grüße

    Thalia

    Ich bin sehr froh und dankbar, dass es dieses Forum gibt. Ich habe es vor ca. 10 Jahren gefunden und seitdem unglaublich von dem Austausch hier profitiert.

    Vielen herzlichen Dank an Gründer, Administrator, Moderator:innen und Mitglieder.

    Ich hoffe und möchte als User daran mitwirken, dass es diese Online-Selbsthilfegruppe noch lange gibt.


    Viele Grüße

    Thalia1913

    Hallo Anna,


    ja, das ist natürlich das Thema ganz oft, ist und war es auch bei mir.

    lernen, wie NEIN wirklich geht.

    Aber bei meinem Tiefpunkt hat sich das an dieser einen Stelle gewandelt: Das „Ja“ zur Abstinenz, das „Ja“ zur Erkenntnis, Alkoholikerin geworden zu sein, also schlicht und doch so tiefgreifend die berühmte Akzeptanz … hat manches Nein, das vorher unmöglich schien, dann möglich, sogar zwingend gemacht.

    Das meine ich auch heute, wenn ich schreibe (und denke, und fühle), trocken zu sein hat bei mir die oberste Priorität, dem muss sich alles unterordnen, denn wenn nicht, ordnet sich alles dem Trinken unter.


    Viele Grüße

    Thalia

    Hallo Anna,


    auch von mir noch ein sehr verspätetes herzlich Willkommen hier im Forum. Ich lese bei dir immer mit, bin selber Alkoholikerin und seit einigen Jahren trocken.

    Heute schreib ich dir, weil mir zu deiner aktuellen (gestrigen) belastenden Situation etwas eingefallen ist, was mir beim Trockenwerden ganz elementar geholfen hat. Wirklich umzusetzen, dass alles andere außer der Trockenheit auf den Prüfstand kommt, und auch Dinge, die ich bisher als unumstößlich gesehen habe, geändert werden müssen, wenn ich sie als so belastend erlebe, dass sie meine Trockenheit gefährden. Da sind manche Gewissheiten ins Wanken gekommen und das hat Angst gemacht aber auch ganz schön viel Freiheit ermöglicht.


    Ich wünsche dir jetzt erstmal gute Besserung und gute Erholung und freue mich, dass du hier schreibst.

    Viele Grüße

    Thalia

    Hallo Paul,


    herzlichen Glückwunsch zum ersten trockenen Jahr! 💐
    Und es geht ja immer weiter mit dem Trockenwerden; das ist so schön: sich trocken weiterzuentwickeln.

    Ich glaube, ich war immer schon süchtig

    Das habe ich für mich auch mal so formuliert und empfinde es bei mir auch so.

    Das hilft mir auch insofern, als ich keine (ehrliche!) Erinnerung an einen harmlosen Umgang mit Alkohol habe. Dadurch kann ich sofort alles, was sich so darstellt, als Vorspiegelung meines Suchtgedächtnisses entlarven.

    Viele Grüße und noch viele trockene Jahre!

    Thalia

    Hallo Stromer,


    ich lese bei dir immer mit, weiß aber gar nicht, ob ich dir schon mal geschrieben habe. Bin auch Alkoholiker*in und seit ein paar Jahren trocken und hier im Forum. Ich war damals schon ein gutes halbes Jahr abstinent, als ich ins Forum kam, aber dass ich es seither geblieben bin, führe ich auf jeden Fall auch auf meinen Austausch hier im Forum zurück.

    Warum ich dir heute schreibe: Ich hab mich heute Morgen richtig gefreut, als ich gelesen habe, wie du mit deiner Frau über deine Vorbehalte bezüglich eines Urlaubs kommuniziert hast, und diese Vorbehalte (und damit dich und deine Trockenheit) dadurch ernstgenommen hast.

    Bei mir war und ist es auch so: Dadurch, dass ich meine Trockenheit an die erste Stelle setze, bleibe ich auch trocken und überhaupt in der Lage, meinen lieben Menschen ein liebevolles Gegenüber zu sein.

    Ihr findet bestimmt in der Zukunft Formen des Urlaubs, in denen ihr euch beide wohl fühlt.
    Mir hat in meinen ersten Jahren der Trockenheit mal jemand geschrieben, dass es ja immer weiter geht und ich mich weiter verändere, auch in Bezug auf meine Trockenheit, und das war und ist auch so.

    Einen schönen Sonntag dir! Schön, dass du hier im Forum bist.

    Viele Grüße

    Thalia

    Hallo Novasol,


    herzlich willkommen auch von mir noch (etwas verspätet). Ich lese von Anfang an bei dir und freue mich bei deinen Beiträgen oft „eine Runde mit“ über deinen Start in dein trockenes Leben. Bin selber seit etlichen Jahren im Forum und trocken.


    Hinsichtlich deiner Überlegungen zum Thema Therapie wäre zu unterscheiden, ob du von einer Alkoholentwöhnungstherapie sprichst (die sowohl ambulant als auch stationär gemacht werden kann), oder einer Psychotherapie in einer der verschiedenen Richtungen, die andere oben schon erwähnt haben, und die vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt (frisch entgiftet) noch gar nicht sinnvoll wäre.

    Kannst dich ja, wenn du magst, zur ersteren (Suchttherapie) nochmal in einer Suchtberatung beraten lassen.

    Ich kann dir von mir sagen, dass mir in den letzten Jahren das Forum hier am allermeisten dabei geholfen hat, zufrieden trocken zu werden und zu bleiben.

    In dem Sinne wünsch ich dir weiterhin einen hilfreichen Austausch hier.

    Viele Grüße

    Thalia

    Hallo Maeron,

    kurzzeitiges Aufflackern von Verlangen. Das nervt. Wann hört das auf?


    Ich kann mich inzwischen nicht mehr erinnern, wann ich das zuletzt hatte - insofern wird es wohl deutlich seltener mit der Zeit.

    In welchen Situationen hattest du Suchtdruck (dieses Verlangen)? Und was war vorher?

    Nach meiner Erfahrung hilft es, hier Zusammenhänge zu erkennen und das eigene Verhalten entsprechend - vorbeugend - anzupassen.


    Viele Grüße

    Thalia

    Hallo Twizzler,


    danke für das Thema.

    Ich bin durch die Trockenheit jetzt anders, mit mehr Augenmerk auf meinen Bedürfnissen, gleichzeitig haben sich durch die Trockenheit manche Bedürfnisse auch geändert (ich mag andere Gespräche z.B.) und gleichzeitig hat sich durch mein ganz normales Älterwerden (und weiser ;) ) auch manches geändert. Bin ich sorgsamer mit meiner Zeit und achtsamer mit mir.

    Eine ehemalige Freundin ist mir abhanden gekommen, ihr „fehlte“ mit mir die „Leichtigkeit“. das hat mich vor ein paar Jahren etwas ins Grübeln gebracht, ähnlich wie bei dir jetzt, vielleicht, aber ich habe mit einer anderen sehr guten Freundin darüber gesprochen, und sie empfand das nicht so. Und ich empfinde es auch nicht so. Da hat es dann einfach nicht mehr gepasst.


    Ich bin wie du wirklich gern alleine, aber ich ermahne mich manchmal, die wenigen Freundschaften, die ich habe, auch zu pflegen, denn gerade, weil ich auch keine(n) Partner(in) habe, ist die Verbundenheit, die ich zu meinen wenigen FreundInnen spüre, schon sehr wichtig für mich.