Stern : ich muss zugeben, dass mich dein Beitrag zum damaligen Zeitpunkt sehr runtergezogen hat, ich war sehr verletzlich und habe mich angegriffen gefühlt. Ich dachte: "oh man, jedes Wort hier wird auf die Goldwaage gelegt. Es wird einem ja schon fast abgesprochen weiterhin abstinent zu sein. Am besten du schreibst gar nichts mehr."
Was genau hat dich denn bei meinem Beitrag so sehr runtergezogen?
Ich lege auch schon auch mal das einzelne Worte auf die Goldwaage. Die der anderen, aber vor allem meine eigenen. Weil es nämlich ganz oft das einzelne Wort und die Formulierung eines Gedanken ist, wie etwas bei mir im Kopf ankommt. Nicht, um jemanden runterzuziehen oder zu verletzen oder sogar anzugreifen. Sondern, weil ich bei manchen hier gelesenen Worten und manchen Formulierungen in meinem Erfahrungsschatz wühle und dazu meine Gedanken hier lassen möchte.
Meine Gedanken sind ja erstmal nur meine Gedanken. Sie können zum Nachdenken anregen, zum Nachmachen motivieren oder auch einfach in die Tonne getreten werden.
„Ich versuche jetzt mit dem Schmerz umzugehen und weiterhin abstinent zu bleiben.“
Wenn ich das so auf schlimme Situationen in meinem Leben sagen würde, würde es mir damit gar nicht gut gehen. Nicht nur wegen des ‚Versuchens‘, sondern auch, weil ich die Reihenfolge gefährlich finde ….‘mit dem Schmerz umgehen‘ …. und dann…. ‚weiterhin abstinent bleiben‘.
Ich habe für mich gelernt, dass ich zu allererst abstinent sein muss. Und erst dann kann ich mit Scherz umgehen. Weil es nämlich andersrum ja nie funktioniert hat.
Mag sein, dass dies kleinkariert klingt oder eben als jedes Wort auf die Waage gelegt empfunden wird.
Mir persönlich ist sowas gerade in Bezug auf meine Nüchternheit aber ganz wichtig. Mir wurde hier gerade am Anfang allerhand um die Ohren gepfeffert, was ich gar nicht für mich einordnen konnte. Rückzug war da keine gute Idee. Weil mir ja hier nur dann jemand was um die Ohren pfeffern kann, wenn ich auch was schreibe. Alleine mit meinen Gedanken im stillen Kämmerlein verstecken hatte ja in der Vergangenheit nicht funktioniert. Warum sollte das jetzt funktionieren?
Nur, wer hier schreibt, wird auch gelesen und bekommt Reaktionen auf seine Gedanken.
Da kommen Leute daher, die mich überhaupt nicht kennen und die wollen mir erklären, wie ich zu leben habe…..was gut für mich ist und was ich auf gar keinen Fall machen darf …..Es hat ne Weile gedauert, bis ich mir sagen konnte: Das sind aber alles Leute, die es geschafft haben, mit dem Saufen aufzuhören. Die sind da, wo ich auch hin will.
Hier kommen und gehen die Leute schneller als ich bis zum nächsten Supermarkt bräuchte, um Alkohol zu kaufen. Da wäre es vermutlich gar niemandem aufgefallen, dass ich auch schon wieder weg ist. Was also sollte irgendjemanden hier dazu veranlassen, sich die Mühe zu machen, meine Beiträge zu lesen und darauf zu antworten? Ganz sicher nicht, um mich zu verletzen oder um mich anzugreifen. Haben doch auch alle genug mit sich selbst genug zu tun. Niemand ist ‚einfach so‘ hier. Alle haben ihren ganz persönlichen Weg hinter sich ….und auch weiterhin vor sich.
Also fing ich an zu sortieren, nicht nach gut oder schlecht, denn da hatte ich ja gar keine Ahnung, sondern nach: passt für mich oder passt nicht für mich. Und dieses ‚passt für mich nicht’ habe ich mir immer mal wieder angeschaut….einiges passte später dann doch.
Mir war es wichtig, einen nüchternen Weg zu finden, der für mich gehbar ist ….immer, für den Rest meines Lebens.
Ich darf ich bleiben und mein eigenes Leben leben. Andere leben ein anderes Leben und jeder erzählt hier ein wenig aus seinem Leben. Da muss ich nicht alles gut und richtig finden, dennoch bleibt es ja das Leben der Anderes und die kommen damit prima zurecht.
Nicht alles passt für jeden und was dem Einen gut hilft, bricht dem Anderen das Genick.
Ich habe hier gelesen und gelesen, mir die Wege derer angeschaut, die schon so lange nüchtern sind. Da wollte ich auch hin. Und die wären nicht so lange schon nüchtern, wenn sie nicht doch irgendwas richtig gemacht hätten.
Das ist ja hier eine Selbsthilfegruppe. Das habe ich für mich so interpretiert: Hilf dir selbst.
Ich werde nicht das Leben der Anderen leben, ich nehme mit, was für mich passt, lasse liegen, was nicht für mich passt und drehe mich immer mal wieder um. So habe ich gelernt, diese wertvolle Erfahrungskiste hier für meinen eigenen Weg zu nutzen …..mir selbst zu helfen.
Sei dir sicher, dass dich hier niemand verletzen oder angreifen will.