Beiträge von Carmen

    Hallo Enemy,

    eine Therapie ist nur erfolgreich, wenn man trocken ist. Da deine Freundin alle 2-3 Tage bis zum Vollrausch trinkt, ist sie ja nie wirklich nüchtern.So ist es ja garnicht möglich, sich ernsthaft mit seinen Problemen auseinanderzusetzen. Auch der Mix mit den Medikamenten ist gefährlich und macht einen im Suff noch wirrer. Schauspielern können übrigens die meisten Süchtigen sehr gut- da ist deine Freundin kein Einzelfall.
    Es klingt aber nicht wirklich so, als wolle sie ernsthaft etwas gegen ihre Alkoholsucht unternehmen. Wäre sie denn für eine Entgiftung mit anschließender Langzeittherapie bereit? Sie scheint ja neben der Sucht auch noch andere schwere psyschiche Probleme zu haben; da könnte eine ambulante Therapie eventuell nicht ausreichen.

    LG
    Carmen

    Hallo Schnitzel,

    mein Vater ist auch Alkoholiker und ich musste aus Selbstschutz vor einiger Zeit den Kontakt zu ihm abbrechen. Ich habe viele Jahre versucht ihm zu helfen, ihn mehrmals in die Entgiftung gebracht, den Krankenwagen gerufen, ihn betreut, aber es hat alles nichts gebracht, weil er nicht bereit ist, den Weg in die Trockenheit zu gehen. Denn es ist ja nicht damit getan, einfach nur den Alkohol wegzulassen, man muss ganz vieles in seinem Leben ändern, um trocken zu werden und auch zu bleiben. Ich bin ja selbst schon etliche Male gescheitert, obwohl ich einsichtig war und Hilfe annehmen konnte.

    Ich würde an deiner Stelle einmal das Gespräch zu deinem Vater suchen und ihm sagen, dass Du Dir große Sorgen um seinen Alkoholkonsum machst und Du bereit wärst, wenn er das möchte, ihn zum Arzt und auf weiteren Schritten zu begleiten. Bereite dich darauf vor, dass das Gespräch wahrscheinlich nicht viel bringen wird, aber ein Versuch ist es wert und dann hast du Gewissheit. Falls dein Vater nicht bereit ist, etwas gegen seine Alkoholkrankheit zu unternehmen, kannst du nichts mehr für ihn tun. Du kannst dann nur schauen, dass es dir wieder besser geht, indem du dich distanzierst. Das ist nicht einfach, aber es geht.

    Du schriebst, dass es Dir seit der Therapie schlechter geht und du mit dem Verdrängen besser zurecht kamst. Es ist nicht ungewöhnlich, dass es einem zu Beginn der Therapie und der Konfrontation seiner Probleme schlechter geht, denn man muss ja da hinschauen, wo es weh tut und unangenehm ist. Das geht mir genauso. Ich habe aber schon von einigen hier gehört, dass es sich lohnt, durch dieses tiefe Tal zu gehen, damit es einem letztendlich besser geht.

    LG
    Carmen

    Hallo Schnitzel,

    ich war schon öfters an dem Punkt mit dem Trinken aufzuhören, war auch einige Male beim Arzt und in Entgiftungen, haber es aber nie langfristig geschafft, ohne Alkohol zu leben. Die Gründe waren vielfältig: Autounfall, Führerscheinverlust, Stürze im Suff mit Verletzungen oder weil Körper und Psysche einfach am Ende waren.

    Man sagt ja, dass jeder Alkoholiker seinen persönlichen Tiefpunkt braucht, um bereit zu sein, den Weg in die Trockenheit zu gehen. Ich brauchte etliche Tiefpunkte, manche ziehen viel früher die Reißleine, andere nie.

    Du brauchst keine Angst haben, dass Dein Vater mehr trinkt, wenn Du ihn auf seinen Alkoholismus ansprichst. Ein Alkoholiker trinkt so oder so; die Menge bestimmt er selbst und ein Gespräch wird sein Trinkverhalten nicht beeinflussen.

    Gibt es denn Momente, in denen er halbwegs nüchtern ist? Denn ein Gespräch macht nur Sinn, wenn er nicht betrunken ist.

    LG
    Carmen

    Hallo Schnitzel,

    es hat mich schon berührt und belastet, wenn mir eine nahestehende Person sagte, dass sie unter meiner Sucht leidet. Allerdings war dann mit dem nächsten Schluck wieder alles schnell vergessen und verdrängt. Ich war nur noch mit mir und meinem Alkohol beschäftigt, da konnte ich mich garnicht wirklich um die Gefühle anderer kümmern, selbst wenn ich es gewollt hätte.

    LG
    Carmen

    Ich verstehe nicht den Sinn dahinter, warum man hier ein Thema eröffnet und nicht bereit ist, irgendetwas von sich preiszugeben, außer pauschale Infos, die man bei jeder Suchtberatungsstelle erhält. Das ist für mich kein Austausch. Schade.

    Ja, Doro. Du hast recht. Allein bei dem Gedanken mit meinem Vater in Kontakt zu treten, wird mir ganz übel. Es fühlt sich einfach falsch an mit ihm. Was irgendwann in der Zukunft ist, wird sich zeigen, aber daran versuche ich nicht zu denken.

    Ich habe die ersten Seiten Deines Tagebuchs gelesen und finde es unglaublich, dass Du es neben einem nassen Alkoholiker geschafft hast, trocken zu werden. Da liegt wahnsinnig viel Willen und Kraft drin.

    LG
    Carmen

    Hallo Doro,

    es ist unterstützend und gut zu hören, dass meine Entscheidung, keinen Kontakt mehr zuzulassen, richtig ist, denn auch, wenn ich weiß, dass der Kontaktabbruch richtig ist, kommt ab und an ein schlechtes Gewissen hoch.
    Ich sehe auch keine andere Möglichkeit mehr. Zudem bin ich auch noch selbst alkoholkrank und gerade dabei, mich aus der Sucht zu befreien; da bin ich wohl die Letzte, die ihren alkoholkranken Vater unterstützen kann; ganz abgesehen davon, dass er ja garnicht wirklich aufhören will, er sucht nur einen Zuhörer und Mitsäufer, der sich seinen Unsinn anhört und ihn bemitleidet. Wenn ich in ein paar Jahren, was ich hoffe, trocken und stabil bin, würde ich nochmal einen Versuch starten, ihn zu unterstützen, falls er dann immer noch trinkt, aber jetzt muss ich an mich denken. Es ging immer nur um ihn und gebracht hat es nichts. Danke für Deinen Erfahrungsbericht. :)

    LG
    Carmen

    Hallo Hans Jürgen,

    ich freue mich auch von Dir zu lesen und finde die Erfahrungen von Langzeittrockenen ( diesen Begriff scheint es ja nur hier zu geben, wie Du im Vorstellungsbereich erwähntest :) ) immer sehr wertvoll und hilfreich. Mich würde interessieren, ob Du mehrere Versuche brauchtest, um trocken zu werden und was Dein persönlicher Tiefpunkt war oder ob es mehrere gab.

    LG
    Carmen

    Hallo,

    ich denke, dass die Reaktion der Leute auch stark davon abhängt, wie klar und deutlich man seinen Standpunkt, keinen Alkohol zu trinken, vertritt. In meinen früheren Trinkpausen habe ich nämlich meistens noch rumgeiert und nicht mit völliger Überzeugung ausgesprochen, dass ich keinen Alkohol trinke. Da wurde dann immer nachgehakt; ,, Wie, Du trinkst keinen Alkohol, warum denn nicht, ein Glas macht doch nichts". Ich hatte das Glas dann schneller vor mir stehen, als ich blicken konnte.

    Vertrat ich meinen Standpunkt aber mit voller Überzeugung und Selbstsicherheit, was seltener vorkam, kamen keine Fragen oder Überredungskünste mehr. Ab und an habe ich dann auch gesagt, dass ich alkoholabhängig bin und habe damit nur positive Erfahrungen gemacht und bin noch nie auf Ablehnung gestoßen. Ich würde aber nicht auf die Idee kommen, jedem X-Beliebigen von meiner Krankheit zu erzählen - es hängt immer von der Situation ab.

    LG
    Carmen

    Hallo Carl Friedrich,

    danke für Deinen Zuspruch!

    Ich gehöre ja zu denen, die in den ersten Wochen unter heftigsten Suchtdruckanfällen gelitten haben. War der eine " Anfall" gerade vorbei, folgte recht bald der Nächste. Das war so heftig, dass noch nicht einmal mehr Ablenkung half. Das Forum war meine Rettung!

    Die charmanten Versuche des Suchtgedächnissess kann ich auch viel leichter verwerfen - ihr Auftritt ist auch wesentlich dezenter.

    Ich bin zuversichtlich, dass es mit der Zeit auch bei mir immer besser wird.


    "Jede Trigger-Abwehr macht dich für die Zukunft stärker."

    Das denke ich auch. So gewinnt man Stück für Stück Selbstvertrauen und Sicherheit zurück, die ich mir leider fast weggesoffen habe.

    Hallo Doro,

    ich hoffe auch, dass ich mit dem Therapeuten zurechtkomme. Es ist Gold wert, wenn es wie bei Dir, auf Anhieb passt. Ich habe in der Vergangenheit meistens keine guten Erfahrungen gemacht, gehe aber ohne Vorbehalt und zuversichtlich zu dem Termin. Denn es kann ja auch an mir gelegen haben, dass es nicht funktioniert hat, wenngleich meines Erachtens einige Therapeuten den Beruf verfehlt haben.


    mit ruhm hat sich im suff schließlich noch keiner bekleckert,

    So ist es!

    Allen ein schönes Wochenende! :)

    LG
    Carmen

    Am Dienstag starte ich in meine 11. nüchterne Woche. Nasse Gedanken bestimmen immer noch meinen Alltag. Das empfinde ich als sehr anstrengend und auch oft frustrierend. Allerdings erkenne ich diese Suchtgedanken mittlerweile und kann sie von meinem gesunden Denken unterscheiden.

    Das war mir früher nicht möglich ; ich dachte, dass diese kranken Gedanken mein eigener Wille wären und habe somit schnell nachgegeben und wieder getrunken. Der Kampf dagegen war mir zu anstrengend. Jetzt lasse ich diese Gedanken zu, akzeptiere , dass sie da und ein Teil meiner Krankheit sind, schaue sie an und lasse sie vorüberziehen. Zu erkennen, dass nicht mein gesunder Anteil, sondern die Sucht diese kranken Gedanken erschafft, hilft mir ungemein.

    Hier ein paar Beispiele meiner nassen Gedanken: ,, Du musst endlich mal wieder richtig abschalten, nur einmal trinken, danach kannst du dich wieder mit deiner Krankheit beschäftigen, das hast du dir nach all dem Stress verdient, das Leben ist ja nüchtern garnicht zu ertragen, da kann man ja nur trinken, nur dieses eine Mal, dieses Mal wird es schon nicht ausarten, du hast es in der Vergangenheit nicht geschafft trocken zu werden, also wirst du es auch dieses Mal nicht schaffen, dein " Kampf" bringt eh nichts, irgendwann trinkst du sowieso wieder, quäle dich doch nicht so, das ist ja nicht auszuhalten, schau mal, was du durch deine Sucht alles angerichtet hast und wo du heute stehst, das kannst du garnicht mehr gutmachen, bringt doch alles nichts, du bist ein hoffnungsloser Fall." Und so weiter und sofort. Allein beim Aufschreiben habe ich gemerkt, wie trügerisch und unwahr und perfide diese Gedanken sind.

    Diese Erkenntnis habe ich diesem Forum zu verdanken. Ich lese und schreibe hier täglich. Zur Suchthilfe oder Selbsthilfegruppen kann ich wegen Corona leider immer noch nicht gehen, allerdings habe ich nächsten Donnerstag meinen ersten Termin bei einem Therapeuten. Ich habe in der Vergangenheit schon einige Therapien abgebrochen, weil es mir zu unangenehm wurde, möchte es dieses Mal aber ernsthaft angehen und durchziehen.

    LG
    Carmen

    Damit kann ich sehr viel anfangen, Doro. Das sind nämlich genau meine Baustellen. Selbstbewusstsein habe ich auch nie richtig gelernt und kennen tu ich mich auch nicht wirklich, da ich schon mit 17 Jahren angefangen habe Alkohol und andere Drogen zu missbrauchen. Dadurch war eine normale und gesunde Entwicklung garnicht möglich.


    ich habe damit angefangen erst mal klar zu stellen was ich nicht will, das war einfacher als zu gucken was ich denn überhaupt will. dann bin ich stück für stück weiter gegangen und so richtung ein jahr konnte ich dann auch klar sagen was ich will und wer ich bin.

    Darauf wäre ich allein nicht gekommen. Das werde ich so versuchen. Danke für den Tipp!

    LG
    Carmen