Guten Morgen,
Mich würden andere Erfahrungen und Meinungen interessieren. Kann man von Freunden und Familie eine klare Position einfordern?
Ich schließe mich den anderen an. Du hast deine Position, du kannst für dich Grenzen setzen. Das sind aber nicht die gleichen Grenzen und Positionen, die die anderen Menschen haben müssen. Anfang des Jahres war ich in Kur und da wurde auch das Thema "Grenzen setzen" besprochen. Was ich daraus mitgenommen habe, ist, dass ich Grenzen setzen kann, die mein Gegenüber akzeptieren sollte. ABER ich kann nicht erwarten, dass mein Gegenüber diese Grenzen teilt oder Verständnis dafür hat. Man braucht sich auch nicht erklären oder rechtfertigen für seine Grenzen, sondern einfach klar kommunizieren.
Je nachdem, welche Beziehung man zu der alkoholkranken Person hat, setzt man Grenzen auch anders. Der Vater meiner Kinder ist alkoholkrank, ich habe aber auch einen guten Freund, der alkoholkrank ist. Aufgrund der räumlichen Entfernung, die wir seit einigen Jahren haben, habe ich nur periphär mit seiner Suchterkrankung zu tun. Da kann ich mich klar von abgrenzen, es ist nicht mein Thema. Er ist aber trotzdem ein guter Freund, mit dem ich gute Gespräche führen kann. Er hat trotz seiner eigenen Alkoholproblematik, der er sich bewusst ist (aber hat keinerlei Ambitionen, trocken zu werden), Verständnis für mein Handeln, sagt mir, dass ich das Richtige mache etc.
Diese Freundschaft funktioniert nur, weil ich seinen Alltag nicht mehr mitbekomme. Früher, vor fast 20 Jahren, stand mal im Raum, ob wir gemeinsam in einer WG wohnen, das habe ich damals konsequent abgelehnt, weil damals schon die Problematik da war. Ich habe im Prinzip einen klaren Standpunkt gegenüber seines Alkoholkonsums, aber es ist eben nicht meine Baustelle. Ich bin durch seinen Alkoholkonsum in meinem Leben und meiner Gesundheit nicht eingeschränkt, ich glaube, das macht den großen Unterschied.
Liebe Grüße
Matilda