Beiträge von Siri

    Danke Dir sehr, Sare für den Hinweis. Ich hoffe, dass der Druck vielleicht auch schon in der Gruppe und durch die Regelmäßigkeit der Treffen bei den ACAs ein wenig gemildert werden kann. Zumal ich glaube, dass mir Struktur gut helfen könnte und das Programm dort sehr strukturiert wirkt.

    Dort könnte ich an ganz bestimmten Fragen/konkreten Problemen arbeiten und müsste nicht nochmal meine Geschichte in ihrer ganzen Vielschichtigkeit umreissen, was ja bei den Erstgesprächen der Fall ist. Das ist jedes Mal sehr anstrengend und nimmt mich sehr mit und die Psychologin meinte, dass ich da auch vorsichtig sein sollte. Ein pragmatischerer Ansatz käme mir jetzt sehr gelegen. Aber vielleicht irre ich mich ja auch bei meiner Einschätzung der ACAs. Wenn es nichts ist, werde ich den SPDi anrufen!

    Falls jemand Erfahrung mit Selbsthilfegruppen für EKAs hat, wäre ich froh fürs Teilen.

    LG Siri

    Hallo Flieder

    nein, ich weiß, wo das Grab sich befindet, wollte aber bislang nicht dorthin gehen. Ich habe meinen Vater kaum gekannt.

    Mir kommt es so vor, als wolle Deine Mutter Dir ein schlechtes Gewissen einreden. Für mich wäre das inakzeptabel. Ich finde es zwar gut zu Lebzeiten mit den Liebsten über die letzten Dinge zu sprechen und sie eben auch bestmöglich zu regeln. Aber so wie ich es aus Deinen Zeilen herauslese, kommt mir das Verhalten Deiner Mutter manipulativ vor. Meiner MEinung nach ist es nicht Aufgabe einer Tochter an das Begräbnis der Mutter zu denken. Schon gar nicht in Deinem Alter. Wenn die Eltern bereits sehr alt und pflegebedürftig sind, wäre es für mich nachvollziehbarer, da mal sachte nachzufragen, aber auch nur, wenn ein gutes Verhältnis besteht. Stell Dir vor, Du hättest zu Deinem 18. Geburtstag quasi aus heiterem Himmel ihr das tatsächlich so mitgeteilt, wie sie es jetzt im Nachhinein angeblich für richtig hält. Was das für ein Eklat gewesen wäre! Wenn man es mal so konkret durchdenkt, wird doch überdeutlich wie unrealistisch und, ja sogar, vermessen so eine Forderung ist. So empfinde ich es zumindest.

    Mich berührt, dass Du Deiner Mutter trotz allem nur Gutes wünscht. Mir geht das auch so, auch wenn manchmal Wut in mir aufsteigt. Das macht alles nicht einfacher. Da fällt die Abgrenzung schwer und es schmerzt, die Folgen der Alkoholsucht für die Mutter mitansehen zu müssen und zu realisieren, welche Folgen das Ganze auch für einen selber hatte und hat.

    Es ist wichtig, sich nicht in die Wirrheit und die ganzen Alltagsdramen der Sucht hineinziehen zu lassen. Mir selbst gelingt das trotz zwischenzeitlichem jahrelangen Kontaktabbruchs zur Zeit nicht so gut (habe die Organisation der Pflege aus der Ferne für meine schwer alkoholkranke Mutter seit dem Sommer auf ihre Bitte hin übernommen). Bei Manipulationsversuchen allerdings weise ich meine Mutter immer sofort entschieden zurück. Als sie realisiert hat, dass sie mich da nicht packen kann, hat sie das auch schnell wieder aufgegeben. In Deinem Alter ist mir das allerdings noch nicht gelungen (bin Mitte 50). Das zu lernen, dazu bedurfte es eines langen rigorosen Kontaktabbruchs.

    Deine Zukunftsängste, wie sich der Alkoholismus Deiner Mutter weiter entwickelt und womöglich verschlimmert, kann ich sehr gut nachvollziehen.

    Ich wünsche Dir, dass Du Deine Lebensenergie für Dich selbst, Deine Kinder und Deinen Lebenspartner hütest, Dir Freude bewahrst und unbeirrt Deinen Weg gehst.

    LG Siri

    Mein Vater wurde von der Stadt beerdigt, ich wusste sehr lange nichts von seinem Tod. Es war weniger als die Hälfte des Betrags, den Du genannt hast. Tatsächlich wäre ich lieber in Urlaub gefahren.

    Wer das Erbe ausschlägt, wird nichts aus der Wohnung mitnehmen können. Man hat nichts mit diesen Dingen zu tun.

    Zur Frage der Umsetzung von Wünschen: Ich finde, wenn jemand finanziell selbst dafür gesorgt hat, dass die Wünsche umgesetzt werden können, dann sollte es so gemacht werden. Wenn es nicht so ist, die Kosten eine Belastung wären und sogar das Verhältnis so schlecht war, dass man diese DInge nicht im Einvernehmen vor dem Tod klären konnte, würde ich es so machen, wie ich selbst es für richtig halte. Wenn Deine Mutter ihre speziellen Wünsche an Dich heranträgt, würde ich ihr die von Dir hier geäußerten Bedenken deutlich machen und mich abgrenzen. Ich würde nicht einsehen, mich zu einem Zeitpunkt, wo diese Fragen (für mich selbst) gar nicht anstehen, damit zu belasten. Wenn sie will, kann sie Vorsorge treffen und sparen, wenn nicht nicht.

    Hallo Flieder,

    ich musste mir diese Fragen in Zusammenhang mit meinem Vater stellen: Ein Erbe kann man ausschlagen, niemand ist gezwungen, Schulden zu erben. Die Beerdigung wird man als direkter Nachkomme zahlen müssen, allerdings muss es keine teure sein. Mich hat das nicht gestört, diese Kosten zu übernehmen, auch wenn ein Urlaub mit meinem Mann schöner gewesen wäre.

    LG Siri

    Liebe Alle,

    leider konnte mir kein Therapieplatz angeboten werden. Mein Bedarf übersteigt wohl die momentan vorhandenen Kapazitäten. Es wurde angedeutet, dass es wohl keine kurze Sache wird, eher eine Arbeit von Jahren als von Monaten. Die Suche nach einem Platz geht also weiter. Ich werde nicht lockerlassen, weil ich diese kindlichen Zwänge loswerden möchte, von denen Lea sprach.

    Dann werde ich diese Woche wenigstens zum nächsten Meeting der ACA für Erwachsene Kinder von Alkoholikern & aus dysfunktionalen Familien hier bei mir vor Ort gehen.

    Bis jetzt habe ich mich jede Woche davor gescheut, dorthin zu gehen. Aber vielleicht ist die "höhere Macht"-Idee von den ACA gar nicht verkehrt, die mich zunächst so abgeschreckt hat. Denn ich fühle mich dem Ganzen in Situationen wie gestern ausgeliefert, machtlos. Und womöglich hilft es da, eine höhere Macht (in sich? für sich?) zu finden. Auch die klare Strukturierung, die die zwölf Schritte versprechen, finde ich attraktiv. Naja, ich werde herausfinden, was mit all dem gemeint ist. Ich merke, dass ich Nägel mit Köpfen machen muss. Ich brauche jetzt Hilfe in der analogen Welt, um nicht vom Strudel, in dem ich meine Mutter sterben sehe, mitgerissen zu werden. Ich will für mich und mein Leben wieder klar sehen.

    Liebe Grüße und nochmals vielen Dank für Eure Unterstützung und die Anregungen gestern!

    Siri

    Ich finde, du machst es dir noch zu schwer. Deine Mutter sucht keine Geborgenheit, für sie ist der Alkohol das Einzige was sie sucht und braucht. Wenn du es so betrachtest, warum sollte deine Mutter in ein Heim gehen wollen?

    Es tut mir so leid, dass du es dir so schwer machst, wirklich. Du bist eine gute Tochter und das warst du auch immer, dich trifft keine Schuld und du bist auch jetzt nicht in der Verantwortung.

    Lass die Dinge ihren Lauf nehmen und versuche es auszuhalten und anzunehmen. Das schaffst du.

    Liebe Sare,

    danke Dir für Deine Sicht. Es ist für mich nicht leicht, das zu verinnerlichen.

    Aber auch hier ist es wohl so, dass es meine eigene Angst vor Ungeborgenheit ist, die da hineinspielt. Ich wurde ja als Kind von ihr so oft im Stich gelassen, war zum Beispiel das einzige Kind der Schulklasse, das auf dem ersten Schulausflug ohne Essen oder irgendetwas da stand. Oder ein andernmal ohne Regenschutz losging. Immer war ich selbst verantwortlich und wurde dann fertig gemacht, obwohl es doch klar ist, dass kleinere Kinder nicht unbedingt an so profane DInge wie Vesper und Regenjacke denken, wenn es zum Schulausflug geht.

    Aber: meine Mutter ist nicht das kleine Kind, das ich einmal war.

    Wahrscheinlich fühlt sich meine Mutter in ihrem zu Hause geborgen. Das ist ihr ja vertraut und für den Alkohol-Nachschub weiss sie auch zu sorgen. Für mich selbst ist es eben unvorstellbar, Geborgenheit ohne die Beziehung zu anderen Menschen zu denken. Aber das ist ja auch meine und nicht ihre Sicht.

    Jetzt, mit etwas Abstand und nach dem Abendessen kann ich Dein "das schaffst Du" bereits viel optimistischer annehmen und mich sehr drüber freuen!

    Vielen Dank dafür, Sare.

    Siri

    Dieses „um die kümmern“ bedient so viele kindliche Zwänge und Muster in dir, wie soll es da möglich sein klare erwachsene Entscheidungen zu treffen.

    Du bist wertvoll, lass dich nicht weiter kaputt machen.

    Danke Dir sehr für diesen Gedanken, Lea. Die Zwanghaftigkeit meines Rotierens, die macht mir auch ein wenig Angst. Es ist gut möglich, dass meine Blockaden im Leben hiermit eng verbunden sind.

    LG Siri

    Alkohol hat auch Kalorieren..., war mein erster Gedanke. Meine Mutter hat in ihren schlimmsten Phasen nur Spatzenportionen gegessen, wenn überhaupt.

    Ja, das ist bei Mutter auch so. Allerdings isst sie in Gesellschaft gerne.

    Als ich mit meinem Mann länger vor Ort war und sie von uns bekocht wurde, hatte sie zugenommen. Das hat der Pflegedienst gleich bemerkt. Und auch ich habe mich über die zunehmend rosigen Wangen gefreut. Zugleich mussten wir aber dann auch mehr Giftpfeile von ihr aushalten, weil sie ihre Kraft sofort re-investiert hat. Das war wirklich bitter zu verfolgen, dass alles in diese schreckliche Destruktivität geht.

    Man muss sich immer wieder klarmachen, daß 1. viele Leute am Alkoholismus sterben. Das ist leider einfach Tatsache. Und 2., daß man das Elend des Trinkers verlängert, indem man seinen möglichen Tiefpunkt verhindert.

    Meine Ärztin hat mir das auch gesagt. Es fällt mir schwer, loszulassen, denn es ist ein so einsamer Weg. Aber es ist wohl die eigene Angst vorm Verlassensein, die sich da bei mir meldet.

    Ich fand das jetzt nicht unbedingt als Hiobsbotschaft, wenn mal kein Essen bestellt wird. Ich kenne es von meinen Eltern, daß sie oft mehrfach die Woche das Essen abbestellen, weil vom Vortag einfach noch so viel übrig ist.

    Danke für diese Perspektive. Auch wenn es wohl nicht so ist, hilft mir Dein Gedanke. Sie hat für diese Woche gar nichts bestellt. Das habe dann ich am Telefon gemacht. Morgen kommt wieder etwas zu essen und dann bestellt sie hoffentlich auch wieder.

    ich muss mir klar machen: es ist keine wirkliche Katastrophe. Sie kann sich zur Not ein Glas Apfelmus aufmachen oder ein Müsli machen oder oder oder...

    Liebe Grüße Siri

    Solange Du Dich ständig kümmerst, ist es nicht unbequem genug.

    Das ist wichtig, danke für die Erinnerung, Cadda. Auch ihre Ärztin hat betont: Einsicht käme, wenn überhaupt, nur auf die harte Tour. Meine Mutter ist erwachsen.

    Sie muss selbst merken, dass sie nicht mehr in der Lage ist allein zu wohnen. Ich hoffe immer noch, dass sie einem Umzug ins Heim zustimmt. Es würde dann leider noch dauern, bis ein Platz frei wird, sobald das OK von ihr kommt. Aber dieser Alptraum wäre dann für mich zu Ende. Im Heim wäre sie rundum versorgt. Von mir kann sie die Rundum-Versorgung nicht verlangen. Sie stünde ihr offen, sie muss nur wollen und ich werde aktiv und suche einen Platz für sie. Leider steht der Wille über allem, solange sie nicht mehrfach gestürzt, verletzt im Krankenhaus landet etc., gibt es keine Chance sie in ein Heim einzuweisen.

    Ich hoffe, dass sie sich heute nicht bei mir meldet. Aber vielleicht will sie es auch lieber unter den Tisch fallen lassen. Sie weiss, dass ich sie lieber im Heim gut versorgt sehen würde.

    Es ist schwer. Es wird kein gutes Ende nehmen, egal, was ich mache und wie sehr ich es mir wünsche. Nur wenn sie selbst dies will, wird es für sie eine Art Geborgenheit und Umsorgung am Ende ihres Weges geben.

    LG Siri

    Liebe Elly

    danke Dir für den Zuspruch. Auch mein Mann findet, wir müssen nichts tun. Und in mir steigt Wut auf beim Gedanken, sie jetzt anrufen zu müssen und Essen für sie zu bestellen.

    Nein, ich habe leider keine Kinder, Warum fragst Du? Aber ich kümmere mich regelmäßig um ein wunderbares Kind im Haus. Bereits im Alter von 5 Jahren sind diesem Kind die Konsequenzen, die aus dem eigenen Verhalten resultieren, schon sehr bewusst. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gewissenhaft das kleine Kind (meist) ist und sich an Regeln (meist) hält und wenn nicht, werden Konsequenzen auch ertragen, manchmal erst nach einem Wutanfall, aber nach einer Erklärung und etwas Trost geht es dann weiter mit dem Leben. Anders als bei einer Erwachsenen würde ich das Kind allerdings nie hungern lassen, selbst wenn es zuvor das Essen verweigert hätte. Aber ich würde mich auch nicht erpressen lassen, wenn es Extrawünsche geben würde.

    LG Siri

    Liebe Lea,

    danke Dir. Mir ist es bewusst. Es ist schrecklich zu spüren, wie sehr das nachwirkt. Es ist so, als würde ein Programm in mir ablaufen. Immerhin zittere ich nicht mehr.

    Bereits als Kind habe ich dafür gesorgt, dass sie aufsteht, das Frühstück stand bereits bereit, wenn sie aus der Dusche kam und so ist sie rechtzeitig zur Arbeit gekommen. Habe ich es mal vergessen, x-mal nach ihr zu sehen und sie zu ermahnen, dass sie aufstehen solle, nachdem der Wecker mehrfach im Snooze Modus geklingelt hatte, hat sie verschlafen...sie fand das lustig, dass der Chef dann bei einmal sogar ihr anrufen musste. Ich nicht, ich fand es total verantwortungslos. Da war ich 10. Ich selbst habe nie gemeinsam mit ihr gefrühstückt, weil es unerträglicher Stress für mich war. Ich war immer früh dran und möglichst weg, sobald sie in der Küche aufschlug, an den gedeckten Tisch kam, das Radio anmachte, unerträglich laut. Wenn ich sie darum gebeten habe, es leiser zu stellen, wurde nicht reagiert, weshalb ich dann in meinem Zimmer blieb, auf dem Bett liegend um mich noch ein wenig zu sammeln und zu warten, bis ich endlich los zur Schule konnte. Die Schule war mein Rettungsanker.

    Ich bin ein dressiertes Kind. So kommt es mir jetzt vor. Und vielleicht konnte ich mich damals sogar besser abgrenzen als heute? Ich frage mich, ob es daran liegt, dass ich aus der Übung bin.

    Morgen habe ich den ersten Termin bei einer Therapeutin. Sie konnte noch nicht sagen, ob es wirklich klappt. Sie muss wohl erst sehen, wo genau meine Schwierigkeiten liegen, bevor sie den Platz zusagt. Bin dennoch froh, dass ich morgen einen Termin habe (trotz Feiertag, das war sehr nett!).

    Siri

    Liebe Forumsmitglieder,

    eigentlich sollte man darauf eingestellt sein, Hiobsbotschaften zu erhalten, wenn man eine alkoholkranke Mutter hat, die unbedingt allein wohnen will. Selbst mit Pflegedienst, Essen auf Rädern und und und. Aber der heutige Anruf des Essensdienstes hat mich dennoch fertig gemacht. Sie hat ihr Essen nicht bestellt und wurde heute nicht beliefert. Für morgen und diese Woche habe ich nun telefonisch bestellt.

    Einerseits bin ich froh, wie super organisiert die Mitarbeiter beim Essensdienst sind, dass sie mich anrufen. Andererseits bin ich gerade völlig überfordert, was ich für den heutigen Tag tun soll. Muss ich ihr jetzt in einem Restaurant etwas bestellen und nach einem Lieferdienst suchen? Das ist dort, wo sie wohnt, gar nicht so einfach. Ich komme wohl nicht drum herum, sie anzurufen und zu fragen, was sie will. Ich möchte das aber eigentlich nicht. Letzte Woche hat sie hier mehrfach wegen hahnebüchner Geschichten angerufen und ich wollte erst Ende dieser Woche wieder anrufen.

    Solche Vorkommnisse jagen mein Adrenalin hoch und reissen mich aus der Konzentration, die ich für meine Arbeit dringend benötige.

    So wie früher als Kind bin ich jetzt im Alarmzustand und zittere am ganzen Körper. Ich habe den Drang, sofort aktiv zu werden und hektisch die Versäumnisse meiner Mutter zu korrigieren, so dass ihr kein Nachteil erwächst.

    Wie seht Ihr es: soll ich mich pragmatisch darum kümmern, dass sie heute Abend etwas Warmes auf dem Teller hat? Ich muss dazu sagen, dass ich nicht weiß, ob sie noch Brot da hat, weil sie immer sehr wenig über die Haushaltshilfe des Pflegedienstes bestellt und das Brot in ihrer Küche so schnell verschimmelt. Der Einkaufsdienst kommt erst morgen wieder.

    Oder soll ich sie hängen lassen? Es ist gruselig.

    Ich wäre sehr dankbar für Eure Einschätzungen.

    Liebe Grüße Siri

    Noch etwas , was mir zu schaffen macht. Ich bin schon ein gläubiger Mensch und bei der Hochzeit verspricht man sich ja in guten und schlechten Zeiten zusammen zu stehen. Ich weiß, dass das blöd ist, aber denke immer daran und kann das nicht so abschütteln.

    Liebe Liesel,

    wenn Du ihn verlässt, lässt Du ihn nicht im Stich. Deine jetzige "Hilfe" ist keine. Nur wenn man selbst gesund und in Sicherheit ist, kann man anderen helfen. Du bist aber selbst betroffen und brauchst selbst Hilfe.

    LG Siri

    Liebe Liesel,

    das ist alles schwierig und unendlich traurig, keine Frage.

    Aber es ist für Deine Tochter sehr wichtig, da schnell herauszukommen.

    Deine Tochter darf ihren Vater ja auch weiterhin sehen. Doch erst wenn sie einen geschützten Raum und Sicherheit für sich hat, wird sie auch entscheiden können, wie viel Kontakt sie tatsächlich zu ihm haben möchte.

    Alkoholismus wird mit der Zeit immer schlimmer. Es kann u.U. sehr lange dauern, bis der Alkoholkranke daran zugrunde geht, Jahrzehnte! Das ist nicht auszuhalten! Co-Abhängige haben dennoch viele Gründe mit "ihren" Alkoholkranken auszuharren. Beim zweiten co-abhängigen Partner meiner Mutter war es Geld. Mir scheint das bei vielen hier im Forum auch ein nicht zu unterschätzender Faktor zu sein. Das ist gruselig zu sehen, denn solche Leute warten ja auf den Tod des anderen! Sie irren sich, wenn sie glauben, dann endlich frei zu sein. Der zweite Partner meiner Mutter hatte bereits eine erste Frau, die am Alkohol zugrunde gegangen ist (allerdings anders als meine Mutter rasant, das scheint individuell sehr verschieden zu sein).

    Ich habe den Kontakt zu beiden Eltern abgebrochen, die seit meiner frühen Kindheit getrennt waren. Mein (nichtalkoholabhängiger!) Vater lag 1/2 Jahr tot in seiner Wohnung bevor er gefunden wurde. Meine alkoholkranke und pflegebedürftige Mutter hat nach dem Tod ihres zweiten co-abhängigen Partners um Hilfe gebeten. Ich organisiere nun ihre Pflege aus der Ferne, aber nicht aus Liebe zu meiner Mutter, sondern vor allem, weil es eben auch furchtbar war, so lange nach dem Tod meines Vaters den Brief vom Amt zu erhalten und sich mit seiner Verwahrlosung (ohne Alkohol) auseinanderzusetzen. Er hatte wohl grosse psychische Probleme.

    Man will nicht, dass die eigenen Eltern so zugrunde gehen. Auch wenn sie völlig dysfunktional sind, gibt es Bindungen zu den Eltern. Leider sind die fürchterlich hartnäckig. Es ist eine Katastrophe, ein Trauma, und es kostet viel Kraft, das zu überwinden. Mir hilft dabei im Moment die Konfrontation mit der Situtation meiner Mutter, denn es stellt vieles richtig, all die Unehrlichkeiten, Abwiegelungen, Manipulationen, die gab es tatsächlich, meine Wahrnehmung war damals richtig. Nicht nur ich sehe das heute ganz klar, ich habe nun sogar Zeugen. Für mich ist das sehr wichtig, denn meine Selbstzweifel waren riesig.

    Je schneller Du und Deine Tochter aus der Situtaion herauskommen, desto besser. Auch Du solltest Dir für Dich unbedingt Hilfe holen und die nötige Zeit und Kraft investieren, selbst gesund zu werden. Mach es für Dich. Auch für Deine Tochter wird das hilfreich sein. Sie hat besseres zu tun, als ihr Leben für das Leben ihrer Eltern zu geben.

    Viel Kraft!
    Siri

    ... Ich hätte ihn sehr gerne kennengelernt. Von meiner Mutter habe ich nur Schlechtes über ihn erfahren und dass sie froh war, dass er nicht mehr ist, denn sonst hätten wir (im Grunde meinte sie damit aber immer nur sich) nie unsere Ruhe gehabt. Gefühlt habe ich aber immer, dass meine Mutter mir irgendwie die Schuld dafür gab und ich sie dauernd an ihn erinnerte. Ich konnte ihr nie etwas recht machen und war nie gut genug für sie. Wenn sie nun mitbekommt, dass ich ebenso große Probleme mit dem Alkohol habe, dann wird sie dieses Wissen gezielt gegen mich einsetzen und versuchen meine eigenen Kinder gegen mich aufzuhetzen.


    Ich denke, dass es für mich besser sein wird, wenn ich es nicht erzähle bzw. es ihr und meinen Geschwister nicht erzähle.

    Habt einen schönen Abend :)

    Hallo Treibsand,

    das kenne ich alles auch, ebenso dass der Vater, den ich so gerne kennengelernt hätte, immer schlecht gemacht wurde (auch wenn er bei mir damals noch gelebt hat und es die Mutter ist, die alkoholkrank ist). Auch mir wurde immer zu verstehen gegeben, eine Last zu sein, inklusive Negativvergleiche mit meinem ach so schrecklichen Vater. Meine Tante (die Schwester meiner Mutter) hat mir in den letzten Monaten ganz anderes von ihm erzählt.

    Ich finde es sehr gut, dass Du Dich von Deiner Mutter und den Geschwistern klar distanzieren kannst. Hast Du schon einmal einen rigorosen Kontaktabbruch in Erwägung gezogen? Solche Abwertungen muss keiner ertragen, sie sind schädlich und verletzend. Es ist furchtbar, wenn es passiert und wichtig zu lernen sich zu schützen und Selbstfürsorge zu betreiben.

    Schön, dass Dein Partner Dich unterstützt! Und noch besser, wie Du Dich um Deine Genesung kümmerst. Das ist berührend zu lesen. Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft!

    LG Siri

    Liebe Liesel,

    dieser Faden macht mich als Eka einer alleinerziehenden Mutter ehrlich gesagt fassungslos. Dieses ganze fruchtlose Hin- und Her über eine so lange Zeit hinweg, obwohl ein 12-jähriges Kind darunter leidet, und ein nichtsuchtkranker Elternteil da ist. Seit 2019 ist es Dir klar, wenn ich das richtig gelesen habe.

    Dass Deine Tochter reagiert wie sie reagiert, Liesel, zeigt doch die ganze Misere, der sie ausgesetzt ist. Meist ist in suchtkranken Familiensystemen ja auch Manipulation im Spiel. Das richtet immensen Schaden an, es unterminiert das Selbstvertrauen.

    Bringe Deine Tochter und Dich in Sicherheit. Vielleicht findest Du Hilfe für sie bei der Interessenvertretung für Kinder aus suchtkranken Familien (Nacoa).

    Die Lähmung zeigt, wie sehr Dich das alles auslaugt. Aber ich denke, sie wird verschwinden, sobald Du aktiv für das Wohl Deiner Tochter und Dein eigenes Wohl eintrittst und tätig wirst. Das geht nur mit Distanz/Trennung vom Alkoholkranken. Nach allem, was ich hier gelesen habe, ist das auch die einzige Chance für den Alkoholkranken selbst.

    Alles Gute für Dich und Deine Tochter!
    Siri

    Hallo Osiris,

    wenn so gar keine Rücksichtnahme und Verständnis da ist, schmerzt das sicher. Und das obwohl es um eine existentielle Sache geht. Ich bin selbst zwar nicht alkoholabhängig, kann das aber glaube ich nachvollziehen. Ich bin stark Migräne geplagt und da bedarf man auch ab und an der Rücksichtnahme. Wenn man es genau nimmt, bedarf ein jeder Mensch immer wieder auch der Rücksichtnahme.

    Manche Menschen wollen aber keine Rücksicht auf andere nehmen, sehen das sofort als Einschränkung ihrer Autonomie und reagieren dann aggressiv. Das wurde mir erst klar, als ich angefangen habe, meine Bedürfnisse ernstzunehmen und für sie einzustehen (etwas, was mir als Kind einer alkoholkranken Mutter abtrainiert wurde, so sehe ich es heute). Mittlerweile geht das ganz gut. Ich spüre meist, wo ich tolerant sein kann und wo nicht. Und dann kommuniziere ich entsprechend. Auch für die eigene Meinung bei Meinungsdifferenzen kann ich mittlerweile gut einstehen (wenns gut geht, ohne Recht haben zu müssen ;) ). In meinem Umfeld hat diese Änderung meiner Persönlichkeit (als Folge einer Therapie) zu ganz unterschiedlichen Reaktionen geführt. Manche haben mich klein zu machen versucht, sich beschwert und zurück auf Spur bringen wollen. Andere haben sich sehr gefreut. Meine Therapie hat (interessanter Weise mit teils großer Verzögerung) viel verändert in meinem Umfeld und ich bin heute sehr dankbar dafür.

    Vielleicht macht es Dir Mut, dass es auch nicht alkoholabhängigen Menschen so ergehen kann, wenn sie sich dahingehend entwickeln, plötzlich ihre Bedürfnisse besser zu kommunizieren und für sich einzutreten. Bei mir war die Unfähigkeit hierzu wohl Folge einer Co-Abhängigkeit bzw. der Verstrickung mit meiner alkoholkranken Mutter. Es gibt aber ganz sicher auch Leute, die ohne Bezug zu Süchten hiermit ein Problem haben.

    Es ist für alle Menschen wichtig, Selbstschutz und Selbstfürsorge zu betreiben und Du kannst stolz auf Dich sein, das gelernt zu haben! Ich jedenfalls fand es schwer und find es auch heute noch manchmal nicht leicht, es konsequent zu machen, weshalb ich stolz bin, wenn es mir wieder einmal gut gelungen ist.

    Viele liebe Grüße Siri

    Meine Mutter hat das Jahrzehnte lang zu praktizieren versucht. Willensschwäche kann man ihr nicht vorwerfen. Aber es hat eben nicht funktioniert. Vielleicht hat es ihr Leben verlängert, aber zu welchem Preis? Ein freies Leben konnte sie nicht führen seit sie abhängig war, und das sind mittlerweile mehr als 40 Jahre. Sie ist jetzt bald 80.

    Und noch immer versucht sie erst am Abend loszulegen, trinkt dann aber bis um 3:00-4:00 Uhr. Womöglich um ihren Spiegel zu bekommen? Wenn sie dann gegen 14:00 Uhr aufsteht, geht es ihr sehr schlecht, sie schwankt und zittert und ist nicht ansprechbar. Sie braucht ewig (2-3 h) um ihr Mini-Frühstück zu sich zu nehmen. Am Abend isst sie dann das Essen auf Rädern und dann geht es wieder los mit dem Alkoholkonsum. Der Niedergang ist furchtbar. Es ist unendlich traurig, das zu sehen. Alles dreht sich um das Trinken. Es ging und geht unendlich viel, eigentlich alle Lebenskraft in das "kontrollierte" Trinken, die so viel besser hätte genutzt werden können. "Kontrolliertes" Trinken ist wie ein schwarzes Loch, so kommt mir das vor. Die betroffene Person verschwindet darin.

    Meine Mutter konnte sich nie eingestehen, Alkoholikerin zu sein. Das idiotische "kontrollierte" Trinken hat ihr dabei (Achtung Zynismus) "gute" Dienste geleistet. Alle körperlichen und geistigen Symptome (und die sind mittlerweile massiv) schiebt sie auf ihre MS. Die ist in ihrem Fall (nach Aussage der Ärzte) völlig harmlos gegenüber dem Alkoholkonsum. Ich bekomme es nicht hautnah mit, das würde ich nicht aushalten. Aber ich versuche ihre Pflege bestmöglich aus der Ferne zu organisieren. Es ist so schlimm, dass ich bei Besuchen maximal 2 Nächte bei ihr sein kann, sonst überwältigt mich der Schmerz und dann brauche ich zu lange, um selbst wieder auf die Beine zu kommen. Es ist sehr schwer, das zu verarbeiten, auch wenn ich ja mittlerweile erwachsen bin und nicht mehr das hilflose Kind, das unter ihrem Alkoholkonsum gelitten hat.

    Ich selbst trinke seit langem keinen Alkohol mehr, weil ich ihn selbst in kleinsten Mengen oft nicht vertragen habe (Migräne). Da habe ich beschlossen, auch bei sozialen Anlässen nichts mehr zu trinken. Ich konnte sonst nie wissen, ob ein Anfall vom Wein stammt oder nicht. Und weil ich leider schwer von der Migräne geplagt bin und sehr viele Anfälle habe, wollte ich mir absolut sicher sein können, nicht auch noch selbst dazu beizutragen.

    Seit ich in diesem Forum lese, frage ich mich, wie es mir ohne Migräne ergangen wäre. Ob ich dann auch abhängig geworden wäre? Und ich bin so froh einen Mann zu haben, der nur sehr sehr selten etwas trinkt (Geburtstag, Weihnachten, sowas). Die meisten unserer Freunde trinken auch nur in sehr geringen Massen oder gar nicht. Es hat sich so ergeben, dass das in unserem Freundeskreis so ist. Aber als ich jünger und auf der Suche nach einem Partner war, war Alkoholkonsum (wenn das zelebriert und zum Thema wurde) genauso wie Rauchen ein Ausschlussgrund. Es war keine bewusste Sache, das Verhalten hat mich wohl irgendwie irritiert und ich mochte die Gerüche nicht.

    Also: nur lassen bringt Verlass! Und die ganze Kraft ins Leben stecken und nicht in einen Tod auf Raten.

    Liebe Grüße und viel Mut und Kraft an alle, die abstinent leben wollen, Siri