Hallöchen hier bin ich mal wieder.
Seit ein paar Tagen nimm ich mir immer wieder vor hier im offenen Bereich, in meinem Vorstellungsbereich, etwas zu schreiben. Heute ist es endlich soweit und ich habe die Muse meine Gedanken in Worte zu fassen.
Zuerst musste ich hier nachlesen, um nachzuvollziehen zu können was sich in mir bewegt hat.
Als ich hier ankam, hatte ich das Gefühl, alle wollen, dass ich mich von meinem Mann trenne. Der Tenor ging immer in dieselbe Richtung……TRENNUNG. Das war mein empfinden. Natürlich meinten es alle nur gut mit mir, jeder hat seine eignen Erfahrungen und jeder muss seinen eigenen Weg gehen.
In der Grundhaltung ist es ja auch richtig, in einer unbefriedigenden/unglücklichen Beziehung sollte die Trennung folgen. Vor allem wenn Alkohol und Kinder involviert sind. Aber in meinem Fall habe ich nur Sorge für mich zu tragen. (was ich sehr schnell hier im Forum dank euch gelernt habe)
Ich kam hier ins Forum, weil es mir nicht gut ging. Ich hoffte auf Gleichgesinnte mit denen ich über meine Sorgen und Gefühle sprechen kann. Da hier viele User sind, mit viel Erfahrung, die ihren Weg aus dem Alkohol und der Coabhängigkeit geschafft haben und die Richtung tendenziell immer zur Trennung führte/führen musste, geht der Rat auch in diese Richtung. Somit war für mich dann die Auseinandersetzung hier sehr schmerzlich. Aber hier an der Stelle sei gesagt, jeder gibt sich hier so viel Mühe, nimmt sich sehr viel Zeit die Neuankömmlinge aufzufangen, teilt seine Erfahrungen mit so viel Offenheit und Ehrlichkeit und steht einem mit Rat und Tat zur Seite.
Ich habe mich in viele Tagebücher eingelesen und stellenweise wiedergefunden. Aber das geht den meisten so hier. Ich habe mich ausgetauscht und ich wurde immer trauriger. Da mein Wesen nicht wegschauen, weggehen oder aufgeben ist, habe ich den Rat befolgt und mir eine Forenpause gegönnt. In dieser Zeit habe ich über das geschriebene und den Austausch hier nachgedacht. Viele Dinge treffen auf mich Co-Abhängige zu, einige Dinge passen überhaupt nicht zu mir. Und das ist auch gut so. Denn wir Menschen, unsere Geschichten und unser Leben sind so unterschiedlich und individuell.
Bevor ich hier ins Forum kam, habe ich mir schon eine Weile zuvor selbst ein Ultimatum gestellt. Eins mit natürlich, wie kann es anders sein, HOFFNUNG! Hoffnung meinen Mann zu einem Antialkoholiker zu machen. Anscheinend bemerkte ich, dass es dafür keine Hoffnung gibt und dass machte mich anscheinend traurig, so sehr, dass ich fast unsere geplante Schiffsreise absagen wollte, obwohl mein Mann kaum noch trinkt und wir uns soweit ganz gut verstehen.
Natürlich verstand er die Welt nicht mehr, ich im Übrigen auch nicht. ABER ich habe viel nachgedacht. War oft alleine unterwegs, habe Ausflüge gemacht und bin zwei Tage alleine verreist, was mich noch trauriger machte. Allein was zu unternehmen macht mich traurig und macht mir keinen Spaß. Auch eine Erkenntnis!!!
Dadurch ergaben sich viele Gespräche zwischen mir und meinem Mann. Auch er wurde sehr nachdenklich. Ich bemerkte, dass genau das geschehene ist, was einige mir hier geschrieben haben. Jetzt ist es nicht mehr der Alkohol, sondern dass was der jahrzehntelange Alkoholkonsum aus UNS gemacht hat. Wir haben uns verloren. Er ist nicht mehr der Mann den ich geheiratet habe und ich auch nicht mehr die die ich mit 20 war. ABER ist das nicht meist in einer jahrzehntelangen Ehe so????
Ich schaue nun genauer hin, horch in mich hinein und spreche an was mich bewegt. Wir sind sehr unterschiedlich, ab und an, wenn er mal ein Bier trinkt, hasse ich es immer noch und Wut, Ekel und alle anderen Gefühle kriechen in mir hoch. Ja, auch wenn es nur ein Bier ist und es bei einem Bier bleibt und es auch kaum sein Wesen in diesen Moment verändert. Aber ich weiß auch, dass unsere Probleme mittlerweile nicht nur mehr am Bier/Alkoholkonsum liegt. Und daran gilt es jetzt zu arbeiten und herauszufinden ob das mit uns noch Zukunft hat.
Erster Schritt aus von meiner Seite, raus aus der Co-Abhängigkeit. Gelingt mir (fast immer) recht gut. Da ist viel Training und Selbstbeherrschung gefragt.
Auf mein Frage hin, ob es denn auch Erfolgsgeschichten gibt antwortete lütte mir:
Doch, so was gibt es. Aber glaub nicht, dass das ein Zuckerschlecken ist. Es müssen beide wollen und meiner Meinung nach müssen beide erstmal für sich gesund werden.
Genau das habe ich erkannt und ich bin auf einen guten Weg. Was mein Mann in die Richtung bewegt weiß ich im Moment nicht aber er weiß meine Meinung und das Ultimatum ist ja immer noch vorhanden.
Folgende Zitate möchte ich nochmals aufgreifen:
Aber auch die (oder der) Coabhängige muss was tun! Diese Beziehungen sind ja meistens nicht einseitig sondern es ist ein Zusammenspiel aus Co- und Alkoholabhängigkeit.
Die Coabhängige muss, genau so wie der Alkoholiker, Verhaltensmuster erkennen und ausschalten. Sie muss ihr eigenes Leben in den Mittelpunkt rücken und den Alkoholiker loslassen. Damit meine ich, sie muss ihm seine Eigenverantwortung wiedergeben, ihn machen lassen. Ihn ernst nehmen. Sich selbst wichtig nehmen.
Aber wenn du dich selbst mehr und mehr in den Fokus stellst und ihn sein lassen kannst ohne dass es dich belastet, dann verändert sich vor allem auch was bei dir. Und daraus ergibt sich dann wieder was.
All diese Ratschläge habe ich mir zu Herzen genommen und arbeite daran.
Am aller Wichtigste, ich habe meinem Mann ganz klar seine Eigenverantwortung zurückgegeben. Klar und deutlich und es kam bei ihm an. Was er daraus oder damit macht, ich weiß es nicht und es liegt nicht in meinen Händen.
Bin ich die Typische Co????
Ja, ich bin.....oder nein, ich war die typische Co. Mein Wunsch an mich selbst: darauf achten das ich keine Co mehr werde oder sein will.
Vielleicht hat die neue Petra keinen Bock mehr auf ihren XY.
Kann sein, ich mach mich auf den Weg es herauszufinden.