Guten Morgen liebe Nudeltante,
erstmal tut es mir leid, dass Du so eine Enttäuschung in Dir haben musst. Hast Du das Gefühl, dass es das erste Mal war, dass er etwas getrunken hat nach der Klinik? Ich frage es deshalb, weil Du beschreibst, dass Du ihn beobachten musstest um Dir Deiner Wahrnehmung sicher zu sein und dass, obwohl er ja offensichtlich so viel getrunken hatte, dass ihr sogar eine Kotz-Tüte mitgenommen habt. Das deutet ja daraufhin, dass er deutlich mehr getrunken haben muss, als ein Energie mit Alkohol. Deshalb frage ich mich natürlich, wenn er seinen Zustand so gut verbergen konnte, dass es zunächst nicht ganz so offensichtlich für Dich war, obwohl er dann später doch schwankend und mit Kotz-Tüte bewaffnet war, ob Dir vielleicht die ein- oder andere Situation, in der er vielleicht "nur" wenig getrunken hat, Dir durch die Lappen gegangen sein könnte sozusagen.
Du denkt jetzt vielleicht, das spielt doch gar keine Rolle, wieso reitet sie da jetzt drauf rum. Aber ich finde schon, dass es einen Unterschied macht,
ob man - kaum zu Hause angekommen - wieder in sein altes Muster fällt oder ob es sich um eine einmalige Sache handelt.
Wobei ich - so leid es mir tut - auch sagen muss, dass ich es auch ziemlich entscheidend finde, dass er nicht von sich aus gesagt hat, dass er einen Rückfall hatte und handeln möchte, um wieder sofort auf den richtigen Weg zu gelangen. Du hast ihn quasi ja erst in die Richtung getrieben, indem Du ihn erwischt hast.
Du merkst, ich bin da echt hin- und hergerissen. Ich finde nämlich keineswegs, dass ein Rückfall bei der Erkrankung dazugehört, wie Therapeuten es oftmals sagen. Natürlich kann das passieren, sollte es aber nicht und muss es auch nicht.
Ich erinnere mich noch an eine Dame aus meiner Gruppe, die in der Zeit, wo ich dort war, insgesamt 3 Rückfälle hatte und jedes Mal hinterher freudestrahlend erzählte, dass sie ja glücklicherweise den Weg jetzt wieder hergefunden hat und "Rückfälle ja nun mal dazugehören". Na super. Mit der Einstellung bin ich nicht trocken, das ist meine Meinung.
Dann kann ich nicht sagen "Ich lebe abstinent und bin trocken/nüchtern".
Da kann ich höchstens sagen "Ich saufe nur noch 4 Mal im Jahr".
Wie es bei Deinem Mann nun weitergeht, können wir alle natürlich nicht wissen. Wie es IN IHM aussieht, weiß nur ER. Wie es in der Klinik war. Was bei ihm wirklich nicht nur angekommen ist, sondern was er auch von Herzen möchte. Ob er letztendlich nur trocken sein möchte, damit er seine Familie nicht verliert oder ob er es wirklich, ganz wirklich von selbst möchte. Du kannst nicht in ihn hineinsehen.
Als ersten Gedanke hatte ich vorhin, als ich das gelesen habe "Das ist der typische Nachteil dieser Therapie in der Klinik. Kaum aus der Käseglocke wieder raus, im normalen Alltag angekommen, ist die Versuchung groß".
Aber das finde ich bei Euch eigentlich gerade nicht. Denn ihr stellt Euch ja auf ihn ein. Da ist es ja nicht so, dass er nach Hause gekommen ist und Du erstmal schön mit einem Glas Wein vor dem TV gehockt hast oder ihr als erstes mal zu einer Party gegangen seid oder zu einem Konzert. Im Grunde genommen hatte er ja nach seinem Klinikaufenthalt die besten Voraussetzungen zu Hause. Du hast ihm sogar angeboten, sich direkt zu melden, wenn er das Verlangen nach Alkohol hat. Das hat er nicht getan, was bedeutet, dass er trinken wollte. Da gibt es nichts dran zu rütteln leider.
Wie es jetzt weiter geht? Ob Du nun alle paar Wochen so ein Rückfall hinnehmen willst, weil er "dazugehört" oder ob Du für Dich Deine Konsequenzen ziehst, damit Euer Kind eben nicht jedes Mal die Enttäuschung erleben muss? Ich weiß es nicht. Das ist vielleicht jetzt auch zu früh, das zu wissen, Du wirst es vermutlich selbst nicht wissen.
Wenn Du in ihn reinschauen könntest, dann würdest Du mit Sicherheit eine Entscheidung treffen können. Aber das kannst Du ja leider nicht.
Gut, dass Du Dich hier gemeldet hast! Für Dich!
LG Cadda