Am Dienstag starte ich in meine 11. nüchterne Woche. Nasse Gedanken bestimmen immer noch meinen Alltag. Das empfinde ich als sehr anstrengend und auch oft frustrierend. Allerdings erkenne ich diese Suchtgedanken mittlerweile und kann sie von meinem gesunden Denken unterscheiden.
Das war mir früher nicht möglich ; ich dachte, dass diese kranken Gedanken mein eigener Wille wären und habe somit schnell nachgegeben und wieder getrunken. Der Kampf dagegen war mir zu anstrengend. Jetzt lasse ich diese Gedanken zu, akzeptiere , dass sie da und ein Teil meiner Krankheit sind, schaue sie an und lasse sie vorüberziehen. Zu erkennen, dass nicht mein gesunder Anteil, sondern die Sucht diese kranken Gedanken erschafft, hilft mir ungemein.
Hier ein paar Beispiele meiner nassen Gedanken: ,, Du musst endlich mal wieder richtig abschalten, nur einmal trinken, danach kannst du dich wieder mit deiner Krankheit beschäftigen, das hast du dir nach all dem Stress verdient, das Leben ist ja nüchtern garnicht zu ertragen, da kann man ja nur trinken, nur dieses eine Mal, dieses Mal wird es schon nicht ausarten, du hast es in der Vergangenheit nicht geschafft trocken zu werden, also wirst du es auch dieses Mal nicht schaffen, dein " Kampf" bringt eh nichts, irgendwann trinkst du sowieso wieder, quäle dich doch nicht so, das ist ja nicht auszuhalten, schau mal, was du durch deine Sucht alles angerichtet hast und wo du heute stehst, das kannst du garnicht mehr gutmachen, bringt doch alles nichts, du bist ein hoffnungsloser Fall." Und so weiter und sofort. Allein beim Aufschreiben habe ich gemerkt, wie trügerisch und unwahr und perfide diese Gedanken sind.
Diese Erkenntnis habe ich diesem Forum zu verdanken. Ich lese und schreibe hier täglich. Zur Suchthilfe oder Selbsthilfegruppen kann ich wegen Corona leider immer noch nicht gehen, allerdings habe ich nächsten Donnerstag meinen ersten Termin bei einem Therapeuten. Ich habe in der Vergangenheit schon einige Therapien abgebrochen, weil es mir zu unangenehm wurde, möchte es dieses Mal aber ernsthaft angehen und durchziehen.
LG
Carmen