Beiträge von Carl Friedrich

    Hallo!

    Nein, so einen Druck, dass ich verwahrlost morgens um 7 losgezogen bin, um Stoff zu beschaffen, kenne ich nicht.

    Wie Du selbst beschrieben hast, kannst Du den Konsum wohl nicht kontrollieren. Nach einem Bier geht die Post ab, das nennt sich Kontrollverlust und ist ein Anzeichen für Alkoholismus. Vor meinem Ausstieg konnte ich meinen Konsum nur unter der Woche mit Mühe drosseln (nicht mehr als 3-4 Flaschen Bier), um am nächsten Tag irgendwie arbeitsfähig zu sein. Dafür ging es dann am Freitag 18.00 Uhr los, als gäbe es kein morgen mehr.

    Apropos: Mich irritiert die Überschrift deines threads. Ich habe mehrfach Leute kennen gelernt, die so was von sich behaupteten. Bei ihnen war alles anders, deshalb schlugen sie alle Ratschläge und Warnungen in den Wind. Sie meinten, so weiter leben zu müssen wie bisher, halt nur ohne Alkohol. Sie sind alle verunfallt.

    Es gibt keine für jedermann gültigen Anweisungen, sich aus dem aktiven Teil der Sucht zu arbeiten, außer das erste Glas stehen zu lassen. Dennoch hat es sich als hilfreich erwiesen, in der ersten Zeit, bis eine gewisse Festigung eingetreten ist, dem Alkohol nicht hinterher zu laufen und sein Leben jenseits und nicht rund um die Flasche zu organisieren.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Wir nehmen auch Traubensaft für die Saucen. Ich kann nicht ausschließen, dass ich im Restaurant auch mal Saucen mit Alk erhalten habe. Mich triggern sie nicht. Nur wähle ich keine Gerichte, bei denen schon klar auf der Karte vermerkt ist, dass sie mit Wein oder Schnaps angemacht sind oder die nach ihrem Namen her, alkohollastig sind.

    Balsamico habe ich auch schon probiert und keine Probleme gehabt.

    Jeder reagiert halt anders auf diese Stoffe. Missbräuchlich gesoffen habe ich keine Saucen und Balsamico, sondern Bier, Schnaps und auch Wein.

    Das ist letztendlich eine Frage des persönlichen und vorsichtigen Austestens. Was mich kalt lässt, kann andere womöglich enorm triggern.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Sunshine!

    Zur Tracking App. Ich habe absolut nichts gegen sie. Was sind ein paar Daten gegen die drastische Beschränkung meiner elementaren Grundrechte in den letzten Wochen? Nichts.

    ich habe noch ein Ersatzhandy. Da kommt dann irgendeine Discounter-prepaid Karte rein und gut ist.

    Viel gelobt wird Südkorea, ein Staat mit rd. 52 Mio Einwohnenern und daher repräsentativ: Da wird massig gestestet, die Läden sind auf, die Krankenzahlen besser als hier und die App funktioniert.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Na, die erhofften Lockerungen sind m.E. etwas mickrig ausgefallen. Ein wenig mehr hätte es schon geben dürfen, z.B. Fitnesstudios, größere Geschäfte. Die 800 qm Regelung ist doch nicht nachzuvollziehen, da größere Läden ganz andere räumliche Möglichkeiten haben, auf Distanz und Hygiene zu achten. Und in großen Supermärkten klappt's ja auch.

    Vielleicht tut sich da ja ab Anfang Mai was.

    So genug gejammert, der Blick geht wieder nach vorne. Kann an der Situation eh nichts ändern.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Sunshine!

    Danke für deinen Gruß.

    Leider sind wir momentan alle örtlich gebunden.

    Unser im Süden studierende Nachwuchs konnte erst gar nicht zu Ostern ausreisen. Und so wurde halt aus der Not eine Tugend gemacht und fleißig gelernt. Was will sollen die Studies auch sonst tun? Studentenparty machen wird polizeilich geahndet wie eine Meldung aus München bestätigt.

    So langsam steigt wieder mein Optimismus, wenn ich so die Meldungen verfolge, dass in absehbarer Zeit Lockerungen kommen.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Gestern ging mir die ganze Corona-Geschichte und die damit für mich verbundene Einbuße an Lebensqualität gehörig auf die Nerven. Ich will mir gar nicht erst ausmalen wie ich in trinkenden Zeiten darauf reagiert hätte. Darunter hätte meine Familie und Umgebeung sicher zu leiden gehabt.

    Und siehe da, meine Laune und Stimmung waren irgendwie vergleichbar mit dem bereits bekannten Suchtdruck. Auch der dauert nicht ewig an. Ich habe mich, so gut es ging, abgelenkt und heute ist schon ein neuer und besserer Tag. Auch hoffe ich auf gewisse Lockerungen im Alltag und Berufsleben, selbstverständlich unter stetiger Beachtung von Abstands- und Hygieneregeln.

    Und die Händeschüttelei ging mir schon immer auf die Nerven, darauf kann ich prima verzichten.

    Mal schauen, wie es weiter geht. Hauptsache wir bleiben alle gesund und ein Impfstoff wird zügig entwickelt.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Cadda!

    Es gibt nicht die alleinige und richtige Strategie gegen den Alkoholismus, außer vielleicht, das erste Glas stehen zu lassen. Und das ist schon schwer genug.

    Wir sind auf unterschiedlichen Wegen in die Sucht gerutscht und unser Ausstieg ist es häufig ebenso. Nur die grundsätzliche Richtung sollte stimmen.

    Oder anders formuliert: Ich kann von Hamburg nach München per Auto den direkten Weg nehmen oder aber, aus welchen Gründen auch immer, den einen oder anderen Schlenker einbauen. Hauptsache wir kommen beide an.

    Zur Ein-Tages-Strategie: Sie hat mir deshalb geholfen, weil mir anfangs noch nicht zu 100% klar und bewusst war, dass ich tatsächlich nie mehr trinken darf. Irgendwie spukte in meinem Hirn noch der Gedanke herum, irgend wann geht doch noch mal was. Es hat 'ne Weile gedauert, bis bei mir der Groschen gefallen war. Dazu bedurfte es viel Lektüre und der abschreckenden Beispiele der Rückfälligen in meiner ambulanten Therapie sowie später meiner analogen SHG.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Dhyana!

    Klasse, dass Du schon so weit gekommen bist.

    Ja, die Ein-Tages-Strategie hat was für sich. So habe ich mir auch in den ersten Wochen und Monaten gleich nach dem Aufwachen geschworen, heute nichts zu trinken. Der jeweilige Tag ist für den Anfänger eine gute Strategie, erst mal nur den sehr überschaubaren Zeitraum von wenigen Stunden vorzunehmen, bevor Frust aufkommt, nie mehr zu dürfen.

    Weiter so.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Vielleicht hilft es, deinen Tag klar zu strukturieren. Aufstehen zu einer bestimmten Zeit, ggf. zur Arbeit, anstehende Erledigungen, Hausarbeit; feste Pausen, sportliche Betätigung, Öesen im Forum oder Fachliteratur....

    Das schafft wenigstens Abwechselung und könnte einem Gedankenkarussel entgegenwirken.

    Einfach so in den Tag hineinleben dürfte in der Anfangszeit nicht so ein guter Rat sein.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Mach dir nicht solche Gedanken.

    Charaktersache?

    Fairneß?

    Du hast in einem emotionell geführten Gespräch etwas übers Ziel hinausgeschossen. Ja und?

    Du hast es überdacht und gut ist. Ich habe, als es mir damals widerfahren ist, auch keine große Sache daraus gemacht. Ist nun mal vorgekommen und dann standen andere und bedeutend wichtigere Dinge im Vordergrund als ein dahingesagter Satz.

    Gruß
    Carl Friedrich


    Das nennt man wohl " nasses" Verhalten.

    Wirklich? Du hattest Streit und wolltest dem Gegenüber wohl eins auswischen. Und hast gleich erkannt, dass du verbal über das Ziel hinausgeschossen hast.

    Das ist mir auch schon 1-2 Male in den ersten Jahren meiner Abstinenz passiert. Da spielen Emotionen einfach eine zu große Rolle, da ein Streitgespräch unter Partnern oder Verwandten häufig ins Emotionale abdriftet.

    Ich würde Achte einfach darauf, dich demnächst verbal etwas besser zu kontrollieren.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Carmen!

    Pellebär hat recht. Deine Denkweise wird sich mit zunehmender Abstinenz kontinuierlich verändern. Das dauert aber und ist keine Frage von Tagen oder wenigen Wochen.

    Anfangs saß tief in meinem Hirn der Gedanke drin, nach ein paar Monaten wieder von vorne anfangen und ganz moderat mal ein Bierchen schlürfen zu können.

    Es hat eine ganze Weile gedauert, bis dieser Gedanke da raus war. Dennoch blitzt er jetzt noch ab- und an mal auf und wird von mir sogleich verworfen. Ich weiß genau, dass so eine Nummer nur ganz kurze Zeit bei mir gut ginge und ich ruckzuck wieder in den Strudel nach unten geriete.

    Lehrreich war mir insoweit der Kontakt zu Rückfälligen in meiner ambulanten Therapie bzw. meier analogen SHG.

    Am eindrucksvollsten waren die Ausführungen eines Polytox: "Wenn ich jetzt nachgebe, fängt die ganze Schei... wieder von vorne an." Ich habe den Herrn bildlich vor Augen. Nur ging es bei ihm nicht um den Alk, sondern bei diesem Beispiel ums Kiffen. Macht im Ergebnis aber keinen Unterschied.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Tolle Familie, guter Job, gute Ausbildung, läuft auch ohne Alkohol ganz prima.
    Schnell schleicht sich der Gedanke ein, dass, weil so alles in Butter ist, man ja vielleicht doch nur übertrieben hat & sich doch mal ein Gläschen gönnen könnte.

    Dem wirkt tägliche Beschäftigung mit der Materie entgegen. :winking_face:

    Hallo!

    Da hat Dante absolut recht. So sahen es auch meine Therapeuten bezüglich meiner Person. Ich hatte noch nicht Führerschein, Familie, Wohnung, Job und Gesundheit versoffen, stand noch nicht mit einem Bein im Grab. Ich bin einfach in die Sucht durch zu regelmäßigen und stets gestiegenem Konsum rein gerutscht.

    Ich war halt noch nicht ganz tief unten angelangt. Dies nennen viele Aussteiger ihren persönlichen Tiefpunkt, den sie zugleich auch benötigten, um umzusteuern. Letztere können sich bei aufkommendem Suchtdruck einfach mal vorhalten, von wo sie kommen und sie dort nie mehr hinmöchten.

    Es war auch für mich ein längerer Prozess bis ich wirklich eingesehen hatte, dass bei mir nichts mehr mit Alkohol geht, auch nicht ein Gläschen.

    Am Schluss meiner ambulanten Therapie gab mir ein erfahrener Suchtmediziner mit auf den Weg: "Den ersten Schritt in Richtung Rückfall macht man, wenn man sich nicht mehr regelmäßig mit der Krankheit auseinandersetzt."

    Diese Auseinandersetzung muss nicht täglich stattfinden. Die Art und Weise bleibt jedem selbst überlassen. Anfangs besuchte ich noch eine "analoge" SHG, die mir mit der Zeit aber zu besitzergreifend wurde und mir nichts mehr brachte. Seitdem (knapp 3 Jahre) bin ich nur noch digital unterwegs und komme damit hervorragend klar, meine ich zumindest :wink:

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Hallo!

    Ersetze dden Begriff der Schuld doch einfach durch den der "Verantwortung". Du bist für dich, dein Tun und deine Krankheit verantwortlich. Und dieser Verantwortung stellst Du dich, indem Du aktiv etwas gegen die Sucht unternimmst. Später kannst Du dich dann immer noch bei denen entschuldigen, denen Du weh getan hast. Das klappt m.E. besser, wenn Du schon eine Weile clean bist, damit diese Personen sehen, dass Du es wirklich ernst meinst.

    Mein Rat zu den Büchern: Fang mit dem Borowiak an, der ist total locker geschrieben.

    Gruß
    Carl Friedrich


    Zu oft habe ich versagt.

    Hallo!

    Mich stört das Wort "versagt". Es beinhaltet einen schweren persönlichen Schuldvorwurf. Und der ist fehl am Platze.

    Du bist "schwach" geworden, weil Du alkoholkrank bist. Diese Schwäche ist doch gerade kennzeichnend für unsere Krankheit, deshalb hat sie so viele Opfer.

    Das Geheimnis dieser Schwäche liegt im Suchtgedächtnis begründet. Und das sitzt nun mal in dem Teil unseres Hirns, in dem die automatischen Abläufe wie Gehen, Laufen, Schwimmen, Radfahren .... abgespeichert sind.

    Man kann das Suchtgedächtnis mit einer Software auf einem Computer vergleichen, die nicht deinstalliert, sondern nur überschrieben werden kann. Dennoch zuckt das alte Program ab- und an und zeigt, das es noch da ist.

    Du bist jetzt eine Weile standhaft geblieben, warum sollte es dir nicht in Zukunft auch gelingen?

    Mir schrieb hier der gute Dante vor 4 3/4 Jahren, als ich von heftigem Suchtdruck durchgeschüttelt wurde, dass mich jede Triggerabwehr für die Zukunft stärker macht. Recht hatte und hat er.

    Mein Tipp: Beschaffe dir Lektüre:

    Empfehlen kann ich für den Neueinsteiger

    a) Alk von Borowiak

    b) Lindemeyer "Lieber schlau als blau".

    Gruß
    Carl Friedrich

    Vielen Dank für eure Einschätzungen! Ich werde die Suchtberatungsstelle auf jeden Fall kontaktieren und hier am Ball bleiben!

    Hallo!

    Das ist ein richtig guter Schritt, externen Sachverstand hinzuzuziehen, anstatt nur im eigenen Saft zu schmoren.

    Ich bin seit knapp 5 Jahren clean und habe eine ambulante Therapie gemacht. Daneben tummelte ich mich in diesem Forum und zog Fachliteratur und zwar aus

    a) Therapeutensicht und

    b) Patientensicht

    hinzu. Alle diese 3 Elemente griffen nachher wie die Rädchen einer Maschine ineinander.

    Es geht sicherlich auch ohne Therapie, das gilt aber nicht für jedermann. Manche benötigen halt begleitende Hilfe "vor Ort".

    Schau doch einfach mal

    a) in Fachliteratur an

    b) die eine oder andere analoge SHG "vor Ort" ab, auch wenn es zur Zeit keine Treffen geben dürfte.

    Gruß
    Carl Friedrich