Liebe Felicitas,
ich schließe mich dem, was Bleibenodergehen vor mir geschrieben hat, vollumfänglich an, bitte lies es Dir immer mal wieder durch und lass es auf Dich wirken, wie deinen ganzen Faden...
Ja, es ist schlimm, dass er seine Gesundheit und Existenz aufs Spiel setzt, aber noch schlimmer finde ich es, wie Du auch in diesem Strudel unterzugehen drohst (und das kenne ich von mir, als ich vor vielen Jahren in Bezug auf ein Geschwister mit einem anderem Suchtmittel co-abhängig war, hab ich hier evtl. Auch schon geschrieben. Da hätte ich fast meine Ausbildung versemmelt, weil neben der Sirge um mein Geschwister alles so bedeutungslos schien).
Zu Deinen Fragen an mich (die mich ehren):
und sein Therapeut flüstert ihm komische Dinge ins Ohr und erkennt nicht, dass er es mit einem Quartalstrinker zu tun hat.
Klingt für mich eher danach, als wäre Dein Ex dem Therapeuten gegenüber nicht komplett aufrichtig bzw. Eher manipulativ unterwegs, damit er entsprechende Antworten bekommt. (Lese ich hier öfter, funktioniert oft, weil die meisten Therapeuten keine eigene Suchterfahrung haben. Oder aber er ist Dir gegenüber nicht ganz ehrlich oder beides.)
Es heisst doch erst trocken, dann Therapie- oder?
Erst entgiftet und absolut gewillt, lebenslang abstinent zu bleiben,damit irgendwann mal eine zufriedene Trockenheit daraus wird, ja.
Eine Trinkpause reicht dafür nicht, zumal der Körper je nach Vorgeschichte einige Monate braucht, um sich vom Zell- und Nervengift halbwegs zu regenieren.
Therapie in dieser Anfangszeit sollte sich um die Festigung der Abstinenz drehen, die Aufarbeitung der Kindheit etc. Kann ggf. Später erfolgen.
Würdest du als Betroffene dir wünschen, dass du so richtig hart aufknallst- ohne Job, Familie und vielleicht bald im Gefängnis oder wäre die bessere Hilfe Unterstützung?
Ich glaube, dem liegt ein Missverständnis zugrunde: Ein Alkoholiker muss nicht notwendigerweise erst an seinem persönlichen TIEFpunkt ankommen und alles verlieren, bevor er (vielleicht) zur Besinnung kommt (nicht wenige geben sich dann erst recht auf).
Vielmehr geht es um den persönlichen WENDEpunkt, der schon viel früher eintreten kann, z. B. durch ein einschneidendes Erlebnis. Bei mir waren es Medienberichte über prominente trockene Alkoholiker, die ihre eigene Lebensgeschichte aufgeschrieben hatten. Daraus lernte ich, due aber schon eine Unzufruedenheit mit ihrem nassen Zustand ebtwickelt hatte, ibeohl ich scheinbar nich funktionierte: Ein Leben ohne Alk ist ja gar nicht langweilig, ewiger Kampf oder trostlos (was mir die Sucht immer eingeredet hatte, um mich bei der Flasche zu halten), im Gegenteil.
Und da lautet die unangenehme Wahrheit: Solange Du ihn zu "unterstützen" versuchst, indem du immer für ihn erreichbar bist, egal, wie arschig er sich verhält, und Dir alles bieten lässt, kann dieser Wendepunkt nicht eintreten, denn er kommt ja scheinbar noch "irgendwie" klar.
Wie soll da die Erkenntnis bei ihm reifen, dass es so nicht weitergehen bzw. nur nach unten gehen kann?
Und das kannst du ja auch mit aller Liebes- und Leidensfähigkeit nicht verhindern, dass Firma und Existenz von ihm den Bach runtergehen, wenn Du nicht gerade Lottomillionär bist.
Das ist mit Hilfe durch Nichthilfe und " in Luebe loslassen" gemeint: seine einzige Chance (ohne Garantie), aufzuwachen und endlich Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.
Lauf, Felicitas, lauf! Jetzt bist du mal dran!