Beiträge von Eismann

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später hier dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.

    Aus Bequemlichkeit wollte ich eine ambulante Langzeittherapie quasi so nebenbei machen. Nachdem mir von mehreren Seiten die stationäre LZT empfohlen wurde habe ich mich dann aber für diese entschieden. Hat viele Vorteile in meinen Augen. Man ist aus seinem gewohnten Umfeld raus. Arbeit, Familie und sonstige Verpflichtungen können auch Bestandteil der eigenen Krankheitsgeschichte sein. Mit etwas Abstand lässt sich das besser erkennen. Außerdem braucht man am Anfang vielleicht mehr Zeit und Ruhe für sich. Ging mir so. Durch die engmaschigere Betreuung dürfte auch das Rückfallrisiko geringer sein. Zu guter Letzt ist man rund um die Uhr von Mitpatienten umgeben, mit denen man sich austauschen kann.

    Hallo und eine schöne Woche allen.


    Hab am Sonntag mit meiner Frau Verwandte besucht und musste daran denken, wie es mir früher bei solchen Fahrten ging. Auf der Hintour übernächtigt und verkatert und im Hinterkopf die Frage: Na, wirklich ohne Restalkohol? Auf der Rückfahrt dann unruhig und gereizt. Die Flasche wartete ja schließlich und ich musste noch was aufholen.


    In einer Kurve kam uns gestern ein LKW entgegen und plötzlich ein Überholer auf unserer Fahrspur. Vollbremsung, Ausweichen nach rechts, zurück auf die Fahrbahn und Fahrzeug stabilisieren bevor es in den Gegenverkehr gerät. Mit viel Glück konnte ein Zusammenstoß verhindert werden.


    Sicher ist es ein wenig Glaskugellesen und hätte, hätte Fahrrad... Ich denke aber, vor einem halben Jahr wäre ich zu so einer Reaktion im Grenzbereich der Fahrphysik nicht in der Lage gewesen. Meine Frau meinte später, dieses Jahr hätte ich mir selbst schon zweimal das Leben gerettet.


    Eismann

    Ich bin noch ziemlich frisch hier. An meinem Wendepunkt wäre es für mich noch viel tiefer gegangen. Gesundheitliche Probleme noch beherrschbar, in Job und Straßenverkehr noch nicht aufgefallen. Gut, die Beziehung hat gekriselt. Das hab ich aber durch meine blaue Brille nicht so mitbekommen.


    Aber mit meinen heimlichen Trinkeskapaden wäre es vorbei gewesen nachdem meine Beziehung mit der Flasche aufgeflogen ist. Ich stand mit dem Rücken zur Wand und konnte mich nicht mehr rausmogeln. Und auch wenn meine Frau vorher versucht hat, mir da goldene Brücken zu bauen, war es mir erst da möglich, zu sagen: 'Ich bin Alkoholiker. Ich brauche Hilfe.'


    Ein schönes Wochenende allen

    Eismann

    Ja der inoffizielle Vereinszweck, der sich in keiner Satzung findet. Für Nichtalkoholiker ja eigentlich auch in Ordnung. Schlecht nur, wenn Kinder/ Jugendliche da hinein wachsen.


    Btt. Koffein soll ja auch eine beliebte Ersatzdroge sein, ob nun Kaffee oder Energydrink.


    Eismann

    Hallo Thomas,

    Tarnung war zwar nicht das Ziel hat aber als Nebeneffekt funktioniert. Mein Motto war und ist um mit Heinz Strunk zu sprechen: 'Ich möchte mit freiem Oberkörper Holz hacken können ohne daß es Sch...e aussieht.' ;) Das Schöne ist, ohne Suff muss ich viel weniger Zeit und Energie investieren um fit zu bleiben.


    Nichtsdestotrotz war Sport für mich selber immer ein auch ein Rechtfertigungsgrund zum Saufen. Ich mach ja was für den Körper, kann ich es ja an anderer Stelle etwas schleifen lassen. Ging lange gut aber am Ende war ich halt doch ein Wrack, das nach ein paar Liegestützen Nasenbluten kriegt.


    Sport frei

    Eismann

    Hallo Forum,

    parallel zum Alkoholismus habe ich viele Jahre Sport in einer süchtigen Ausprägung betrieben. Sechs Trainingstage die Woche und wehe, es kam was dazwischen. Sport und Alk haben sich lange ausbalanciert. Wurde eines weniger, stieg die Dosis beim anderen. Irgendwann wurde dann Alk immer mehr und Sport immer weniger.

    Jetzt trainiere ich wieder dreimal die Woche. Mehr Zeit will ich gar nicht investieren. Wäre auch nicht sinnvoll. Wenn ich darauf verzichten soll, werde ich aber erstmal unleidlich. Ist schließlich wertvolle ICH- Zeit und gehört zu meinem Anti- Alk- Programm.


    Schon während der Entgiftung hab ich Schokolade für mich entdeckt. War seit der Kindheit kein Thema. Nach etwa zwei Monaten war der Schokojieper dann von einem auf den anderen Tag weg.


    Eismann

    Hallo Eismann,


    das kenne ich. Wenn ich jetzt "satt" bin, brauche ich keine weiteren Getränke...

    Ging ja bei mir noch weiter. Da ich heimlich getrunken hab musste ich immer auf die Gläser der anderen schielen, ob ich mir schon ein neues Getränk holen kann oder ob ich aus der Rolle falle. Zwischendurch immer mal wieder in den Keller sprinten zur Druckbetankung. Und dann nicht mehr an Gesprächen beteiligen, damit das Genuschel nicht auffällt. Die pure Lebensfreude...

    Hallo Hartmut

    Alles gut. Hatten Wochenendbesuch und das Telefon ist in der Ecke verstaubt. Gestern hatte ich mein erstes Grillen mit Limonade. Komisch, dass man plötzlich mit drei Getränken über den Abend kommt. Ich hatte viel mehr von der Zeit mit Family & Friends.


    Allen eine schöne Woche

    Eismann

    Hallo Hartmut,

    hab gelernt, das eine unausgewogene Lebenssituation am Anfang der Rückfallkette steht. Also u. U. auch negative Gefühle. Ich hätte meinen Einkauf im Sinne einer Risikominimierung durchaus verschieben können. Darüber habe ich aber gar nicht nachgedacht. Kommt dir vielleicht übertrieben vor aber es sind halt meine ersten Schritte.


    Viele Grüße

    Eismann

    Hallo,

    hatte für einen geplanten Reifenwechsel mein Auto in der Werkstatt. Erhebliche Mehrkosten sind ungeplant dazu gekommen. Als ich danach die ersten Kilometer gefahren bin, leuchtete die Motorkontrolllampe. Ich habe mich sehr geärgert und hatte natürlich Angst, das mir die Kosten aus dem Ruder laufen.


    Das wäre vor einem halben Jahr ein guter Grund für eine Stressbewältigungsflasche gewesen. Meine negativen Gefühle wären für den Moment betäubt gewesen. OK. Ich hätte aber an dem Tag nix mehr auf die Reihe gekriegt, wäre verkatert aufgewacht und meine Probleme hätten gesagt 'Da sind wir wieder. Und wir haben noch jemanden mitgebracht!'


    Also habe ich mir lieber bewusst meinen Ärger und meine Angst eingestanden und auch meiner Frau davon erzählt. Sie sagte, sie hätte sich in der Vergangenheit oft gewundert, dass ich mit schlechten Nachrichten scheinbar so gelassen umgehe.


    Suchtgedanken hatte ich nicht. Ich war an dem Tag noch einkaufen. Erst im Nachgang ist mir bewusst geworden, dass ich mich damit unnötig in Gefahr begeben habe. Da muss ich noch ganzschön meine Aufmerksamkeit trainieren.


    Mein Autoproblem konnte am nächsten Tag in fünf Minuten gelöst werden.


    Viele Grüße

    Eismann

    Hallo und vielen Dank,

    die ersten Tage im echten Leben haben ein straffes Programm mit sich gebracht. Es ist ja in der letzten Zeit einiges liegen geblieben. Ich bin es ruhig und entschlossen angegangen und konnte einiges abarbeiten ohne mich zu verausgaben. Der erste SHG Termin und ein Wiedereingliederungsgespräch beim Arbeitgeber liegen hinter mir. Vor letzterem hatte ich etwas Muffengang. War aber ganz entspannt und mit den Möglichkeiten die sich für mich ergeben bin ich zufrieden.


    Für die Zeit, die ich noch zu Hause bin, habe ich mir einen Plan gemacht, der natürlich genügend Luft für Entspannung, Sport und schöne Unternehmungen mit meiner Frau lässt <3


    Für mich selbst habe ich kleine Belohnungsrituale entwickelt. Dazu gehören das Eis oder ein Stück Kuchen zum Kaffee (da ich nicht saufe, kommt es nicht mehr so auf die Kalorien an), mein abendlicher Tee oder die kleine, gut gekühlte Limonade im Kühlschrank. Das alles bewusst nicht als Alkersatz sondern als etwas schönes und besonderes nur für mich.


    Die nächste Nagelprobe ist dann mein Wiedereinstieg im Job nächste Woche.


    Viele Grüße

    Eismann

    So, das Leben hat mich wieder. Meine Therapie ist beendet und ich bin seit zwei Tagen wieder zu Hause. Nach dem Schongang in der Klinik mit Seeblick war ich nach dem ersten Tag ganzschön geplättet, stand zeitweise etwas neben mir. Langsam komme ich wieder in der Realität an. Bei den vielen vertrauten Eindrücken um mich herum bekommt natürlich auch das Suchtgedächtnis mehr Futter und klopft hin und wieder an. Es sind keine drängenden Gedanken. Ich nehme sie zur Kenntnis und sage mir 'Das bin nicht ich. Das ist ein Gedanke.' Sie verschwinden nach kurzer Zeit wieder.

    Passend dazu war ein Computertraining Teil meiner Therapie. Dadurch soll die Empfänglichkeit für visuelle Reize durch alkoholische Getränke herabgesetzt werden. Durch Studien belegt ist wohl eine Minderung des Rückfallrisikos um etwa sieben Prozent bei den Teilnehmern. Klingt erstmal nicht viel, könnte aber das I- Tüpfelchen sein, das mir am Ende den Arsch rettet. Nehme im Anschluss noch an einer Studie Teil die untersucht, ob ein fortgesetztes Training nach der Therapie messbare Effekte hat.

    Hey Hana,

    schon klar, Augen auf bei der Programmwahl. Ich schau eh kaum fern.


    Mich hat nur meine aggressive Reaktion gewundert, bin sonst eigentlich nicht so. Ist wohl ähnlich wie bei militanten Ex- Rauchern. Bin neu in Sachen Abstinenz und kannte das so nicht.

    Hallo,

    gestern habe ich gelesen und weil mein Mitbewohner vergessen hatte auszuschalten lief nebenbei TV. Bedeutende Erfindungen. Irgendwann ging es um Bier. Nach kurzer Zeit, in der gefühlt in jedem zweiten Satz der Begriff 'Bier' fiel war ich derart genervt, das ich ausgeschalten habe. War dann wieder gut.


    Abgesehen davon, wie meine Wahrnehmung auf Alkohol anspringt- von den Beiträgen davor habe ich eigentlich nichts mitbekommen- fand ich meine aufkommende Aggression bemerkenswert. Sollte mir doch eigentlich egal sein, ob bei den alten Sumerern mal Getreidebrei vergoren wurde. Ich empfand das aber als Angriff auf meine Abstinenz.


    So ging es mir bisher weder im Restaurant noch bei Alkoholwerbung. Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Was sagt es euch?


    Euch allen einen schönen Sonntag

    Eismann

    Was ich dir noch sagen wollte,

    es ist eigentlich nicht meine Art per Brief Schluss zu machen aber für mich ist es einfach besser, wenn wir beide Abstand halten.


    Wir haben uns früh kennengelernt und wir hatten ne Menge Spaß miteinander. Die schönen Nachmittage am Strand, legendäre Tanzeinlagen oder die Hand, die unterm Tisch zum Mädchen nebenan gewandert ist- du warst immer dabei.


    Später in der Ausbildung. Was haben wir gelacht. Und wenn ich früh leicht verstrahlt zum Unterricht gegangen bin und wildfremde Menschen mich freundlich mit 'Hi Eismann' gegrüßt haben, ja da musste ich grinsen und wußte, wir zwei haben wieder zugeschlagen und uns gut amüsiert.


    Party Hard war irgendwann vorbei und der Ernst des Lebens begann. Auch da konnte ich mich auf dich verlassen. Du warst da, wenn ich dich brauchte und so hätte es bleiben können.


    Leider hat sich unser Verhältnis irgendwann verändert. Die Leichtigkeit war weg. Gelegentliche Dates waren dir plötzlich nicht mehr genug. Mir übrigens auch nicht. Vor allen anderen habe ich unsere Beziehung geheim gehalten. Brauchte ja keiner wissen, dass ich was mit dir hab. Ich habe für uns einen kleinen Freiraum geschaffenen, wo ich dich immer wieder heimlich besuchen konnte. Da warst du mir schon manchmal unheimlich.


    Aber was soll's. Lief ja alles. Familie, Job, Hobbys- alles kein Problem dachte ich. Man war ich verpeilt- oder besser fremdbestimmt. Meine Freizeit habe ich um dich herum organisiert. Wenn ich morgens lieber nicht mit dem Auto auf Arbeit fahren wollte ließ ich mich schon mal krankschreiben. Sogar meine Ehe stand auf der Kippe weil ich zwei Beziehungen nicht mehr unter einen Hut bekommen habe. Meine Persönlichkeit begann zu verschwimmen und ich habe mich vor mir selbst geekelt wenn ich mal wieder heimlich zu dir geschlichen bin oder wenn ich morgens in den Spiegel sah und mir außer 'Ach du Sch...ße!' nicht mehr viel einfiel.


    Du merkst selbst- klingt alles nicht mehr nach einer Beziehung auf Augenhöhe. Du kannst dir nicht vorstellen, wie erleichtert ich war, als unser Verhältnis aufgeflogen ist. Keine Lügen, kein Versteckspiel mehr. Wieder frei atmen.


    Seit wir Abstand haben geht es mir besser. Mein Tag hat wieder 24 Stunden. Ich wache morgens auf, bin fit und weiß, wie ich abends ins Bett gekommen bin. Ich kann mich wieder um mich kümmern, um mein Leben und um die, die ich wirklich liebe. Auf einmal gibt es wieder so viele Sachen auf die ich mich freue und in meinen Plänen spielst du keine Rolle mehr.


    Ich bin dir nicht böse. Klingt vielleicht blöd aber ich hab es ja so gewollt. Ich werde auch keine Kämpfe mit dir führen. Bist eh stärker. Ich hätte keine Chance. Nein, unsere Wege trennen sich einfach hier. Das mit uns hat keine Zukunft. Ich weiß, das du dir damit schwer tun wirst und du kannst hartnäckig sein. Ich werde deshalb aus sicherer Entfernung ein wachsames Auge auf dich haben. Such dir jemanden, der mit dir klarkommt.


    It' s all ober now, baby blue...

    Manchmal denke ich es ist falsches Denken der Menschen die gerade trocken geworden sind und es noch als Einschränkung empfinden nichts zu trinken.


    LG Marie

    Da hast du vermutlich den Nagel auf den Kopf getroffen. Alles Neue muss erstmal zur Normalität werden.

    Hallo Hartmut,

    vielen Dank für diese Perspektive. Von der Seite hab ich das noch gar nicht gedacht. Es bestärkt mich auf jeden Fall. Meine Freunde haben schon signalisiert, das sie von sich aus in meiner Gegenwart auf Alkohol verzichten.

    Hey,

    hatte in der Zeit zwischen Entgiftung und LZT auch Gäste, für die ich unmittelbar vorher Bier besorgt habe. Was nicht alle wurde, hab ich ihnen mitgegeben. Dachte mir, warum sollen die sich wg. meiner Krankheit einschränken?


    Abgesehen vom vermeidbaren Risiko weiß ich heute nicht mehr, wo ich für die Gäste eine Einschränkung gesehen hab. Wenn ich als Fleischfresser bei einem Vegetarier zu Besuch bin gibt es halt nicht mein Lieblingsessen sondern was anderes. So what? Ich komme ja nicht in erster Linie des Essens wegen. Und wer mich nur mit Alkohol etragen kann der muss sich ja nicht mit mir rumquälen.


    Viele Grüße

    Eismann