Beiträge von Borussia

    Erstmal vielen Dank für eure Hilfe, das Lesen selber hat geholfen mich besser zu verstehen.

    Der Sport ist unter anderem mein Ventil gegen den Suchtdruck, vorallem das Laufen. Wenn ich welchen verspüre, laufe ich solange bis ich denke fast zu kollabieren, manchmal auch mitten in der Nacht. Das hört sich jetzt extrem an, aber es hilft. Manchmal rauche ich auch eine, was nicht gut ist und wenn ich das so schreibe, auch bescheuert klingt. Mir sind die Gefahren einer Suchtverlagerung bekannt.

    Wasser habe ich im Auto immer dabei und nehme ich auch zur Genüge zu mir, das füllt den Magen gut.

    Einer meiner Hauptprobleme sind die Schlafstörungen, die ich während dem Trinken schon hatte und die nun schlimmer geworden sind. Stresst mich ungemein, wenn ich weiß, dass ich in x Stunden wieder im Dienst sein muss und kein Auge zubekomme.

    Das stetige nachfragen der Kollegen, warum ich mich so abwende und die Trennung von meiner Frau .. triggert alles. Im Nachhinein denke ich, dass es eine Kombi aus allem ist. Aber alles kein Grund wieder zur Flasche zu greifen.

    Ich werde meinen Blutzucker in nächster Zeit nach dem Sport beobachten und das mit dem Einkaufen seinlassen.

    Ich bin grundsätzlich nie jemand gewesen, der sich Einkaufslisten gemacht hat und auch jetzt hilft es mir leider nicht. Stand eben tatsächlich schon im Geschäft und hatte die Flasche in der Hand, warum auch immer- hab sie aber wieder zurück gestellt. Verstehe ich nicht ganz, denn ich kam gerade vom Sport und war gut ausgelastet, da war kein Platz für Suchtdruck im Gegensatz zu den letzten Tagen.

    Erlebe bei mir momentan extreme Gefühlsschwankungen und habe zulasten meines Umfelds oft schlechte Laune. Die anfängliche Euphorie des Trockenseins ist wie weggefegt. Dabei sind es nun schon 3 Wochen.

    Die ersten drei Schichten auf der Arbeit wären geschafft, sowie mit heute die ersten 15 Tage ohne Alkohol.

    Samstag, als ich nach Dienstschluss nach Hause fuhr,habe ich stark ans Trinken denken müssen. Weil ich bereits im Auto angefangen habe.

    Statt einem Sixpack Bier, habe ich nun ein Sixpack Wasser im Auto deponiert. In meinem Getränkehalter befindet sich nun ein Energydrink oder Kaffee.

    Nach ein/zwei Stunden Schlaf war ich das erste Mal seit der Entgiftung einkaufen. Als ich an der Kasse stand ist mir erst aufgefallen, dass ich zitterte, mir heiß und kalt zugleich war. Ist mir schwerer gefallen als gedacht, obwohl ich sehr zügig an der Alkoholabteilung vorbei gegangen bin. Ironischerweise hatte ein Mann an der Kasse vor mir exakt den Wageninhalt, der vor zwei Wochen von mir hätte stammen können-2 Sixpack Bier, 1 Flasche Whisky, Kaugummi. Nur Kondome wären bei mir nicht drin gewesen ;) Außerdem mit dem Unterschied, dass ich den Alk alleine gekippt hätte.

    Danach bin ich zum Sport gefahren und habe zwei Stunden trainiert um mich abzulenken, anschließend in der Therme gewesen. Der aufkommende Suchtdruck war erstmal weg.

    Also zu der Frage wie ich mich "vor den kleinen Versuchungen" schütze: Das muss ich noch herausfinden. Aber das Auspowern hilft erstmal.

    Dass mit dem alkoholfreien Jahr werde ich mir als Ausrede Mal klauen. Zumindest eine kurze Alkoholpause hat jeder schon Mal gemacht! achelias

    Damokles

    Manchmal hat man einfach mehr Glück als Verstand. Sehr oft sogar.

    Hallo Seeblick,

    erstmal Glückwunsch zu den zwei Jahren. Du kannst sehr stolz auf dich sein. Generell freut es mich zu lesen, dass bei dir in letzter Zeit so viel positives passiert ist. Es motiviert und hilft einem selber, wenn man sieht wie es bei anderen bergauf geht, selbst wenn man selber noch nicht halb so weit ist.

    Ich habe gestern als ich wieder zu Hause war noch alle Alkoholverstecke entsorgt, sowie mein Auto aus der Werkstatt geholt. Das letzte Mal, als ich hinterm Steuer saß, war ich in einem Verkehrsunfall verwickelt. Der war zwar meinerseits unverschuldet, aber ich hatte durchaus Alkohol intus. Hätte ich das nicht, hätte ich schneller reagiert.

    Was ich damit sagen will: Ich will es nicht dazukommen lassen, dass der nächste Unfall auf meine Kappe geht und das funktioniert nur abstinent. Wie oft habe ich im Dienst nur daran gedacht, wann endlich Feierabend ist und ich mich endlich ins Auto setzen kann um das erste Bier zu kippen.

    Das wollte ich nur noch loswerden bevor ich heute das erste Mal wieder arbeiten gehe. Einfach Mal dankbar dafür sein, dass man den ersten Schritt gegangen ist und nun die Möglichkeit hat, nein zum Alkohol zu sagen, überhaupt den starken Willen zu besitzen. :)

    Pimenta

    Danke für den Einblick und deine Worte, das hilft einem nochmal anders auf die Sache zu blicken.

    Ich für meinen Teil habe nicht vor, noch mehr Menschen in meiner Umgebung einzuweihen. Sowohl im beruflichen als auch im privaten/familiären Umfeld würde es zu viel Schaden anrichten. Ob ich es meinen Eltern erzähle, weiß ich selber noch nicht, zumal das Verhältnis zu meinem Vater schon vorher nicht gut war.

    Ein wenig stolz bin ich schon, dass ich mich überwunden und die Entgiftung durchgezogen habe, weiß aber auch, dass da noch viel Arbeit auf mich zukommen wird bzw. sie jetzt erst anfängt.


    Seeblick

    Die Hochzeit komplett abzusagen kommt für mich nicht in Frage, die steht schon seit einem Jahr, zumal ich die mit organisiert habe.

    Das Nicht- Trinken werde ich auf gesundheitliche Probleme schieben, was erstmal der Halbwahrheit entspricht.

    Mein Freund den ich eingeweiht habe, wird an dem Tag auch dabei sein und wird mit Sicherheit ein Auge auf mich haben, möchte ihm aber auch den Tag nicht versauen. Schwierige Situation...

    An die Alkoholverstecke habe ich gar nicht gedacht (Auto, Garage). Werde ich dann selber entsorgen müssen und wäre mir dann doch zu unangenehm gewesen.

    Seeblick

    Es ist ein allgemeines Unwohlsein. In nächster Zeit steht bei mir privat noch einiges an, wo ich mich mit auseinandersetzen muss wie z.B. die Konfrontation mit meiner Frau wo ich wissen muss, wie es mit uns weitergeht und wo ich danach garantiert zur Flasche gegriffen hätte.

    Dann noch Ereignisse, wo ich sonst getrunken hätte wie die Hochzeit einer guten Freundin.

    Klar, an den Feierabend nach der Arbeit habe ich auch schon nachgedacht, vorallem weil die Kollegen einen gerne zu dem ein oder anderem Bier überreden und ich schon auf dem Weg nach Hause angefangen habe zu trinken.

    Hallo zusammen, morgen ist schon mein letzter Tag der stat. Entgiftung. Bis auf zwei Kreislaufkollapse gab es bei mir keine weiteren Komplikationen. Das Personal ist sehr nett und ich fühle mich gut aufgehoben, habe sogar das ein oder andere nette Gespräch mit einem anderen Patienten mit ähnlichen Suchtverhalten geführt.

    Desweiteren habe ich meinen besten Freund darum gebeten, alles an Alkohol aus dem Haus zu entfernen, sodass ich damit nicht konfrontiert werde. Ich freue mich sehr auf zu Hause und zugegebenermaßen die Arbeit. Gleichzeitig verspüre ich innerliche Unruhe, die vermeintlich "sichere" Umgebung der Klinik zu verlassen und auf mich alleine gestellt zu sein.

    Ich hoffe euch geht es allen gut.

    Viele Grüße

    Guten Abend, ich wollte Mal meine Gedanken loswerden. Meine letzte Nacht vor der Entgiftung. Stehe dem ganzen noch mit gemischten Gefühlen entgegen und weiß nicht so recht wie ich damit umgehen soll. Bin total durcheinander und innerlich unruhig durch die letzten Wochen (Einbezug meines Freundes in mein Problem und seine Versuche, mich vom Trinken abzuhalten, Autounfall, sehr oft viel getrunken..).

    Wird für mich als "workaholic" außerdem komisch, so lange nicht auf der Arbeit zu sein und in fremder Umgebung. Habe Respekt vor dem Entzug selber und vorallem davor, was danach kommt. Ein Funken Hoffnung besteht trotzdem, dass es nach der stat. Entgiftung bergauf gehen könnte.


    Cadda Danke dir, das passt so!

    Hallo zusammen, kleines Update meinerseits: Beginne in zwei Wochen die stationäre Entgiftung. Versuche bis dahin das ein oder andere zu erledigen, viel zu arbeiten und habe beschlossen, dass ich einem guten, nein eigentlich meinem besten Freund heute Abend von meiner Sucht erzähle. Ich bin super nervös, wegen allem. Aber wenn ich einem vertrauen kann, dann zu 100% ihm. Ich kann es nicht länger für mich behalten, macht mich kaputt.

    Ich habe bereits eine Klinik in Aussicht und werde da natürlich einen Termin vereinbaren.

    Ambulante Therapie wäre natürlich optimal, aber eins nach dem anderen. Möchte erst die Entgiftung hinter mich bringen und dann weiter sehen.

    Ich danke euch für den Zuspruch und fürs motivieren, ist bestimmt auch nur zu meinem besten dass ich ein wenig Druck durch euch habe. Jetzt gerade ist es in meinem Kopf aber zu viel und ich fühle mich angegriffen, fragt nicht warum.

    Liegt daran, weil es eben ein riesen Schritt ist, für mich zumindest. Man hat es dann quasi schwarz auf weiß, dass man zu den Trinkern gehört, man selber "ist ja gar nicht so schlimm ".

    War auch keine Ausrede, die Schlafstörungen habe ich auch vor dem Trinken schon gehabt.

    Gerade wenn man schon jahrelang in der Sucht steckt und so oft versucht hat aufzuhören, eine Zeit lang sogar ohne konnte und die Rückfälle danach umso schlimmer waren.. denkt man sich, es geht ja vielleicht noch was länger. Hat ja funktioniert.

    Und ja, ich war tatsächlich beim Arzt. War beschämend, sein eigenes Trinkverhalten freizulegen. Hab mich aber grundsätzlich gut aufgehoben gefühlt.

    Letztendlich wurde mir dann noch Blut entnommen , Ultraschall.

    Er hat mir aber auch klar gemacht, dass ich in meinem Stadium um eine Stationäre Entgiftung mit Medikation nicht drum rum komme.

    Stehe dem ganzen nun mit gemischten Gefühlen entgegen. Bin aber auch stolz, dass ich es durchgezogen habe.

    Guten Morgen euch allen.

    Mir ist gerade das Herz in die Hose gerutscht, weil ich gerade auf dem nach Hause am Steuer eingenickt bin- Gott sei Dank war keiner auf der Gegenspur. Diese ewigen Schlafstörungen bringen mich noch um

    Na ja ich wollte mich nur vor meinem Arzttermin heute nochmal melden. Hab ziemlichen Druck, aber werde gleich ne Stunde mind. Laufen gehen um trocken zu bleiben und noch zwei Stunden versuchen zu schlafen bevor losgeht. Gute Nacht

    Hallo Damokles,

    Ich weiß es nicht mehr genau, ist bestimmt 5/6 Jahre her wo ich mir gegenüber das erste Mal zugegeben habe, dass etwas an meinem Trinkverhalten nicht stimmt.

    Das Problem habe ich aber schon deutlich länger, das weiß ich. Erschreckend, jetzt wo du es sagst. So richtig verstanden, dass ich so nicht weitermachen kann, ist als ich angefangen habe auf der Arbeit zu trinken und die ersten Fehler passiert sind, wo mir bewusst wurde dass ich mich strafbar mache. Das und viele andere Erlebnisse.

    Was genau meinst du mit dem Reifungsprozess eines Alkoholikers?

    Hab noch nie so richtig darüber nachgedacht, dass ich so viel an Lebenszeit verlieren könnte. Macht einem ne scheiß Angst.

    Ich sehe gerade, dass du nur ein Jahr älter bist als ich.

    Seeblick

    Hallo Seeblick,

    Ja von der Geduld brauche ich jetzt ne große Portion. Ist ein langer Weg gewesen, wie ich da rein geraten bin und wird ein doppelt so langer sein, da wieder raus zukommen.

    Bin froh, wenn ich morgen beim Arzt war und eine der wichtigsten Schritte damit getan wären.

    Es hilft mir schon Mal sehr, dass ich hier im Forum so ehrlich sein kann und es Leuten anvertrauen kann, die mich verstehen.

    Im sonstigen Umfeld gestaltet es sich eher schwieriger, weil einige meiner Kollegen auch zu meinem Freundeskreis gehören und ich mir aber nicht sicher bin, ob sie es für sich behalten können (bis auf einer, den ich seit über 15 Jahren kenne). Generell ist es auch so, dass sie einen schlechten Einfluss auf mich haben (fängt an mit egelmäßiger Motivation zum Mittrinken etc.)

    Familie ist auch eher ein schwieriges Verhältnis

    Viele Grüße zurück!

    Damokles

    Hi und danke fürs willkommen heißen!

    Und fürs Mut zusprechen, denn davon brauche ich momentan viel, trotz dass ich eigentlich ein gutes Selbstbewusstsein habe.

    Soweit ich das beurteilen kann, werde ich dann nicht um eine stationäre Entgiftung herum kommen. Ich trau mir das ambulante entgiften in meinem Zustand sowieso nicht mehr zu, gerade weil ich jetzt alleine zu Hause bin

    Wenn es möglich ist, würde ich es danach auch lieber ohne Therapie versuchen um weiter zur Arbeit zu können. Das klingt jetzt verrückt, aber es stabilisiert mich irgendwie, gibt mir eine Aufgabe wo ich weiß, dass ich funktionieren muss und ich derjenige bin, der anderen hilft, trotz des Stresses der nicht ganz ohne ist.

    Zu der Frage, wie oft ich im Monat trinke: Es gibt mittlerweile wenige Tage, an denen ich nicht trinke.. Durch den Schichtdienst habe ich immer meine festen Tage, an denen ich frei habe und was dann passiert, kannst du dir ja denken

    Und je länger ich versuche nicht zu trinken, desto schlimmer wird es dann wenn ich es wieder kann/muss

    Wie kann ich das verstehen, hast du einen kalten Entzug durchgemacht oder bezieht sich das ganze auf danach?

    Entschuldige, falls ich dich mit Fragen durchlöchere. Es hilft mir sehr und lenkt mich ab, gerade nach Feierabend wo ich alleine bin und wo es mir noch schwerer fällt nicht zu trinken

    Natürlich wohnt die Sucht im Kopf, dort entstand sie ja schließlich auch.

    Tut mir leid mit deinem Job und deiner Freundin, ich hoffe du hast jemand neuen gefunden mit dem du glücklich bist!

    Ich habe mich übrigens bei den AAs online "eingeschrieben ", ist wegen der sch... Pandemie wahrscheinlich sowieso besser. Hast du damit auch Erfahrungen gemacht?

    Warst du denn in stationärer Behandlung wenn ich fragen darf? Was hat dir persönlich geholfen?

    Ja da hast du wahrscheinlich recht. Es geht meinem Kopf nicht darum, dass es ein Arzt ist, sondern jemand anderes..

    Einerseits bin ich an dem Punkt, dass ich das Bedürfnis habe es jemandem aus meinem Umkreis anzuvertrauen, anderseits möchte ich niemanden damit belasten. Weiß nicht ob du weißt was ich meine.

    Aber die Ehe mit meiner Frau, die ist schon lange vorbei. Sie ist nicht der richtige Ansprechpartner

    Ich bin noch nicht an dem Punkt, wo ich sagen kann dass der Alkohol mir nicht fehlen wird. Aber ich wünsche mir, dass ich das Mal sagen kann.

    Und mir graut es schon jetzt vor dem Arzttermin. Noch nie hab ich jemandem im realen Leben von meinem Problem erzählt, nicht Mal meiner noch- Frau. Aber ich glaube sie hat eins zu eins zusammen zählen können. Mir fehlt jetzt einfach die Kraft, mich um noch ein "Problem" zu kümmern

    Oh und Glückwunsch achelias :) Wie lange denn schon?