Beiträge von orangeblau

    Forenleitung
    3. März 2009 um 11:52

    Hallo orangeblau,

    es macht etwas mit einem Kind, wenn es in einer Alkoholikerfamilie aufwächst. Viele werden später selbst suchtkrank oder werden co-abhängig - einfach weil sie das tief verinnerlichte Muster weiterführen.

    Aber als Erwachsene hat man die Chance sich aus dem kranken Muster raus zu entwickeln. Es geht, auch wenn es sich manchmal "falsch" anfühlt. Es ist nicht falsch sich abzugrenzen, es fühlt sich nur unbekannt und beängstigend an.

    Wenn du magst, schau mal oben den Thread durch, den wir EKA zusammengetragen haben. Er ist eine Art Textsammlung, und beim Lesen sind mir immer wieder Kronleuchter aufgegangen.

    Liebe Grüße, Linde


    Dankeschön.
    Werde ich mir durchlesen.

    Ich möchte unbedingt aus meinem Muster raus.


    Das interessante ist, dass meine beiden Männer auch aus Alkoholiker-Familien kommen, also beide ebenfalls EKA. Es gab so viele Parallelen in den Familiengeschichten, man hat sich auf eine besondere Art verstanden und verbunden gefühlt. Ich denke schon, dass es den Männern da ähnlich ging.

    Beide wurden nun mal eben Alkoholiker und ich Co-Alkoholikerin. So erschreckend wie krass uns Mennschen die Kindheit prägt.

    Bin EKA. Allerdings schon über 30 Jahre trocken.

    Hab vermutlich in meiner Kindheit zu sehr verinnerlicht, dass sich alle um den Alkoholiker dreht, auch die ersten Jahre nach dem Entzug ist der Alloholiker sehr mit sich selbst beschäftigt, trocken zu bleiben, als Kind bloß keinen Stress verursachen, immer achtsam sein, immer brav sein, bloß keinen Rückfall provozieren, ständig Angst dass sie wieder krank werden könnte…Ich denke ihr versteht was ich meine. Das wichtigste war, dass sie trocken bleibt. Familienpriorität.

    Es kommt definitiv aus meiner Meinung Kindheit. Wird mir immer bewusster.

    Ihr habt ja keine Ahnung wie schockiert ich war, als ich damals entdeckt habe, dass mein Exmann ein Alkoholproblem hat. Im Nachhinein hatte er von Anfang an keinen gesunden Umgang. mir ist das jahrelang nicht aufgefallen, nicht mal drüber nachgedacht. War wie ein Deja-vu.


    Und nun eben schon wieder, aber immerhin habe ich nicht Jahre gebraucht um es „zu sehen“ sondern nur Monate….

    Dieser Absatz erdrückt mich schon fast beim Lesen, wenn ich Dein Partner wäre.

    Du bist genauso süchtig, wie der Alkoholiker nach seinem Stoff.
    Was musst Du erlebt haben, damit Du immer wieder dasselbe tust?


    Absicht ist es keine. Ich bin nicht bewusst so. Für mich waren es bisher immer positive Eigenschaften. Ich leide aber selbst darunter. Ich merke, dass ich an mir arbeiten will damit es mir nicht wieder passiert.

    Das ist wohl mein Muster.


    Schuldumkehr, Täter-Opfer-Umkehr.

    Du zweifelst dann wieder an die selbst, suchst die Schuld bei dir, versuchst an dir zu arbeiten und dich zu verbessern….und er kann wieder in Ruhe saufen…

    Ich frage mich nur, ob genau das nicht oft auch das Co-Muster verstärkt. Dieses Bedürfnis, einem Alkoholiker helfen, ihn verstehen oder vielleicht sogar retten zu wollen. Ich habe über die Jahre zumindest oft den Eindruck bekommen, dass Co-Abhängige selten aus reiner Logik bleiben.

    Eher wegen Gefühl. Und Gefühl ist manchmal stärker als jeder Verstand, bis man irgendwann das eigene Muster erkennt. Oder sehe ich das zu einfach? Wenn ich das auf Alkoholiker übertrage, wirkt es für mich am Ende gar nicht so anders. Auch dort überlagern Gefühle, Illusionen und die Suchtmechanik oft die Realität. Beide Seiten hängen irgendwie in ihrem eigenen Muster fest. Der eine im Saufen, der andere im Retten.

    Und aus dem, was ich hier über viele Jahre gelesen und erlebt habe, sieht es für mich manchmal fast wie ein geschlossenes System aus. Der Alkoholiker dreht sich im Kreis seiner Sucht und der Co-Abhängige im Kreis seiner Gefühle. Und keiner kann den anderen dauerhaft retten.

    Deshalb wäre mein erster Gedanke oft. Erstmal bei sich selbst bleiben und die eigene Baustelle anschauen.


    Ich stimme zu, bin ein Gefühlsmensch gerade in Beziehungsdingen. Logisch betrachtet weiß ich, dass er nichts für mich ist, es 1000 Bessere gibt, aber das Gefühl sagt was anderes.


    Was ich nicht zutreffend finde, ist das „Retten wollen“, ich weiß, dass ich das nicht kann. Es ist eher ein Festhalten an der Illusion meiner perfekten Familie/Beziehung/Welt etc. die ich mir aufgebaut habe und es fällt mir schwer diese loszulassen.


    Loslassen ist sehr schwierig für mich, immer schon.
    Ich finde das oft sogar sehr erschreckend wie andere das so schnell können. Ich „hänge“ an den Menschen in meinem Leben und will sie in der Regel behalten. Dafür nehme ich auch ne Menge auf mich, übergehe gerne eigene Grenzen und Kapazitäten, hauptsache ich verliere die Person nicht, bin sehr loyal und zuverlässig, einmal im Herzen, immer im Herzen. Ich würde sagen auf mich kann man immer zählen, oft auch wenn es mir schon lange nicht mehr gut damit geht.


    Ich würde also nicht sagen, dass es bei mir ein „Retten wollen“ ist, sondern eher ein „Nicht wahrhaben wollen“ und große Enttäuschung/großer Schmerz, dass man anscheinend kein Vertrauen zu mir hat und offen und ehrlich mit mir spricht.


    Als ich nämlich beim Exmann dann wirklich sicher war, dass meine Vorstellung von heiler Welt nicht ist und er absolut nicht bereit ist mir zu Vertrauen und ehrlich zu ihr zu sein, konnte ich mich trennen.

    Ich habe eben deinen Faden quer gelesen und bin daran hängengeblieben. Ist von 2022.

    Das hier von heute:

    Du bist im gleichen Thema mit denselben kreisenden Gedanken, obwohl du heute, 4 Jahre später, ähnliche Antworten wie damals bekommst. Was genau erhoffst du dir??


    Wow danke!

    Das ist mir gar nicht aufgefallen, dass ich damals exakt die gleiche Reue hatte.

    Ist so wie ein nicht-wahr-haben-wollen der Realität oder eben wie vorher schon geschrieben Schuldgefühle mit meinem „Verdacht“ alles kaputt gemacht zu haben.

    Auch ein starkes Bedürfnis die Harmonie aufrecht zu erhalten, die heile Welt festzuhalten, an meiner Illusion der Perfekten Welt/Beziehung festzuhalten.
    Die Entdeckung dass der Partner/der Mann in den Mann sich verliebt hat so ein Problem hat, stellt natürlich alles auf den Kopf.


    Mein Exmann hat immer aggressiv reagiert, wenn ich meinen Verdacht angesprochen habe, der zweite Typ hat mit Rückzug reagiert.
    Beides zerstört natürlich meine Vorstellung und mein Wunsch nach Beziehung und echter Nähe und tut weh. Im Prinzip wünsche ich mir, dass man offen und ehrlich zu mir ist, auf Augenhöhe bleibt. Retten geht nicht, aber unterstützen würde ich gerne.

    Ich schätze, bis Du kamst, hatte er sich mit seiner Sauferei einfach eingerichtet. Wie das sehr viele tun.

    Für mich sind das unvereinbare Interessen. Einer will trinken, die Andere will einen nüchternen Partner.

    Wenn der Krankheitsaspekt und das Stigma nicht wären, wäre das ein ganz normaler Trennungsgrund. Es passt schlicht nicht zusammen.

    Passiert doch überall auf der Welt, dass Paare sich trennen.


    Würde ich so nicht sagen.

    Ich trinke ja auch gerne mal 2-3 Gläschen, bin ein geselliger lustiger Typ, mag diese entspannte lockere Art, die von ihm ausging.

    Ich habe nur irgendwann gemerkt, dass er ständig totale Abstürze hat und dann auch schlimmere Dinge passiert sind. Das hat mir Sorgen bereitet und ich habe angefangen es zu hinterfragen.


    Und da ich ja schon Erfahrung hab, weiß ich dass in so einem Fall nur Abstinenz hilft. Das habe ich auch kommuniziert. Ansonsten habe ich nichts dagegen wenn jemand ab und zu was trinkt.


    Bei mir ist das riesen Thema, dass ich zweifle ob ich richtig liege oder mich täusche. Das hatte ich bei meinem Exmann schon.
    Anschließend bekomme ich Schuldgefühle, dass ich vielleicht übertrieben habe und jemandem zu Unrecht etwas unterstelle und dadurch Beziehungsprobleme verursacht habe, die alles kaputt gemacht haben. Hatte ich beim Exmann auch schon.

    Mein Exmann bestreitet ja nach wie vor ein Alloholproblem zu haben, er ist/war Spiegeltrinker, hat alles heimlich gemacht.

    Der 2. Mann hat ab und zu Andeutungen gemacht, sich selbst als Voll-Alki bezeichnet usw. bevor ich was gesagt habe. Dann aber wieder abgestritten und gemeint er kann schon Pause machen und ist doch keiner.

    Freundinnen sagen, dass es doch keinen Zweifel gibt, ich aber vertraue meiner Wahrnehmung irgendwie nicht.

    Es geht mir nicht ums kümmern. Im Gegenteil, er hat sich eher um mich gekümmert.

    Ich habe mich wohl gefühlt, Sympathie, Anziehung, auf einer Wellenlänge. Wir haben uns super verstanden, hatten viel Spaß. Ich habe nicht von Anfang an gemerkt, dass auch er ein Alkoholproblem hat.
    Ich werde darüber nachdenken….

    Dann ist ja nichts mehr zu klären.;) Lass es mal so stehen , beide Seiten brauchen ihre Zeit, um das zu begreifen. Für mich persönlich ist Co‑Abhängigkeit schwer nachvollziehbar, aber ich verstehe die Suchtmechanik dahinter.

    Es ist eben schwer, schon den zweiten Mann an den Dreck verloren.
    ich weiß, dass ich nichts tun kann und null Einfluss habe.


    Das ist mir alles vollkommen bewusst, im Kopf zumindest.

    Bei mir wars ja so, Einen drauf machen war das Synonym für sichs gut gehen lassen. So kannte ich das, und so wars überall um mich herum.

    Und was ich sicher nicht wollte, war eine Partnerin, die mir Vorschriften macht, wie ich zu leben habe. Oder die sich einbildet, dass sie besser wüsste, was gut für mich ist, als ich das selbst wusste. Ich hab das als arrogant und überheblich empfunden, mir in meine Gewohnheiten und Entscheidungen reinzureden. Das war oft der Streitpunkt.


    Dabei hat sie es nur gut gemeint und hatte ja auch Recht.

    Danke für eure Erklärungen. Finde ich sehr interessant.


    Noch eine Frage:

    Warum dauert es so lang (oder nie) bis man sich professionelle Hilfe sucht?

    Warum streitet man die Sucht ab?


    Es muss doch ein enormer Leidensdruck sein…Vorallem wenn das ganze Leben und die Gesundheit den Bach runter geht…

    Bei uns ging die Argumentation in zwei Richtungen. Einerseits helfen und andererseits, dass es ihr Leben beeinträchtigt.

    Helfen wollte ich mir nicht lassen. Ich hab lange argumentiert, das wir uns dann eben trennen müssen. Da habe ich mich leichter drauf eingelassen als aufs Aufhören.


    Bei mir sind ja auch noch Kinder im Spiel, die ich schützen muss und ich hatte ja schon mal eine längere Beziehung mit einem Alkoholiker, die mich total kaputt gemacht hat.

    Das wollte ich nicht mehr. Ich hatte den neuen trotzdem extrem gern. Er war perfekt, bis auf Alkohol. War eine Zwickmühle. Ich habe mit Drama reagiert. Falsch, aber gut gemeint war es.


    Gegen Alkohol hat man am Außenstehender wirklich keine Chance.

    Zu den Zeiten hab ich meine Sauferei nicht wirklich als Problem gesehen. Bzw. hab ich es so gesehen , lieber ein paar Jahre früher sterben und Spaß gehabt, als mich zu Tode langweilen und das auch noch nüchtern.

    Mit Frauen hatte ich damals nur Stress, der Alkohol nervte mich nicht.

    Anfangs bin ich auch mit meiner heutigen Frau nur zusammengegangen, weil wir oft gemeinsam in unserer Studentenkneipe waren und ich dachte, sie akzeptiert das.


    Ich war die ersten Monate mit ihm auch ordentlich auf Tour. Das war sicher genau nach seinem Geschmack. War lustig, auch für mich. Aber irgendwann dachte ich mir, er übertreibt ganz schön. Vorallem mit meiner Vorgeschichte (er wusste von Anfang an Bescheid).

    Natürlich wirft er mir vor, dass ich zu viel Stress und Drama gemacht habe. Mir fällt es auch schwer mich deswegen nicht schlecht zu fühlen. Aber ich finde, mein Stress war berechtigt, wollte nur „helfen“ (ja ich weiß geht nicht!)y Sinnlos trotzdem, falls ich wieder einen kennenlerne mit solchen Problemeb Diskussionslos distanzieren von meiner Seite aus