Beiträge von MatildaWormwood

    Zum Thema Beruf: Ein Freund von mir meinte, dass er selbst auch zu viel Alkohol trinken würde, aber er aufgrund seines Berufs (Psychologe und Psychotherapeut) doch wisse, wo die Grenze ist, und rechtzeitig agieren könnte, bevor er in die Sucht abrutscht. Ich habe mir auf die Zunge gebissen und gedacht, dass das nicht meine Baustelle ist.

    Du meinst, dass der Co-Abhängige sich hier quasi selbst zum Co der Cos macht und sich nicht mehr mit seinem eigenen Co-Verhalten beschäftigt?

    Ich glaube, es ist leichter einem anderen Co zu antworten, aber dennoch sieht man nicht, wo man selbst noch Co-Verhalten hat, weil man selbst involviert ist. Aber sobald man in eine Situation nicht selbst emotional involviert ist, lässt sich klarer sehen. Würde mir eine Freundin erzählen, dass ihr Mann ständig betrunken ist und selbst trinkt, wenn er mit den kleinen Kindern allein ist, hätte ich mich gefragt, warum sie nicht die Kinder und beide Beine in die Hand nimmt.

    Speziell in meinem Fall merke ich, wie wichtig der Austausch mit professionellen Ansprechpartnern ist. Ich fühle mich in meiner Grenzensetzung sicherer. Man rutscht immer wieder in das Co-Verhalten ab und je verwobener die Beziehung, in meinem Fall durch die Kinder, umso schwieriger ist es auch, das Co-Verhalten abzulegen. Wenn ich meine Beziehung isoliert von den Kindern betrachte, ist es für mich einfacher. Sobald die Kinder ins Spiel kommen, wird es komplizierter.

    Guten Morgen Nihilami,

    ich habe bei dir still mitgelesen.

    Und das ist der Knackpunkt, der Dich hier beschäftigen sollte...

    ich möchte mich da Rennschnecke und auch den anderen, die dir schon zuvor geschrieben haben, anschließen.

    Sie ist erwachsen, du bist nicht für sie verantwortlich. Es sind ihre Entscheidungen, die sie jeden Tag aufs Neue trifft. Du kannst nur dafür sorgen, dass es dir und deinen Kindern gut geht. Ich habe selbst 3 Kinder und nach der Trennung ist es oft schwer genug, immer all diesen kindlichen Emotionen gerecht zu werden. ABER: Ich habe die Kraft dafür, ich bin gelassener, weil ich nicht noch zusätzlich die Emotionen und den Pegel eines Alkoholkranken im Blick haben muss. Und je weniger ich von ihm höre, umso besser geht es mir (und oft auch den Kindern). Die Tage hat eines meiner Kinder einen Videoanruf beim Papa gemacht, ich habe ihn im Vorbeigehen kurz auf dem Bildschirm gesehen und seine Stimme gehört. Das hat aber genügt, um zu sehen, dass er ordentlich getrunken hatte. Aber ich habe es nur registriert, mehr nicht. Es hat nichts mit mir gemacht. Bis gerade jetzt habe ich da auch nicht mehr dran gedacht.

    Und ich glaube auch, dass die Liebe, die uns Cos beim alkoholkranken Partner hält, oft eine Liebe für eine Person ist, die schon lange nicht mehr existiert und vielleicht sogar noch nie existiert hat. Letzteres ist mein Fall, wenn ich da ganz ehrlich zu mir bin. Das ist mir aber auch erst nach der Trennung bewusst geworden.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe Momo,

    ich habe bei dir die ganze Zeit mitgelesen und habe, glaube ich, nie geschrieben, weil ich dachte, hier wird schon so vieles Schlaues gesagt. Ich wollte dir gerade mal sagen, dass du das richtig toll machst. Ich weiß noch, wie ich ganz erschrocken deinen ersten Beitrag gelesen habe. Und ich finde, du hast so einen tollen Weg hingelegt.

    Und ich finde auch, dass viel mehr an den Schulen gemacht werden müsste. Ich habe das Gefühl, dass durch Corona viele gute Ansätze an den Schulen wieder eingedämmt wurden, weil die Hygieneauflagen es schwer gemacht haben. Ich arbeite selbst im Bildungsber eich und mit dem "Gefäße" der Lehrer kommt man Jugendlichen nicht weit. Die brauchen am besten aufrüttelnde, authentische Geschichten von cleanen Suchtkranken, dabei ist es egal, um welche Suchtform es sich handelt.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Guten Morgen,

    Darf ich dich fragen, wie der Umgang zwischen deinen Kindern und ihrem Vater geregelt ist? Darf er sich um sie kümmern? Wenn ja, trinkt er zu diesen Zeiten nichts?

    wir sind jetzt seit etwas mehr als 2 Monaten räumlich getrennt, zuerst war ich in Kur und bin im Anschluss mit den Kindern ausgezogen. Das war ein größerer Umzug, da ich in die Nähe meiner eigenen Familie zurückgezogen bin. Ich will nicht, dass die Kinder in diesem durch und durch nassen Umfeld aufwachsen.

    Der Umgang ist leider noch nicht geregelt, er nimmt keinerlei Stellung dazu, wie er sich das vorstellt. Es ist so, dass er an dem neuen Wohnort eine kleine Wohnung hat, im Prinzip ist das nichts Anderes als eine Junggesellenbude. Ich habe jetzt im Mai einen Termin bei einer Beratungsstelle wegen der Umgangsregelung. Bisher hat er einmal einen Ausflug mit den beiden Jüngeren gemacht, der Große wollte nicht. Und sonst begrenzt sich seine mit den Kindern verbrachte Zeit auf höchstens 2 Stunden am Stück. Er ist leider auch sehr unzuverlässig, kommt zu spät, sagt kurzfristig ab, will sich nicht festlegen. Mir tut es weh zu sehen, was es mit den Kindern macht. Die beiden Großen wenden sich auch immer mehr von ihm ab, aber das scheint er noch nicht mal zu merken.

    Der Anwalt ist mittelschwer geschockt gewesen, als ich ihm erzählt habe, wie sich das gerade darstellt.

    Das ist gerade die Kurzfassung. Ich bin froh, wenn endlich eine Regelung da ist.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe Liesel,

    schlimmer als das Alleinsein ist die Einsamkeit, obwohl man in einer Beziehung ist. Ich habe die letzten Jahre im Prinzip nur für die Kinder und die Aufrechterhaltung der Fassade gelebt. Ironischerweise macht mein Ex mir zum Vorwurf, dass ich mich für die Kinder aufgeopfert hätte. Dabei hatte ich selbst für sie nicht die Energie, die ich gebraucht hätte. Das habe ich erst nach und nach gemerkt.

    Und natürlich ist es jetzt alles auch nicht einfach nur toll, es gibt auch viele schwere Tage, aber ohne die Betreuung eines Suchtkranken leben sich auch diese Tage einfacher.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe Liesel,

    Ja, gute Frage, wohl weil wir uns versprochen haben, auch in schlechten Zeiten. Ich bin auch ein gläubiger Mensch.

    ja, das hat man. Aber es geht mehr als um eine Krise. Um mal ganz ehrlich zu sein, gibt es diese guten Zeiten einem Suchtkranken nicht wirklich.

    Die Familie meiner Mutter ist sehr gläubig, meine Oma hat meinen alkoholkranken, untreuen Opa verlassen. Ende der 60er, auf dem erzkonservativen Land. Und meine Eltern unterstützen mich und sind sehr froh, dass ich nun diesen Weg gehe, obwohl sie sehr gläubig sind.

    Ich kann verstehen, dass du dich schämst. Ich weiß auch nicht, in welcher Gegend ihr wohnt, wo vielleicht auch mit der Nase gerümpft wird, wenn sich Paare trennen. Aber das Leben nimmt manchmal andere Läufe, als man sich das vorgestellt hat. Und wichtig ist zu erkennen, wann man endlich aus dem kranken System aussteigen muss. Ich mache mir manchmal Vorwürfe, dass ich es nicht eher getan habe. Meine Kinder fragen mich zwischenzeitlich auch schonungslos aus, warum ich manche Dinge nicht anders entschieden habe. Ich habe unsere Probleme verdrängt und habe mir auch diese heile Familie gewünscht, die es bei uns aber nicht gab. Sobald man aber erkennt, wo das Problem liegt, muss man handeln. Und eine multiple Suchterkrankung ist nichts, das man sein Leben lang ertragen muss. Es ist dein Leben und das deiner Tochter, ihr habt nur dieses eine.

    Liebe Liesel,

    Ich fand die erste Empfehlubg des Beraters auch nicht hilfreich - er sagte auch noch, dass es wichtig wäre, dass Kinder Vater und Mutter erleben sollten. Weiß nicht, wie ich das einordnen soll.

    das habe ich auch ganz lange gedacht und mal ganz ehrlich, das ist ein bescheuerter, völlig veralteter Glaubenssatz, der nicht bedenkt, dass es Lebensumstände gibt, in denen es nicht förderlich fürs Kindeswohl ist, wenn man die Eltern zusammenleben. Und vielen Kindern wäre viel Leid erspart geblieben, wenn das Kindeswohl an erster Stelle stehen würde.

    Meine Suchtberaterin hat mir damals sehr klar gesagt, wenn ich meinen Mann liebe und mir wünsche, mit ihm zusammenzubleiben, soll ich ihm ein ein sehr zeitnahes Ultimatum stellen. Wenn nichts passiert, soll ich Konsequenzen ziehen (=Trennung). Aber sie hat mir von Beginn an sehr deutlich gemacht, dass ich Konsequenzen ziehen muss. Sie war sehr klar, ohne sie und die Psychotherapeutin eines meiner Kinder wäre ich noch immer am Rumeiern...

    Hallo line33,

    und ich denke gerade: War deren Mama ein ziemlich ausgeglichener Mensch?

    ich beantworte die Frage als frisch Alleinerziehende mit Nein. Und mal ganz ehrlich, der Anspruch an sich als Mutter, ein ziemlich ausgeglichener Mensch zu sein, ist schon ohne Co-abhängigkeit hoch, da es doch viele, mit steigendem Alter der Kinder externe Faktoren gibt, die nicht gerade zur Ausgeglichenheit beitragen (Schule, Hausaufgaben, Pubertät, Medienkonsum).

    Liebe Liesel,

    ich glaube, du brauchst ganz dringend Hilfe von außen. Und ich denke auch, dass du wirklich das Jugendamt oder, wenn deine Angst davor zu groß ist, eine Beratungsstelle involvieren solltesr, die können dir sicher Möglichkeiten für eine Betreuung aufzeigen, wenn du beruflich unterwegs bist. Es gibt genug Hilfen, aber man bekommt sie nicht, wenn man sich nicht darum kümmert. Du bist ja nicht allein auf der Welt mit diesem Problem.

    Mein großer Sohn ist ein Jahr jünger als deine Tochter. Seitdem wir ausgezogen sind, ist er ganz klar, was den Papa angeht. Er hat mir gestern gesagt, dass er ihn zwar als Papa vermisst, aber es besser ohne die schlechte Stimmung sei, die mit dem Papa einhergeht.

    Deine Tochter kennt nur das Leben mit einem "Zombie-Papa". Wie soll sie da wissen, wie es anders sein könnte? Es ist unsere Aufgabe, unsere Kinder stark fürs Leben zu machen, aber das werden sie nur, wenn wir gute Vorbilder sind.

    Du schreibst, dass dein Mann mehrere 10000 Euro Schulden hat, vielleicht hat er noch mehr, von denen du nichts weißt. Stell dir mal vor, da steht jemand vor der Tür, um sie einzutreiben, und du bist nicht da. Du musst deine Tochter ganz dringend schützen. Dein Mann ist mehrfach süchtig, er ist gar nicht in der Lage, Verantwortung zu übernehmen. Hast du vielleicht eine gute Freundin, Patentante etc. bei der deine Tochter unterkommen kann, wenn das mit deinem eigenen Vater nicht so optimal ist? Und nochmal, du bist die Erwachsene, deine Tochter ist 13, in dem Alter kann sie nicht beurteilen, was für sie besser ist.

    Hast du schon mal überlegt, in dem geschlossenen Bereich des Forums zu wechseln? Vielleicht könnten wir dir auch noch andere Tipps geben, wenn du offener schreiben könntest.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo line33,

    Als ich mich dann von ihm getrennt habe, weil er mich betrogen hatte, war er jeden Tag von morgens bis abends betrunken. Und seitdem trinkt er jeden Tag. Mal mehr, mal weniger, aber er trinkt jeden Tag. Ich vermute, dass er Verlustängste hat (sein Vater ist gestorben, als er Ende 20 war und das hat er nicht verkraftet). Und er erzählt mir immerwieder, seit der Trennung, dass er wahnsinnige Angst davor hat, dass ich mich wieder trennen könnte.

    entschuldige mal, dass ich direkt werde. Er hat dich betrogen, das war seine Entscheidung. Wenn ich in einer monogamen Beziehung untreu bin, muss ich damit rechnen, dass sich der Partner/die Partnerin trennt. Stattdessen sollst du Schuld daran sein, dass er trinkt. Es ist sicher traurig, dass er seinen Vater früh verloren hat. Ich habe eine Freundin, deren Vater gestorben ist, als sie 7 Jahre alt war. Meine Oma hat große Verluste erfahren, als sie Mitte 40 war (Mutter, Sohn, Schwester innerhalb von einem Jahr gestorben). Meine Patentante hatte mit Ende 20 beide Eltern schon verloren. Und ich kenne noch zahlreiche weitere Beispiele. Aber deswegen haben sie alle ihren Kummer nicht in Alkohol ertränkt.

    Du hast nur dieses eine Leben und deine Kinder auch, schau, dass es euch gut geht.

    Liebe Liesel,

    such dir Hilfe. Es gibt das Jugendamt, Beratungsstellen und genügend andere Anlaufstellen. Meinst du, deine Tochter ist gut aufgehoben, wenn sie mit ihrem Vater allein ist? Kümmert er sich wirklich um sie?

    Ich finde es einfach nur krass, dass er seine eigene Tochter beklaut. Und es ist deine Aufgabe, einen Weg daraus zu finden.

    Liebe line33,

    ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es dir geht. So hart das klingt, aber es gibt nur den Ausweg Trennung, wenn dein Mann nicht bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und trocken zu werden.

    Ich bin vor etwa zwei Wochen mit den Kindern endlich ausgezogen. Vorher war es aufgrund anderer Faktoren nicht möglich, getrennt sind wir seit 4 Monaten. Ich merke wie die Kinder langsam entspannter werden, wie sich eingeschlichene Sachen wieder bessern und Routinen, die mir immer wichtig waren, wieder aufleben. Ich selbst bin auch entspannter und schlafe wieder besser. Viele Dinge, die du auf deiner Liste hast, sind nur in einem gesunden Haushalt möglich. Ich weiß genau, wie es ist, wenn du einfach nicht die Kraft hast, dich auf ein Spiel mit den Kindern zu konzentrieren.

    Und ganz wichtig: Kinder bekommen diese verbalen Aggressionen mit und Kinder spiegeln das Verhalten ihrer Eltern. Meine Kinder haben das auch zunehmend getan. Ich merke aber, wie auch das nachlässt.

    Natürlich gibt es immer wieder Situationen im Leben, die einen aus der Bahn werfen. Aber wenn die Basis stimmt, dann findet man auch die Kraft, vorwärts zu schauen, anstatt unterzugehen.

    Ich möchte dir das einfach mal dalassen.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo Wupperli,

    herzlich willkommen hier im Forum. Ich verstehe, dass es dir schwer fällt. Aber ich musste auch realisieren, dass dem Vater meiner Kinder nicht helfen kann. Er hat keinerlei Krankheitseinsicht und trinkt weiter. Vor 1,5 Wochen bin ich mit den Kindern endlich ausgezogen.

    Wie es mit ihm weitergeht, weiß ich gerade nicht. Ich bin aber soweit, dass ich selbst damit klarkomme. Für mich stellt sich jetzt nur die Frage, wie der Umgang geregelt wird.

    In welchem Alter sind deine Kinder denn etwa?

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe Liesel,

    informiere mich da nochmal genauer. Ich bin mir sehr sicher, vor einiger Zeit gelesen zu haben, dass man keinen Unterhalt zahlen muss, wenn der Ex-Partner den Job durch die Suchterkrankung verliert und auch nichts unternimmt, um gesund zu werden. Du wirst da nicht in jedem Fall zur Kasse gebeten.

    Liebe Grüße

    Matilda