Eismann, 46, Alkoholiker

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  • Hallo Eismann,


    mit tut es auch leid wegen der Trennung X/

    Manchmal sind Beziehungen einfach am Ende oder es ergeben sich Wünsche, die nicht mehr überein passen.

    Dann ist eine Trennung sicher besser, ehe man sich weiter miteinander rumquält, Hass und Wut auf den anderen entwickelt etc.


    Ich habe übrigens auch noch eine sehr freundschaftliche Beziehung zu meinem Ex-Mann, ebenso zu seiner jetzigen Frau, die zu meinen besten Freundinnen und Ratgeberinnen zählt.

    Und ehrlich gesagt, wenn sich zwei Menschen in unterschiedliche Richtungen entwickeln, kann auch keiner was dafür.

    Alles ist nun mal in Veränderung und das bringt dann auch mitunter sowas mit sich.

    Wenn man sich in Freundschaft trennen kann, finde ich das eine sehr erwachsene Art und super :thumbup:

    Denn man hat den Partner doch auch mal von Herzen geliebt, sonst wäre man ja nicht so lange zusammen geblieben.

    Ich finde es schade, wenn am Ende einer Beziehung nur noch Wut und Hass bleibt und gegenseitige Vorwürfe.

    Dann hat man sich eindeutig zu spät getrennt, meine Meinung.


    Mein Ex und ich sind erstmal auf Abstand gegangen die erste Zeit nach der Trennung.

    Er heiratete dann auch bald seine jetzige Frau. Die beiden passen auch besser zusammen als es bei uns der Fall war, und gut is.

    Wir merkten aber auch, das wir uns nun nicht egal sind, und das wir dem anderen auchr nichts schlechtes wünschen für die Zukunft.

    So wurde aus der Ex-Beziehung eine gute und feste Freundschaft, die nun schon seit Jahrzehnten besteht.

    Auch sowas ist ja möglich.

    Vielleicht auch bei Euch...?


    Tja...und manchmal merkt man auch gerade nach einer Trennung, wie viel einem der andere noch bedeutet. ;)

    Auch diese Erfahrung habe ich gemacht, aber nicht in der Beziehung zu meinem Ex-Mann, sondern zu meinem jetzigen Mann.

    Und man merkt vielleicht auch, das das Gras woanders auch nicht grüner ist, obwohl es verdammt so aussah 8)

    Wie es in so einem Fall weiter geht... keine Ahnung, open End ... ;)


    Eismann, ich bin in meiner nun schon sehr langen trockenen Zeit natürlich auch schon in emotionale Schieflagen geraten.

    Durch Schicksalsschläge, durch sehr schwierige Situationen, die mich enorm belasteten etc.pp.

    Das ganz normale Leben eben, was nicht immer so glatt läuft wie man es gern hätte.

    Und auch mit Todesfällen muss man lernen umzugehen. Auch das war leider dabei, der Tod meiner Mutter hat mich sehr mitgenommen.


    Und weißt Du was?

    Ich hätte mir nicht diese Situationen mit Alkohol erleichtern wollen. Denn ich glaube nicht mal dran, das es eine wirkliche Erleichterung wäre. Vielleicht nicht mal für einige Stunden, bei mir zumindest nicht, schätze ich.

    Zu allem Schlimmen käme dann ja noch ein Rückfall obendrauf...und man hätte vieles einfach weggeschmissen, was einem viel bedeutete. X/

    Nö, will ich nicht, ich ertrage Schmerz lieber nüchtern.

    Selbst wenn ich wüsste, das ich eine schwere Krankheit hätte und nicht mehr lange zu leben hätte, ich glaube, selbst dann würde ich mich nicht mit Alk wegschiessen wollen.

    Ich glaube, durch erneute Sauferei macht man es sich nicht leichter, sondern noch viel schwerer, mit allem.

    Und Probleme sind nüchtern auch besser zu lösen.


    LG an Dich und mach weiter so, bist ja bisher auf einem guten Weg :thumbup:

    Sunshine

  • Hallo an alle,

    aus meiner Therapie habe ich einen Jahresplan mitgebracht. Die ersten drei Monate sind rot hinterlegt. In dieser Zeit kommt es im Anschluss an die LZT zu den häufigsten Rückfällen, da sich das gelernte an der Realität messen lassen muss. Donnerstag werde ich meinen Smiley ins letzte rote Kästchen malen. Natürlich weiß ich, das die damit Kuh nicht vom Eis ist, nie sein wird.


    Ich erhielt heute einen Anruf von meinem Zimmergenossen aus der Klinik. Er hat es leider nicht geschafft. Nicht wirklich überraschend. Wir waren in unterschiedlichen Bezugsgruppen. Während unserer gemeinsamen Zeit hatte ich am Tag im Schnitt fünf Maßnahmen, abgestimmt mit meiner Therapeutin und auf die erarbeiteten Ziele ausgerichtet. Er nahm am täglichen Gruppen- und am wöchentlichen Einzelgespräch teil. Ab und an Sport. Ein viertel Jahr betreutes wohnen mit Alkoholverbot. Schade um die Zeit🙄

  • Ein viertel Jahr betreutes wohnen mit Alkoholverbot.

    Damit ist meine LZT vor 14 Jahren zutreffend beschrieben. Von zwei "Kursen", die ich da gebucht habe, hat nur einer stattgefunden, der andere wurde wegen Personalmangels abgesagt. Der Swimmingpool blieb geschlossen, obwohl wir uns alle sehr dafür engagiert haben, den zu reparieren. Weil sich dann jemand beim Volleyball verletzt hatte, wurde auch noch die Turnhalle geschlossen. Alle vierzehn Tage gab es ein mickriges Einzelgespräch von einer halben Stunde, da hat man mir eine blutjunge, unerfahrene Therapeutin vorgesetzt, die mich nur mit großen Augen anguckte und ständig die Frage wiederholte, was man denn nun für mich tun könne. Das einzige, was regelmäßig stattfand, waren die morgentlichen Gruppengespräche, die sich zwar ständig im Kreis drehten, aber eigentlich noch das beste an der ganzen Veranstaltung waren. Ansonsten saß ich da tagsüber nur rum, rauchte, reparierte hin und wieder mal ein Fahrrad in einer Werkstatt, in der es an so gut wie allem mangelte, und wartete auf das nächste Essen. Die Wochenenden waren unfaßbar langweilig.


    Natürlich ist es in allererster Linie meine persönliche Schuld, daß ich bei meiner zweiten Heimfahrt rückfällig geworden bin, da will ich niemandem den Schwarzen Peter zuschieben. Aber diese Therapie war die Zeit und das, wie ich vermute, viele Geld nicht wert. Da würde ich gerne anderen den Rat geben, die zukünftige Reha-Einrichtung vorher gut zu prüfen, aber in der Praxis ist das natürlich unmöglich, das ist leider ein Lotteriespiel.

  • Lag hier aber nicht so an der Einrichtung. Sicher, durch Corona gab es Einschränkungen. Die Klinik hat aber unter den gegebenen Bedingungen viel möglich gemacht. Vielleicht war die Philosophie dort nicht die richtige für meinen Mitbewohner. Ein großes Maß an Freiheit aber eben auch Eigenverantwortung. Man wurde nicht an die Hand genommen sondern musste sich seine Hilfe schon einfordern und mitarbeiten. Wer da hin kam in der Erwartung, abstinent "gemacht" zu werden und nicht selber ins Handeln kam hat wirklich in die Röhre gekuckt. Ich habe außer Luxus wie Wasser-Gymnastik jede Maßnahme bekommen, die ich wollte und noch ein paar, von denen ich gar nicht wusste, das ich sie wollte. Gerade die haben mir aber rückblickend viel gebracht.

  • Hallo Eismann,


    schön, dass du den Smiley ins rote Kästchen eintragen kannst. Glückwunsch!


    Meine Therapie hat mir sehr geholfen, obwohl das Angebot nicht allzu vielfältig war und durch Corona einiges ausgefallen ist. Sowas wie Wassergymnastik gab es schon gar nicht…Aber der Tag war gut gefüllt und ich habe mir aus allem die Dinge herausgezogen, die mich weiterbringen.


    Aber ich weiß von Mitpatienten, die schon am Tag nach der Entlassung wieder getrunken haben. Eben auch, weil er nicht bereit war, an sich zu arbeiten und Dinge anzunehmen oder gar zu ändern. Da hilft auch die beste Einrichtung nicht.


    Viele Grüße

    Seeblick

  • Hallo an alle,

    wollte Mal wieder ein kleines Lebenszeichen von mir geben. Durch den Umbruch in meiner Beziehung ist gerade unheimlich viel Bewegung in meinem Leben und ich bin froh, das alles nüchtern erleben zu dürfen. Klar, die schönen Momente aber seltsamerweise besonders die traurigen, schmerzhaften. Vor so intensiven Gefühlen bin ich immer geflüchtet, hab sie zugeschüttet. Ich glaube, ich verarbeite gerade zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben eine Krise bewusst. Für diese Erfahrung bin ich dankbar.


    Etwas, das ich hier schon oft gelesen habe kann ich nun bestätigen. Ich lerne gerade viele neue Menschen kennen. Wenn ich irgendwo angebotenen Alkohol ablehne und sage, ich trinke keinen, gibt es keine Nachfragen. Es werden einfach alkfreie Alternativen angeboten. Die normalste Sache der Welt🙂 Wenn die Bekanntschaft tiefer wird, erkläre ich mich natürlich zum Selbstschutz. Euch allen eine schöne Woche.


    Eismann

  • Hallo Eismann, das liest sich sehr gut, wie ich finde. Mir geht es auch so, dass ich froh bin, auch traurige Dinge bewusster zu durchleben. Dieses Verdrängen, was man zu Saufzeiten gern macht, das ist einfach langfristig gesehen, total schädlich für einen selbst.


    Richtig, je selbstverständlicher die Aussage, dass kein Alkohol getrunken wird, umso selbstverständlicher wird es aufgefasst. Weiter so :)

  • Ich glaube, ich verarbeite gerade zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben eine Krise bewusst. Für diese Erfahrung bin ich dankbar.

    Puh, bei dem Satz kommen so viele Gedanken in mir hoch. Ich war ja auch immer so ein Feigling, der vor Problemen die Nase in den Sand, genauer gesagt in die Flasche gesteckt hat.


    Wie ich schon geschrieben habe, sind beide meine Eltern inzwischen tot. Sie waren beide Alkoholiker, wenn auch nicht so schlimm wie ich, aber schon auch recht übel dabei. Bei beiden hat der Alkohol den Tod zwar nicht direkt versursacht, aber doch beschleunigt.


    Ich habe manchmal meinen Vater nicht am Sterbebett besucht, weil ich einfach zu groggy war. Und auch zu meiner Mutter war ich in den letzten Monaten ihres Lebens nicht immer so gut, wie ich zu ihr hätte sein können. So ganz grundsätzliche Vorwürfe muß ich mir nicht machen, ich hatte ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern bis zu deren Tod, zu meiner Mutter sogar ein sehr enges, aber ich denke mir heute so manches Mal: Verflucht, wärst du doch wenigstens nicht so oft besoffen gewesen. Bestimmt hättest du deinem Vater am Krankenbett die Zeit etwas vergnüglicher vertreiben können, bestimmt hättest du deiner Mutter den Marsch geblasen, daß sie gefälligst zum Arzt gehen soll. Meine Mutter ist letztendlich an Faulheit und Eitelkeit gestorben, sie hat eine Lungenentzündung verschleppt. Drei Tage vor ihrem Tod hat sie mich angelogen und behauptet, sie sei beim Arzt gewesen. Nach ihrem Tod habe ich alle Ärzte und Krankenhäuser in der Umgebung angerufen und auch mit der Krankenkasse gesprochen: sie war nirgends.


    Dann habe ich mal in einer Entgiftungsstation das Zimmer mit einem Spiegeltrinker geteilt. Der hatte vier oder fünf Kinder, das letzte davon war mit einem Herzklappenfehler geboren und lag gerade auf der Intensivstation. Ich habe dem Mann ins Gewissen geredet, daß seine Frau ihn jetzt braucht und daß ein Mann, der sich in den Alkohol flüchtet, bestimmt keine Hilfe für sie ist. Ich bin mir nicht so sicher, ob ich zu ihm oder zu mir selbst sprach.


    Inzwischen habe ich schon so einige Krisen in meinem Leben "gemeistert", natürlich alle mit Alkohol. Ich weiß, der Alk hat da nichts einfacher oder erträglicher, sondern alles nur noch schwieriger gemacht. Das Leben ist eben nicht einfach, wenn schon die Organisation einer Zugfahrt manchmal eine unüberwindliche Hürde darstellt. Mit Alkohol kann man vielleicht mal eine halbe Stunde lang all das miese Zeug vergessen, das einen belastet, aber nach dem nächsten Kater kommt der Ärger doch immer zurück, und dann erst recht knüppeldicke. Das ist nichts für schwache Nerven.


    Ich erwarte vom nüchternen Leben keinen Ponyhof und keinen Rosengarten. Die nächste Krise kommt bestimmt. Aber ganz egal, was kommt, ich bin zuversichtlich, daß ich sie nüchtern besser meistern kann. Wenn ich saufe, kann allein eine Banküberweisung schonmal zwei Wochen in Anspruch nehmen, nüchtern erledige ich die in einer Minute.

  • Neun Monate Abstinenz. Das ist die Zeit, die eine Schwangerschaft dauert. Ich kann das zarte Geschöpf erstmals in den Händen halten- begreifen. Es ist noch schwach, braucht meine Zuwendung, Pflege und Schutz. Und weil ich es lieb habe, sorge ich für es und achte darauf daß es ihm gut geht. So wird es mit der Zeit stärker. Ich kann mich darauf stützen und wachse selbst noch. Und weil ich es nicht vernachlässige, ist es den Rest meines Lebens für mich da.

  • Herzlichen Glückwunsch, Eismann,

    in 9 Monaten hast du dir sicher schon eine gute Basis für dein ‚Baby‘ geschaffen.

    Sehr schön umschrieben … deine Gedanken um deine Abstinenz 😀

    Viele Grüße

    Stern


    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Hallo in die Runde,

    die Corona Zahlen steigen und durch Eindämmungsmaßnahmen bröckeln mir so langsam die Aktivitäten weg, die ich mir abstinent erschlossen habe. Der elektronische Austausch mit neuen Kontakten ist ein kleiner Trost. Um die Zeit auszufüllen dehne ich meine sportlichen Aktivitäten aus- Strandfigur ich komme💪 Meine angehende Exfrau habe ich als Tanzsportgerät verpflichten können. So kann ich zu Hause im Takt bleiben bis die Tanzschule wieder öffnet. An meinen Kochkünsten möchte ich auch feilen.


    Lt. meiner Abstinenzapp habe ich jetzt schon 2000 € beim Alkohol gespart. Ich weiß zwar nicht, wo die Kohle hin ist, bin mir aber sicher sie tausendmal sinnvoller ausgegeben zu haben.


    Eine Runde Eis für alle und bleibt gesund!

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