Hi egah,
mein Mann konnte am Ende nicht mehr aufstehen. Er war so verzweifelt, kraftlos, müde und ausgelaugt, kompletter Burnout. Er war dann länger krankgeschrieben. Das war im Februar.
Damit kam bei mir das langsame Erkennen und das Erwachen.
Ich war soweit, meine Familie zu verlassen, um die drei vor mir und meiner Krankheit zu schützen.
Erst Mitte Mai hab ich dann das letzte Mal getrunken. Hatte davor nie versucht, aufzuhören und hab es auch nie versprochen. Ich war überzeugt, daß ich nie mehr ohne Alkohol leben könnte.
Hab zwei Anläufe bei meinem Arzt gebraucht, bis ich das erste Mal laut ausgesprochen habe, daß ich Alkoholikerin bin. Meine Leberwerte haben die Aussage noch fett unterstrichen.
Drei Jahre hat mein Partner das Elend mitgemacht.
Die Pandemie hat mich arbeitslos werden lassen und mit den Kids in's homeschooling gezwungen. Freischein für's Saufen von morgens bis morgens.
Hatte ja keine Aufgaben mehr...
Das soll keine Entschuldigung sein, aber eine Erklärung. "Gern" bzw.in Maßen getrunken hab ich immer schon.
Als das Leben wieder "normaler" wurde, war ich schon stark körperlich abhängig.
Hab getrunken, bevor ich die Kinder morgens geweckt habe, nachdem ich nächtlich gebrochen habe.
Ich war oft streitsüchtig, hab ihn nieder- und kleingemacht, meine Schwäche damit zu übertünchen versucht.
Er hat gekämpft, bis sein Körper aufgegeben hat. Akku leer.
Meine Kinder haben still gelitten. Meine Tochter hat Panikattacken, mein Sohn Zwangsstörungen entwickelt.
Mein Sohn hat dem Papa gesagt, er möchte nicht mehr mit mir kuscheln weil ich so komisch rieche. Ich könnte im Moment anfangen zu heulen, während ich das schreibe.
Ich schäme mich immer noch sehr, wenn ich daran denke. Das schmerzt, aber es soll auch wehtun. Ich hab ihnen auch zu oft weh getan.
Ich möchte versuchen, dir aufzuzeigen, daß ich als Alkoholikerin lange keinen Ausweg aus meiner Krankheit gefunden habe, obwohl ich die 3 besten Gründe um mich herum hatte.
Das war eine endlose Abwärtsspirale.
Ich sah furchtbar aus, konnte mein Spiegelbild kaum ertragen. Zittern und Schweissausbrüche waren normal.
Jetzt macht mir mein Leben wieder Spaß, meine Kinder sind viel fröhlicher, mein Mann erholt sich langsam, wir reden viel, immer mal wieder auch über den Alkohol und die schwere Zeit des Getriebens sein.
Jetzt bin ich endlich frei.
Hier zu schreiben, regelmäßig in meine reale Shg zu und zum Hausarzt zu gehen erinnert mich daran, daß ich mein Leben lang auf mich aufpassen muss, damit meine Familie nie wieder leiden muss.
Ich bin dafür verantwortlich.
Kein anderer.
Komm gut durch den Tag,
Hera*