Liebe Billy, ich denke nun schon seit ein paar Tagen drauf rum, finde aber nicht so recht den Einstieg.
Eine Sache, die mir tatsächlich noch große Sorgen macht ist, wie mein Verhalten in Beziehungen durch meinen Vater geprägt ist.
Oh das kann ich so gut verstehen und deine Sorge ist ja keinesfalls unbegründet. Unendlich viele Geschichten verlaufen ganz genau so wie du es befürchtest. Aber ist es eine Lösung alleine zu bleiben, nur aus der Sorge heraus es könnte schief gehen? Wäre das nicht schrecklich traurig und würde ein weiteres Opfer an die Sucht deines Vaters bedeuten?
Entweder habe ich es überlesen oder vielleicht willst du es auch gar nicht schreiben, auf jeden Fall liest du dich nicht so, als wäre das meiste von deinem Leben schon rum.
Ich selbst komme aus einer Familie in der es vielfältige Süchte und entsprechende Opfer auf allen Seiten gegeben hat. Und wenn ich so zurück blicke, dann habe ich deine Sorge an den Falschen zu geraten schon geteilt, als ich gerade so angefangen habe mich für Jungs überhaupt zu interessieren. Natürlich habe ich trotzdem über die Jahre auch viele Muster einer EKA bedient ohne zu wissen was das eigentlich ist. Es war ein langer Weg der Fehlgriffe und was die verflossenen Männer in meinem Leben angeht, kann ich heute zum Teil nur die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Bis Ende 20 habe ich mich immer wieder in einen ähnlichen Typ Mann verliebt, gerne hohen Alkoholkonsum oder anderen berauschenden Substanzen. Ja, ganz bestimmt war ich auch auf der Suche nach dem Vater den ich nie väterlich erleben durfte oder einem „Prinzen“ der mich aus meiner gruseligen Familie errettet. Und irgendwann wurde mir klar, dass ich auf diese Weise niemals glücklich werden kann. Ich habe mir meine Muster ganz genau angesehen und darauf geachtet, was mich bisher an Männern angezogen hat und was für aussichtslose Geschichten das oftmals waren.
Ich habe angefangen meine Augen und mein Herz wirklich ehrlich zu öffnen, denn vorher hatte ich aus meiner tief sitzenden Angst heraus gar nicht wirklich auf meine Gefühle gehört. Vermutlich war ich auch gar nicht in der Lage das komplette Spektrum an Gefühlen, fühlen zu können. Durch das Aufwachsen in einer Suchtfamilie tickte und ticke ich häufig ganz schön verdreht. Einen therapeutische Begleiterin, die mich durch eine schlimme Zeit geführt hat, hatte sicherlich auch ihren Anteil an meiner Entwicklung.
Und weißt du warum ich dir dies alles schreibe?
Nachdem dieser Knoten in mir gelöst war, habe ich plötzlich völlig andere Männer an mich ran lassen können. Heute lebe ich seit über 15 Jahren in einer Beziehung und späteren Ehe, in der ich die meiste Zeit des Tages glücklich bin! Ich habe wundervoll nervige Kinder und einen Mann, der wirklich an meiner Seite ist, der mir ein echter Partner sein will und seinen Kindern der beste und liebevollste Papa der Welt. Früher hatten wir auch schon wildere Feiern, heute trinken wir hier und da mal ein Glas Wein, aber Alkohol spielt in meinem Leben niemals eine bedrohliche Rolle. Meine Vergangenheit beeinflusst natürlich bis heute meinen Alltag und wird auch steht’s ein Teil von mir sein. ABER ganz egal wo man her kommt, ganz egal was man früher erlebt hat… ob ich heute glücklich sein will, ist oftmals ganz einfach von meiner eigenen Entscheidung abhängig!
Es gibt die vielen Geschichten in denen es schief geht, aber auch manch eine Co hat irgendwann ihren Alkoholiker verlassen und oftmals danach eine wirkliche Liebe finden können. Mindestens die Liebe und Achtung vor sich selbst. Es ist sicher nicht leicht eine solche Herkunft hinter sich zu lassen, oft braucht es professionelle Hilfe und den ein oder anderen Rückschlag. ABER es ist an dir den Weg in dein glückliches Leben zu finden! Es ist möglich, auch wenn es Zeit, Mut und Stolpersteine gibt. Kinder aus solchen Familien haben auch unglaublich viel Kraft und Stärke, oft verborgen unter dem ganzen Schmerz, aber vorhanden, um bei Bedarf aktiviert zu werden.
Sei achtsam und hör trotzdem nie auf an die Liebe zu glauben.
Adventliche Grüße und alles Liebe, Lea