Beiträge von hochfelln15

    Liebe Pia,

    wie gut ich diese Gefühle kenne! Als ich studierte und an den Wochenenden daheim war, bin ich an den Sonntagabenden wieder in die Großstadt gefahren. Stets begleitet von furchtbarer Sorge um und Mitleid mit meinem Vater. "Wie wird es ihm gehen? Kann/darf ich meine Eltern überhaupt alleine lassen? Welche Konflikte und Streitereien werden passieren? Und ich bin nicht da und kann nicht helfen."

    Ich wünsche dir, dass du dich gut und unbelastet um dich und deine eigene Familie kümmern kannst.

    Hochfelln

    Liebe Releasme,

    ich schreibe dir aus der Sicht des Kindes eines alkoholkranken Vaters und kann dich so gut verstehen. So viele schlimme Situationen, die du berichtest, haben mein Bruder, meine Mutter und ich mit unserem Vater damals auch erlebt. So viele verbale Verletzungen haben wir davongetragen (gewalttägig war mein Vater aber nie). Als meine Mutter wieder arbeiten gehen wollte, nachdem wir Kinder aus dem Gröbsten raus waren, kommentierte mein Vater mit: "Tu lieber daheim mehr." Dieser Satz hat meine Mutter so getroffen. Sie hatte den Haushalt hervorragend im Griff, organisierte erfolgreich unser und ihr Leben. Und dann so ein Satz, der alles in Frage stellt und, noch schlimmer, schreckliche Schuldgefühle hervorruft.

    Wie oft habe ich mir mit etwa 11 Jahren gewünscht, dass ich von heute auf morgen erwachsen bin um dem Ganzen entfliehen zu können.

    Meine Mutter war 49, als sie sich endlich von meinem Vater trennte. Heute ist sie 80, genießt ihr selbstbestimmtes Leben nun schon seit über drei Jahrzehnten.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut, dass du frei von jeglichen Schuldgefühlen und von schlechtem Gewissen dir und deinen Kindern ein ruhiges und nicht suchtbelastetes Leben einrichten kannst.

    Hochfelln

    Hallo Jackquy0,

    es tut mir sehr leid für dich und deine Kinder, was ihr wegen der Alkoholkrankheit deines Mannes mitmachen müsst. Ich schreibe dir aus der Sicht eines erwachsenen Kindes eines alkoholkranken Vaters, der überall angesehen und überaus beliebt war. Nüchtern war er ein humorvoller, liebevoller Vater. Hatte er jedoch getrunken, waren seine Zornausbrüche, die aus heiterem Himmel kamen, seine Wutanfälle wegen Banalitäten, diese ständige Unberechenbarkeit, wie er wohl heute gelaunt sein wird, für meinen Bruder, meine Mutter und mich sehr schlimm. Am schlimmsten war für mich als Kind die Ohnmacht, nichts dagegen tun zu können. Erst viel späterist mir bewusst geworden, dass wir nichts, aber auch gar nichts hätten ändern können. Es war allein seine Entscheidung zu trinken. Liebe Jackquy0, du bist absolut nicht für das Trinken deines Mannes verantwortlich, das ist er ganz alleine. Ich wünsche dir ganz viel Kraft. Bitte schütze dich selbst, aber vor allem deine Kinder.

    Hochfelln

    Hallo Seb,

    zum Tod deines Vaters spreche ich dir mein herzliches Beileid aus. Deine Geschichte berührt mich sehr, entdecke ich doch in ihr so viele Parallelen zu mir und meinem ebenfalls alkoholkranken Vater. Vieles, was du berichtest, hatte ich damals auch erlebt. Vor allem immer das Gefühl, Verantwortung zu tragen.

    Wenn du magst, lies dir meinen Strang durch. Ich sehe mich auch als EKA.

    Hochfelln

    Hallo Aurora,

    vielen Dank für das nette Willkommen!

    Ja, ich bin ein EKA. Die Alkoholkrankheit meines Vaters hat meine Ursprungsfamilie jahrelang geprägt.

    Dass es sich dabei tatsächlich um Alkoholsucht handelt ist mir erst in den letzten Jahren bewusst geworden.

    Meine Eltern- Antreiber war klar meine Mutter - wagten Ende der Siebzigerjahre den Bau eines Einfamilienhauses, das wir bezogen. Wir - das waren meine Eltern, mein Bruder und meine Oma väterlicherseits. Finanziell war das gerade am Anfang eine ziemlich knappe Kiste aber irgendwie ging es immer wieder weiter.

    Wir alle liebten dieses Haus, den tollen Garten und waren glücklich. Meine/unsere Kindheit war eigentlich schön.

    Mein Vater war groß, stattlich und hatte einen unverwechselbaren Humor. Ich verehrte ihn.

    Schwierig waren aber immer die Zeiten rund um Fasching: Meine Mutter liebte das Treiben, das Feiern - mein Vater überhaupt nicht. Regelmäßig kam es bei uns zwischen dem Unsinnigen Donnerstag und Faschingsdienstag zu fürchterlichen Krächen. Mein Vater war niemals gewalttätig. Für uns Kinder aber war das dennoch schlimm, weil wir nie wussten, wie das ausgeht oder ob sich die Eltern am Schluss trennen. Ständig dieser psychische Druck, die Unberechenbarkeit, immer die Frage, wie ist er drauf, was passiert? Ich habe mir als Kind immer vorgestellt, wie schön es wäre, 18 zu sein, das Zuhause zu verlassen und ein eigenes, selbstbestimmtes Leben führen zu können. Wie oft habe ich versucht, zwischen beiden Eltern "zu vermitteln", auszugleichen.

    Das war aber hoffnungslos. Mitte der achziger Jahre beruhigte sich die "Faschingsgaudi" wieder. Dann wurden mein Bruder und ich erwachsen und die Probleme zeigten sich auf anderen Feldern.

    Heute würde ich sagen, dass mein Vater ein Spiegeltrinker war. Nie habe ich ihn sturzbetrunken oder besinnungslos erlebt.

    Er hatte schon als junger Mann Bluthochdruck und musste starke Medikamente nehmen.

    Kurz nach seinem 50. Geburtstag erlitt er einen schweren Schlaganfall und war zunächst halbseitig gelähmt. Mit intensiver Reha schaffte er es körperlich wieder einigermaßen zurück ins Leben. Die psychische Seite allerdings blieb weiter unbehandelt. Drei Jahre später beschloss meine Mutter sich von ihm zu trennen. Wenige Tage später nahm er sich das Leben.

    Das alles ist jetzt fast 30 Jahre her und ich merke, wie gut es mir tut das zu schreiben.

    Toll, dass es so ein Forum gibt. Ich freue mich auf den weiteren Austausch.

    Viele Grüße

    hochfelln

    Hallo liebes Forum,

    nachdem ich hier schon lange mitlese habe ich mich nun entschlossen meine Geschichte zu erzählen.

    Obwohl es mir (m, Mitte 50) seit langer Zeit wieder gut geht, beschäftigt mich die Alkoholkrankheit meines Vaters immer noch.

    hochfelln