Beiträge von Hera

    Hi, hab mich eben in die Situation eingefühlt.

    Vielleicht schämt sie sich einfach auch.

    Vor dir und vor sich selbst.

    Ich konnte mein Leergut auch meistens erst morgens entsorgen, weil ich mittags ja schon nimmer fahren konnte.

    Solange hab auch ich es versteckt.

    Sag ihr, das sie das nicht tun muss, weil du ja weißt, daß sie trinkt, wie Aurora das geschrieben hat. Die Menge ist schlussendlich Nebensache.

    Eventuell bringt sie das zum Nachdenken.

    Hi Achillea,

    danke für deine Nachricht.

    Ich werde mir manche Dinge dieses Leben nicht mehr verzeihen können.

    Doch ich kann sie nicht rückgängig machen. Ich kann nur nach vorne schauen und mit meiner Trockenheit ein bisschen Wiedergutmachung üben.

    (Einer der für mich wichtigesten Schritte von den 12.)

    Verdrängen tu ich meine nassen Fehlhandlungen nicht, ich hab Familie und Freunde schlecht behandelt, bin rücksichtslos mit ihnen umgegangen, sie emotional vernachlässigt, hab ihnen schlicht wehgetan. Punkt.

    Entschuldigt hab ich mich bei den mir wichtigsten Menschen. Und sie haben mir Gott sei Dank verziehen.

    Die Liebe zu meinen Kindern ist für mich wirklich was ganz Großes.

    Deshalb versteh ich dich.

    Und ich wünsche dir alles, alles Gute.

    Gib dem ganzen Zeit und vergiss DICH dabei nicht.

    Ganz liebe Grüße*

    Hi egah,

    mein Mann konnte am Ende nicht mehr aufstehen. Er war so verzweifelt, kraftlos, müde und ausgelaugt, kompletter Burnout. Er war dann länger krankgeschrieben. Das war im Februar.

    Damit kam bei mir das langsame Erkennen und das Erwachen.

    Ich war soweit, meine Familie zu verlassen, um die drei vor mir und meiner Krankheit zu schützen.

    Erst Mitte Mai hab ich dann das letzte Mal getrunken. Hatte davor nie versucht, aufzuhören und hab es auch nie versprochen. Ich war überzeugt, daß ich nie mehr ohne Alkohol leben könnte.

    Hab zwei Anläufe bei meinem Arzt gebraucht, bis ich das erste Mal laut ausgesprochen habe, daß ich Alkoholikerin bin. Meine Leberwerte haben die Aussage noch fett unterstrichen.

    Drei Jahre hat mein Partner das Elend mitgemacht.

    Die Pandemie hat mich arbeitslos werden lassen und mit den Kids in's homeschooling gezwungen. Freischein für's Saufen von morgens bis morgens.

    Hatte ja keine Aufgaben mehr...

    Das soll keine Entschuldigung sein, aber eine Erklärung. "Gern" bzw.in Maßen getrunken hab ich immer schon.

    Als das Leben wieder "normaler" wurde, war ich schon stark körperlich abhängig.

    Hab getrunken, bevor ich die Kinder morgens geweckt habe, nachdem ich nächtlich gebrochen habe.

    Ich war oft streitsüchtig, hab ihn nieder- und kleingemacht, meine Schwäche damit zu übertünchen versucht.

    Er hat gekämpft, bis sein Körper aufgegeben hat. Akku leer.

    Meine Kinder haben still gelitten. Meine Tochter hat Panikattacken, mein Sohn Zwangsstörungen entwickelt.

    Mein Sohn hat dem Papa gesagt, er möchte nicht mehr mit mir kuscheln weil ich so komisch rieche. Ich könnte im Moment anfangen zu heulen, während ich das schreibe.

    Ich schäme mich immer noch sehr, wenn ich daran denke. Das schmerzt, aber es soll auch wehtun. Ich hab ihnen auch zu oft weh getan.

    Ich möchte versuchen, dir aufzuzeigen, daß ich als Alkoholikerin lange keinen Ausweg aus meiner Krankheit gefunden habe, obwohl ich die 3 besten Gründe um mich herum hatte.

    Das war eine endlose Abwärtsspirale.

    Ich sah furchtbar aus, konnte mein Spiegelbild kaum ertragen. Zittern und Schweissausbrüche waren normal.

    Jetzt macht mir mein Leben wieder Spaß, meine Kinder sind viel fröhlicher, mein Mann erholt sich langsam, wir reden viel, immer mal wieder auch über den Alkohol und die schwere Zeit des Getriebens sein.

    Jetzt bin ich endlich frei.

    Hier zu schreiben, regelmäßig in meine reale Shg zu und zum Hausarzt zu gehen erinnert mich daran, daß ich mein Leben lang auf mich aufpassen muss, damit meine Familie nie wieder leiden muss.

    Ich bin dafür verantwortlich.

    Kein anderer.

    Komm gut durch den Tag,

    Hera*

    Wenn man "nicht aus freien Stücken" in seiner Vergangenheit kramen muss, stell ich mir das anstrengend vor. Dann hoffe ich, daß dich das nicht zu sehr runterzieht.

    Nicht daß du dadurch noch zur Flasche greifst. Hab trotzdem einen schönen Abend *

    Hallo Lapislazura,

    ich find es gut, daß dein Arbeitsumfeld informiert ist und du in stetem Kontakt mit Betreuern bist, da musst du nix verstecken und hast keinen zusätzlichen Druck.

    Du machst alles super konsequent und nimmst dir die Ratschläge hier zu Herzen.

    Ich find's toll, wie du deinen Weg gehst.

    Warum geht es dir momentan nicht gut?

    LG,

    Hera

    Hi Becko,

    mir wurde es bewusst, als ich schon morgens trinken musste, um meine Entzugserscheinungen zu lindern.

    Noch bevor ich meine Kinder geweckt habe.

    Trotzdem ging das noch Monate so weiter.

    Ich kam aus dieser Abwärtsspirale lange Zeit nicht mehr raus. Es war normal für mich geworden. Um zu funktionieren, musste ich trinken. Dachte ich.

    Heute fühlt sich alles soviel besser an.

    LG,

    Hera

    Hi, ja du, neulich hab ich mich mal zum Muffins und Getränke Verkaufen beim Spiel meines Sohnes bereiterklärt, weil ich ja auch mal etwas für deren Mannschaftskassebeitragen möchte und es gab zwar auch Radler etc...aber kaum einer der Eltern oder Großeltern kaufte Alkoholisches.

    Das hat mich innerlich gefreut. Und ich war mit meinem Spezi sehr zufrieden 😉

    Vor ein paar Monaten wär ich da nicht mal mitgegangen, jetzt bin ich bei fast jedem Spiel dabei. Und sie wurden Freitag Herbstmeister, ganz stolz war ich!

    Liebe Grüße

    Lieber los,

    das hört sich verdammt anstrengend an. Es tut mir sehr leid, dass du in dieser Situation steckst. Ich selbst bin von der Alkoholikerfront und keines der erfahrenen Mitglieder wie Hera, Panama etc., sprich erst ganz frisch am Aufhören und seit Kurzem hier angemeldet. Deine Geschichte berührt mich sehr, weil sie zeigt, wie sehr wir unseren Angehörigen mit unserer Sucht schaden. Wäre eine professionelle Angehörigenberatung von Suchtkranken etwas für dich? Gibt es da eine Anlaufstelle in deinem Umkreis?

    lg Beere

    Bin erst auch erst 5 Monate trocken, daher kann ich mich leider noch gut hineinfühlen. Ich erkenne meinen Mann und seine Verzweiflung in manchen Worten von *los, da hatte ich heute beim Lesen ein übles Bauchgefühl. Traurigkeit und ein schlechtes Gewissen.

    Wollt ich nur kurz loswerden.

    Hi *los,

    herzlich willkommen hier.

    Ich bin von der Alkoholiker-Front und bei mir war das auch ein Zusammenspiel von Depressionen, Panikattacken und Alkohol.

    Die Depression und die Panik waren zuerst da, mit dem Trinken hab ich diese zu Deckeln versucht.

    Zumindest hab ich in Sachen Haushalt und Kindern "funktioniert".

    Kannst du mit deiner Frau über das Thema Alk sprechen? Oder habt ihr das schonmal gemacht?

    Lieber Gruß,

    Hera*

    Das klingt jetzt ziemlich hoffnungslos und zu negativ.

    Da bleiben nicht immer nur unschöne Dinge übrig.

    Ich wurde langsam wieder zu einer umgänglicheren, gelasseneren und freundlicheren Person. Das wurde mir jetzt schon öfter von meinem Umfeld und meiner Familie bestätigt. Und ich selber kann mich endlich wieder leiden.

    Ich hab meinen Mann als schwach und voller Fehler betrachtet. Bin auf seinen Schwächen herumgeritten und war verbal sehr gemein. Und dann tat er/es mir wieder unheimlich leid. Aber unterm Strich war er mir einfach oft nur egal.

    Erst kommt der Alk. Dann, selbst, wenn man es möchte, ganz lang gar nix.

    LG

    Hera*

    Klaro, deshalb sind wir ja alle hier.

    Aber es ist schwierig, das auf auf die Schnelle zusammenzufassen.

    Ich wurde, während unserer Ehe, alkoholabhängig und mir war das auch schon länger bewusst, bevor ich dann endlich in's Handeln kam.

    Die körperliche Abhängigkeit, gepaart mit Panikattacken, war mein größtes Hindernis. Ein übler Teufelskreis.

    Ich war sogar soweit, die Familie zu verlassen, damit es ihnen besser geht.

    Kein Kind hat sowas verdient.

    Das war dann der Hauptgrund, das Ruder rumzureißen.

    So, hier bin ich richtig.

    Entschuldige nochmal.

    Du solltest überlegen, deinen Partner dann aber fairerweise vorzuwarnen.

    Weil der Alkohol eigentlich eine andere Baustelle ist und in eine Suchtberatung gehört. Ich hätte mich überrumpelt und wahrscheinlich sogar verarscht gefühlt, hätte mein Partner das mit mir gemacht.

    Das ist aber nur meine Sichtweise, aus dem Blickwinkel einer Alkoholikerin.