Beiträge von koda

    Ich wünsch dir auch Kraft. Daß du ihm gegenüber so klar geworden bist, ist schon mal ein Riesenschritt. Und gut, daß nicht noch Kinder mit dranhängen, bei dieser Beziehung. Pass auf dich auf. Und schau auf jeden fall vor allem anderen, wie es dir geht.

    Ich habe auch erst hier im Forum verstanden, wieviel ich mich eigentlich in die Sucht meines Gegenübers reingehangen habe. Seitenweise Literatur, Bookmarks, Links, Telefonnummern. Er hat nicht eine einzige rausgesucht. Ich schob das seinerzeit auf sein vernebeltes Gehirn. Und hab ihn dadurch ziemlich bevormundet. Und wir waren ja nicht mal zusammen. Aber die Rettungsfantasien hatte ich. Kam dann auch erst später drauf, wieviel davon in meiner eigenen Biografie seinen Ursprung hatte.

    Hol dir was du brauchst, um für dich klarer zu sehen, was dir guttut und was nicht. Hier schreiben und lesen kann unglaublich viel in einem klären, so hab ich es erlebt.
    Alles Gute!

    Liebe Lilly,
    ich war, als ich hier ins Forum kam, Tür an Tür (Mitbewohner) mit einem Alkoholiker. Er war zudem auch noch ein guter Freund, sodaß ich es mir auch in den Kopf gesetzt hatte, ihm zu helfen.

    Er war recht offen, was seinen Konsum anging und ich habe durch die Gespräche mit ihm irgendwann begriffen, daß er NIE nüchtern war. Bevor er kollabierte und mit über 4 Promille auf der Intensiv landete, bekam ich dann direkt vor meinen Augen mit, wieviel er konsumierte, um klarzukommen.

    Abends betrank er sich dann so, daß er teilweise nicht mehr gehen konnte, aber auch nicht immer. Das er sehr betrunken war, merkte ich nur, wenn er irre hohe Promille hatte. Tagsüber, wenn er mir nüchtern vorkam, hatte er immer gerade soviel getrunken, daß kein Entzug auftrat.

    In der Notaufnahme, wo wir mehr als einmal waren, wirkte er auch nüchtern, hatte aber auch da um die 1.5 Promille. Das war die Realität. Tagsüber nichts essen, nur den Alkoholspiegel halten. Abends dann trinken bis zur Bewusstlosigkeit.

    Bei deinem Freund mag das noch weniger dramatisch sein, aber es kann genauso gut sein, daß es längst ebenfalls diese Ausmaße angenommen hat. Du versuchst seit 7 Jahren ihn davon wegzureden, wegzuflehen, oder wegzulieben.

    Hier im Forum gibt es unzählige Geschichten von Angehörigen, die genau das gleiche versucht haben wie du. Wenn du das nicht glaubst, lies dich ein in der Angehörigen-Abteilung. Die Liebe hält dich bei ihm, das ja, aber sie hält ihn nicht davon ab, genauso weiter zu machen wie bisher. Und du gehst kaputt neben ihm.

    Zumal: auch diese Gefahr ist real, deine Liebe irgendwann in Hass umschlagen könnte. Merkst du vielleicht jetzt schon, das es schwerer wird, ihm voller Verständnis und Zuneigung entgegen zu treten. Weil einfach schon so viel passiert ist und sich einfach nichts ändert. Du weißt wie die Abende werden, und er weiss es auch. Also bleibt alles wie es ist, oder wird schlimmer.

    Er ist derjenige, um den sich alle deine Bemühungen drehen, Tag für Tag. Anstrengend, zermürbend, krankmachend. Sei es dir wert, das zu überdenken.

    Was du beschreibst klingt furchtbar. Wenn du ihn heiratest, bindest du dich eben einfach noch stärker an jemanden, der dir jeden Abend das Leben zur Hölle macht. Für dich wohl gemerkt, denn für ihn wird es wahrscheinlich passen. Er hat ja dann beides, dich und den Alkohol.

    Ich hab keinen Impuls, eher einen Rat. Lauf so schnell du kannst. Bevor du irgendwann seine Pflegekraft wirst. Du hast nur dieses eine Leben und willst es so verbringen, dass du dir Abend für Abend verzweifelt den Morgen herbei wünschst?

    Manchmal frage ich mich, warum immer wieder versucht wird, dem Alkoholiker das Nüchternwerden hinterherzutragen. Wer selbst keinen Schritt gehen will, wird auch nicht trocken, weil andere es gerne hätten.

    Weil man es nicht besser weiß.
    Weil man es sich so sehr wünscht.
    Weil man glaubt, den anderen überzeugen zu können, wenn man alles was möglich ist, in Bewegung setzt.
    Aufgeben, heißt auch den Anderen aufgeben.

    Der Gedanke, dass alles aber auch alles Nichts bringt, schien mir als ich hier ankam, schlicht undenkbar. Und so versucht man es eben immer und immer wieder.

    Harte Lektion, das das einfach nicht geht.

    Oma... Natürlich steckt sie ihre Flugangst weg und sagt " okay". Hui.

    Das ist richtig toll, Aurora. Du bist mutig. Kann ja auch gut sein, daß die Angst da mit der Zeit weniger wird, wenn du da so beherzt rangehst.
    Ich hatte auch einige Jahre mit Flugangst zu tun. Mir war es dann trotzdem immer wichtiger an die Orte zu kommen, wo ich hinwollte. Ein Kipppunkt war bei mir, daß ich angefangen habe, es zu genießen, was ich draußen sehe.
    Mulmig ist mir immer noch, vorallem wenn es Turbulenzen gibt. Aber ich kann mittlerweile die Schönheit der Vogelperspektive schätzen und muss nicht dauernd denken, das wars jetzt.

    Und deine Enkelin hat recht. Du bist eine tolle Oma, und sie will Zeit mir dir verbringen, das ist mal schlicht gesagt, ein Knaller.

    Liebst koda

    warum muss ich das schlechte Gewissen haben? Warum hat sie kein schlechtes Gewissen?

    Ich glaube, das ist eher einseitig. Also einer hats, der andere nicht. Meine Mutter habe ich zuletzt vor 2,5 Jahren gesehen. Ich denke an sie jeden Tag. Manchmal telefonieren wir. Sie sagt mir eigentlich immer, daß sie mich sehr lieb hat. Erwidern im Sinne, daß ich genauso überschwenglich und liebevoll das Gleiche zu ihr sagen kann, das bekomme ich nicht hin. Es bleibt - wenn auch viiiiel schwächer ein Gefühl der Distanz zu ihr.

    Aber was mittlerweile geht, ich kann es annehmen und ich glaube ihr. Beides ging vor ein paar Jahren noch nicht. Letztes Jahr war das glaube ich, habs aufgeschrieben, müsste ich mal nachschauen, da rief sie mich mittags an, es war ein superkurzes Gespräch. Sie hat mir eigentlich nur gesagt, daß sie gerade an mich denkt und mir einen schönen Tag wünscht. Das hatte sowas Leichtes in dem Moment und ich war unendlich gerührt, - hab ich ihr dann auch gesagt. Weil ich spürte, es ist genau gerade nur das. Keine Erwartung, sondern nur wie ein virtuelles Über den Kopf Streichen, aber dabei so sachte, eben so wie es mir guttat.

    Oft treffe ich sie (telefonisch) aber in einem anderen Zustand an. Mit einer Schwere, die sich an meiner Leichtigkeit hochziehen möchte. Vielleicht eine Unterstellung, schliesslich fühlt es sich nur so an. Aber da gibt es dann Politik (grosses Thema bei ihr) und darüber möchte ich mit ihr auch nicht reden. Aber sie ist dann meist über etwas sehr betroffen und traurig und dann fragt sie mich ob es mir einigermaßen gutgeht, und da ist die Übertragung ihres Gefühls auf mich wirklich zum Schneiden. "Einigermaßen?" Dann verbringe ich die Zeit damit sie auf Abstand zu halten, was mich sehr anstrengt. Und mir meinen Raum zu erhalten, aber es ist dann, als müsste ich die Leichtigkeit verteidigen und eigentlich ist der dringende Wunsch an mich, die Schwere zu teilen, wozu ich nicht bereit bin.

    Ist irgendwie total naiv und ein bisschen Kindergarten zu denken: wenn ich was mache muss mein Partner auch was tun.

    Da denke ich immer mal wieder dran, wenn bei mir zuhause Chaos ist. Und bin da irgendwie zwiegespalten. Ich finde nämlich schon, daß in einem gemeinsamen Haushalt alle mit anpacken sollten und ich ärgere mich auch öfter, wenn ich gefühlt mehr mache - oder glaube, anderen hinter her zu räumen.

    Ich will auch eine schöne Wohnung, hab aber oft das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen. Sprich, ich mach zb die Küche schick und nach einem Tag sieht alles schon wieder genauso chaotisch aus wievorher. Mach ich dann einfach wieder sauber? Ne, es fängt an mich zu nerven. Weil es könnte sauberer sein, wenn jeder ein bisschen was beiträgt. Kriegs grad nicht gut formuliert.

    Hallo, über euren Faden bin ich auch gerade gestolpert, und bin fast erschrocken, wie sehr euer Empfinden euren Müttern gegenüber dem gleicht, was ich auch erlebt habe.

    Soviel zitiere ich normalerweise auch nicht, aber wenn ich jetzt einen Textmarker hätte, hätte ich alles unterstrichen und ein dickes Ausrufezeichen dahinter gemacht. Helene , das hier zB.

    Es fiel mir sehr lange sogar schwer, meinte Mutter auch nur zu umarmen, innerlich pure Abwehr von mir, die ich mit einem falschen Lächeln verbarg, weil sie mir leid tat und ich mich dafür schämte.

    Das kenne ich auch so so gut. Die Gefühle ihr gegenüber wechselten aber auch, oder waren oft eine Mischung. Komm mir bloss nicht zu nah, das hatte ich sehr lange. Ich sehe meine Mutter auch sehr selten. Seit ein paar Jahren telefonieren wir häufiger, und ich spüre erstmalig auch sowas wie Mitgefühl und Interesse. Ging aber erst in der Teenagerzeit los, davor gab es schon Nähe und Zärtlichkeit und auch Zeit von ihr.

    Und ich als Kind gespürt habe, dass es eigentlich dabei gar nicht um mich ging.

    Das denke ich heute eher, als Kind habe ich das nicht hinterfragt, konnte ich glaube ich gar nicht, da war viel mehr Reagieren und Wahrnehmen, als dazu schlüssige Gedanken fassen. Es gab viel Ohnmacht, später dann oft das Gefühl erdrückt zu werden. Immer mehr war es vor allem ihre Verzweiflung, die ich auch in ihren Umarmungen spürte, ich wurde daher oft steif wie ein Stock. Blickkontakt, ganz schwierig. Sie hat das natürlich gemerkt, und meine Wärme regelrecht eingefordert, was für mich unaushaltbar wurde.

    ist der Kontakt wieder regelmäßig und funktioniert tatsächlich recht gut, solange diese unausgesprochen Grenzen eingehalten werden.

    Das würde ich auch so unterschreiben. Aber wir sehen uns kaum, und am Telefon kann ich immer sagen, es ist mir jetzt genug. In Präsenz ist das alles viel schwieriger.

    Oft fühle ich mich auch dann am einsamsten, wenn ich nicht alleine, sondern unter Menschen bin.

    Auch das kenne ich. Aber mittlerweile gibt es auch genug Erlebnisse, wo ich mich sehr wohl unter Menschen fühle. Mit manchen gibt es eben keine Verbindung. Und ich zieh mich dann raus, wenn ich das merke. Aber der Satz ist trotzdem auch sehr zutreffend für mich. Ich habe mich kaum je alleine gefühlt, wenn ich alleine war. Aber in manchen Konstellationen mit anderen (Feiern, oft ganz schlimm), wo ich es kaum ausgehalten habe dort zu sein, regelrechte Abscheu gefühlt. Und dann oft auch geflüchtet.

    Und ich glaube, dass auch meine Mutter sehr einsam war und die fehlende Nähe zu ihrem Mann versucht hat, mit mir zu kompensieren.

    Definitiv bei mir auch so gewesen, ich war zeitweise die Eheberaterin meiner Mutter. Das ging schleichend, wie ich mich dabei gefühlt habe anfangs, weiss ich nicht mehr. Es war einfach so. Ich war für beide Eltern der Puffer.

    Wie seid ihr mit den Schuldgefühlen umgegangen? Die habe ich nämlich auch bis heute. Denke so oft, ich müsste eine bessere Tochter sein, dankbar. Offener. Ein grosses Thema bei mir, immer wieder.
    Ein schlechtes Gewissen, daß mein Leben ohne sie sich besser anfühlt. Dann wieder, was tust du? Sie lebt auch nicht ewig, schenk ihr doch von deiner Zeit. Aber so einfach ist es eben nicht. Die Widerstände auflösen?
    Sie ist immer noch so kompliziert und vorallem auch sehr alleine und verletzt. Fühlt sich schnell aussen vor, war sie aber eben auch. Wenn ich sage ich besuche meine Familie, ist es Immer der väterliche Teil. Das ist doch total ungerecht und unbarmherzig von mir.

    Wisst ihr und selbst jetzt beim Schreiben, - darf ich das? Löschen Impuls. So ehre ich nicht meine Eltern, wenn ich so über sie schreibe. (So aber aufgewachsen!)

    Liebe Grüsse

    koda

    Meine Mutter trank sogut wie nie. Alle paar Jahre mal zu Feierlichkeiten ein wenig Wein, daran erinnere ich mich. Aber auch daß ich das eher seltsam fand. Ich durfte auch Bierschaum abtrinken, oder mal ein Gläschen Likör. Beide meine Eltern hießen das gut bzw schenkten ein.

    Das finde ich ja so irre heute. Sie litt unter seinem Konsum und gleichzeitig schenkte sie uns Kindern den ach so leckeren Likör ein. Nicht oft, aber es suggerierte mir, daß es sich eben nicht um eine Droge handelte, sondern daß es dazugehörte.

    Ihre Art die Familie zusammenzuhalten? Pflaster drauf (metaphorisch). Sich in Religion flüchten. Auf keinen Fall trennen, aber ständig davon reden, daß sie wären die Kinder nicht, längst gegangen wäre.

    Ich war zu jung um all diese Verstrickungen zu verstehen. Es löste keine logische Gedankenkette aus, sondern einen Kloss in mir ein innerliches Verkleben, Übelkeit, Enge in der Brust. Negative Gefühle eben, die mir sagten, da ist etwas überhaupt nicht in Ordnung. Aber niemand hilft mir. Es bleibt einfach wie es ist.

    Ich bin EKA. Bei mir war es der Vater der trank. Meine Mutter störte sich massiv daran, kommuniziert hat sie vorallem seine Persönlichkeit, zu still, zu passiv, zu faul, zu unempatisch.

    Sie machte daraus keinen Hehl, also ihrer Kritik an ihm. Als Kind erzählte sie mir, daß sie anfangs Bierdeckel zählte - was ich nicht verstand, weil es für mich normal war, daß er Bier trank.

    Verstanden habe ich aber, daß sie eine sehr unglückliche Frau war, die dennoch bei ihm blieb. Wegen der Kinder. Und auch, meine Sicht heute, weil sie von ihm nicht loskam.

    Vielleicht hätte sie sich nach ihm ein besseres Leben aufbauen können. So verblieben beide in einem spannungsgeladenen vergifteten Gespinnst, das sie Familie nannten. Jahrzehnte später erst trennte sich mein Vater von ihr, weil er es nicht mehr aushielt und weil er seine Ruhe zum trinken haben wollte.

    Sie verstand nicht warum er ging.

    Ich als Erwachsene verstand trinken ebenfalls Jahrzehntelang als völlig normal. Den täglichen Konsum normal. Regelmäßig betrunken sein normal. Das ist das was mir vorgelebt wurde.

    Und wenn man dann auf jemanden trifft oder eine Partnerschaft eingeht, wo massiv getrunken wird, klingeln die Alarmglocken sehr spät. Trotzdem klingeln sie irgendwann. Weil ich neben meiner Prägung auch einen Körper habe, der mir signalisiert, wenn ich etwas eklig finde, mich unwohl fühle. Darauf kann ich hören, weil es mich auf mein eigenes Wohlsein aufmerksam macht.

    Alles liebe

    Ich bin EKA, und habe mir zu dem Thema erst als Erwachsene Gedanken gemacht. Meine Toleranzgrenze war sehr hoch. Weil mir das so normal vorkam, daß abends was getrunken wird. Erst als mein Vater bei einem gemeinsamen Ausflug mittags Bier zum schlafen wollte, bin ich aufgewacht und wahnsinnig erschrocken. Und dann hinterher erst gesehen, wie sehr das mit meiner Familie verknüpft war. Wobei meine Mutter sehr darunter gelitten hat, und es unzählige Male thematisiert hat.
    Ich war da aber glaube ich genauso taub auf den Ohren, und wollte mich auch nicht damit beschäftigen.

    Aber vorallem habe ich mir das Dableiben abgeschaut von meinen Eltern. Trotz daß es nicht gut lief, blieb man zusammen für die Kinder. Ich selbst habe es dann auch so gemacht (keine Kinder, aber das Aushalten, dableiben, hoffen auf was, was nie kommt). Das Mindset versuche ich jetzt erst umzupolen. Wollte ich, daß meine Eltern sich verstehen? Klar. Aber es ging nicht, die Spannungen waren immer da. Ja, es gab schöne Momente, aber letztendlich sind sie darin geblieben mit der irren Hoffnung, daß doch noch alles gut wird.

    Insofern: daß ihr euch getrennt habt, Sonnenschein und Orangeblau ist vermutlich ein Segen auch für eure Kinder. Sie sehen, daß ihr was tut, das ist so wertvoll.

    Wenn Fragen so drängend in einem sind, müssen die doch irgendwo hin. Ich kenne das auch von mir. Ich war verwirrt, verängstigt. Und auch besorgt. Mir hat es geholfen, in der Anfangszeit, hier sehr viel bei den Alkoholikern zu lesen.

    Ich sehe es auch nicht so, daß der Co-Abhängige nur um den Alkoholiker kreist. Ich glaube, viel von meinem Verhalten, was ich später für mich als Co-Verhalten einordnen konnte, hatte sehr wohl mit mir zu tun. Ich kreise um den Alkoholiker, weil ich Leidensdruck habe. Sorge um den anderen ja, aber eben auch Sorge um das eigene Wohlbefinden, daß den Bach runtergeht.

    Ich hatte das Glück, daß ich meine Fragen direkt an den Süchtigen gestellt habe. Und ihr könnt mir glauben, ich habe das für mich genutzt. Daß er mich nicht belog, sondern ziemlich freimütig davon erzählte, was in ihm vorging. Es ist unvorstellbar, daß jemand sein Leben wegwirft, wo doch alle Gründe dagegen sprechen. Das wollte ich verstehen. Nicht im Sinne eines rationalen Nachvollziehens, sondern um eine Ahnung von der Macht zu bekommen, die die Sucht hat. Und daß ich keine habe. Ich musste das hören, und zwar veranschaulicht hören.

    Liebe Alexa,

    ich schreib dir gleich mal zurück, weil ich gerade ein bisschen Luft habe an diesem Morgen. Ich hab mich so gefreut, daß du geschrieben hast. Und dann auch noch, daß es dir so gut geht. Wirklich, das freut mich ungemein. Keiner weiß, wie lange es andauert, vielleicht geht es gut vielleicht nicht. Aber 1 Jahr ist nicht wenig und man lebt nur einmal. Also ja, geniess es. Du liest dich stabil, und auch abgegrenzt (daß du ihm nichts mehr erklärst, wie früher, das hilft ja in erster Linie dir, und er, ja eben, er ist eben für sich verantwortlich).

    Ich habe anfangs auch alles hier gelesen, aber da wollte ich auch noch so sehr verstehen, was die Sucht überhaupt bedeutet. Bei den Alkoholikern zu lesen war für mich stellvertretend für den Alkoholiker, den ich nicht fragen konnte, weil er ja noch drin steckte. Ich lese mittlerweile viel weniger, bei manchen Alkoholikern schon, weil ich sie mittlerweile auch mal treffen durfte, und irgendwann spielt es weniger eine Rolle, ob Alkoholiker oder Co, weil die Menschen mehr in den Vordergrund treten.

    Und ich finde es schade dass soviele im grünen Bereich versinken.

    Das verstehe ich gut. Mir hat der geschützte Rahmen jedoch sehr gut getan, weil ich mehr schreiben kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist, und nicht so sehr auf Wiedererkennbarkeit bedacht sein muss. Aber wenn man eine Weile hier ist, liest und schreibt, wächst und rückt man eben doch ein Stückweit zusammen, und da mache ich dann zwischen blau und grün keinen Unterschied.

    Und das hier:

    es war die beste Entscheidung auszuziehen. Ich habe meinen Raum, hier wird nach meinen Regeln gespielt (was mitunter sehr schön sein kann

    Das ist so wertvoll, da hast du was weitergegeben, wovon dieses Forum ja am meisten profitiert. Du hast es erlebt und gibst weiter, was dir guttut. Das ist so viel!

    Eine Umarmung!

    Koda

    Liebe Sonnenschein, ich erinnere mich noch gut an dein ankommen hier. Du hast dich aus einer schrecklichen Situation befreien können, dich und deine Kinder.

    Aber es bedeutete auch dich aus einer Ehe zu lösen, die dir viel bedeutet hat. Das tut weh und der Schmerz um verlorenes lässt sich nicht einfach abkürzen. Aber es wird leichter weil du die Bedingungen dafür schaffst. Dass das ein Kraftakt ist... man spürt es in jeder Zeile die du mit uns teilst. Danke daß du uns daran teilhaben lässt.

    Sei umarmt. Koda