Hallo treibsand , danke für Deine Offenheit und das Du mir dies alles geschrieben hast. Ich habe mir extra Zeit gelassen um Deinen Text und die Nachricht darin zu sehen und zu verstehen.
Du hast auch schon viel im Leben erlebt und mitgemacht. Erfahrungen, die prägen.
Ich weiss, das ich falsch verstanden werde, wenn ich schreib, das mir Alkohol nichts ausmacht. Es ist gar nicht so, das ich mich oft unter alkoholtrinkenden Menschen aufhalte.
Ich bin ja erst ganz am Anfang meiner Trockenheit. Ich bin sehr vorsichtig, mit allem. Da ich bei uns koche und täglich einkaufe, habe ich damals auch täglich meinen Alkohol gekauft und beim Kochen die 2 Bier getrunken. Beim Essen fing ich dann mit dem Wein an.
Als ich entgiftet habe, habe ich anfangs meine Frau zum Einkaufen geschickt. Auch hat sie die ersten Tage gekocht damit ich aus den alten Ritualen raus komme. Ich habe mich sehr intensiv beobachtet. Irgendwann habe ich dann wieder das Einkaufen und das Kochen übernommen und festgestellt, daß mir dies überhaupt nichts ausmacht. Ich kann an den Gängen der Getränkeabteilung vorbei gehen ohne getriggert zu werden. Stolz stehe ich ohne Alkohol an der Kasse ohne schlechtes Gewissen, da die Kassierer eh schon wussten, was mit mir los ist. Ich hatte zuletzt sonst schon mal die Geschäfte gewechselt um nicht so aufzufallen.
Eine Einladung meines Freundes zur Geburtstagsfeier hatte ich abgesagt da mir das dort zu dolle geworden wäre. Das wäre in eine grosse Altstadt gegangen, für die Anderen bis zum Exitus. Ich kenne das noch von damals. Auf einen Polterabend bei einem Arbeitskollegen war ich hingegen genau so wie bei einer Firmenfeier. Beide habe ich als sehr schön empfunden obwohl um mich herum getrunken wurde. Ich habe mich an nicht trinkende Kollegen gehalten und bin dann irgendwann gefahren.
Ich bin sehr gut vorbereitet und wachsam. Ich hatte bisher nicht ein mal das Gefühl, das ich etwas vermisse. Im Gegenteil: so oft denke ich mir: normalerweise würden jetzt wieder diese Schmerzen kommen. Dann wäre ich zuletzt nicht mehr in der Lage gewesen, nur eins meiner vielen Hobbys nachzugehen. Es hilft mir sehr, diese furchtbare Erfahrung über einen solch langen Zeitraum gemacht zu haben. Zuletzt habe ich echt nicht mehr gerne getrunken. Es war nur noch Mittel zum Zweck. Es war so schlimm!
Übrigens zählt für mich nicht, wie lange ich trocken bin. Ich schaue nach vorne. Ich freue mich auf das, was noch kommt. Trocken diese tolle Welt auf links drehen 
Ich bin sehr naturverbunden. Ich fotografiere leidenschaftlich, wander viel und halte mich in der Natur auf. Ich fahre leidenschaftlich schon mein Leben lang Motorrad und liebe den Geruch des Waldes, des frisch geschnittenen Gras auf den Feldern oder der Geruch des umgepflügten Boden. Ich interessiere mich aber auch für Industriekultur. Im Ruhrgebiet und auch anderswo gibt es bemerkenswerte Objekte zu besichtigen. Ich bin gerne Unterlage in Bergwerken. Und ich habe noch sooo viele andere Interessen und Leidenschaften. Die alle war ich zuletzt praktisch nicht mehr imstande, nachzugehen. Ich konnte nicht mehr. Diese Erfahrung werde ich nicht wieder los werden und das ist auch gut so. Alkohol passt sogesehen gar nicht in mein Leben.
Ich habe mit Interesse eure Meinung über Therapien gelesen Hartmut und treibsand . Da mag sicher etwas dran sein bezüglich des Geld verdienen oder eingeschränkte Möglichkeiten durch zu wenig Zuschuss. Ich hatte bisher das grosse Glück, das ich an ganz tolle Menschen gekommen bin die mir bisher echt gut helfen konnten. Auch um mich herum die Menschen zu sehen und zu erleben, die nicht so zeitig die Kurve bekommen haben wie ich und alles verlieren mussten, auch das hilft mir. Da gibt es so viele, die so dringend Hilfe benötigen. Eine geschlossene LZT kenne ich gar nicht. Ich bin bisher bei der ambulanten LZT. 1 mal die Woche für 2 Stunden mit bis zu 8 weiteren Teilnehmern. Das tut mir sehr gut. Dann habe ich noch alle 2 Wochen für eine Stunde Einzelgespräche mit meinem Therapeuten. Ist auch gut, der Mann hat unglaublich viel Erfahrung auch wenn er nur ein Amatuer ist. Beides zahlt die Rentenkasse. Und dann bin ich nun hier. Nur nicht trinken reicht nicht.
Ich fühle mich weiterhin stabil. Auch wenn ich immer wieder gesagt habe, das mir Alkohol zur Zeit nichts ausmacht, komme ich so gut wie nicht dazu, irgendwo hinzugehen, wo getrunken wird, bis auf die beiden Feiern oben. Wir gehen sehr selten essen oder sonst weg, wo Alkohol getrunken wird. Ich habe ja die letzten Jahre praktisch ausschliesslich zuhause getrunken. Immer gleich: ab 18:00Uhr 2 Bier beim Kochen und dann beim Essen und danach vorm Fernseher 1 Liter Wein. Zuletzt konnte ich abends nichts anderes mehr und war gezwungen, ab 18:00 Uhr zuhause zu sein was meine Frau extrem gestört hat. Sie hätte gerne mal etwas unternommen oder wäre mal nach der Motorradtour abends mal irgendwo essen gefahren (sie fährt auch Motorrad). Aber das ging ja nicht. Motorradfahren ging zum Schluss eh fast nicht mehr, das wurde echt anstrengend. Letztes Jahr bin ich fast gar nicht mehr gefahren.
Ich verstehe euch schon sehr gut mit euren Warnungen an mich. Ich werde nicht leichtfertig. Ich werde diese schlimmen Erfahrungen nicht vergessen.
Es gibt für mich keinen einzigen Grund mehr zu trinken. Ich habe ausgetrunken.