KaDett - Nüchternheit als Lebenseinstellung

  • Bei mir war es vor allem Erleichterung, dass ich nicht mehr trinken musste, KaDett!

    Da hat bestimmt jeder von den trockenen Alkoholikern so einiges von sich in Erinnerung. Und das ist für mich selbst abschreckend genug.

    Darüber werde ich mir Gedanken machen. Verzichtsgedanken durch Erleichterung ersetzen. Dabei die alten Erinnerungen an die negativen Seite von der Trinkerei hochholen. Das könnte Verzichtsgedanken vertreiben und Erleichterung herbeiführen. Das versuche ich mal so und auch dass ich das auf diese Weise ändere und neue positive Erleichterung festige.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • . Den körperlichen Entzug habe ich ja schon Monate hinter mir, aber mit dem seelischen Entzug fange ich gerade erst an.

    Das ist eine sehr wichtige Selbstanalyse.
    Eine Weisheit hier heißt, "nur nicht trinken reicht nicht".
    Die letzten 7 Monate hast du wohl maßgeblich nur nicht getrunken. Der körperliche Entzug war spätestens nach 14 Tagen durch.
    Die psychische Abhängigkeit ist nach wie vor da.
    Sie ist auch der wesentlich schwierigere Teil.

    Es geht immer um die Stabilisierung der Abstinenz. Wie mache ich das?
    Der erste Wegweiser sind die Grundbausteine und Wissen über Fakten der Alkoholsucht.
    Ein Alkoholiker ist suchtkrank.
    Will er abstinent für immer leben, kann er keinen Alkohol mehr trinken, keinen, nie wieder, ob ihm das passt oder nicht.
    Tut er es doch, kann er sehr schnell an einen noch tieferen Punkt gelangen, als sein Ausstiegspunkt war. Die Suchtspirale kennt nur eine Richtung – abwärts.

    Das sind Fakten und sie müssen zu meinen Glaubensätzen werden, damit ich sie nicht immer wieder hinterfrage.
    Warum werden sie hinterfragt? Weil sie meinen alten, einprogrammierten Erfahrungen und Glaubensätzen widersprechen.
    Es kann nicht sein, was nicht sein darf! oder Es kann nicht sein, was ich nicht kenne! oder noch schlimmer Es kann nicht sein, was ich nicht will.

    Zuerst habe ich alle Grundstrukturen, die mit Alkohol zu tun hatten geändert
    - Grundbausteine umgesetzt, so gut es mir möglich war
    - keine sozialen Events mit Alkohol
    und ich habe mir viel Wissen über die Alkoholkrankheit angeeignet um dem aufkommenden Widerwillen (gesteuert durch das Suchtgedächtnis) gegenüber den neuen Glaubenssätzen durch weitere Fakten die Grundlage zu entziehen.

    Nach 3-4 Monaten kamen dann vorsichtige Gehversuche in der Öffentlichkeit in Umgebungen mit „normaler“ Alkoholpräsenz. Restaurantbesuche mit meiner Frau etc. und nach 5 Monaten der erste Auslandsurlaub

    Bei den ersten Erlebnissen mit einer Alkohol trinkenden Öffentlichkeit habe ich mich unwohl gefühlt. Ich registrierte jedes Glas, jede Flasche und ich wusste wer Wasser trank.
    Dann kamen die „Sprüche“ des Suchtgedächtnisses, „…ach wär das jetzt schön,,,,“, usw. und so fort.
    Ich konnte sie anfangs nicht abstellen und das kann ich heute noch nicht. Sie sind seltener geworden und ich beantworte sie kurz und knapp. Punkt und erledigt. Willentlich kann ich sie nicht unterdrücken aber ich habe gelernt, damit um zu gehen. So gibt es viele weitere Beispiele.

    Es ist schwer zu beschreiben, aber es war und ist ein lang anhaltender Prozess, die Psyche umzuprogrammieren. Gerade am Anfang meide ich Risiken, die ich kenne, kennengelernt habe und deren Wirkung ich nicht einschätzen kann. Z.B. hat mir ein Restaurantbesuch immer wieder gezeigt, wo ich stehe, wie ich reagiere und ich wurde sicherer in der Abschätzung von unbekanntem Umfeld und habe meinen Lebensraum erweitert.
    Zeitgleich ging meine tägliche Auseinandersetzung mit meiner Alkoholkrankheit hier in diesem Forum weiter.
    So werden aus Erfahrungen und Selbstreflektion neuen Strukturen, Verhaltensmuster und die neuen Glaubenssätze werden immer selbstverständlicher.
    Irgendwann konnte ich die neuen Fakten akzeptieren, ohne Wenn und Aber und wenn doch mal etwas aufblitzt, wird es durch geübte Verhaltensmuster in die Schranken gewiesen.

    Dieser Prozess kennt kein Ende und er hat ein entscheidendes Merkmal: Er braucht Zeit.
    Zeit, die meiner anfänglichen Ungeduld im Wege stand. Ich habe gelernt, mit mir geduldig zu sein und mir die Zeit zu geben.

    Eines ist bei diesem Prozess wichtig. Ich will die Risiken kennen und einschätzen und sollte ich mich doch mal überschätzt haben, weiß ich was zu tun ist. Mein persönlicher Notfallkoffer ist jederzeit bei mir und wenn auch der an seine Grenzen kommt, will ich immer so gehandelt haben, dass ich mich nicht einem Zwang unterziehen muss, weil ich die Situation für mich nicht beenden kann.

    Da du nun schon 7 Monate abstinent bist, wird sich bei dir einiges anders darstellen. Vlt. kannst du für dich etwas mitnehmen.

    Viele Grüsse

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Bier ist mir egal. Alkoholfrei ist es einfach ein Getränk. Sehe es höchstens als kleine Abwechslung zu Wasser und Tee. Selbst wenn ich früher mal keinen Wein hatte, habe ich nicht auf Bier zurückgegriffen um mein Level zu bekommen. Bier ist etwas was ich nicht haben muss, von daher ist das kein Thema für mich.

    Interessant, dann muss ich mal gucken, ob ich beim nächsten Einkauf alkoholfreien Whisky finde, denn Whisky mochte ich auch nie ... dann wird mir die alkoholfreie Variante, so vorhanden, bestimmt schmecken...

    Im Ernst: Geh davon aus, dass es dein Suchthirn ist, das dir diese "Alternative" vorschlägt, und das ist einfach ein unnötiges Risiko, dem Du Dich da gerade am Anfang aussetzt. Denn es sieht aus und riecht wie Alkohol, und das sind gefährliche Trigger, die irgendwann zum Original führen.

    Ich fand es am Anfang auch schwierig, Alternativgetränke zu finden, die weder "langweilig", koffeinhaltig oder süß sind. Dazu gibt es hier aber einen eigenen Faden zum Nachlesen mit vielen Ideen, kann ich nur empfehlen.

  • Selbst wenn ich früher mal keinen Wein hatte, habe ich nicht auf Bier zurückgegriffen um mein Level zu bekommen. Bier ist etwas was ich nicht haben muss, von daher ist das kein Thema für mich.

    Da bin selbst ich, der nicht so streng unterwegs ist wie viele andere hier, etwas überrascht. Der Wein und Sekt meiner Frau -sie trinkt nur sehr wenig- war mir immer wurscht. Aber ich käme niemals auf die Idee, mir sog. alkoholfreien, zumeist jedoch alkoholarmen Wein oder Sekt zu kaufen, um ein Alternativgetränk für mich oder zum Anstoßen zu haben. Ich weiß nicht mal ansatzweise, was ich mit dem Gesöff anfangen soll.


    Wenn Du mich fragst, was das beste Getränk der Welt ist, dann gibt's die einfache Antwort: "Wasser". Wir haben immer kistenweise daheim, allerdings von der besseren Sorte, da auch Wasser sehr unterschiedlich schmeckt. Daher hat der Wassersommelier durchaus seine Berechtigung.


    Kleiner Tipp: Schnibbel doch mal Minzblätter, Ingwerscheiben und etwas Zitrone/Limone dran, dann hat es einen ganz anderen Geschmack.


    Du wärst m.E. gut beraten, diese Idee noch mal kritisch zu beleuchten.

  • - Nayouk dein Beitrag inspiriert mich und ich kann daraus einiges mitnehmen. Vielen Dank dafür. Und das stimmt genau, die letzten 7 Monate habe ich tatsächlich nur nicht getrunken. Und ich habe gemerkt, dass das nicht genügt. Was ja hier auch gesagt wird. Das genügt nicht. Da stimme ich absolut zu, habs ja selbst aus eigener Erfahrung gemerkt. Deshalb bin ich nun hier um an mir zu arbeiten und stabil zu werden. Es gibt viel zu tun und ich lerne hier jede Menge für mich Neues.

    - Rennschnecke ich habe keine Bier im Haus weder alk-frei noch anderes, ich kaufe das auch nicht und trinke das auch nicht. Hatte nur gedacht es könnte eine Möglichkeit z.B. im Restaurant sein. Muss aber nicht sein, ich trinke da meistens einfach eine Flasche Wasser.

    Wo finde ich denn den Tread über Alternativgetränke die weder koffeinhaltig noch süß sind. Da würde ich gerne stöbern und neue Ideen finden.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hallo Carl Friedrich, ich kaufe doch kein alkoholfreies Bier. Es war nur als Idee um mal irgendwo etwas anderes zu trinken.

    Wasser trinke ich am meisten gefolgt von Tee und morgens Kaffee. Das es Wassersommelier überhaupt gibt wusste ich nicht, sehr interessant. Ich finde auch, dass es da geschmacklich Unterschiede gibt. Ich trinke aber auch oft einfach Leitungswasser.

    Habe ich auch schon gemacht mein Wasser mit Minze oder Zitrone oder Ingwer aufzupeppen. Ist echt lecker.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Alex07
    26. Oktober 2022 um 20:09

    Das ist so der neueste Thread dazu, den ich gefunden habe.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Ah ja. Danke Rennschnecke . Der hier ist auch gut.

    Carl Friedrich
    29. November 2021 um 16:05

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Ich werde mich heute weiterhin mit „Verzichtsgedanken“ befassen. Dabei versuche ich mal „trocken“ zu denken. Gestern habe ich verstanden dass es einen gravierenden Unterschied macht „nass“ zu denken oder „trocken“ zu denken. Das war ziemlich Neuland für mich weil ich mich damit noch nie auseinandergesetzt gesetzt habe. Ich habe lediglich nur nicht getrunken. Jetzt will ich gerne so denken lernen wie ihr hier und versuche das zu üben und zu verinnerlichen.

    Können Verzichtsgedanken durch Vermeidung von alkoholischen Situationen gar nicht erst aufkommen?

    Und wenn man diese Erleichterung und Freiheit tief im Herzen spürt, haben dann Verzichtsgedanken überhaupt eine Chance?

    Wie nah liegen Verzichtsgedanken und Suchtdruck oder Cravings zusammen?

    Ich lebe in einem ziemlich „trockenen“ Umfeld. Das kommt mir Zugute weil ich da wenig getriggert werde. In meinem Familienkreis habe ich gesagt, dass ich keinen Alkohol mehr trinke, dies aber auf die Gesundheit und Medikamente geschoben, was auch tatsächlich stimmt. Das ist mit ein großer Aspekt warum ich aufgehört habe. Aber mein wichtigster Grund dass ich aufgehört habe, war das Gegenüber im Spiegel, da habe ich gesehen wie es um mich steht und ich in dieser Abwärtsspirale stecke und wenn ich jetzt nicht aufhöre, es mein Untergang ist. Denn ich konnte nicht mehr aufhören zu trinken und es wurde eher mehr. Meine gesundheitlichen Probleme kommen vom Alkohol. In meiner Arztpraxis und auch bei Fachärzten habe ich offen gesagt wieviel ich getrunken habe und aufgehört habe. Zwischenzeitlich kam es zu gesundheitlichen Verbesserungen und das empfand ich als Belohnung.

    Jedenfalls möchte ich mir nun „trockene“ Gedanken machen. Als Themen kommen nun noch Geduld und Gelassenheit dazu.

    Gestern in einem anderen Tread habe ich verstanden wie ihr denkt und was ihr meint. Da hat mir ein Beispiel von Alex auf dem Weg geholfen, mit den Windeln. Das war perfekt für mich und es hat Klick gemacht. Ich bitte wieder um eure Hilfe. Könnt ihr dieses „trockene“ Denken und Handeln an Hand von solchen Beispielen aufzeigen. Bei mir war richtig der Groschen gefallen. Das werde ich mir dann auch für immer merken und daran denken, auch so zu denken. Ich vermute, dass das in Fleisch und Blut übergeht. Dazu muss aber bei mir unbedingt der Groschen fallen. Versteht ihr wie ich das meine? Wenn ich was verstehe, logisch finde, dann sitzt das dauerhaft.

    Meine Themen Verzichtsgedanken, Geduld und Gelassenheit stehen auf meiner Liste und damit werde ich mich in nächster Zeit befassen. Ich habe mir zu Weihnachten 3 Karten-Sets gekauft. Je eins mit Impulsen für Gelassenheit, Achtsamkein und 1% Veränderung 100% Wirkung.

    Ab und zu gehen wir in ein Restaurant, da habe ich mir überlegt, dass ich mich an Tische setze wo mein Blick zur Wand geht. Dann sehe ich andere Gäste nicht und was sie trinken. Ich schaue zu meinem Gegenüber, wir erzählen, ich genieße mein Wasser und freue mich auf mein Essen. Genau wie ich mir die Alkoholregale im Supermarkt nicht mehr ansehe, sehe ich mir auch nicht mehr die Weingläser anderer Gäste an.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Nun ist alle Anfangseuphorie löblich, aber trocken zu werden ist ein langer Prozess. Ein Marathon, kein Sprint.

    Können Verzichtsgedanken durch Vermeidung von alkoholischen Situationen gar nicht erst aufkommen?

    Nein, sie sind flexibel und passen sich an Emotionen und Situationen an.

    Und wenn man diese Erleichterung und Freiheit tief im Herzen spürt, haben dann Verzichtsgedanken überhaupt eine Chance?

    Ja, haben sie, denn es wurde ja auch gesoffen wenn man sich gut gefühlt hat.

    In meinem Familienkreis habe ich gesagt, dass ich keinen Alkohol mehr trinke, dies aber auf die Gesundheit und Medikamente geschoben, was auch tatsächlich stimmt.

    Was machst du, wenn jemand dich darauf anspricht und fragt, ob du Alkoholiker bist?

    Ich lebe in einem ziemlich „trockenen“ Umfeld.

    was heißt ziemlich?

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Nun ist alle Anfangseuphorie löblich, aber trocken zu werden ist ein langer Prozess. Ein Marathon, kein Sprint.

    Nein, sie sind flexibel und passen sich an Emotionen und Situationen an.

    Ja, haben sie, denn es wurde ja auch gesoffen wenn man sich gut gefühlt hat.

    Was machst du, wenn jemand dich darauf anspricht und fragt, ob du Alkoholiker bist?

    was heißt ziemlich?

    Das denke ich auch, dass ein langer Prozess vor mir liegt, lebenslang. Da kommt nun Geduld ins Spiel, eben geduldig mit mir sein und mir Zeit zu nehmen.

    Dann sind Verzichtsgedanken nah mit Suchtdruck verbunden und Wachsamkeit ist geboten. Immer.

    Das stimmt, erst trank ich zur Entspannung vom Stress, aber dann egal wie ich mich gefühlt habe. Sucht.

    Ziemlich trockenes Umfeld heißt, dass in meinem Zuhause gar kein Alkohol getrunken wird, auch Gäste bekommen keinen. Ist nicht im Haus und wird zu keiner Feier oder Besuchen gekauft. Wenn ich Familienmitglieder besuche, ist es so, dass kaum alkoholisches getrunken wird. Aber es kann vorkommen, dass mal ne Flasche Wein da steht. Oder jemand auch mal ein Glas trinkt. Das stört mich nicht, weil es auch selten ist. Mit Kollegen ist es nicht üblich sich nach Feierabend zu treffen. Im Job selbst wird nur Kaffee, Wasser, Cola und Tee getrunken. Im Freundeskreis ist niemand Alkoholiker, kann vorkommen, dass jemand mal ein Bier trinkt. Auf Partys gehe ich nicht und abends in Bars oder so gehe ich auch nicht. In Cafés trinke ich gerne Tee weil da oft ne tolle Auswahl ist. Also mit meinem Umfeld komme ich gut klar was Alkohol betrifft.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Ziemlich trockenes Umfeld heißt, dass in meinem Zuhause gar kein Alkohol getrunken wird, auch Gäste bekommen keinen. Ist nicht im Haus und wird zu keiner Feier oder Besuchen gekauft. Wenn ich Familienmitglieder besuche, ist es so, dass kaum alkoholisches getrunken wird. Aber es kann vorkommen, dass mal ne Flasche Wein da steht. Oder jemand auch mal ein Glas trinkt. Das stört mich nicht, weil es auch selten ist. Mit Kollegen ist es nicht üblich sich nach Feierabend zu treffen. Im Job selbst wird nur Kaffee, Wasser, Cola und Tee getrunken. Im Freundeskreis ist niemand Alkoholiker, kann vorkommen, dass jemand mal ein Bier trinkt. Auf Partys gehe ich nicht und abends in Bars oder so gehe ich auch nicht. In Cafés trinke ich gerne Tee weil da oft ne tolle Auswahl ist. Also mit meinem Umfeld komme ich gut klar was Alkohol

    Liest sich doch vorbildlich an. Außer, da habe ich immer wieder meine Bedenken. Ich weiß nicht, was das Unterbewusstsein mit mir macht, wenn da eine Flasche Wein steht, obwohl mein Bewusstsein sagt, das macht mir nichts aus.

    Natürlich komme ich auch in solche Situationen. Am Anfang meines Weges hatte ich alles gemieden. Mittlerweile fällt es mir zumindest oberflächlich nicht mehr auf. Angst, dass jemand neben mir trinkt, habe ich nicht, aber auch nach fast 18 Jahren trocken sein, habe ich nie den nötigen Respekt vor der Sucht verloren.

    Weiter so.

    Ein Tipp noch. Bleibe weiter offen für solche auch manchmal gefühlten unangenehmen Austausch, das hilft mehr als alles andere.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Wow Hartmut Hut ab. 18 Jahre. Ich freue mich mit dir.

    Du hast wirklich Recht. An Weihnachten war komplett alkoholfrei, niemand hatte was alkoholisches getrunken. Aber eine Flasche. Rotwein stand in der Ecke. Irgendwann habe ich sie gesehen und hatte voll Cravings. War ganz nah dran mir die Flasche zu nehmen und was einzuschenken. Habe dann viel Tee getrunken und nicht mehr hingeschaut. Weit und breit kein Alkohol, dann nur diese eine Flasche wäre mir fast zum Verhängnis geworden. Da habe ich gemerkt, dass ich noch nicht stabil bin. Und noch einiges an Arbeit zu tun ist.

    Der Austausch hier und was und wie ihr schreibt hat mich in den paar Tagen schon weiter gebracht. Ich hatte mit innerer Arbeit bisher noch keinen Handschlag getan. Habe erst in diesem noch kurzen Jahr angefangen. Und meine Liste wird immer länger. Das ist wirklich lebenslange Arbeit. Danke dir sehr und echt 18 Jahre sind schon eine Bank. Ich habe am Anfang die Tage gezählt, dann die Wochen und Monate. im Frühling wird es ein Jahr. Also schon gut, aber nicht safe. Ich schreibe hier weiter und hoffe auf weiter Groschen die fallen und werde auch viel lesen. Gut im Alltag eben wenn ich Zeit habe. Bin ja berufstätig und andere Verpflichtungen. eInfach so wie es mir möglich ist.

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  • Hmmh, vor zwei Stunden hast Du geschrieben:

    Aber es kann vorkommen, dass mal ne Flasche Wein da steht. Oder jemand auch mal ein Glas trinkt. Das stört mich nicht, weil es auch selten ist.

    Und jetzt:

    An Weihnachten war komplett alkoholfrei, niemand hatte was alkoholisches getrunken. Aber eine Flasche. Rotwein stand in der Ecke. Irgendwann habe ich sie gesehen und hatte voll Cravings. War ganz nah dran mir die Flasche zu nehmen und was einzuschenken

    Wie passt das zusammen?

    (Musst Du gar nicht unbedingt mir beantworten, aber unbedingt dir selbst.)

  • Da war ich bei der Familie auf Besuch, ich war nur Gast. Es hat niemand etwas alkoholisches getrunken, aber in einer Ecke stand eine Flasche Wein. Vielleicht weil Weihnachten war. Das war ja nicht bei mir zuhause. Bei mir Zuhause gibt es schon seit Monaten keinen Alkohol. Generell wird in meiner Familie sehr gerne und viel Tee getrunken. Egal bei wem ich da zu Besuch bin. Ich habe Eltern und Geschwister und erwachsene Kinder mit Partnern, ebenso Schwiegereltern.

    Verstehst du wie ich das meine Rennschnecke? Ich kann ja nicht woanders bestimmen ob dort Alkohol im Hause ist oder irgendwo eine Flasche Wein steht. Ich kann nur bei mir zuhause bestimmen welche Getränke es gibt und was da steht.

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  • Ja, verstehe ich. Ist ja erst mal gut, dass sie kaum trinken (meine Familie trinkt abends schon etwas mehr, wenn ich alle paar Monate mal da bin).

    Aber wenn Du schon so kurz davor warst und immer wieder unter Suchtdruck leidest: Was kannst Du tun, um Dich nächstes Mal noch mehr zu schützen?

    Wissen und akzeptieren sie, dass Du nicht mehr trinkst? (Meine ja).

    Wissen sie auch, warum genau? ( Meine nicht die ganze Wahrheit, nur allgemein gesundheitliche Gründe...)

    Und wenn mir jemand alkfreies Bier anbietet, weil ich Biertrinkerin war, sage ich, dass ich das auch nicht trinke, weil ich sonst irgendwann "richtiges" wollen würde - und das eben nicht mehr will. Nicht gelogen, nur nicht die ganze Wahrheit. )

    Wie gesagt; Solche Fragen bitte nicht als Vorwurf, sondern als Anregung verstehen.

  • Ich verstehe deine Anregungen und danke dir dafür 😊

    Alle in meiner Familie freuen sich, dass ich nichts mehr trinke und finden es gut.

    Ich spreche aber generell nicht über das Thema. Ich habe nur gesagt, dass ich keinen Alkohol mehr trinke aus gesundheitlichen Gründen welche ich auch genannt habe. Hier tue ich das nicht, tut nichts zur Sache. Aber die gesundheitlichen Gründe sind dauerhaft und werden nie wieder gut. Also passt es, das ich das immer so sagen kann. Somit wissen sie nicht aus meinem Mund, dass ich Alkoholikerin bin und nun für immer abstinent lebe. Ich sehe meine Familienmitglieder auch nicht täglich. Meistens fahre ich zu Besuch hin. Wir alle wohnen etwas weiter auseinander. Ich habe hier im Forum gelesen, dass man die Wahrheit in seinem Umfeld sagen soll. Das habe ich noch gar nicht gemacht. Im Job werde ich das auch nicht machen, dazu gibt’s keine Veranlassung. Bei Freunden sage ich auch nichts. Wenn ich gefragt werde was ich trinken möchte sage ich einfach einen Tee. Oder Wasser. Ich wurde noch nie von jemandem gefragt warum ich keinen Alkohol trinke, deshalb sage ich darüber unaufgefordert auch nichts. Ich spreche mit niemandem über das Thema. Hier findet jetzt mein Austausch statt. Mir fällt es selbst schwer mit mir klar zu kommen dass ich Alkoholikerin bin. Das auszusprechen habe ich erst hier angefangen. Setze mich da mit mir selbst ständig auseinander. Ich schüttelte den Kopf und kann’s nicht verstehen. Ich dachte immer es sei Willensschwäche. Erst hier lese ich von Krankheit. Ich bin da mit mir noch überhaupt nicht im Reinen. Zu akzeptieren fällt mir schwer. Ich fange erst an alles aufzuarbeiten.

    Irgendwie schäme ich mich wegen der Trinkerei, hadere mit mir selbst soviel Jahre meines Lebens vermasselt zu haben. Ich war auch noch nie in einer vor Ort Selbsthilfegruppe, wo man sich persönlich gegenüber sitzt. Habe auch noch nie irgendeine Therapie gemacht. Depressionen, Ängste oder so habe ich nicht.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Ich war auch noch nie in einer vor Ort Selbsthilfegruppe, wo man sich persönlich gegenüber sitzt. Habe auch noch nie irgendeine Therapie gemacht. Depressionen, Ängste oder so habe ich nicht.

    Auch ich war in keiner realen SHG, ich hatte nur das Forum hier. Der regelmäßige Austausch, indem man auch alles in Bezug auf den Alkohol schildert, hilft enorm weiter.

    Die Reaktionen kommen prompt! ;)

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Gefällt mir, was du heute geschrieben hast. Du bist auf dem richtigen Weg.

    So wie du dich deinem Umfeld mitteilst, so halte ich es auch.
    Das kann jeder für sich selbst entscheiden und bei jedem sind die Verhältnisse anders gelagert.
    Komplettes Outing oder differenzierter zurückhaltend hat beides vor und Nachteile und ich sollte mir dessen bewusst sein.

    Können Verzichtsgedanken durch Vermeidung von alkoholischen Situationen gar nicht erst aufkommen?

    Verzichtsgedanken können alle möglichen Ursachen und Trigger haben. Wenn ich diese Situationen bewusst meide, schliesse ich einen grossen Teil der Ursachen aus.
    Das hat mir gerade am Anfang geholfen. Wenn ich am Anfang noch nicht stabil bin, muss ich mir ja das Leben nicht unnötig schwer machen, oder gar Risiken heraufbeschwören.

    Und wenn man diese Erleichterung und Freiheit tief im Herzen spürt, haben dann Verzichtsgedanken überhaupt eine Chance?

    Wenn du mit Chance meinst, dass die Verzichtsgedanken überhaupt hochkommen können, dann sage ich "Ja".
    Manche haben gar keine, ich habe immer weniger und ich behandele sie immer gleich. Ich spüre in dem Moment keinen Verzicht, es war der Gedanke und nicht ich..
    Seit ich das verinnerlicht habe, kann ich die Gedanken genauso schnell ablegen, wie sie gekommen sind.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

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