Beiträge von MatildaWormwood

    Hallo Summersun,

    ich habe mich hier ein bisschen durchgelesen. Das, was du schilderst, habe ich auch genauso erlebt. Du musst bedenken (Hartmut schrieb das damals bei mir), dass neben der Alkoholproblematik ja auch immer noch der Mensch vorhanden ist, der einfach durch die Trennung verletzt ist. Da spielen ja verschiedene Faktoren mit rein.

    Ob sich was ändern wird oder nicht, wird sich zeigen, aber bleib bei deiner Entscheidung. Bei dir und anderen ist dieser Trennungsprozess ja auch noch frisch. Mir ist erst Wochen nach der Trennung und vor allem dann endlich räumlichen Trennung bewusst geworden, dass es schon lange keine Liebe mehr war, sondern ein Klammern an der Vorstellung, die man von Familie und Liebe hat und der Wunsch nach Familie, die man so aber nie ist.

    Es braucht alles seine Zeit, wichtig ist, weiter vorwärts zu gehen, auch wenn es manchmal schwer ist und Trauer gehört auch dazu.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe summersun,

    auch wenn es weh tut, gehst du den richtigen Weg. Der Vater meiner Kinder ist bis heute nicht einsichtig, meine Kinder sind mittlerweile auf der weiterführenden Schule, mein Jüngstes in der 3.Klasse. Rückblickend wünschte ich, ich hätte mir eher Hilfe geholt und den Mut gehabt, einfach zu gehen.

    Wenn er nicht bereit ist, trocken zu werden, wird leider nichts passieren. Es ist seine Krankheit und du kannst nur schauen, dass es dir und deinem Kind gut geht. Er ist für sich selbst verantwortlich.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe Franzi,

    schau doch mal, ob es bei euch auch Gruppen für Kinder mit Sucht kranken Eltern gibt, bei uns bietet die Caritas sowas an.

    Wissen deine Kinder oder zumindest dein älteres Kind, ob der Papa trinkt. Das kann man auch kindgerecht erklären, da gibt es auch Bücher zu dem Thema. Als ich meinen Kindern erklärt habe, dass der Papa krank ist, war mein jüngstes Kind auch erst 7, hat die Problematik aber verstanden. Ich weiß, dass es welche gibt, die das vielleicht übergriffig finden, aber ich finde in der Situation, wo der suchtkranke Elternteil nichts in Richtung Trockenwerden unternimmt, ist es für die Kinder auch wichtig zu verstehen.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe Becca,

    ich kann deine Situation sehr gut verstehen. Meine 3 Kinder sind jetzt schon ein ganzes Stück größer und ich habe mich Ende letzten Jahres erst nach fast 13 Jahren Beziehung getrennt.

    Ich habe in der Vergangenheit sooft darüber nachgedacht, ihn zu verlassen, und meinte, es wegen der Kinder nicht zu können. Aber das war ein Irrtum, gerade wegen ihnen hätte ich eher gehen müssen. Im Nachhinein wird mir bewusst, wie viele Situationen es gab, in denen ich bereits Zweifel hatte. Ich habe sogar kurz vor der Hochzeit überlegt, ob das Lles so richtig ist, aber habe den Gedanken verworfen. Da wäre ich dann alleinerziehend mit einem Baby gewesen. An manchen Tagen frage ich mich, warum ich diesen Schritt nicht gegangen bin, auch wenn ich meine anderen beiden Kinder liebe und sie nicht missen möchte, aber vieles wäre für mich leichter gewesen.

    Ich schreibe das, weil ich rauslese, wie du kämpfst. Die Situation wird sich nicht verbessern, wenn er nicht plötzlich was ändern sollte.

    Du liest hier von vielen Co-Abhängigen, die sehr lange beim/bei der Partner/in geblieben sind. Vielen von uns tut es um die verlorenen Jahre leid, in denen wir unglücklich waren und gehofft haben, dass sich irgendetwas ändert. Du hast das Recht, glücklich zu sein, und gleichzeitig musst du die Kinder schützen. Du kannst warten, dass sich ganz vielleicht was ändert, oder du kannst für dich selbst eine Veränderung schaffen, dass es dir wieder gut geht.

    Meine Kinder leiden natürlich einerseits unter der Trennung, aber mein Großer sagt andererseits ganz klar und deutlich, dass er froh ist, dass wir nicht mehr zusammen sind. Die Kinder fragen auch ab und an, warum ich mich nicht schon eher getrennt habe.

    Ich weiß, dass es ganz schwer fällt, den Mut zu haben, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen, aber du sagst ja, dass es im Prinzip nur den einen Weg gibt.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Ich habe den WhatsApp Chat mit meinem Ex als "gesperrt" eingestellt. So lese ich Nachrichten von ihm nicht sofort und bekomme auch keine Vorschau vom Text.

    Ich habe tatsächlich sogar den WhatsApp-Kontakt blockiert, wir kommunizieren nur noch per Email bzw. Telefon und das auch nur zu bestimmten Zeiten. Das hat die gesamte Lage sehr entspannt. Zu dem Blockieren hat mir mein Anwalt auch geraten.

    Guten Morgen,

    Mich würden andere Erfahrungen und Meinungen interessieren. Kann man von Freunden und Familie eine klare Position einfordern?

    Ich schließe mich den anderen an. Du hast deine Position, du kannst für dich Grenzen setzen. Das sind aber nicht die gleichen Grenzen und Positionen, die die anderen Menschen haben müssen. Anfang des Jahres war ich in Kur und da wurde auch das Thema "Grenzen setzen" besprochen. Was ich daraus mitgenommen habe, ist, dass ich Grenzen setzen kann, die mein Gegenüber akzeptieren sollte. ABER ich kann nicht erwarten, dass mein Gegenüber diese Grenzen teilt oder Verständnis dafür hat. Man braucht sich auch nicht erklären oder rechtfertigen für seine Grenzen, sondern einfach klar kommunizieren.

    Je nachdem, welche Beziehung man zu der alkoholkranken Person hat, setzt man Grenzen auch anders. Der Vater meiner Kinder ist alkoholkrank, ich habe aber auch einen guten Freund, der alkoholkrank ist. Aufgrund der räumlichen Entfernung, die wir seit einigen Jahren haben, habe ich nur periphär mit seiner Suchterkrankung zu tun. Da kann ich mich klar von abgrenzen, es ist nicht mein Thema. Er ist aber trotzdem ein guter Freund, mit dem ich gute Gespräche führen kann. Er hat trotz seiner eigenen Alkoholproblematik, der er sich bewusst ist (aber hat keinerlei Ambitionen, trocken zu werden), Verständnis für mein Handeln, sagt mir, dass ich das Richtige mache etc.

    Diese Freundschaft funktioniert nur, weil ich seinen Alltag nicht mehr mitbekomme. Früher, vor fast 20 Jahren, stand mal im Raum, ob wir gemeinsam in einer WG wohnen, das habe ich damals konsequent abgelehnt, weil damals schon die Problematik da war. Ich habe im Prinzip einen klaren Standpunkt gegenüber seines Alkoholkonsums, aber es ist eben nicht meine Baustelle. Ich bin durch seinen Alkoholkonsum in meinem Leben und meiner Gesundheit nicht eingeschränkt, ich glaube, das macht den großen Unterschied.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Guten Morgen Suse,

    bitte suche dir Hilfe (Suchtberatung, Jugendamt, Hausarzt, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien etc.) und vor allem lass dich rechtlich beraten. Wenn er sich dermaßen betrinkt, wenn er mit den Kindern allein ist, grenzt das an Kindeswohlgefährdung, insbesondere wenn da noch ein kleines Kind ist. Es gibt viele Anlaufstellen mit Hilfsangeboten. Und dass dein Sohn dich regelrecht anfleht, nach Hause zu kommen, ist ein Hilfeschrei. Mach dir eine Liste, die du langsam abarbeitest, nimm dir zur Not einen Tag Urlaub, um Termine wahrzunehmen. Mir hat es geholfen, meine Chefin einzuweihen, da war ganz viel Verständnis und auch das Angebot, mir freizunehmen, um Termine wahrzunehmen.

    Es hilft nicht, nur Freunde einzuweihen, die können nur bedingt helfen, sie können eine Unterstützung sein, dir vielleicht mal ein Kind abnehmen, dich in den Arm nehmen und für dich dasein, aber um das alles wuppen zu können und da rechtlich nichts falsch zu machen, brauchst du Hilfe von außen.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe Suse,

    Ich suche am meisten nach Ehen und Beziehungen, die es auch geschafft haben mit der Krankheit ihre Ehe zu erhalten, der nasse A ein trockener A geworden ist. Beide an sich gearbeitet haben. Ist da wer?

    Wenn du dich hier durchs Forum liest, wirst du diese Beziehungen sehr selten finden. Hier aber wahrscheinlich eher als draußen in der realen Welt.

    Du schreibst, dass du dich vor deinem Mann ekelst. Ich kann das voll und ganz verstehen und sage mir manchmal, dass ich, als ich an dem Punkt war, hätte mich mal fragen sollen, wie es so weit gekommen ist. Wenn ich soweit bin, dass ich Ekel empfinde, ist da meiner Meinung nach auch keine Liebe mehr. Ich kann etwas eklig finden, z. B. Wenn sich mein Kind mehrfach übergibt, wenn es krank ist, aber deswegen empfinde ich mein Kind nicht als eklig. Das ist der Unterschied.

    Ich glaube, dass in vielen Beziehungen mit einer suchtkranken Person die Liebe schon längst auf der Strecke geblieben ist, die Coabhängigkeit einen aber festhält, der Wunsch nach einer stabilen Beziehung, die Angst vorm Bröckeln der Fassade, da gibt es zig Gründe. Es ist egal, was alle anderen denken. Ich habe neulich gehört, dass es wohl am alten Wohnort die Runde macht, dass mein Ex trinkt. Es ist mir einfach egal, ich schaue nach vorne, wenn man immer wieder zurückblickt, kommt man nur in Straucheln.

    Liebe Grüße

    Hallo Nutella,

    herzlich willkommen.

    Ich finde es mutig, dass du das durchgezogen hast. Bleib dabei, das ist das Beste, was du für dich und deine Kinder tun kannst. Du hast nicht geschrieben, wie alt sie sind. Ich habe auch drei, das Jüngste in der Grundschule, die anderen beiden bereits auf der weiterführenden. Ich wünsche mir oft, ich hätte eher den Mut gehabt zu gehen. Es wäre hart gewesen mit drei ganz kleinen Kindern, aber das ist es auch jetzt, weil es sie emotional anders mitnimmt und sie bereits mehr von dem Alkoholkonsum und seinen Auswirkungen mitbekommen habe.

    Und ja, das ist jetzt das reale Leben, aber es ist so viel lebenswerter.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo Kari,

    ich war in einer ähnlichen Situation, allerdings war es das Haus meiner Schwiegereltern, Schwiegervater alkoholkrank und mein Noch-Ehemann auch, Haus auch in solch einem Zustand. Wir wollten es sanieren und achön machen.

    Ich habe es viel zu lange ausgehalten, 4,5 Jahre. Lange habe ich die Alkoholproblematik verdrängt und habe meinen 3 Kindern und mir damit geschadet. Wenn du eine Wohnung haben kannst, dann zieh um. Tu es dir und deinem Sohn zu Liebe. Deine Eltern sind erwachsen und für sich verantwortlich...

    Liebe Grüße

    Matilda

    Zum Thema Beruf: Ein Freund von mir meinte, dass er selbst auch zu viel Alkohol trinken würde, aber er aufgrund seines Berufs (Psychologe und Psychotherapeut) doch wisse, wo die Grenze ist, und rechtzeitig agieren könnte, bevor er in die Sucht abrutscht. Ich habe mir auf die Zunge gebissen und gedacht, dass das nicht meine Baustelle ist.

    Du meinst, dass der Co-Abhängige sich hier quasi selbst zum Co der Cos macht und sich nicht mehr mit seinem eigenen Co-Verhalten beschäftigt?

    Ich glaube, es ist leichter einem anderen Co zu antworten, aber dennoch sieht man nicht, wo man selbst noch Co-Verhalten hat, weil man selbst involviert ist. Aber sobald man in eine Situation nicht selbst emotional involviert ist, lässt sich klarer sehen. Würde mir eine Freundin erzählen, dass ihr Mann ständig betrunken ist und selbst trinkt, wenn er mit den kleinen Kindern allein ist, hätte ich mich gefragt, warum sie nicht die Kinder und beide Beine in die Hand nimmt.

    Speziell in meinem Fall merke ich, wie wichtig der Austausch mit professionellen Ansprechpartnern ist. Ich fühle mich in meiner Grenzensetzung sicherer. Man rutscht immer wieder in das Co-Verhalten ab und je verwobener die Beziehung, in meinem Fall durch die Kinder, umso schwieriger ist es auch, das Co-Verhalten abzulegen. Wenn ich meine Beziehung isoliert von den Kindern betrachte, ist es für mich einfacher. Sobald die Kinder ins Spiel kommen, wird es komplizierter.

    Guten Morgen Nihilami,

    ich habe bei dir still mitgelesen.

    Und das ist der Knackpunkt, der Dich hier beschäftigen sollte...

    ich möchte mich da Rennschnecke und auch den anderen, die dir schon zuvor geschrieben haben, anschließen.

    Sie ist erwachsen, du bist nicht für sie verantwortlich. Es sind ihre Entscheidungen, die sie jeden Tag aufs Neue trifft. Du kannst nur dafür sorgen, dass es dir und deinen Kindern gut geht. Ich habe selbst 3 Kinder und nach der Trennung ist es oft schwer genug, immer all diesen kindlichen Emotionen gerecht zu werden. ABER: Ich habe die Kraft dafür, ich bin gelassener, weil ich nicht noch zusätzlich die Emotionen und den Pegel eines Alkoholkranken im Blick haben muss. Und je weniger ich von ihm höre, umso besser geht es mir (und oft auch den Kindern). Die Tage hat eines meiner Kinder einen Videoanruf beim Papa gemacht, ich habe ihn im Vorbeigehen kurz auf dem Bildschirm gesehen und seine Stimme gehört. Das hat aber genügt, um zu sehen, dass er ordentlich getrunken hatte. Aber ich habe es nur registriert, mehr nicht. Es hat nichts mit mir gemacht. Bis gerade jetzt habe ich da auch nicht mehr dran gedacht.

    Und ich glaube auch, dass die Liebe, die uns Cos beim alkoholkranken Partner hält, oft eine Liebe für eine Person ist, die schon lange nicht mehr existiert und vielleicht sogar noch nie existiert hat. Letzteres ist mein Fall, wenn ich da ganz ehrlich zu mir bin. Das ist mir aber auch erst nach der Trennung bewusst geworden.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe Momo,

    ich habe bei dir die ganze Zeit mitgelesen und habe, glaube ich, nie geschrieben, weil ich dachte, hier wird schon so vieles Schlaues gesagt. Ich wollte dir gerade mal sagen, dass du das richtig toll machst. Ich weiß noch, wie ich ganz erschrocken deinen ersten Beitrag gelesen habe. Und ich finde, du hast so einen tollen Weg hingelegt.

    Und ich finde auch, dass viel mehr an den Schulen gemacht werden müsste. Ich habe das Gefühl, dass durch Corona viele gute Ansätze an den Schulen wieder eingedämmt wurden, weil die Hygieneauflagen es schwer gemacht haben. Ich arbeite selbst im Bildungsber eich und mit dem "Gefäße" der Lehrer kommt man Jugendlichen nicht weit. Die brauchen am besten aufrüttelnde, authentische Geschichten von cleanen Suchtkranken, dabei ist es egal, um welche Suchtform es sich handelt.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Guten Morgen,

    Darf ich dich fragen, wie der Umgang zwischen deinen Kindern und ihrem Vater geregelt ist? Darf er sich um sie kümmern? Wenn ja, trinkt er zu diesen Zeiten nichts?

    wir sind jetzt seit etwas mehr als 2 Monaten räumlich getrennt, zuerst war ich in Kur und bin im Anschluss mit den Kindern ausgezogen. Das war ein größerer Umzug, da ich in die Nähe meiner eigenen Familie zurückgezogen bin. Ich will nicht, dass die Kinder in diesem durch und durch nassen Umfeld aufwachsen.

    Der Umgang ist leider noch nicht geregelt, er nimmt keinerlei Stellung dazu, wie er sich das vorstellt. Es ist so, dass er an dem neuen Wohnort eine kleine Wohnung hat, im Prinzip ist das nichts Anderes als eine Junggesellenbude. Ich habe jetzt im Mai einen Termin bei einer Beratungsstelle wegen der Umgangsregelung. Bisher hat er einmal einen Ausflug mit den beiden Jüngeren gemacht, der Große wollte nicht. Und sonst begrenzt sich seine mit den Kindern verbrachte Zeit auf höchstens 2 Stunden am Stück. Er ist leider auch sehr unzuverlässig, kommt zu spät, sagt kurzfristig ab, will sich nicht festlegen. Mir tut es weh zu sehen, was es mit den Kindern macht. Die beiden Großen wenden sich auch immer mehr von ihm ab, aber das scheint er noch nicht mal zu merken.

    Der Anwalt ist mittelschwer geschockt gewesen, als ich ihm erzählt habe, wie sich das gerade darstellt.

    Das ist gerade die Kurzfassung. Ich bin froh, wenn endlich eine Regelung da ist.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe Liesel,

    schlimmer als das Alleinsein ist die Einsamkeit, obwohl man in einer Beziehung ist. Ich habe die letzten Jahre im Prinzip nur für die Kinder und die Aufrechterhaltung der Fassade gelebt. Ironischerweise macht mein Ex mir zum Vorwurf, dass ich mich für die Kinder aufgeopfert hätte. Dabei hatte ich selbst für sie nicht die Energie, die ich gebraucht hätte. Das habe ich erst nach und nach gemerkt.

    Und natürlich ist es jetzt alles auch nicht einfach nur toll, es gibt auch viele schwere Tage, aber ohne die Betreuung eines Suchtkranken leben sich auch diese Tage einfacher.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe Liesel,

    Ja, gute Frage, wohl weil wir uns versprochen haben, auch in schlechten Zeiten. Ich bin auch ein gläubiger Mensch.

    ja, das hat man. Aber es geht mehr als um eine Krise. Um mal ganz ehrlich zu sein, gibt es diese guten Zeiten einem Suchtkranken nicht wirklich.

    Die Familie meiner Mutter ist sehr gläubig, meine Oma hat meinen alkoholkranken, untreuen Opa verlassen. Ende der 60er, auf dem erzkonservativen Land. Und meine Eltern unterstützen mich und sind sehr froh, dass ich nun diesen Weg gehe, obwohl sie sehr gläubig sind.

    Ich kann verstehen, dass du dich schämst. Ich weiß auch nicht, in welcher Gegend ihr wohnt, wo vielleicht auch mit der Nase gerümpft wird, wenn sich Paare trennen. Aber das Leben nimmt manchmal andere Läufe, als man sich das vorgestellt hat. Und wichtig ist zu erkennen, wann man endlich aus dem kranken System aussteigen muss. Ich mache mir manchmal Vorwürfe, dass ich es nicht eher getan habe. Meine Kinder fragen mich zwischenzeitlich auch schonungslos aus, warum ich manche Dinge nicht anders entschieden habe. Ich habe unsere Probleme verdrängt und habe mir auch diese heile Familie gewünscht, die es bei uns aber nicht gab. Sobald man aber erkennt, wo das Problem liegt, muss man handeln. Und eine multiple Suchterkrankung ist nichts, das man sein Leben lang ertragen muss. Es ist dein Leben und das deiner Tochter, ihr habt nur dieses eine.