Guten Abend an alle, die ihr euch Zeit für mich genommen habt.
Erstmal möchte ich danke sagen, dass ihr euch die Zeit genommen habt, eure Gedanken für mich dazulassen. Das ist nicht selbstverständlich.
Trotzdem ist es so, wie ich immer wieder versucht habe zu erklären, dass es inhaltlich oft nicht stimmt, worauf ihr euch bezieht. Es fühlt sich für mich immer noch so an, wenn ich die Beiträge lese, dass ich nicht verstanden werde. Ob ich meine Beiträge nicht klar genug formuliere, ich weiß es nicht. Für mich sind sie halt verständlich, sogar sehr, und daher weiß ich eben nicht, was ich ggf. ändern müsste, damit unsere Situation erfasst wird. Aber vielleicht ist es einfach auch aufgrund der Anonymität nicht machbar, da geht halt einiges verloren. Es passt halt überhaupt nicht, dass es in irgendeiner Art und Weise ein hin und her ist oder das der Kleine in einer alkoholbelasteten Familie aufwächst. Das Kind ist vier Jahre, mein Mann drei Jahre trocken gewesen. Da gab es in der prägenden Zeit seines kurzen Lebens bisher kein Hin und Her oder eine belastende Prägung. Und das wird es auch nicht geben, denn wenn sich herauskristallisiert, dass es ein hin und Her werden könnte, also dass es so weiter ginge, dann gibt es nur einen Weg für uns. Und nochmal, falls das nicht in früheren Beiträgen gelesen wurde und jetzt nicht deutlich drin stand von mir: ich bin auch ein EKA. Ich weiß, was es heißt, mit Alkoholikern aufzuwachsen und wünsche das niemandem! Ich bin uneingeschränkt dafür, das Kinder aus dysfunktionalen Familien in letzter Instanz raus geholt werden.
Nun zu deiner Frage Lütte:
Es geht mir wieder einigermaßen gut. Meine Ärztin (Oberärztin der Psychiatrie eines Krankenhauses in der Nähe), die mich seit gut 15 Jahren begleitet, hat gestern nachmittag einen Hausbesuch bei uns gemacht. Ich hatte sie gleich montag morgen angerufen, und über den Rückfall berichtet und sie bot mir sofort an, für mich und auch für meinen Mann da zu sein. Ein Segen, wenn man so eine Ärztin an seiner Seite hat...
Sie hat mich dann am späten Nachmittag daheim besucht. Wir haben über die Situation gesprochen, ich habe erzählt, wie es mir und dem Kind geht. Sie fand es großartig, welche Worte ich für das Kind gefunden habe und wie ich alles mit Ruhe und Verstand erledigt habe. Ich selber bin jetzt rückblickend sehr stolz auf mich. So stark, wie ich die letzte Woche war, habe ich mich noch nie in meinem Leben gefunden. Normalerweise bin ich immer total zusammen gebrochen, als ich noch kein Kind hatte, habe ich mich die Zeit, wo er trank, selber nur ins Bett gelegt, vor mich hin geweint und immer nur gehorcht, was macht er jetzt, wird er langsam wieder nüchtern, ist es bald vorbei usw...
Dieses Mal, und auch schon vor drei Jahren, war ich stark (vor drei Jahren noch nicht ganz so stark wie die letzten Tage, aber auch schon wesentlich stabiler). Ich vermute, dass es daran liegt, dass ich die Verantwortung für ein Kind seitdem habe. Und das die letzen drei Jahre Therapie, eine tiefenpsychologisch fundierten Therapie, mich auch sehr verändert haben, mir geholfen haben. Natürlich war ich traurig, da habe ich auch nichts übergeschminkt, sondern dem Kind sogar gesagt, Mama ist traurig, jeder ist mal traurig, und das geht auch wieder vorbei. Ich habe ihm auch Rede und Antwort gestanden, wenn er nach Papa gefragt hat, kindgerecht natürlich. Also, ich habe keine heile Welt vorgespielt. Aber ich habe weitergemacht, mit meinem Kind einen vernünftigen Alltag weiter gelebt.
Nachdem wir über meine Gefühle und Zustand gesprochen hatten, sagte sie, ich solle meinen Mann mal fragen, ob er mit ihr sprechen möchte. Mir haben die Knie gezittert, es fiel mir schwer nach oben zu gehen, wusste ich nicht, was mich erwartet. Und es war nicht schön. Aber, im Nachhinein war alles richtig so, wie es seinen Lauf genommen hat. Wäre er ausgezogen, hätte er sich unter Umständen tot getrunken, denn er kam aus dem Zustand nicht mehr raus, war kaum ansprechbar, hatte 4 Promille und konnte nicht mehr viel. Was er aber war, er war sofort dankbar, dass sie da war, und ihr Angebot, dass sie ihn zur Entgiftung ins Krankenhaus einweist, hat er sofort angenommen
Er hat nun erstmal wieder alles in seiner Hand, er kann es angehen und er will es auch. Seine Not war groß, seine Frustration über das Versagen auch. Aber die Ärzte im Krankenhaus sahen nicht gleich alles in Schutt und Asche. Die Worte waren dort schon aufbauend, dass drei Jahre eine gute Leistung sind. Dass er nicht bei null wieder anfängt und daran wachsen kann, wenn er den Schmerz zulassen kann und hinschaut. Auf den Rückfall, und auf seine Seele. Er ist nun bereit, eine Therapie zu machen. Das war er bisher nicht. Also ich meine keine Entwöhnungstherapie oä, sondern eine Therapie der psychischen Probleme/Persönlichkeitsstörung. Denn das wird grundlegend dazu beitragen können, eine stabile Trockenheit zu erlangen. Nun müssen Taten folgen.
Ich werde versuchen, Beiträge, die nicht für mich passend erscheinen, als vorhanden, aber mehr auch nicht zu bewerten. Das ist eines meiner großen Probleme; ich zieh mir jeden Schuh an und möchte immer unbedingt verstanden werden. Vielleicht kann ich an diesem Punkt in diesem Forum wachsen und lernen. Das ist etwas, was ich noch gar nicht kann; noch nicht wirklich umsetzen kann, obwohl es oft auch Thema in der Therapie ist. Ich beneide die Menschen, die sich sagen können, ja und, ist mir doch egal was der sagt, ich weiß es ja wie es wirklich ist. Ich kann das nicht; großes Problem...
Ich wünsche allen einen schönen Abend