Beiträge von Carl Friedrich

    mich würde mal interessieren inwieweit eine „Klassifikation“ und „Typologie“ etwas für mich bringt ? Außer dem Wissen darüber ändert sich ja nicht meiner Krankheit. Oder ?

    Hallo Hartmut!

    Es war mir völlig klar, dass Du mit genau dieser Frage kommst. :wink:

    Ob sie was bringt?

    Jeder ist verschieden. Es gibt Leute, die sich intensiver mit ihrer Suchtgeschichte auseinandersetzen und solche, die primär auf die Gegenwart und die Zukunft achten. Ich persönlich finde die Klassifizierung interessant, aber sie wird mich nicht abstinent halten. Vor diesem Hintergrund ist sie für mich rein theoretischer Natur. Jedoch passt sie in den Kontext der von mir gelesenen Fachliteratur aus Therapeutensicht und meiner absolvierten amulanten Therapie.

    Dir Hartmut, wird sie wahrscheinlich nichts bringen, da ich dich als reinen "Macher" einschätze, den theoretische Ansätze und Begründungen eher etwas weniger interessieren. Du hast deinen eigenen Weg gefunden und verfolgst ihn mit Disziplin und Konsequenz. Das ist für dich genau richtig. Andere haben gerne noch hier und da ein kleines "Schmankerl" aus der Wissenschaft/Theorie dabei.

    Gruß
    Carl Friedrich


    Alle Süchte haben den gleichen Mechanismus. Verstehe deshalb die Aufregung um Alkoholismus gegenüber anderen Süchten nicht; gerade dann, wenn man trocken ist, aber noch fleißig Teer in die Lunge zieht. :roll:

    Hallo!

    Ja, mein ehemaliger Therapeut qualmt, zwar nur 4-5 Stück am Tag, aber er schafft es angeblich nicht, sie links liegen zu lassen.


    1 Monat hat meine Frau jetzt durchgehalten. Sie hat schon täglich Schmacht auf 'ne Kippe, aber das bessert sich mit der Zeit. Wichtig ist es
    , dass Suchtgedächtnis wie bei uns Alkoholkern zu überschreiben und Rituale zu durchbrechen. Es ist noch ein langer Weg für sie, aber wir sind optimistisch. Eine Herausforderung wird der demnächst anstehende Urlaub in einem südlichen Land mit niedrigen Zigarettenpreisen sein. Da hat sie sich in den letzten Jahren immer 2 Schachteln am Tag reingezogen. Da werde ich mit ihr noch was trainieren müssen.

    Positive Begleiterscheinung: Ihre Husterei hat deutlich nachgelassen. So wie ich zu Beginn meiner Abstinenz alle möglichen Ärzte aufgesucht habe, werde ich sie mal beim Lungenfacharzt anmelden.

    Ansonsten geht es mir gut. Der heiße Sommer lässt überhaupt keine Lust auf ein Bier aufkommen. Im Gegenteil: Ich frage mich, wie ich früher bei so Temperaturen saufen konnte. Ich bin froh, dass ich mir jetzt Saftschorlen, Kaffee, Wasser und 0-Cola reinziehen darf. Der Anblick von Bier stößt mich momentan eher ab.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Ich bin überrascht, welchen unangenehmen Verlauf dieser thread nimmt. Ich möchte die Beteiligten ermuntern, etwas mehr Gelassenheit walten zu lassen.

    Die Außenwirkung ist momentan schon sehr unglücklich, so meine bescheidene Sicht der Dinge.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Wenn ich ehrlich bin sah das Bier am Nebentisch schon recht lecker aus, aber ich trinke ja nun mal nicht.

    Überhaupt geht mir das immer noch viel zu einfach. Deswegen heißt das weiterhin: Sehr gut auf der Hut sein!

    Hallo!

    Du wandelst auf einem riskanten Weg. Schon nach ein paar Tagen in Restaurants gehen, in denen Du früher getrunken hast, kann heikel werden. Wenn das Bier so lecker aussieht, ist es womöglich nicht mehr weit bis zur Bestellung und dem Konsum. Auch kannst Du von dem Anblick so angespornt werden, dass sich auf dem Weg nach Hause oder nach der Rückkehr der unstillbare Durst nach einem Bier einstellt. Die Gefahr für einen Neuanfänger ist nicht nur das Bistro, sondern die Folgewirkung des Anblicks deiner früheren Lieblingsgetränke, die sich erst einige Zeit darauf ihren Weg bahnen. Wiege dich bitte nicht in falscher Sicherheit, wenn Du das Bistro nüchtern verlässt. Das dicke Ende kann durchaus später folgen.

    Gruß
    Carl Friedrich


    Mein Problem ist allerdings auch das ich zwar hier im Forum zugeben kann das ich ein Alkoholproblem habe, aber so richtig eingestehen kann ich es mir draußen noch nicht.

    Hallo!

    Die Frage, wen man alles von seiner Krankheit unterrichtet, wird hier sehr unterschiedlich gehandhabt. Grundsätzlich entscheide ich allein, wen ich einweihe und sonst niemand. Ich habe den Kreis sehr eng gezogen und bin damit bislang gut gefahren. Andere hier im Forum gehen damit wesentlich offener um.

    Du lebst erst ein paar Wochen abstinent. Da kann man nicht erwarten, auf jede Frage schon die passende Antwort parat zu haben. Mit der Zeit verändert sich dein Blickwinkel auf die Krankheit und wie Du mit ihr umgehst und wen Du ggf. noch einweihst. Hierauf gibt es m.E. keine für jedermann gültige Antwort.

    Wichtig ist, dass Du dir selbst eingestanden hast, alkoholkrank zu sein. Das ist schon mal das Fundament, auf das Du aufbauen kannst. Alles weitere wird die Zeit zeigen. Nimm sie dir.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Wie sich die Süchte doch ähneln. Heute nachmittag wollte ich eigentlich mit meiner Frau raus irgendwo einen Kaffee trinken. Sie wollte nicht. Begründung: Draußen hocken zu viele Raucher, das würde sie momentan zu sehr triggern. Klar konnte ich das einsehen. Die Vorgehensweise nennt sich Risikominimierung. Statt dessen haben wir einfach früher den Grill angeworfen.

    Ich habe ihr erklärt, dass sich mit zunehmender Zeitdauer der Abstinenz auch die Wahrnehmung verschiebt. Ging ich früher in ein nachmittags in ein Cafe, habe ich als erstes gecheckt, ob dort jemand Alk trinkt, damit ich nicht der Einzige bin. Heute nehme ich so was nur noch beiläufig wahr. Es berührt mich nicht. Aber das kann sich auch wieder ändern. Das habe ich auf dem Schirm.

    Gruß
    Carl Friedrich

    :

    Und da der Einflüsterer gerade Null Chance bei mir hat, zieht er sich auch immer ganz schnell zurück.


    Hallo!

    Unterschätze bitte das Suchtgedächtnis (deinen Einflüsterer) nicht. Es bedient sich unterschiedlicher und teilweise ganz perfider Strategien, mal sanft und schmeichelnd, mal ganz brachial. So war es zumindest bei mir. Die ersten Monate/ das erste Jahr ist bisweilen schwierig. Anschließend hast Du schon so einige Situationen mitgemacht und weist mit ihnen umzugehen.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Das mit der Nascherei ist häufig anzutreffen, auch bei mir -habe gerade Pflaumenkuchen gegessen-. Das kann man sogar biologisch erklären. Dein Körper hat den Alkohol letztlich in Zucker umgebaut und dein Körper ist nunmehr an diesen Stoff gewöhnt und verlangt nach ihm. Das wird mit der Zeit besser.

    Der Einflüsterer wird sich noch öfter melden, jedoch werden die Abstände mit der Zeit immer größer.

    Selbiges gilt von Alkoholträumen. Wir verarbeiten mit unserer Träumen unser Leben, zu dem gehört nunmal auch der Suff. Auch das ist ganz normal, so mein Therapeut.

    Wichtig ist, dem Einflüsterer nicht zu gehorchen. Jede erfolgreiche Abwehr eines Trigger macht dich für die Zukunft stärker, so hat es mir in den ersten Monaten mal Dante geschrieben. Recht hatte er.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Sie waren nicht wirklich doll betrunken, aber auch ein ganzes Stück entfernt von Nüchternheit, und das fällt einem dann einfach alles wahnsinnig auf.
    Die Wiederholungen im Gespräch, der etwas stiere Blick, etc. ...

    Hallo Pancho!

    Genau so ist es. Deshalb ziehe ich mich zurück, wenn Leute mehr als 1-2 Glas Bier/Wein/Sekt trinken. Dann werden mir so Herrschaften lästig. Das muss und will ich mir nicht antun.

    Wie schrieb ein früheres Mitglied mal absolut zutreffend: "Sorgen Sie dafür, dass es Ihnen gut geht." Und daran halte ich mich, so gut es eben geht.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Karsten!

    Das ist deine persönliche Meinung, die ich in diesem Fall nicht teile. Wer alles getan, um sich aus der Sucht zu befreien, hat m.E. eine Chance verdient. Bei Wiederholungstätern muss man schon zu härteren Maßnahmen greifen.

    Aber das ist Aufgabe des Gesetzgebers.

    Und zu den Anwälten: Berufsverbot §70 StGB. 1-5 Jahre, in schweren Fällen lebenslang.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Karsten!

    Wichtig ist es authentisch zu wirken und nicht unterwürfig. Es schadet sicherlich nicht zu sagen, man froh sei, dass nichts oder nicht mehr als geschehen passiert sei und man die nötigen Lehren gezogen habe, was ja durch die absolvierten Maßnahmen unterstrichen wird.

    Ist halt eine Gratwanderung.

    So wie Du fragst und schreibst, scheinst du selbst oder eine dir sehr nahe stehende Person von der MPU betroffen zu sein, oder?

    Gruß
    Carl Friedrich


    IUnd das ist das Gefährliche (Schwierige) an der Sache, eine erfunden, unwahre und zusammengeschusterte Geschichte bei der MPU als die eigene wahre Geschichte zu verkaufen, ohne sich bei unvorbereiteten Fragen zu verheddern.


    Hallo!

    Genau sahen das meine Therapeuten.Schön bei der Wahrheit bleiben. Wichtig ist, dass der Psychologe eine Veränderung sieht wie z.B. die obligatorischen Haar- und Urintests, eine erfolgreich absolvierte Therapie und anschließende Teilnahme an einer SHG.

    So wurde es mir auch von MPU-Kandidaten aus meiner letzten SHG berichtet, sie haben alle im ersten Anlauf bestanden.

    Ganz schlechte Karten haben Bagatellisierer und Kandidaten, die feierlich geloben, nie mehr zu trinken.

    Wie heißt es so schön: "Ehrlich währt am längsten".

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Danke für eure Beiträge.

    Ja, die Qualmerei ist wirklich subtiler als der Suff.

    Heute hat sie den 10ten Tag hinter sich gebracht. Das lässt uns hoffen. Ein Heißhunger auf Süßes als Ausgleich hat sich bei ihr auch nicht eingestellt.

    Klar, der Körper hat den giftigen Rauch ja nicht in Zucker umgebaut wie bei mir früher der Alk.

    Und besser Luft bekommt sie auch schon, der typische Raucherhusten lässt nach.

    Wir sind vorsichtig optimistisch, es ohne Umstieg auf Dampfgeräte o.ä. zu schaffen. Apropos das besagte Nikotinspray liegt noch unbenutzt in der Schublade.

    Gruß
    Carl Friedrich


    Langfristig möchte ich das Rauchen ganz aufgeben, nur jetzt grade kann ich den Extrastress "Rauchen aufhören" nicht gebrauchen. Eines nach dem anderen...

    Hallo zerotine!

    Genau sah es mein Therapeut. Erst mal Stabilität in die Abstinenz bringen, was sicherlich ein paar Monate braucht, und erst danach die weitere Baustelle Rauchen angehen. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass man sich übernimmt.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Hull!

    Niemand kann sicher sein, nie wieder Alk zu trinken. Das kann ich nicht für mich garantieren. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Ich nehme mir vor, nicht zu trinken und beschäftige mich regelmäßig mit meiner Krankheit und ihren Tücken.

    Sobald Du anfängst, von dir zu behaupten, Du trinkst nie wieder, bist Du in meinen Augen rückfallgefährdet, weil Du leichtsinnig wirst und die Tücken des Suchtgedächtnisses unterschätzt.

    Ich bezeichne mich als "alkoholkrank". Das klingt in meinen Ohren etwas moderater und charmanter, als "Alkoholiker." Vielleicht ist das ja auch für dich ein Ansatz.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Zum Thema selbst: Ja, macht es. Ich gönne mir schon mal verschiedene Saft-/Wassermischungen, mal mit Zitrone und Minze, mal mit Ingwer und Orangenscheiben. Und hinterher keinen "Pseudo-Verdauungsschnaps" sondern ein Espresso.

    Worauf gegrillt wird, ist letztlich wurscht. Hauptsache es schmeckt.

    Wir haben unseren großen Gasgrill verkauft und sind auf einen hochwertigen Elektrogrill mit Haube umgestiegen, da wir nach dem Auszug des Nachwuchses nur noch zu zweit sind. Meine Frau fand den Gasgrill unpraktisch, sie nannte ihn nur das "Monster". Einen geschmacklichen Unterschied zum Gasgrill kann ich beim besten Willen nicht rausschmecken. Ist aber auch zu erklären, ob die Hitze elektrisch oder per Gas erzeugt wird, ist unerheblich.

    Allerdings schwinge ich mich, seit ich abstinent lebe, nach dem Grillen gerne noch mal für eine halbe Stunde auf's Fahrrad. Warum? Gute Frage. Früher habe ich zu dieser Zeit neben dem Bier ein paar Schnäpse gekippt. Instinktiv gehe/fahre ich wahrscheinlich den erwarteten Gedanken an die Schnäpse aus dem Weg.

    Gruß
    Carl Friedrich