Hallo alle zusammen,
ich kann jetzt nur von MEINEN Empfindungen schreiben. Es gibt Tage, an denen denke ich gar nicht an Alkohol. Dann gibt es Tage, an denen ich zeitweise an Alkohol denke. Mal gelingt es mir schnell, die Gedanken wieder loszuwerden. Manchmal will ich sie auch gar nicht loswerden und denke bewusst drüber nach. Wenn ich aber Lust auf Alkohol verspüre, werde ich sie dennoch wieder los, die Gedanken. Wie schon mehrfach erwähnt, indem ich den "Gedanken zu Ende denke". Meine Gefühle sind also teilweise von der jeweiligen Tagesform abhängig.
Das führt dazu, dass ich Situationen unterschiedlich empfinde. Ich nehme jetzt mal einen Geburtstag, Silvester, Osterbrunch oder sonstiges....
meiner Schwiegermutter im Haus unten in ihrer eigenen Wohnung als Beispiel. Es gab Tage, an denen war ich von der Laune her so drauf, dass ich gar nicht erst runter gegangen bin, weil ich merkte, dass ich keine Lust habe, Leute in Feierstimmung zu sehen. Dann gab es Tage, an denen ich unten war und es hat mich null komma null interessiert, ob da jemand etwas alkoholisches trinkt, weil ich mich z. B. so nett mit einer Bekannten unterhalten habe und wir so viel zu lachen hatten, dass ich gar nicht drauf geachtet habe und es mir auch völlig egal war.
Dann gab es Tage, an denen war ich dort unten und es hat mir gut gefallen und irgendwann merkte ich "nö, ich hab da keine Lust drauf, zu sehen, wie jemand sich Sekt einschenkt" und bin direkt wieder hochgegangen. An manchen Tagen habe ich "gesehen", wie sich jemand etwas einschenkt und an manchen Tagen habe ich es nicht "gesehen", weil ich gar nicht drauf geachtet habe.
Als weiteres Beispiel nehme ich jetzt mal meine Arbeit. Ich packe beispielsweise Ware aus, darunter auch 3 Kartons Wein, die ins Regal müssen. Es gibt Tage, da stelle ich die Flasche ins Regal und bin gedanklich schon mit den nächsten Dingen befasst und es geht so nebenbei, dass ich die Flasche in der Situation auch gar nicht richtig "sehe". Dann gibt es Tage, an denen packe ich den Wein aus und denke bewusst daran, wie froh ich bin, dass ich dieses ätzende Zeug nicht mehr saufen muss. Und an anderen Tage denke ich "ach, jetzt ne Pulle Wein und ein wenig angeduselt sein, wie war das noch gleich im Sommer, wenn man da so auf der Terrasse saß?", dann denke ich den Gedanken zu Ende und schon juckt mich der Wein nicht mehr.
Es gibt doch unzählige Situationen, die vergleichbare Gedanken auslösen. Werbung, eine Kneipe, an der ich vorbeifahren muss, das Einkaufsregal, das ich vielleicht von Weitem beim Einkaufen sehe. Ich muss damit umgehen können und das kann ich auch. Je nachdem, wie meine Verfassung ist, läuft es wie oben beschrieben ab.
Es gibt Tage, an denen hab ich so große Lust auf einen Geburtstag z. B. von einer meiner Freundinnen zu gehen, weil ich mich freue, dort mit meinen Leuten zu sprechen und zu lachen. Da hält mich dann auch nichts davon ab, auch nicht das Wissen, dass da der Ein- oder Andere vielleicht etwas alkoholisches trinkt. Was ich jedoch überhaupt nicht mehr wollen würde und das hab ich auch ganz schnell abgelegt, sind solche Treffen, wo vielleicht wie früher 4 Leute am Stehtisch sitzen und saufen. Mit solchen Dingen und auch mit den Personen, die das gemacht haben, habe ich nichts mehr zu tun und ich würde auch niemals auf die Idee kommen, dort nochmal wieder hinzufahren. Sie würden auch nie auf die Idee kommen, mich anzurufen, weil sie wissen, dass ich nichts mehr trinke. Mit den Säufern besteht kein Kontakt mehr. Aber meine Freunde, meine RICHTIGEN Freunde haben kein Alkoholproblem, sie trinken nur gelegentlich, wenn überhaupt und das ist mir egal. Es ist mir einfach egal, das muss ich mir nicht einreden.
Genau so egal, wie es mir eben manchmal ist, wenn ich durch die Gegend fahre mit dem Auto und z. B. an Himmelfahrt betrunkene Leute sehe. Dann gibt es wieder Tage, an denen ist es mir NICHT egal. Dann fahre ich Himmelfahrt, Ostern, Muttertag oder wann auch immer durch die Gegend, sehe betrunkene Leute bei bester Laune und denke "ist das bescheuert, dass ich das nicht kann". Gedanken zu Ende denken... Fertig!
Ich KANN gar nicht dafür sorgen, dem Alkohol gedanklich nicht mehr zu begegnen. Meine größte Vorfreude auf Alkohol war nicht auf einer Veranstaltung, zu Hause oder in der Kneipe. Nein, die war z. B. auf der Rückfahrt von der Arbeit nach Hause im Auto bei schönem Wetter und guter Musik. Das kann ich nicht vermeiden! Da muss ich durch und damit muss ich umgehen können. Mit Geburstagsfesten muss ich nicht umgehen können, das weiß ich selbst. Aber wie bescheuert ist das denn, wenn ich auf etwas verzichte, worauf ich in dem Moment Lust habe (Treffen mit Freunden, Tanzen oder was auch immer), obwohl ich weiß, dass ich dort Spaß dran habe und es mich nach meinem Empfinden gerade wirklich nicht stört?? Ich höre in mich hinein. Ich sage z. B. nie fest zu. Denn wenn ich in mich hineinhöre und merke, dass es mich heute stören würde, dann gehe ich nicht hin. Fertig und beschlossen. Mache ich einfach nicht. Ich achte auf mich. Ich bin selbst reflektiert ohne Ende. Deshalb ist das in Ordnung für MICH.
Was für mich aber gar nicht in Frage kommen würde, wäre ein Partner, der in meinem Zuhause trinkt. Was für mich ebenfalls nicht in Frage kommen würde, wäre, dass es überhaupt Alkohol bei mir in meiner Wohnung gibt. Denn dann habe ich eben nicht mehr die Möglichkeit, in mich hineinzuhören und die Situation einzuschätzen. Wenn ein Geburtstag stattfindet, weiß ich, wie es mir geht, worauf ich mich freuen würde oder was mich stressen würde. Wenn ich einen Partner hätte, der neben mir trinkt, dann kann ich das nicht beeinflussen. Dann bin ich einer Situation ausgesetzt. Das empfinde ich als sehr, sehr großen Unterschied.
Ich würde auch niemals zu einem Geburtstag fahren und mich mitnehmen lassen. Ich fahre IMMER selbst, damit ich IMMER selbst entscheiden kann, wann ich nach Hause fahre. Es ist schon vorgekommen, dass ich mich nach einer Stunde wieder verabschiedet habe.
Und es ist auch schon vorgekommen, dass meine Leute, die mit mir mitgefahren sind, gern nach Hause wollten, weil sie genug getanzt und gelacht hatten und ich hatte absolut NULL Bock nach Hause, weil ich mich gerade so gut amüsiert habe. Dann mussten die halt leider noch bis nachts mit mir dort bleiben. Auch das gibt es.
Ich muss jedoch zugeben, dass es alles mit der Zeit, seit dem ich trocken bin (ja, inzwischen fühle ich mich trocken) weniger geworden ist. Ich genieße immer mehr die Ruhe zu Hause. Es kommt seltener vor, wo ich Lust habe, loszugehen. Es verändert einen alles mit der Zeit. Ich bin faul geworden. Und ich genieße es immer mehr, dass ich morgens gegen halb sieben am Wochenende ausgeschlafen bin und morgens meine Zeit für mich habe. Aber das mache ich nicht, also das öfter Zuhause bleiben, weil ich mich bewusst zurückziehe, sondern einfach, weil es mir immer besser gefällt, es ruhig zu haben. Das ist immer so phasenweise. Manchmal hab ich dann auch auf einmal abends Lust, mal unter Leute zu kommen, aber eher seltener wie gesagt.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich denke, dass es eben viel damit zusammenhängt, wie es innerlich in einem aussieht. Ob man sich was vor macht oder ob man wirklich selbstreflektiert seine Empfindungen prüft.
Warum ich mich trocken fühle, kann ich gar nicht richtig beschreiben. Weil ich einfach das Gefühl habe, das mein Denken trocken ist.
So, das waren meine Gedanken dazu 