AnnaBlume - Annas Geschichte

  • Gute Besserung!

    Ich hab mal gelesen, dass jedes Ja nach aussen, obwohl man innerlich eigentlich nein sagen möchte , ein nein zu sich selbst ist. Also bezogen auf die Schwierigkeit, auf eine Bitte von aussen nein zu sagen. Ich kann auch schlecht nein sagen.

    "Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." (Niebuhr)

  • Mir geht es ein wenig besser, aber ich arbeite heute noch nicht. Das ist auch neu- sonst hätte ich mich zur Arbeit geschleppt so bald ich gerade stehen kann- aber nein! Ich gönne mir den Tag Erholung noch. Bin aber auch echt noch schlapp.
    Gestern Abend hatte ich wohl ein klassisches ‚craving‘ - ausgelöst durch einen Kommissar im Krimi, der sich genüsslich einen Wein einschenkt und dazu schöne Musik hört. Plötzlich hatte ich das unbändige Verlangen auch so ein Glas Rotwein in der Hand zu halten. Geholfen hat mir eine ganz heftig saure Zitronen Limo. Das wirkte fast wie ein ‚Skill‘ (wer es kennt) und brachte mich wieder zurück zu den Tatsachen. Außerdem schmeckt mir das Zeug sehr. Ich überspulte die Rotweinszene und schaute den Krimi ohne weitere ‚Sehnsucht‘ zu Ende.
    Was für ein dummes Ding dieses Gehirn doch ist. Man sieht oft Leute in Filmen trinken- aber meistens macht mir das nix. Aber der sympathische Kommissar auf seinem Hausboot (mein Traum!) mit einem Rotwein (früheres lieblingsgetränk) und auch noch Musik die ich mag- das war dann wohl zu viel.

    Das nächste mal skippe ich sofort weiter sobald die Flasche auftaucht. Da ich kein Live TV mehr schaue geht das ja immer.

  • Guten Morgen AnnaBlume,

    schön, dass es Dir besser geht und Du so gut auf Dich achtest.

    Ich finde es auch schön, dass wenn ich mich nicht gut fühle, irgendetwas ist. Vorher wusste ich ja nicht, ob das jetzt vom Alk kommt. Was im Übrigen meistens der Fall war.

    Dass bei dieser Szene Dein Suchthirn zugeschlagen hat, kann ich sehr gut nachvollziehen. Da wird es mir ja schon beim Lesen ganz anders. ;)

    Aber noch viel wichtiger ist, dass Du das auch als das, was es ist wahrgenommen hast. Dann hast Du praktisch sofort in den Notfallkoffer gegriffen und aktiv etwas dagegen unternommen.

    Dann sogar noch das Ganze reevaluiert und für die Zukunft eine Lösung bereitgestellt.

    In meinen Augen geht es nicht besser. :thumbup:

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Vorher wusste ich ja nicht, ob das jetzt vom Alk kommt. Was im Übrigen meistens der Fall war.

    Stimmt. Eigentlich war ich ja oft morgens leicht matschig (Kater) und wenn ich da immer zu Hause geblieben wäre wäre ich jetzt ohne Job. Ich hätte so einen leichten Grippe-Rest gar nicht bemerkt!

    So blöd das klingt: Ich freue mich gerade über den leichten Grippe-Rest. Danke dafür!

  • So. Familie 2. Akt. Diesmal wurde zwar wieder Sekt ausgepackt ABER ich wurde nicht gefragt und habe kommentarlos ein Wasserglas bekommen. Also das erste Mal mit einem Wasserglas gegen Sektgläser geprostet. Und siehe da: Kein Knigge Gott ist vom Himmel herunter gefahren und hat mir die silberne Gabel des Zorns in die Rippen gerammt. Als es aber arg gesellig wurde und Bier gereicht habe ich mich verabschiedet. Meine Schwester hat sich vor mir rechtfertigt als sie gesehen hat, dass ich registriert habe wie schnell ihr erster Sekt weg und der nächste eingeschenkt war. Sie sagte ‚ich bin halt nicht so stark wie du‘ ich sagte ‚ist schon gut‘. Meine Mutter ignorierte diese Szene. Aber immerhin bietet sie mir nichts an und akzeptiert mein Wasserglas.
    Hat sich gut angefühlt und Sekt wollte ich tatsächlich keinen- obwohl ich den früher gerne getrunken habe. Komisch. Der Kommissar im Fernsehen löst so viel bei mir aus und meine Familie gar nicht.
    Krass ist, dass meine Schwester früher immer wollte das ich länger bleibe- jetzt war sie fast erleichtert dass ich gehe. Das kenne ich aber auch von trinktzeiten. Man mag nicht dass nüchterne dabei sind- fühlt sich beobachtet. Als ob ein normaler Mensch nach einem Bier nicht merkt, dass sein gegenüber anders trinkt als normal.

    Man macht sich echt was vor. Es war wieder kein trinkanlass, der Sekt kam recht plötzlich ins Spiel, aber wie gesagt war allen Anwesenden (inkl. meiner Mutter!) klar, dass ich nicht trinke. Und das war gut.

  • Der Kommissar im Fernsehen löst so viel bei mir aus und meine Familie gar nicht.

    Das war, weil Du darauf vorbereitet warst.

    Bei mir schlagen Trigger eher durch, wenn sie unvorbereitet auftreten.

    Gut, dass Du Dich alsbald abgesetzt hast. Ich bin froh, dass ich gleich in der ersten Zeit zu keinem solchen Treffen "musste".

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Also das erste Mal mit einem Wasserglas gegen Sektgläser geprostet.

    Warum hast du das gemacht?

    Wenn es jetzt das erstemal war, planst du schon die nächsten Zuprost-Aktionen ein oder kannst du solche Situationen nicht komplett vermeiden?

    Deine Familie scheint keinerlei Anlaß zum gemeinsamen Sekttrinken zu brauchen. Sie wissen, daß du nicht mehr trinkst, aber Rücksicht wird keine genommen. Oder wissen sie nicht, daß du Alkoholikerin bist und wie ernst das ist mit der Triggergefahr?

    Viele Fragen, ich will dir nicht auf die Nerven gehen. Mir kam nur die Situation beklemmend vor. Schräge Vorstellung, daß "einfach so" der Sekt vor der Nase steht. Kenne ich aus meinem Umfeld so gar nicht, aber jede Familie ist anders.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Oder wissen sie nicht, daß du Alkoholikerin bist und wie ernst das ist mit der Triggergefahr?

    Sie wissen es. Es ist ein großer Fortschritt dass meine Mutter nicht versucht mich zum Trinken zu überreden- deshalb meine Freude.

    In meiner Familie wird immer getrunken. Wenn man sich sieht ist es Anlass genug. Meine Mutter trinkt selbst wenig, aber wenn ich oder meine Schwester zu Besuch sind steht der Kühlschrank voller Alkohol.
    So streng meine Mutter sonst ist- Alkohol konnte man bei ihr in Unmengen trinken ohne Kritik zu bekommen. Meine Schwester trinkt auch, würde sich selbst aber niemals als Alkoholikerin bezeichnen.

    Meine Mutter ist über 80 und sehr einsam. Wenn ich ihr und meiner Schwester verbieten wollte in meiner Gegenwart Alkohol zu trinken käme das einem Kontaktabbruch gleich. An Weihnachten werden sie Rotwein trinken und Sekt. Ich werde natürlich Wasser trinken und früh gehen. Aber ich bin darauf vorbereitet und kann jederzeit gehen.

    Hab ich gestern dann ja auch.

  • Das war, weil Du darauf vorbereitet warst.

    Danke für den Satz, auch wenn er nicht für mich bestimmt war :) Aber das erklärt mir auch, warum mich manche Situationen stressen und viele andere eben nicht. Vieles liegt an der Vorbereitung.

    Was ich- und vielleicht hilft dir AnnaBlume das auch- immer mache, wenn ich weiss, dass getrunken wird: Ich überlege mir vorher, was ich stattdessen trinke. Beispielsweise würde MIR Wasser nicht reichen, wenn andere Sekt trinken (was glücklicherweise niemand in meinem Umfeld macht). Zuhause hole ich mir dann Saft oder Limonade. Woanders gibt es dann vielleicht Mineralwasser mit Sprudel (das ist für mich auch was anderes, weil ich das zuhause nicht trinke), oder ähnliches.

    Gut finde ich aber, dass deine Familie das irgendwie akzeptiert und dir nichts angeboten hat. Und stark von dir, dass du früh gegangen bist! Super.

    "Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." (Niebuhr)

  • Wenn ich vorher weiß, dass getrunken wird, ist es gerade in der Anfangszeit ratsam, solche Treffen oder Veranstaltungen zu meiden und eben abzusagen.

    Das Trockenwerden an oberste Stelle setzen, war für mich Priorität.
    Und weshalb sollte ich es mir unnötig schwer machen, indem ich mich solchen Situationen aussetze, in denen vor meiner Nase Alkohol konsumiert wird?

    Vielleicht wäre das die sicherere Variante. Habt Ihr die Grundbausteine schon gelesen? Diese haben sich bewährt, weshalb sie auch als „Grundlage“ für einen nüchternen Weg gelten.

    VG Sue

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • Gut finde ich aber, dass deine Familie das irgendwie akzeptiert und dir nichts angeboten hat. Und stark von dir, dass du früh gegangen bist! Super.

    Das hat mich auch gefreut. Saft wurde mir angeboten aber ich hatte einfach Durst und irgendwie wollte ich bei meiner Familie auch ein wenig ein Statement setzen. ‚Schaut her, so ist das jetzt und ich muss es nicht kaschieren indem ich Orangensaft im Sektglas trinke.‘ Das ist deshalb wichtig, weil meine Mutter gerne den Schein nach außen wahrt- es waren auch zwei Bekannte anwesend. Ich wollte dieses Statement vor allem für meine Mutter.

    Mir geht es heute damit richtig gut.

    Dieses schreckliche Gefühl, dass keiner weiß was ich wirklich tue und wie ich wirklich bin (im Suff). Diese grässliche Scham die mich lange begleitet hat- das war sehr belastend. Ich hatte immer so ein Hochstablergefühl nach dem Motto. ‚Ja ihr seht in mir die beruflich erfolgreiche, sportliche Alleinerziehende, die locker und freundlich daher kommt. Aber heute Nacht schwanke ich mit irgendeinem dahergelaufenen Typen nach Hause der einfach nur froh ist, dass er sich heute das Geld für den Puff spart und der froh ist, dass ich morgen früh weg bin, damit der die Sauftante nicht mit Kater sehen muss… ‚

    Würdelos war das. Heute kann ich meiner Mutter in die Augen schauen und sagen ‚heute Abend gehe ich früh schlafen, ich will morgen ins Yoga‘ und das ist nicht gelogen. Überhaupt lüge ich (fast) nicht mehr- das fühlt sich gut an!

  • Guten Morgen, AnnaBlume,

    ich mag die Art sehr, wie du schreibst, habe grad schallend gelacht und bin froh, dass der Knigge Gott dir zum Glück nicht seine silberne Gabel des Zorns in die Rippen gerammt hat. Alles Gute weiterhin für dich 🍀.

    Liebe Grüße, Helene

  • Habe heute wieder gearbeitet aber bin immer recht platt. Ich war heute mit einem Kollegen alleine, der mir mal erzählt hat, dass er auch keinen Alkohol mehr trinkt. Dem hab ich gesagt ‚ich trinke jetzt auch keinen Alkohol mehr- für immer‘. Da schaut er mir plötzlich in die Augen und ich wusste dass er auch Alkoholiker ist. Wir nickten uns nur etwas peinlich berührt wissend zu und er sagte ‚toll, Anna‘ und lächelte. Mehr Worte brauchte das nicht. Von ihm hätte ich das nie und nimmer gedacht- super sportlich, sieht jünger aus als er ist, hat Familie und ist voll engagiert im Beruf usw. Aber wahrscheinlich hätte er es von mir auch nicht gedacht. Schön verbindend war das und motivierend. Soweit ich weiß ist er schon 2 Jahre nüchtern.
    Es ist echt komisch- plötzlich sieht man sie überall. Der Mann am Empfang mit geplatzten Äderchen und Fahne. Die Frau an der Kasse, die zittert und extrem nach Schnaps und Zigaretten riecht.

    Ein Drama, dass die Krankheit so stigmatisiert ist. Wenn man viel trinkt, feiert und nie genug bekommt ist man die Partykanone und wenn man zugibt dass es zu viel wird ist man die arme irre, die nicht mit Sowas banalem wie Alkohol umgehen kann.

    Als ich eine meiner Trinkpausen machte, blaffte mich ein Bekannter an, jetzt sei ich doch schon über 40 und immer noch zu blöd mit Alkohol vernünftig umzugehen. Mich verletzte das hart- obwohl er selbst mindestens im Risikobereich trinkt.

    Naja. So lange es Menschen gibt die mich so akzeptieren wie ich nüchtern bin ist der Rest Wurscht.

  • So lange es Menschen gibt die mich so akzeptieren wie ich nüchtern bin ist der Rest Wurscht.

    Also ich akzeptiere mich nüchtern. Darauf kommt es mir an. Besoffen könnte ich mich selbst nicht mehr akzeptieren.

    plötzlich sieht man sie überall.

    Ja, das ist wie mit meinem neu gekauften Auto. Auf einmal sehe ich die Marke überall.

    Aber ein Alkoholiker-Radar hat sich auch entwickelt. Ich kenne es ja von mir. Natürlich habe ich dann einen Blick dafür. Ich versuche halt, z. B. an der Kasse, nicht zu auffällig hin zu glotzen. ;) Schließlich wäre mir das ja auch unangenehm gewesen (und hätte mich dennoch nicht abgehalten),

    mit geplatzten Äderchen

    Das fing übrigens bei mir auf der einen Wange gerade an. Da war mir klar, jetzt kann ich es nicht mehr verbergen. Da habe ich gerade noch rechtzeitig aufgehört. Hat sich nahezu verflüchtigt. Ein halbes Jahr länger saufen und dann wäre es das gewesen.

    Mein Körper hat wohl einfach gesagt "Genug ist genug". So hieß jedenfalls auch das erste Buch zu dem Thema, dass ich dann gelesen habe.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Das fing übrigens bei mir auf der einen Wange gerade an.

    Hab ich auf der Nase. Kann man sogar tasten. Ist aber nicht mehr so rot seit ich nicht mehr trinke. Bin sowieso viel weniger rot. Gegen Ende wurde ich von Rotwein ganz fleckig. Das beobachte ich jetzt auch bei meiner Schwester. Aber kann auch einfach eine Reaktion empfindlicher Haut sein. Im Gesicht und Dekolte bildeten sich rote Quaddeln. Leute sprachen mich drauf an- aber nur akut und nur bei Rotwein. Ich hatte auch immer Tränensäcke- das hab ich aufs Alter geschoben. Die sind komplett weg. Auch die Augen sind nicht mehr so trocken- ich brauchte ständig Augentropfen…

  • Und ich hatte noch was erschreckendes. ab und zu seltsame Sprachstörungen- meistens am Tag nach einem schlimmen Suff. Ich konnte plötzlich das Sprechen nicht mehr richtig steuern- nur leicht- andere merkten das nicht, mich hat es aber erschreckt. Zum Aufhören hat es mich aber zunächst nicht motiviert. Solche Ausfälle hab ich gar nicht mehr…

  • Glühwein mochte ich nie. Der wurde immer so schnell kalt. Außerdem habe ich nie den Sinn verstanden auf Weihnachtsmärkten mit kalten Füßen im Gedränge zu stehen. Ich war schon letztes Jahr nicht. Also kein Verlust.

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