Beiträge von Saphira

    Ich kenne deinen tiefen Liebeskummer sehr gut. Ich bin ein sensibler Mensch. Wenn ich liebe, liebe ich ganz. Durch diesen Schmerz musst du durch wie durch einen Entzug. Es wird besser. Ganz bestimmt. Hole dir jede Hilfe, die du kriegen kannst. Verwöhne dich. Rede oder schreibe dir alles von der Seele. Notfalls gehe zum Arzt und hole dir dort Hilfe.

    Vorallem das letzte Jahr gab es nur so wenige schöne Momente und jetzt ist er nur mit Leuten aus der Klinik unterwegs und ja so happy wie er sagt. Kennt ihr das?

    Er macht sich etwas vor. Vielleicht wacht er eines Tages auf und sieht, was er verloren und geschrottet hat. Vielleicht aber auch nicht. Warte nicht darauf.

    Sei so lieb mit dir selbst, wie du nur kannst. Behandle dich selbst so aufopfernd, wie du es mit ihm gemacht hast.

    Ich erkenne meinen ... auch nicht wieder. Er reagiert so anders wie all die Jahre davor. Es ist, als hätte er kein Gewissen mehr. Vielleicht wacht er eines Tages auf. Vielleicht wird er eines Tages erkennen, was er angerichtet hat. Ich glaube es aber gar nicht. Denn er müsste sehr stark sein um das auszuhalten. Ich glaube, ich werde für ihn für immer die Böse bleiben. Sollte er doch aufwachen, wird es zu spät sein, weil zu viel passiert ist. Es wird mir keine "Genugtuung" bringen. Denn es gibt 4 Menschen, deren Familie zerbrochen ist. Wir haben alle etwas verloren. Der Preis war und ist hoch. Aber diese Geschichte wird uns letztendlich weiterbringen. Es ist unsere Entscheidung, was wir daraus machen. Wir entscheiden alle jeden Tag, ob wir daran wachsen oder zerbrechen, ob wir daraus lernen oder weitermachen wie bisher.


    So wie es jetzt ist, wird es für dich ganz gewiss nicht bleiben. Denn nichts ist für immer. Auch das nicht, selbst wenn es sich gerade so anfühlt.

    Annelui, dein Liebeskummer bedeutet doch, dass dir dein Mann sehr wichtig war. Du bist erst 33 und hast mehr als ein Drittel deines Lebens mit ihm verbracht. Wie soll dir das so schnell "egal" sein? Es wird eine Weile dauern, bis es dir wieder gut geht. Aber es wird dir wieder gut gehen.

    Nimm jede Hilfe an, die du kriegen kannst. Du bist hier, hier ist immer jemand da, der zuhört. Bestimmt gibt es auch im echten Leben jemanden. Scheue dich nicht zu einer Beratungsstelle zu gehen. Es gibt viele Möglichkeiten.

    nein, meine Mutter meint selbst eine Trennung wäre das Beste. Sie hilft mir auch, aber tun muss ich ja. Und ich habe so schreckliche Angst davor, vor allem.

    Auch ich hatte riesengroße Angst! Ich hatte Angst vor dem Schmerz und Angst es alleine finanziell nicht zu schaffen. Der erste Schmerz war wirklich grauenhaft. Der Schmerz, der mich jetzt noch immer wieder mal besucht, ist nicht mehr so vernichtend. Zu bleiben, wo ich war, hätte mich und die Kinder auf lange Sicht gesehen aber ganz sicher vernichtet. Es wird noch eine Weile dauern, bis sich die Wunden fester schließen.

    Einige meiner anderen Ängste waren in meiner Vorstellung viel größer als bisher in der Realität nötig. Einiges hat sich schon total zu meinen Gunsten gefügt. Um anderes bemühe ich mich noch. Ein Spruch hat sich aber schon jetzt bewahrheitet: Angst beginnt im Kopf. Mut aber auch.

    Wenn man sich für einen Weg entscheidet, öffnen sich manche Türen wie von selbst. Du musst aber vorgehen. Das Leben kommt dann nach.

    Hat mir wohl meine Oma gelehrt und meine Mutter....beides gute Menschen ich liebe sie.

    Wie, denkst du, würden es deine Mama und Oma finden, wenn sie sehen, wie du dich emotional durch dein Durchhalten und Ertragen aufarbeitest? Würde sie es glücklich und stolz machen, dass du wie sie leidest und in gewissen Eigenschaften ihr Leben wiederholst?

    Nun ja ich stecke fest. Immer noch.

    Du kannst dich jeden Moment entscheiden, ab jetzt da nicht mehr festzustecken. Du kannst dich nur selbst herausziehen. Es wird niemand für dich übernehmen, leider! Das ist die schlechte Nachricht, die gute Nachricht aber lautet: DU hast es selbst in der Hand. Auch wenn es schwer ist. Keine Frage! Wenn du es wirklich willst, schaffst du es auch. Dann schaffst du alles, aber nur das, was dich betrifft. Ihn kannst du leider nicht beeinflussen, auch wenn du dir größte Mühe dieser Erde gibst. Aber du kannst dich befreien!

    Mein Bauchgefühl sagt schon lange: Nein, nein, nein, so geht das nicht. Meine Liebe zu ihm sagt: halt ihn fest und glaub dran dass alles gut wird.

    Du glaubst nicht, wie gut ich das kenne. Mein Festhalten und keinen Ausweg sehen haben letztendlich dazu geführt, dass ich nicht mehr schlafen konnte, nur noch im Gedankenkarussell gefahren bin, dauerangespannt war und in einer Depression gelandet bin. Ich wusste, dass das passieren kann, habe mich aber trotzdem nicht von meinem Festhalten abbringen lassen.

    Könntest du es dir denn gerade leisten nicht mit ihm in eine gemeinsame neue Wohnung zu ziehen?

    Hallo liebe Brightside!

    Ich verstehe deine Verzweiflung sehr gut. Leider wirst du deinen Mann nicht von seinem Alkoholproblem überzeugen können, wenn er das nicht will. Für ihn ist seine Welt ja in Ordnung und er sieht seinen Konsum nicht so tragisch und sich selbst riecht er wahrscheinlich nicht. In so einer scheinbar ausweglosen Situation zu sein tut weh und hält gefangen. Auch ich war in einer solchen Situation und bin auch erst zum Teil raus, nur mit dem Unterschied, dass es bei uns bereits 2 Kinder gibt. Auch wenn du es vielleicht nicht glauben kannst und es dir große Angst macht. Es gibt einen Weg da raus und wenn du den ersten Schritt geschafft hast, ergibt sich der nächste von selbst. Dass es weh tut, ist keine Frage - schließlich heiratet man nicht aus Jux und Tollerei. Ein gemeinsamer Traum platzt. Auch mein ... hat meine Sorgen bezüglich seines Alkoholkonsums nie ernst genommen. Er hat zwar zwischendurch immer wieder mal aufgehört, wenn ich mich zu sehr aufgeregt habe. Nach einigen Wochen ging es wieder von vorn los und leider ist es über die Jahre auch immer schlimmer und immer mehr bergab gegangen.

    Ich verstehe deinen Wunsch ihn nicht zu verlieren und verlassen zu müssen sehr gut. Ich hatte den auch. Doch wenn ich heute zurückschaue, hätte es den einen oder anderen "ersten" Moment gegeben, in dem ich ihn einfach ohne lange herumzueiern verlassen hätte sollen. Damals war unsere Beziehung noch sehr viel mehr intakt, als ein paar Jahre später. Vielleicht hätte mein Gehen damals mehr Kraft gehabt, weil er mich damals vielleicht viel weniger verlieren wollte als später, als ich immer unangenehmer für ihn wurde, weil ich einfach nicht mehr so gut funktioniert habe, da meine Liebe aufgrund von diversen Enttäuschungen bereits Schaden genommen hatte. Vielleicht wären wir dann heute noch eine Familie und er gesund und trocken. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich weiß nur, was dabei herausgekommen ist, weil ich geblieben bin, da ich ihn wie du nicht verlieren wollte, weil ich unseren Kinder die Familie erhalten wollte und vor allem weil ich keinen Ausweg sah und mich gedanklich dauernd im Kreis drehte.

    Wenn ich dir einen Rat geben darf - höre auf dein Bauchgefühl und weniger auf deine Liebe für ihn! Du wirst ihn nicht retten können. Das kann er nur selbst und damit das gelingt, muss er es mindestens wollen.

    Dass du euer Baby verloren hast, tut mir sehr leid. Du hast nun einen ganz besonders hellen Stern im Himmel.

    Hier wirst du viele Menschen treffen, die ähnliches wie du erlebt haben oder gerade mittendrin sind und es ist immer jemand da zum Reden und Zuhören!

    LG, Saphira

    Hallo Annelui,

    ich kann dir gerade sehr gut nachempfinden, wie es dir geht. Ich stecke in einer ähnlichen bereits länger gehenden Trennung (bzw. jetzt Vorbereitung zur Scheidung), allerdings mit 2 Kindern. Mein ... und ich waren wie ihr 12 Jahre in Paar. Mein ... leidet auch an Depressionen und Alk. Ich habe wie du sehr viel auf mich genommen um unsere Familie, die Ehe und ihn zu retten. Ich habe mich richtig aufgearbeitet - ebenfalls bis ich selbst einfach nicht mehr konnte. Diese Überlastung und mein eigener Raubbau an Körper und Seele hat mir letztlich selbst eine Depression beschert. Der Unterschied zwischen deinem Partner und meinem ... ist, dass sich meiner bisher in keine ernsthafte Behandlung begeben hat. Man liebt, man opfert sich auf (ganz ehrlich - leider freiwillig) und bekommt vor allem dann, wenn man nicht mehr wie gewohnt gut funktioniert, die kalte Schulter gezeigt. Das tut weh. Ja, die Mitschreiberinnen werden auch bei dir und mir irgendwann Recht haben, wenn sie seinen Weggang "feiern". Irgendwann werden auch wir froh sein. Doch jetzt tut es einfach noch weh. Ich habe heute keinen so guten Tag, denn ich hatte einen unguten Termin beim Anwalt deswegen.

    Anfangs tut es sehr weh, doch es wird mit der Zeit besser. Du bist noch jung und dir steht die ganze Welt offen. Trauere, weine, lass dir Zeit und dann gehe weiter! Fühle dich nicht für deinen Partner verantwortlich. Alles, was er tut, wählt er genau so. Er könnte auch anders, wenn er das wollte. Das Gute ist, dass du auch wählen kannst. FÜR DICH! Jetzt bist du die oberste Priorität! Nur du!

    Hier findest du immer viele offene Ohren!

    LG, Saphira

    Liebe Simsala,

    auch wenn ich schon spät dran bin, wünsche ich dir noch ganz viel Kraft für euren heutigen Tag.

    Es tut mir sehr leid, was euch widerfahren ist.

    Ganz egal, wie du entschieden hättest - du hättest ihn nicht retten können, weil er es nicht wollte. So schwer es gerade ist, du kannst nur dich und eure Kinder retten und genau das machst du ja seit 11 Monaten. Nur die stärksten Menschen bekommen die schwersten Wege. Ich hoffe, du weißt, wie stark du bist, auch wenn es sich wahrscheinlich gerade nicht so anfühlt.

    Nimm jede Hilfe an, die du irgendwo kriegen kannst!

    Ich sende dir eine virtuelle Umarmung!

    Saphira

    Hallo MaBee,

    ich finde es total normal, dass in manchen Situationen der Schmerz wieder zurückkommt. Ich vermute mal, dass der Schmerz trotzdem schon weniger stark ist wie noch vor ein paar Wochen.

    Was mach ich jetzt damit das nicht alles wieder losgeht?

    Lieb zu dir selbst sein, viel Bewegung in der Natur, lauter Dinge, die du gern machst, ein gutes Buch lesen, tanzen, Meditation, Massagen...whatever...

    Hallo liebe Malerin,

    schön, dass du hier her gefunden hast. Du wirst hier viele Geschichten finden, die deiner ähneln werden und so vielleicht das Gefühl bekommen, dass du nicht allein damit bist. So ist es jedenfalls mir gegangen. Ich habe hier viele Antworten auf Fragen bekommen, die mir in meinem Umfeld niemand beantworten konnte.

    Im Englischen gibt es den Ausdruck: "can't wrap my head around it". Wenn ich an seine Sucht denke und an unser Leben dann trifft dieser Ausdruck zu. Es fällt mir so schwer, diesen Teil meines Lebens als meinen eigenenen anzunehmen. Ich fühle mich verletzt, gedemütigt und als Versagerin. Ich habe Liebeskummer und gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, weil ich ja froh sein muss, dass er weg ist. Immer noch habe ich manchmal das Gefühl, ich sei die Verrückte und er ist ganz normal.

    Ich kannte die Phrase vorher nicht, finde sie aber extrem treffend. Kognitiv verstehe ich sehr wohl, warum die Dinge so gekommen sind, wie sie nun mal sind und dass es eben eine Krankheit ist. Aber irgendetwas ist trotzdem nicht ganz zu fassen.

    Auch ich kenne das Gefühl eine Versagerin zu sein. Dabei habe ich wirklich alles versucht um unsere Familie zu retten. Was das betrifft, habe ich mir nichts vorzuwerfen. Es gehören halt doch immer zwei dazu und wenn einer stur und uneinsichtig bleibt, lässt sich mit den besten Absichten nichts retten. Retten kann man sich letztlich dann nur noch selbst. Trotzdem ist bei mir noch immer dieser Beigeschmack dabei versagt zu haben.

    Aber auch damit geht das Leben weiter.

    Wie alt sind denn eure Kinder?

    LG, Saphira

    Ich frage mich: wieso will das jemand? Weil er damit seine tief versteckte Unsicherheit überdecken kann?

    Genau. Dahinter steckt in Wahrheit oft ein sehr schwaches Selbstwertgefühl, das nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" kompensiert wird....a la wenn ich der Welt zeige, wie toll ich bin, bemerkt niemand, dass ich in Wahrheit zutiefst verunsichert bin. Narzissmus entsteht in der Kindheit entweder durch emotionale Vernachlässigung oder extremes Überbehüten und Vergöttertwerden.

    Ich habe vor ganz vielen Jahren schon zu ihm gesagt das ich seinen Alkoholkonsum bedenklich finde. Diese Gespräche hatten wir oft. Es wurde immer abgetan. Er hätte keine Probleme, er hat nur Durst usw.

    Dasselbe bei uns. Da ich schon immer weniger und langsamer als alle anderen getrunken habe, habe ich mich auch immer wieder hinterfragt, ob ich vielleicht übertreibe, anstatt mich zu fragen, ob alle anderen, die mehr, lieber und schneller als ich tranken, eventuell untertreiben.

    Mein Mann hatte zwar keinen Durst, aber er hatte es im Griff - so seine Meinung dazu,

    An schlechten Tagen kommt immer das Teufelchen und versucht mir einzureden das ich vielleicht doch ein wenig Schuld habe und das er mir ja leid tut, vielleicht kann ich ihm ja doch helfen ....

    Schuldgefühle habe ich wegen seinem Konsum nie und hatte ich auch nie. Da bin ich wohl gut abgegrenzt. Bei mir ist es so, dass ich mir an schlechten Tagen schwerer tue seine Entscheidung zu akzeptieren. An guten kann ich das inzwischen ganz gut.

    Hallo Linde,


    dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht und er trifft genau den Kern. Es ist seine Entscheidung. Nicht ich lasse ihn "fallen" sondern ich hindere ihn nicht weiter daran seinen Weg zu gehen. Ob er an der Weggabelung den richtigen oder den falschen Weg geht entscheidet er.

    Danke, liebe Mollyfisch, dein Text, v.a. das dick gedruckte, geht bei mir grad richtig rein! Ich wollte das, was wir jetzt haben, immer VERHINDERN! Es hat mich wahnsinnig viel Kraft gekostet und war immer gegen den Fluss. Ich muss und kann gerade tief durchatmen....

    LG, Saphira

    Liebe Petra,

    du hast dich auf die Reise zu dir selbst begeben und die ist einerseits schmerzhaft, wohl aber auch spannend. Es bleibt spannend, wohin dich diese Reise noch führen wird. Ich weiß nicht, warum - gerade hat mich dein Profilbild sehr angesprochen und als ich deinen Namen geschrieben habe, musste ich an die jordanische Stadt Petra denken. Diese Gedankenkombination kommt wohl daher, weil ich das erste Mal in meinem Leben im Golf von Aqaba Kontakt mit Delphinen hatte und dies ein wunderbares Erlebnis darstellte und diese Gegend meine Seele tief berührt hat und zu den schönsten zählt, in denen ich bisher war. Nun bist du auf Reisen....eine Reise ist manchmal nicht nur schön. Wenn sie ein Abenteuer sein soll, ist sie oft auch sehr herausfordernd, braucht Mut, du verlierst vielleicht die Orientierung, fällst womöglich auf Trickbetrüger herein, bezahlst zu viel und es gibt Momente, in denen du am liebsten sofort in 5-Sterne-all-inclusive einchecken oder wenigstens nach Hause fliegen möchtest. Ein Abenteuer, das du nicht missen möchtest, das dich zu dem Menschen, der du heute bist, gemacht hat, ist es oft erst im Rückblick. Gehe deinen Weg mutig weiter und vertraue dem Leben. Das Leben ist für dich!

    GLG, Saphira

    Ich habe das Gefühl das ich den Grundstein für die Abwärtsspirale gelegt habe als ich mich im April das erste Mal getrennt habe. Da hatte ich auch für mich das Gefühl das da in ihm irgendwas "kaputt" gegangen ist,

    Könnte der Grundstein nicht der Alkohol sein? Es darf doch nicht nur ihm gut gehen. Dir doch auch! Es gibt etwas, das dich unzufrieden gemacht hat in eurer Beziehung und das hast du laut und deutlich mit der 1. Trennung kundgetan. Er hätte es auch als Anlass nehmen können sich zu reflektieren und etwas zu ändern. Wie es scheint, hat er sich aber dafür entschieden Opfer zu sein. Kämpfen um die Ehefrau ist doch nicht verboten.

    Wieviel kann ein Mensch aushalten bevor er ganz untergeht. Was muss noch passieren bevor er ins Handeln kommt.

    Dieselben Fragen stelle ich mir wegen meinem Mann. Was muss noch passieren? Wie viel mehr muss noch kaputt gehen?

    Die Antwort ist leider, dass bei manchen gar nichts reicht und sie einfach nichts ändern, nicht aufwachen, nicht in die Gänge kommen. Eine weitere Frage lautet, wie viel kann ich noch aushalten? Wie lange kann ich noch warten, bis definitiv das letzte Fünkchen Hoffnung erloschen ist?

    Ich versuche es mal als Mama von noch minderjährigen Kindern u Angehörige und inzwischen Getrennte.

    Ich habe sehr darum gekämpft die Familie zu erhalten. Ich wollte, dass die Kinder mit ihrem Vater und ihrer Mama in einem Haushalt aufwachsen. Ich wollte natürlich auch meinen Mann nicht verlieren, wobei ich ihn in Wahrheit nicht erst durch die Trennung verloren habe, sondern schon um einiges früher - an den Alkohol und seine Depressionen. Ich habe so sehr darum gekämpft eine Familie zu bleiben, weil ich berufsbedingt den Schmerz der Kinder in Trennungsfamilien gesehen habe. Das hat mich immer sehr berührt. Ich denke, es berührt mich beruflich kaum etwas so wie das mit den Kindern.

    Wie fühlen sich nun meine Kinder damit?

    Solange der Papa noch zu Hause war, wurde er sehr geschont...vor allem vom 10 Jährigen. Mein Großer war zum Papa oft nicht ehrlich um ihn nicht zu verärgern. Wenn er etwas aufgefressen hat, ist er damit zu mir gekommen und hat mir seinen Fehler gebeichtet und wir haben zusammen geschaut, wie sich das Problem lösen lässt. Ich musste ihm versprechen dem Papa nichts davon zu erzählen.

    Der Große war oft unter Anspannung, wenn der Papa abends noch nicht zu Hause war. Irgendwann kam das Erkennen, dass sich die Väter der Freunde anders verhalten, dass sie abends und am WE öfters zu Hause sind.

    Es war oft ein Gang wie auf rohen Eiern.

    Die akute Phase war bei uns zum Glück nicht sehr lang, aber das soll keine Beschwichtigung und keine Entschuldigung sein. Jeder Tag war einer zu viel in dieser Situation.

    Beim Kleinen gab es immer wieder mal die Enttäuschung, dass er vom Papa weniger wahrgenommen wurde als der große Bruder.

    Seit der Trennung vor 3,5 Monaten sind die Kinder sehr traurig. Wenn sie den Papa sehen, sagen sie, ist es mal entspannt und mal wie vorher zu Hause: Anspannung, weil der Papa wegen der Depressionen keine Nerven hat. Sie schonen ihn leider weiterhin.

    Der Große lässt nachts manchmal ein und der Kleine regrediert gerade (spricht in Babysprache).

    Gleichzeitig lieben und vermissen sie ihren Vater. Die rechtliche Abklärung geht leider nicht so schnell.

    Es geht so oder so nicht spurlos an ihnen vorüber. Ihr Vater ist vor 1,5 Jahren ziemlich krank geworden. Für die Kinder ist es sehr schwer. So bleiben, wie es war, konnte es nicht. Ich hätte früher, als noch alles halb so wild war, viel härter handeln sollen. Besorgt war ich nämlich damals schon. Ich bekam von meinem Mann aber nur Beschwichtigungen und ich war mit Kind und Kleinkind nicht mutig genug aufs Ganze zu gehen, ihn vor die Tür zu setzen und damals, als noch vieles sehr gut war, das Risiko einzugehen, dass ihn meine drastische Reaktion vielleicht nicht aufweckt und wir uns verlieren.

    Ich weiß nicht, ob ich die Frage vollumfänglich in der jetzigen Situation beantworten kann. Ich bin bestimmt noch nicht weit genug heraußen. Aber ich versuche ehrlich zu mir zu sein.

    LG, Saphira