Beiträge von traumgeplatzt79

    Hallo liebe Malerin,

    danke für deine Worte. Ich weiß auch nicht, warum ich plötzlich so ein Tief habe. Das hat weniger etwas mit ihm zu tun, als mit mir. Schamgefühl, Wut auf sich selbst und ständig Gedanken im Kopf. Die ich nicht möchte, ich sie aber nicht abstellen kann.

    Meine Entscheidung war die richtige, 100 %ig. Und mir geht es grundsätzlich viel besser. Doch ich brauche wohl noch etwas Zeit zum Heilen.

    Oh, ich kann mich da gerade so gut reinfühlen. Warum vermisst man manchmal das alte Leben, obwohl es eigtl. ziemlich 'scheiße' war??? Ich hatte genau wie Du viele schöne, aufbauende und fröhliche Momente. Unheimlich tolle Begegnungen, mit denen eben auch wieder alte Wunden präsent waren. Gut für die Verarbeitung, ganz sicher. Aber eben auch voller Schmerz und Sehnsucht. Wonach? Nach den schönen Momenten, der Liebe, die es gab. Trotz Alkohol. Schnell denkt man dann auch wieder an die furchtbaren Momente. Und es schmerzt trotzdem. Ich bin einfach zu ungeduldig. Ich möchte wieder ich sein. Stark, belastbar und voller Lebensfreude.

    Hilfe.. werde ich wieder anknüpfen müssen. Habe ich in meiner Hochphase auf Eis gelegt. Möchte eine Selbsthilfegruppe suchen. Das hilft mir.

    Wir müssen weitermachen, liebe Saphira. 🤝🏻🍀💫 Wir schaffen das.

    Hallo liebe Saphira,

    wie schön, dass es Dich interessiert, wie es mir geht.

    Leider momentan gar nicht so gut. Ich bin weiter nicht in der Lage zu arbeiten, habe zu kämpfen mit den Folgen meiner Geschichte. Mein Körper und meine Psyche laufen noch nicht wieder im Einklang. Ich hatte gute Wochen, Monate voller Euphorie und Stärke. Und jetzt holt mich alles ein.

    Trotz meines Wissens, dass alles so richtig war, wie ich gehandelt habe, habe ich Sehnsucht. Nach den guten Seiten und Zeiten.. Völlig unsinnig, ich weiß.

    Wie geht es Dir?

    Ihr Lieben, Eldamalu und auch Saphira . Beim Lesen eurer Worte steigen die Tränen in mir hoch. Unser Empfinden und wie sich alles entwickelt hat (sein Herz verschließen nach den ganzen Verletzungen) ist 1:1 gleich. Und deshalb ist die Situation auch so unerträglich. Weil man selbst es eigentl. niemals so wollte, wie sich alles entwickelt hat. Weil man angekommen war und ein schönes Leben wollte mit dem Mann an seiner Seite. 😪😪

    Es ist so bitter, dass das Monster Alkohol irgendwann alles im Griff hatte. Und man selbst nichts ausrichten konnte. Und derjenige, der das konnte, genau das nicht gesehen hat, es nicht konnte oder wollte. Das lässt uns so verzweifeln. Und das hebelt jegliche Realität irgendwie wie aus (war bei mir so). Ich habe eine Zeitlang in einer richtigen Blubberblase gelebt und gefühlt, in der ich nur die positiven Erinnerungen eingefroren hatte und daran festhielt. Diese ist dann endgültig geplatzt, als ich schreiend vor Schmerzen durchs Haus lief, 2facher Bandscheibenvorfall, 3fach Schmerzmedis halfen nicht. Kind krank. Er kümmerte sich nicht. Nicht ums Kind und nicht um mich. Er hat mich eiskalt stehen lassen, als ich Essen für den Kleinen gemacht habe. Schreiend, wimmernd. Kurz vorm Zusammenbruch deshalb. Keine Reaktion. Eiskalt an mir vorbeigegangen, völlig ignorant. Um das liebe Bier wurde sich weiter gekümmert.

    DAS war mein Tiefpunkt. Da habe ich erst realisiert, dass er nicht mehr derselbe ist. Und ich auch nicht. Trocken hin oder her. Ich war kaputt. Dass die Blubberblase nicht die Realität ist, habe ich erst dann wahrgenommen. Viel zu spät.

    Auch ich war gern in einer Familie, das Sicherheitsgefühl im Rücken, das heile Zuhause. Leider nur eine Illusion. Das habe ich damals nicht gesehen.

    Ich bin so dankbar für euer Ohr, die Worte und all das, was es hier gibt, das so gut tut. Und es klingt gar nichts wirr und es braucht keine Entschuldigung für lange Romane. Denn wir sitzen alle im selben Boot 🤗

    Dieses Zweifeln kenne ich zu gut, das hatte ich auch ganz lange. Ich glaube, es hat eher mit dem Loslassen des Lebens zu tun, das man für sich geplant hatte. Vater, Mutter, Kind - Familie eben. Aber um jeden Preis?

    Vielleicht ist auch das Gefühl des Verlassen worden deins das, was Dich Zweifeln lässt. Aber soll ich Dir was sagen? Ich fühlte mich auch verlassen, obwohl ich gegangen bin. Daraufhin hat meine Psychologin zu mir gesagt: "Er hat Sie verlassen - für den Alkohol."

    Mein ExMann fand es auch alles toll, wie ich es zu Hause gemanagt habe. Aber auch das ist typisch coabhängig, wurde gesagt. Er lobt seinen Versorger, damit man der Versorger bleibt.

    Der Tip von Mona ist super, Deine eigenen Beiträge noch einmal zu lesen.

    Eldamalu

    Mein Sohn ist 3 Jahre alt, er hat mich zu Hause nicht mehr aus den Augen gelassen, noch nicht mal allein auf Toilette konnte ich gehen. Er hat uns getrennt, wenn sein Vater und ich uns in einem Raum befanden. Papa soll dahin gehen oder Mama in der Küche bleiben. Da wo er mich gehört hat. Wollte ich ins Obergeschoss, wollte er mit. Er hat nach einem schlimmen Zwischenfall nur noch bei mir im Bett geschlafen, ich durfte zum Ende noch nicht mal dann sein Zimmer verlassen. Er war sehr ängstlich und weinerlich, angeekelt von Papas Fahne. Wollte ihn auch nicht mehr kuscheln. "Papa, Du stinkst." Irgendwann hat er gesagt: "Papa, Du sollst aufhören, mit Mama Streit anzufangen." Er ist für sein Alter sehr wortgewandt.

    Oder: Papa, soll ich Dir ein Bier holen? (Papa, hatte schlechte Laune, war gereizt.)

    Was ich damit sagen will. Ich hätte das viel früher beenden sollen. Der Kleine hat die erste Nacht in der neuen Wohnung, mit neuem Bett allein in seinem Zimmer geschlafen. Weil er es wollte. "Mama, jetzt gibt es keinen Streit mehr." Traurig, oder? Er hat sich wieder sicher gefühlt und wusste genau, dass ich es auch bin.

    Nur Du kannst Deine Kinder bewahren. Kein Kind wünscht sich eine Kindheit mit alkoholkrankem Elternteil. Unabhängig davon, lieben sie ihren Vater/ihre Mutter.

    Unsere Trennung ist jetzt fast 4 Monate her. Jetzt beginnt die Akzeptanz und das wirkliche Verstehen, dass es der einzig richtige Weg war.

    Persönlichkeitsveränderung

    Er ist von einem lustigen, liebevollen, geduldigen, gutmütigen, wertschätzenden und offenen Menschen zu einem aggressiv-reizbaren, ungeduldigen, kühl-distanzierten, streitlustigen, extremistischen, egoistischen, stark abwertenden Menschen geworden. Er bewegte sich nur noch zu Hause und hat seine Mittrinker immer dort hinbestellt. Wir liefen nur noch nebenher, habe quasi unser eigenes Leben geführt und Papa mitversorgt. Das war's.

    Glaub mir, Du hast keinen Grund zu Zweifeln an Deiner Wahrnehmung oder Deinen situationsbedingten Gefühlen. Trotzdem kann ich es nachempfinden. Es war bei mir genauso..

    Ich merke jetzt, dass ich stärker werde. Belastbarer und die Traurigkeit weniger wird.

    Auch ich wurde für alles verantwortlich gemacht. Der Kleine wollte eines Tages lieber rote Socken, als die von Papa ausgesuchten grünen, anziehen. Was ein 3jähriger dann gern recht dramatisch kundtut. Da wurde ich gefragt, was ich mit dem Kind gemacht hätte.

    Davon gibt es zig - und durchaus auch viel dramatischere Beispiele -.

    Sein Weggang ist Deine Rettung 🍀

    Guten Morgen.

    Ich denke ganz fest, dass es mit dem Konsum zusammenhängt, denn es dreht sich quasi alles um die Verfügbarkeit des Alkohols und er muss den Pegel halten. Und ganz genau genommen dürfte er auch gar nicht fahren (ich spreche hier von unserer Situation). Sogar vor einem Spaziergang im Dorf musste er "vorlegen". Um dann direkt bei Ankunft zu Hause nachzulegen.

    Die Väter lieben ihre Kinder. Doch leider musste ich mir in der Beratungsstelle für Angehörige Suchtkranker den Satz: "Alkohol geht vor Familie. Liebe reicht nicht - leider." , anhöre. Alkoholiker können nur etwas ändern, wenn sie das Problem selbst erkannt haben. Wir können kämpfen, betteln, weinen und streiten. Es hilft nicht.

    Er kann nur aufhören für SICH. Und dann in der Folge auch für die Liebsten.

    Bei uns ist die Persönlichkeitsveränderung aber mittlerweile so extrem, dass es kein Zurück geben wird. Und nachdem, was alles passiert ist, auch nicht. Soweit bin ich schon.

    Anfangs ging es mir auch so. Die guten Erinnerungen (welche eigentlich nur eher sporadisch und selten länger andauernd waren), haben mich überrollt wie eine Riesenwelle. Und dann kam auch bei mir Wut und Ärger auf. Auch hier Funkstille. Aber ich bin mittlerweile an dem Punkt, dass ich froh bin, dass alles so ruhig ist. Es könnte durchaus auch anders sein. Und so muss man sich auch nicht damit auseinandersetzen, ob ein Alkoholiker-Vater in der Lage ist, sich um ein fast 4jähriges Kind kümmern kann/sollte. Ich tue mich schwer damit, einem Kind den Vater vorzuenthalten. Die zwei lieben sich ja. Natürlich habe ich mir trotzdem darüber Gedanken gemacht. Aber wenn der Vater darauf wartet, dass von dem Kind was kommt, läuft doch was verkehrt. Einmal habe ich dann den Kontakt hergestellt, nachdem der Kleine es klar formuliert hatte. Dann aber nicht wieder bisher. Also lasse ich uns Zeit, in Ruhe zu heilen.... vielleicht siehst du es auch so.

    Wir sind hier nicht allein. Das tröstet mich und stärkt mich sehr.

    Ich schick' Dir eine Umarmung 🍀

    Saphira so würde ich es auch unterschreiben, denn so habe ich es auch "fast haargenau" erlebt. Man braucht keine Diagnose, doch braucht man Menschen, die seine Erfahrungen teilen. Erst dann versteht man die Spirale und weiß, wo man für sich und ggf. für ein Kind ansetzen kann, um sich zu befreien und das Leben wieder genießen zu können. Gelöst und unbeschwert.

    Jeder hat eine andere Art damit umzugehen und es sei mir verziehen, dass ich zwischenzeitlich wütend und ärgerlich auf den Alkohol bin, weil er das angerichtet hat, was ich und ganz viele weitere Betroffene erleben mussten..

    Und beim Beenden dieses Gedankengangs weiß ich natürlich, dass der Mensch, der den Alkohol zu sich nimmt, die Entscheidung trifft. Jedes Mal wieder.

    achelias

    Ich verwechsele doch nichts. Es ist mir schon klar, dass nach Wechselwirkungen gefragt werden muss. Ich arbeite selbst in der Pflege und kann das schon logisch nachvollziehen. Mir ging es lediglich darum, dass in Frage gestellt wird, wenn man eben keinen Alkohol trinkt - einfach so bzw. um eben solche Wechselwirkungen zu vermeiden. Dass man sich dann dafür rechtfertigen muss, warum es so ist.

    Ich finde es sehr anmaßend, dass Du von "Unwissen" redest.

    Ist es denn nicht nachzuvollziehen, dass, wenn man einen Leidensweg hinter sich hat und das mit einem kleinen Kind, der von einem alkoholkranken Mann "ausgelöst" wurde, nun einige Dinge automatisch hinterfragt? Dass man sich selbst an den Haaren aus diesem Sumpf herausziehen muss, ohne, dass man es selbst beeinflussen konnte. Dass man nun damit beschäftigt ist, die eigenen entstandenen Wunden und die des Kindes zu heilen.

    Nochmal: es ging mir nicht um das Anzweifeln der Richtigkeit der Aufklärung bzgl. Alkohol - sondern darum, dass nicht jeder, der KEINEN Alkohol trinkt, automatisch ein Alkoholiker ist.

    Schade, dass Du meine Zeilen offensichtlich nicht so verstehen konntest, wie sie tatsächlich gemeint waren.

    Meine Mutter musste zu Beginn ihrer Reha einen Fragebogen ausfüllen bzgl. Vorerkrankungen etc. Irgendwann war die Frage, ob sie Alkohol zu sich nimmt, welche sie mit "nein" beantwortete. Sie nimmt zig Tabletten und trinkt keinen Alkohol.

    Ich meinte mit meiner Aussage auf den Punkt gebracht: Es wird vermutet, dass jemand ein Alkoholproblem hat, wenn er KEINEN trinkt?? Und diejenigen, die offensichtlich zu viel trinken dafür gelobt werden (oft besonders unter Männern mitbekommen) wie viel man doch verträgt... Verkehrte Welt.

    Es ist ja auch tatsächlich so, dass einem nicht geglaubt wird, weil die meisten Menschen die Vorstellung von dem obdachlosen, auf der Bank schlafenden, rotnasigen Alkoholiker haben. Dass es in Frage gestellt wird, weil man ihm/ihr es gar nicht anmerkt. Und man oft das Gefühl hat, sich als Betroffene zu rechtfertigen. Als würde sowas jemand behaupten, wenn es gar nicht der Realität entspricht. Wie groß der Leidensdruck überhaupt ist, WENN man dann endlich spricht, erahnt nur jemand, der selbst betroffen ist.

    Und: ein großer Punkt ist auch, dass Alltag, egal in welchen Mengen, gesellschaftsfähig ist. Dass man auf die Frage in einem ärztlichen Fragebogen, ob man Alkohol trinkt, mit nein antwortet, später beim Arztgespräch gefragt wird, ob man ein Alkoholproblem hat?????

    Das muss ich mit euch teilen...

    Habe heute auf einem Kinderfest langjährige Freunde von ihm getroffen. Ihnen hatte er von meinem Auszug gar nichts erzählt. Sie waren verwundert, dass ich und der Kleine nicht mehr da waren, als sie ihm neulich zum Geburtstag gratulieren wollten.

    Und der Grund hat sie null überrascht. Sie kennen seine andere Ex auch, die ihn aus demselben Grunde verlassen hatte. Sie haben von damals erzählt. Und wie er mit ihr war und es war genauso, wie aktuell. (Ich wusste lange den Grund nicht. Er hat immer erzählt, sie war einfach über Nacht weg. Einfach so.)

    Deshalb hat er wohl nichts erzählt. Weil sie ihre Meinung dazu offen kundtun ihm gegenüber. Wohl haben sie auch damals schon versucht, ihm ins Gewissen zu reden.

    Das Gespräch hat mir so gut getan. Zufällig waren auch die Eltern des Freundes dabei, sie war sehr ergriffen und hat mir dann erzählt, dass sie 18 Jahre mit einem Alkoholiker zusammen war. Dass sie mich so gut verstehen kann und auch nach all den Jahren noch damit zu tun hat manchmal. Wir haben zusammen geweint - obwohl wir uns gar nicht kannten. Sie hat meine Hand genommen und hat mir Mut gemacht. Das hat mir so viel gegeben. 😪

    Auch mir ging/geht es genauso. Allerdings bin ich Dir gegenüber, liebe molly, einige Wochen/Monate im Vorsprung. Es wird besser. Glaube mir. Halte an Deiner Entscheidung fest, im Sinne Deiner eigenen Gesundheit. Es gibt ein Leben danach, ganz bestimmt. Auch mein Weg ist noch ein langer, ich muss mich tatsächlich aufbauen lassen mit Hilfe vom "Profi", doch mittlerweile schäme ich mich nicht mehr dafür. Denn es hat mich auch ein "Profi" dort hingebracht. Das hört sich makaber an, aber ich empfinde es so.

    Mir hat Ablenkung geholfen, aber das funktioniert nicht immer... Ich bin in die Erinnerungen eingetaucht und habe sie zugelassen. Mit allem Schmerz und habe angefangen, mich zu verabschieden und loszulassen. Ganz bewusst. Es dauert, aber es wird besser. So ist meine Erfahrung.