Mein heutiger Tag war bisher sehr schön und entspannt.
Wir hatten Teile der Familie und Bekannte zum Grillen bei uns und haben einen wunderschönen, alkoholfreien Nachmittag verbracht.
Alkohol war wie gesagt kein Thema und ich hatte auch nicht ansatzweise Verlangen, obwohl sonst ein Grillen ohne nicht denkbar gewesen wäre. Die Stimmung untereinander war sehr entspannt. Ich weiß nicht wer alles genau heute darüber Bescheid wusste, dass ich Alkoholiker bin aber ich denke das es allen klar war und für keinen heute ein Thema war. Es war keine Verkrampfung oder Anspannung zu spüren.
Das heißt allerdings nicht unbedingt was, da ich anscheinend nicht so besonders gut darin bin das Gefühlsleben anderer genau zu erfassen.
Was mich zu meinem Hauptthema momentan bringt. So wie es heute hier im Forum in einigen Threads hoch herging zu den Themen Schuld, Verantwortung, Sühne in Bezug auf die „Familienkrankheit“ Alkoholismus, so sehr beschäftige ich mich selber gerade damit.
Ich bin selber auch EKA und seit meiner frühen Kindheit ist das Thema Alkohol präsent. Hauptsächlich als ständiges Streitthema meiner Eltern. Ich habe mich zu Hause nie sicher und aufgehoben gefühlt. Es gab fast immer Streit und Aggression zwischen meinen Eltern. Zu meinem Vater, dem alkoholabhängigen in diesem Konstrukt, habe ich nie ein wirklich inniges Verhältnis gehabt. Gerade in meiner Kindheit hatten wir unsere Probleme. Es waren keine häufigen wirklichen offenen Konflikte zwischen uns sondern es fehlte schlicht die Basis, das Vertrauen und auch die Unterstützung fürs Leben. Mein Vater war ein herzlicher, aber sehr oberflächlicher Mensch, der vieles mit sich selber ausmachte.
Ich habe Alkohol damals gehasst und Saufen als Schwäche verabscheut…
Warum schreibe ich das? Weil mir immer mehr bewusst wird das ich das was ich lange verabscheut habe selber, und noch viel extremer, geworden bin ohne das es mir in meiner Saufzeit auch nur annähernd bewusst war. Ich habe mich für was besseres gehalten und gedacht mit dem Alkohol ganz anders als mein Vater umzugehen und ich selber zu bleiben. Das ist totaler Quatsch und das wird mir gerade mit jeder Minute die ich nicht saufe immer bewusster. Ich frage mich momentan, warum ich das nicht früher gesehen habe und entsprechend etwas unternommen habe. Was habe ich meinen Kindern und meiner Frau damit angetan. Was habe ich nicht wahrgenommen bzw. wollte ich nicht wahr haben? Ich wollte doch alles ganz anderes machen.
Mir wird teilweise echt mulmig dabei, zu erleben wie sich eine Art Schleier scheinbar immer mehr öffnet und immer mehr aufdeckt, was ich während des Saufens nicht wahrgenommen habe.
Bin ich erst jetzt in der Lage hinzuschauen und mich der Verantwortung zu stellen? Denn das werde ich auf jeden Fall tun!
Schuld fühle ich sehr viel. Nicht unbedingt weil ich erkrankt bin, sondern weil ich meinen Teil dazu beigetragen habe und erst so spät wirklich etwas dagegen unternehme.
Ich hoffe es kommt nicht noch viel mehr Schlimmes zu Tage aber wenn es so ist, werde ich auch davor nicht die Augen verschließen und tun was in meiner Macht steht um den Betroffen so gut ich kann zu helfen das zu verarbeiten.
Ein langer Weg liegt vor mir…
So long