Beiträge von Carl Friedrich

    Sachen gibt's: Gehe ich heute vor dem Training schnell mal in den Getränkeladen, mir 'ne Pulle Wasser holen, stehe an der Kasse, suche nach der Geldbörse und stelle die Wasserflasche in ein Kartonregal, dass kurz vor der Kasse aufgebaut war. Nachdem ich das nötige Geld rausgekramt hatte und zur Flasche Wasser griff, sah ich erst, wo ich sie zwischengelagert hatte, ohne es bewusst wahrzunehmen: In einem Wodkaregal.

    Der Vorfall zeigt, wie sehr sich inzwischen mein Blickwinkel verändert hat.

    Als ich zu Beginn meiner Abstinenz in einen Getränkeladen ging, stellte sich ein beklemmendes Gefühl ein. Die Bierkisten schienen sich irgendwie auf mich zuzubewegen, mich fast zu erdrücken. Heute sind sie für mich nur noch Staffage, der ich keinerlei Bedeutung mehr zumesse.

    I.Ü habe ich meine Teilnahme an einer R-SHG beendet. Ich hatte mir bloß mal die Frage gestellt, wen ich von der Gruppe wohl anrufen würde, wenn ich ein ernstes Suchtdruckproblem hätte. Genau: Keinen.

    Ansprechpartner für einen solchen Notfall habe ich in meinem direkten persönlichen Umfeld. Dann gibt es hier im Forum den Notfallknopf. Sozusagen eine Absicherung mit doppelten Netz und Boden.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Fortsetzung:
    Heute wurde weiter renoviert: Nicht mal der Hauch eines Suchtdrucks zu spüren. Bier war und ist schier endlos weit weg.

    Allerdings habe ich mich gleich heute morgen vor Arbeitsbeginn in einer Art Selbstgespräch darauf hingewiesen, dass sich evt. das Suchtgedächtnis melden kann. Dessen zweifelhafte Gesellschaft stellte sich dann aber nicht ein. Es hat ja schon letzte Woche die Lektion erteilt bekommen, dass Renovierungsarbeit nicht zu Alkohol führt.

    Wieder einmal ein Beweis -für mich- dass das Suchtgedächtnis wie eine Art Software durch ein besseres Programm überschrieben werden muss.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Den völlig zutreffenden Ausführungen von Sunshine schließe ich mich ausdrücklich an.

    Ich brauche dem Stoff nicht hinterherlaufen. Warum auch?

    Mit zunehmender Abstinenz wird er -von selten gewordenen leichten Anfällen von Suchtdruck mal abgesehen- immer unbedeutender sprich er interessiert mich überhaupt nicht mehr.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von Thalia1913

    dann ist's vielleicht nicht die richtige SHG für dich. Du wirst jetzt ja die Erfahrung mit dir machen, wie es dir ohne so geht.

    Hallo Thalia!

    Daran habe ich auch schon gedacht.

    Ich werde es einfach mal austesten.

    Heute hatte ich nach langer Zeit mal wieder etwas Suchtdruck.

    Was war geschehen? Gemeinsam mit meiner Frau haben ich Tapeten runtergekratzt. Nicht so ganz banale, nein mehrfach gestrichene Rauhfaser.
    Da ich ohnehin ein kein begeisterter Heimwerker bin, stellte sich am frühen Abend der Wunsch nach einem Weißbier ein.

    Bei früheren Renovierungsaktionen in meiner aktiv konsumierenden Zeit habe ich immer zwischendurch ein paar Biere gekippt. Und genau das war im Suchtgedächtnis abgespeichert: Ekelige Arbeit = regelmäßige Bierzufuhr. Daran hatte ich vorher nicht mehr gedacht.

    Der Druck war auszuhalten. Ich habe sogleich meiner Frau von meinem sonderbaren Durst erzählt und sie meinte nur: "Bloß nicht; kommt nicht in Frage." Damit war das Thema dann schon für mich durch.

    Gruß Carl Friedrich, dem alle Knochen weh tun. Morgen wird gefaulenzt.

    Hallo!

    Das ist genau der Weg, von dem zumindest ich komplett abraten würde. Nach dem Absetzen der Alkoholzufuhr gleich in die Kneipe zu irgendwelchen Saufkumpanen zu rennen. Die Nummer birgt m.E ein ganz erhebliches Rückfallrisiko.

    Die meisten, die sich hier tummeln, bevorzugen dagegen das Prinzip der Risikominimierung. Das bedeutet, dass man saufenden Gesellschaften -so weit wie möglich- aus dem Weg geht.

    Ich hoffe nur, dass sich frisch Abstinente an deinen Ausführungen, zunächst wieder in die Kneipe zu laufen, kein schlechtes Beispiel nehmen.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Danke für die Antworten.

    Ansprechpartner habe ich innerhalb meiner Familie, die zum Teil im medizinischen Bereich tätig ist. Daneben noch meinen Arzt.

    Ich denke, ich gehe das Ganze jetzt mal an; wahrscheinlich nehme ich mir erst mal eine Auszeit bis zum Herbst (Ende Oktober).

    Falls ich zwischenzeitlich dennoch Bedarf verspüren sollte, intensiviere ich halt die Kontakthaltung im Forum (Interner Bereich) und/oder halte Ausschau nach einer anderen R-SHG.

    Gruß vom in der Schwüle schwitzenden
    Carl Friedrich

    Zur Zeit trage ich mich in dem Gedanken, meine R-SHG zu verlassen. Sie bringt mir nichts mehr. Ich höre mir immer wieder dieselben langweiligen Geschichten an. Man erzählt sich zumeist nur den Verlauf der letzen Woche.


    Nach einer 3/4 Stunde zieht es dann die Nikotinsüchtigen vor die Tür, um ihrer Sucht zu frönen, während der Rest auf sie warten darf. Was die Nichtraucher, die in der Minderheit sind, von dieser Nummer halten, interessiert die Qualmer überhaupt nicht. Der Leiter der SHG fragt nur schelmich: "Zigarettenpause?" Und schon stürmen sie raus.

    Das nervt mich, das einzelne es nicht mal 1 1/2 - 2 Stunden ohne Glimmstängel aushalten können, während er Rest auf sie warten darf.

    Ich fühle mich ausreichend gefestigt und als SHG reicht mir das Forum hier alle Male.

    Mal schauen, noch mal ein paar Nächte drüber schlafen, bevor ich eine endgültige Entscheidung treffe.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat von Slowly


    Da ich jedoch Alkoholikerin bin darf und kann ich mir den Club nicht mehr schöntrinken.

    Hallo Slowly!

    Glückwunsch zu 5 freien Jahren.

    Warum schreibst Du "darf" und "kann"?

    Ich merke so langsam, dass ich den Alk gar nicht mehr "brauche", da er mir mehr und mehr egal geworden ist. Daher denke und fühle ich nicht mehr im Sinne von dürfen und können.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Ich lasse nur mal ein kleines Hallo hier. Habe mir ein paar Tage Auszeit im Süden gegönnt. Alkohol war und ist immer unbedeutsamer für mich geworden. Meine Abstinenz hat sich als wesentlicher Bestandteil meines Lebens herauskristallisiert.

    Suchtdruck hatte ich keinen. So leicht ist es mir im Urlaub noch nie gefallen.

    Mir ging nur auf der Rückfahrt zum Flughafen kurz durch den Kopf: "Warum bist Du nicht früher schon diesen Weg gegangen?"

    Ich habe den Gedanken nicht weiter gesponnen. Ich kenne die Antwort ja. Ich war einfach noch nicht so weit.

    Kurzum: Mir geht es gut. Ich bin mit mir selbst im Reinen.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von Martin


    hier https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…p=738727#738727 kannst du mal nachlesen.

    Bedenke aber immer dass Produkte Alkohol beinhalten können ohne dass es angegeben ist.

    Wenn etwas nach Alkohol riecht werfe es in die Tonne, auch wenn es angeblich Alkoholfrei sein soll.

    Hallo!

    So ist es. Mein ehemaliger Therapeut sagte stets: "Zu meiden ist alles, was aussieht wie Alkohol, riecht wie Alkohol und schmeckt wie Alkohol."

    Bei den Süßigkeiten gibt es eine zusätzliche Verkomplizierung: Häufig wird sog. mehrwertiger Alkohol als kalorienreduziertes Süßungsmittel zugesetzt. Der hat mit dem Zeug, das ich missbräuchlich konsumiert habe, nichts zu tun.

    Dank meiner Alkohol- und Nikotinabstinenz funktioniert meine Nase wieder richtig. Ich schnüffel gerne mal an Dingen, die ich für problematisch halte und im Zweifel lasse ich sie links liegen. Sicherheit zuerst.


    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Karamasow!

    Es ist müßig zu spekulieren, warum Leute, die hier mit Elan eingestiegen sind, plötzlich wegbleiben. Rückfälle gehören sicherlich dazu. Dann dürfte die Scham hinzu treten, sich hier zu outen.

    Zum Thema Gelassenheit: Du bist noch recht frisch im Geschäft der Abstinenz. Da ist es normal, dass es zu Stimmungsschwankungen und gelegentlichen Ausschlägen kommt.

    Diese Schwankungen haben bei mir mit der Zeit deutlich nachgelassen. Der Geist muss halt auch sorgfältig trocken gelegt werden, nachdem er jahrelang und konsequent verseucht wurde. Bis das Hirn wieder in sog. "normalen" Bahnen denkt und die Gefühle sich wieder einpegeln, das nimmt halt geraume Zeit in Anspruch. Wir sollten die nötige Geduld aufbringen.

    Ich bin jetzt im dritten Jahr und es geht mir stetig besser.

    So wie Du dich liest, bist Du auf einem wirklich guten Weg.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Karamasow!

    Ich erinnere mich noch an eine alte Verfilmung des Werks mit Yul Brunner. Es ist gefühlte Ewigkeiten her. Die Älteren 50+ werden sich womöglich erinnern.

    Du hast schon recht. Im Urlaub habe ich abends versucht, noch mal ein paar Kapitel in einem bereits begonnen Buch zu lesen. Das ging gar nicht. Der Alk hatte das Kurzzeitgedächtnis blockiert. Da bekam ich nichts mehr in die Birne. Am nächsten morgen konnte ich dann die Kapitel noch mal lesen.

    Das sieht heute anders aus. Gut so.

    Gruß Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Heute vor 2 Jahren habe das letzte Mal was Alkoholisches getrunken.

    Das zweite Jahr fiel mir deutlich leichter, als das erste. Die antrainierten Automatismen greifen. Dennoch bin ich stets vorsichtig, auch wenn mir der Alkohol immer unbedeutender vorkommt.

    Mit einer gehörigen Portion Zuversicht schaue ich in die Zukunft. Ich fühle mich gewappnet.

    Zu meiner R-SHG gehe ich immer noch, auch wenn die Gruppe nicht das Gelbe vom Ei ist, so zeigt sie mir, dass Andere es bedeutend schwerer haben und wie verhältnismäßig gut es mir doch in Wirklichkeit geht.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Lila!

    Du betreibst eine Art Kontrolliertes Trinken (KT), indem Du in regelmäßigen Abständen, doch wieder was trinkst und bei bestimmten Anlässen wie Weihnachten etwas mehr.

    Vielleicht gelingt es dir, den Konsum dauerhaft so gering zu halten, das niemand.

    Mich stört allerdings, dass sich Leute, die noch etwas wackelig unterwegs und gerade frisch in die Abstinenz gestartet sind, für die nur die Abstinenz zielführend ist, an dir ein schlechtes Beispiel nehmen, indem sie womöglich denken: "Alle paar Wochen mal ein paar Gläschen, das könnte mir doch auch gelingen, wenn es schon Frau Lila schafft." Und aufgrund dieses "schlechten Vorbilds" ruck-zuck in ihr altes aktives Suchtverhalten zurückfallen.

    Daher frage ich mich, ob Du hier richtig aufgehoben bist, sofern Du dich von deinem Modell nicht verabschieden möchtest. Denn hier geht es um abstinentes = dauerhaft trockenes Leben und nicht um irgendwelche Modellformen des KT.


    Gruß
    Carl Friedrich