Hallo in die Runde,
liebe Rennschnecke,
wie lieb von dir, dass du fragst. Ich selbst freue mich immer zu lesen, wie es den Menschen mit der Zeit ergangen ist. Ich habe mich ein bisschen „erschrocken“, als mein Thread plötzlich in der Übersicht zu sehen war, lach. Und du hast den richtigen Riecher gehabt, so richtig „clean“ bin ich leider nicht.
Ich lese immer noch täglich mit. Gerne würde ich auch mal etwas Hilfreiches schreiben, aber ich merke dann immer wieder, dass andere es viel besser können. Das Lesen hilft mir persönlich aber sehr.
Wie geht es mir…. Der Mann über den ich zuletzt geschrieben hatte, war dann in mehrerer Hinsicht leider nichts für eine Partnerschaft. Die Trennung, die erste von mir ausgehende meines Lebens, fiel mir nach ein paar Wochen recht leicht.
Dann, vor ca. 15 Monaten, lernte ich über eine Freizeit App jemanden kennen, in den ich mich verliebt habe. Und er sich in mich. Ich muss gestehen, dass ich lachend in die Kreissäge gelaufen bin. Er könne ja einfach aufhören täglich zu trinken, dachte ich mir.
Jein, kann bzw. will er nicht. Als ich ihn nach ein paar Monaten, noch während der (beidseitigen) Verliebtheitsphase auf seinen täglichen Konsum ansprach und erklärte, wie ich mich dabei fühle, wenn er angetrunken ist, kam u.a. die Aussage: wenn er nicht trinken könne, könne er genauso gut alleine bleiben. Er lasse sich nicht reglementieren. Er wolle Spaß und würde lieber ein paar Jahre weniger leben wollen. Eigentlich deutlich genug, oder?
Meine Freundinnen, mit denen ich darüber geredet habe, weil ich immer denke, ich bin wegen meines eigenen sehr missbräuchlichen Konsums oder meiner Kindheit zu streng, haben mich darin bestärkt, dass er schon noch reduzieren werde, ich am Ball bleiben solle (sie haben ihn kennengelernt und finden ihn toll) und die Aussagen sicher nicht so gemeint gewesen seien.
Ich erkläre mich nicht mehr, sondern grenze mich ab, indem ich aus dem Kontakt gehe, wenn ich merke, dass er angetrunken ist. Das habe ich ihm im Vorfeld erklärt und auch warum (Verlust von Respekt, Nähe und Anziehung bei mir). Er schränkt sich stark ein, wenn ich da bin (wohnen nicht zusammen, obwohl er sich das, und ich eigentlich auch, sehr wünscht). Dann haben wir tolle Zeiten. Aber mittlerweile führt es zu Nebenkriegsschauplätzen, weil er sich wohl eben doch eingeschränkt fühlt. Und er trinkt manchmal „heimlich“…
Demnächst fahren wir, erstmalig länger, in Urlaub. Darauf freue ich mich einerseits sehr, andererseits hoffe ich, dass es so oder so für mich zu einer (noch besseren) Erkenntnis führt. Ich eiere gedanklich im Moment viel herum.
Schade, dass ich nicht schlauer werde. Ich bin leider kein Vorbild und enttäuscht von mir, aber ich sehe den wunderbaren Menschen, mit dem mich Humor, gleiche Werte, Lebenseinstellungen, Interessen, (fast immer) liebevoller Umgang und noch einiges mehr verbinden. Der sein Leben ansonsten unter Kontrolle hat (gutaussehend, top Haushalt, leitende Position). Wir lieben uns und ich glaube, es ist noch zwei Minuten vor 12 bei ihm.
Was mich betrifft, lebe ich seit fast vier Jahren ohne einen Tropfen Alkohol. Das war meine Entscheidung, daran gibt es nichts zu rütteln, nie mehr und es gab und gibt nie eine Versuchung. Im Freundeskreis meines Partners bin ich ein absoluter Exot, langsam gewöhnt man sich wohl dran, ist mir egal. Mein Zuhause ist alkoholfrei, ich biete dort nichts an.
Zu meiner Familie habe ich seit längerem keinen Kontakt. Dort führte meine Abstinenz (ebenfalls) zu Nebenkriegsschauplätzen, ohne dass ich es beabsichtigt hatte. Man hält anderen wohl unbewusst und ungewollt einen Spiegel vor, wenn man nichts (mehr) trinkt.
Insgesamt würde ich sagen, dass ich mich doch etwas entwickelt habe. Ich kann Konflikte aushalten und werde mich nicht scheuen (hoffe ich jedenfalls!!!) zu gehen, sollte mein Partner noch weiter die Kontrolle verlieren oder es einmal wagen, mich zu beschimpfen oder dergleichen. Er wird momentan immer „nur“ albern, jedenfalls sofern die Sprache nicht auf seinen Konsum oder meinen Rückzug aus dem Kontakt kommt.
Das war mein Update, danke fürs Fragen.
Liebe Grüße von Helene