Hallo Thalia,
danke für die nette Begrüßung.
Meine Wohnung ist alkoholfrei. Mein Mann trinkt am Wochenende gern einen Rotwein, aber in moderater Dosis. Ich könnte ihm auch jederzeit sagen, dass es mir gerade nicht gut geht und er würde dann darauf verzichten. Mein Freundeskreis ist gemischt, einige trinken gar keinen oder sehr wenig Alkohol, einige etwas mehr – aber ich habe keine alten „Saufkumpanen“, die mich verleiten können. Mein engstes Umfeld weiß, dass ich keinen Alkohol mehr trinke. Tatsächlich ist es für die meisten gar kein Thema, wenn ich sage, dass ich etwas ohne Alkohol trinken möchte. Dann kommt eigentlich nur ein „Ok, was kann ich dir dann anbieten?“, von engeren Freunden die Rückmeldung „finde ich gut“. Ich hatte bisher auch nur einmal das Gefühl, mich deswegen rechtfertigen zu müssen. Eine Bekannte, die ich länger nicht gesehen hatte, war etwas überrascht und hat nachgebohrt „aber warum denn nicht?“. Ich bin dabei geblieben, dass ich nicht möchte und dann war es gut.
Bei meiner ersten Trinkpause konnte ich die Tatsache, alkoholkrank zu sein, auch nicht akzeptieren. Ich dachte, ich hätte „nur“ ein Problem und ich könnte durch die bewiesene Abstinenz eine Arte „Reset“-Knopf drücken und wieder normal trinken. Das geht natürlich nicht, aber das war mir damals nicht klar.
Der Austausch soll mir helfen, meine Krankheit nicht aus den Augen zu verlieren und am Ball zu bleiben. Ich möchte nicht vergessen wie schlimm die nasse Zeit war. Das würde mir eine trügerische Sicherheit geben, dass alles gut ist. Ich möchte nicht, dass dann das Suchtgedächtnis eiskalt zuschlägt.
Viele Grüße
Seeblick