Ich fand diese Belohnungen für mich selbst immer sehr wichtig. Vielleicht war es auch manchmal nur der Wunsch nach einem schönen Tagesabschluss, den ich nach einem schönen Tag haben wollte.
Ein duftendes Schaumbad, ein riesengroßer Eisbecher oder ein schöner Blumenstrauß auf meinem Tisch….aber die schönste Belohnung war für mich immer, wenn ich abends meine Zahl der nüchternen Tage in den Kalender malen konnte. Das habe ich zelebriert und mich jeden Abend so darüber gefreut. Die erste Woche …. die erste zweistellige Zahl ….jede Null ….so hat sich ein Tag an den anderen gereiht.
Abends hier den Tag Revue passieren lassen, war mir ein wichtiges Ritual geworden.
Mich abends nüchtern ins Bett legen zu können ….mit klarem Kopf wieder aufwachen….das war immer so eine tolle Belohnung, die mit keinem Geld der Welt zu bezahlen ist … heute noch.
Wie macht ihr das, wenn die meisten Dinge die im notkoffer stehen, bei euch mit Alkohol verbunden waren? Ich weiß gar nicht wie ich das machen soll, ohne komplett niedergeschlagen zu sein, weil etwas fehlt in meinem Kopf:(
Ich habe mir meine alkoholfreie Zone in meinem Kopf geschaffen. Und das schon ganz am Anfang meines nüchternen Lebens.
Es ist ja nun mal so, dass es überall Alkohol gibt. Es ist schwer, ihm immer aus dem Weg zu gehen.
Als ich akzeptieren konnte, dass ich Alkoholiker geworden bin und dass ich das auch für immer bleiben werde, war mir auch direkt klar, dass ich die Sucht nur stoppen kann, wenn ich keinen Alkohol trinke. Und wenn ich leben will, wird das nur funktionieren, wenn ich nie wieder Alkohol trinke. Das ist so. Fertig. Da gibt es keine Alternative …also muss ich auch keine Alternative suchen.
Im Prinzip ist der Weg vorgegeben: Das Leben funktioniert jetzt nur noch nüchtern.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Welt um mich herum nicht trockener wird, nur weil ich jetzt keinen Alkohol mehr trinke. Ich mache meine Nüchternheit nicht von irgendwas abhängig …. nur von mir selbst. Nichts und Niemand sonst wird darauf Einfluss haben.
Es ist egal, was andere um mich herum machen oder was andere trinken. Ich bin Alkoholiker und deshalb werde ich keinen Alkohol trinken. Das ist ganz fest in meinem Kopf verankert. Da gibt es auch keine Diskussion.
Das wichtigste ist mir ein alkoholfreies Zuhause. Das ist der einzige Ort, an dem ich bestimmen kann, dass es keinen Alkohol gibt. Für niemanden.
Vielleicht hilft es dir die erste Zeit, Orte zu meiden, an denen du immer getrunken hast oder Unternehmungen, bei denen du immer getrunken hast, erstmal zu lassen …. Vielleicht gibt es auch etwas, wobei du nie getrunken hast?