Beiträge von Nayouk24

    Aber vertraut er seiner Ärztin?

    Das kann nur René beantworten und was heißt Vertrauen? Die Chemie muss stimmen und sie sollte kompetent sein und jeder Arzt hat Schweigepflicht, falls du das mit Vertrauen meinst.
    Wenn ich mit meiner Ärztin nicht über meine schwerste Krankheit reden kann, dann stimmt was nicht.
    Ich hätte so nicht meine Abstinenz starten wollen.
    Da wollte ich von Anfang an klare Verhältnisse und ich wollte meinen Gesundheitszustand gründlich überprüft wissen.

    Mich würde ja interessieren, ob Ihr Euch auch etwas komisch dabei gefühlt habt?

    Mein erster Arzttermin ausserhalb der Klinik war im Vorfeld schambehaftet und deshalb komisch.
    Beim Arzt habe ich die Karten auf den Tisch gelegt, oder besser meinen Entlassungsbericht mit allem drum und dran.
    Er überflog ihn, ging kurz raus und sagte, " keine weiteren Termine in der nächsten Stunde" und kam wieder.
    Die Stunde war dann ich und er hat sich die Zeit genommen. Das war sicher ein Glücksfall, aber anerkennende Reaktionen, oder dass einfach nur professionell reagiert wird, habe ich auch in anderen Praxen erlebt.

    Klar, wenn ich sage ich möchte ein Blutbild, kommt automatisch die Frage "Warum". Sie müssen ja wissen, was untersucht werden soll.
    Deshalb ist der Weg über einen Arzttermin der bessere.
    Den kann ich telefonisch machen und wenn die Warum-Farge kommt, sage ich mittlerweile, "Nachuntersuchung oder Check-Up, ich bin trockener Alkoholiker",
    Das ist so ähnlich wie eine GreenCard, ich habe noch nie vom Personal eine Rückfrage bekommen, geschweige denn einen komischen Blick.

    Die ersten Tage des Entzugs sind anstrengend, aber es wird besser, ganz bestimmt.
    Gegen den riesen Berg der Abstinenz hilft, von einem auf den nächsten Tag leben, gut für sich sorgen, mit Essen und Trinken und Ruhe für Deinen Körper.
    Nach jahrelangem Alkoholkonsum hat sich der Körper und die Psyche auf Alkohol eingestellt.
    Jetzt fehlt plötzlich der Alkohol und Körper und Seele geraten ganz schön unter Stress.
    Die körperliche Entgiftung ist in der Regel in einigen Tagen durch, die Psyche braucht wesentlich länger.

    Eines habe ich auch gelernt, durch jahrelange Sauferei habe ich Körper und Seele dahin gebracht, wo ich am Ende stand.
    Dann kann ich nicht erwarten, das alles in Tagen wieder ins Lot kommt. Gib dir Zeit und gönne dir Ruhe.

    Ich habe dieses Forum am Anfang intensiv genutzt, hier musste ich nichts erklären, weil jeder wusste, wovon ich rede. Hier wurde ich verstanden.
    Das hat mir geholfen, den Gedankenkreisel zu beruhigen und mich den Antworten der vielen Fragen anzunähern.

    Du wirst stetig Fortschritte feststellen und du wirst spüren, ob du mehr Unterstützung brauchst.
    Dies kannst du auch mit deinem Psychologen besprechen.

    Ich hatte in den ersten Wochen auch solche Träume, bei den ersten beiden war ich noch unter Medikamenteneinfluss.
    Sie waren realistisch und heftig und ich musste mich quasi zwicken um zu realisieren, dass es nur ein Traum war.

    Im Anfang der Abstinenz ist es ein Konflikt zwischen Suchthirn und der wachsenden abstinenten Haltung.
    Ich erlebe ihn am Tag, durch Gedanken des Suchthirns und eben auch in Träumen.
    Im Traum sind beide Kontrahenten zugegen, genauso wie am Tag nur scheint das Suchthirn der Präsentere zu sein.

    Nach 2-3 Monaten war der Spuk erstmal vorbei, ich denke weil meine innere Haltung über mich als Alkoholiker und zur Abstinenz stabiler geworden war.

    Ich meinte nicht den Traum sondern Suchtdruck, vor Träumen hab ich keine

    Die gute Nachricht ist,bei aufkommendem Suchtdruck kann ich handeln, wenn ich ihn erkenne und weiss, was zu tun ist.
    Den Traum muss ich über mich ergehen lassen.

    Trigger:
    Gedanken an Alkohol, lösen Unbehagen, Verlangen oder gar Suchtdruck aus.
    Jeder reagiert auf die unterschiedlichen Trigger anders, aber ich kann mir nicht sicher sein, dass das bei mir so bleibt.

    Trigger kann ich nicht grundsätzlich verhindern, aber ich kann bestimmte Situationen verhindern, in denen Trigger auftreten können.
    Aus Triggern kann ich lernen. Ich kann lernen, wie ich sie erkenne und wie ich darauf reagiere, aber ich suche oder provoziere sie nicht.
    Schwieriger wird es, wenn die Gedanken an Alkohol ohne wahrgenommenen Trigger kommen und z.B. Suchtdruck entsteht.
    Wenn ich weiss, wie sich individuell Suchtdruck anfühlen kann, dann kann ich ihn frühzeitig erkennen und entsprechend handeln, auch ohne das ich den Trigger kenne.

    Warum hat mich das dann im ersten Moment getriggert? Will ich da etwa auch hin?

    oder

    Warum hat mich das getriggert, das will ich doch gar nicht?

    Ich nicht, aber mein Suchthirn. Es versucht mit teils plumpen Versuchen aber auch mit perfiden Strategien das Ziel zu erreichen und das Ziel ist, dass ich Alkohol trinke..
    Je mehr ich über Trigger und aufkommenden Suchtdruck erfahren habe und dadurch gelernt habe, desto schneller und besser konnte ich reagieren.
    Diskussionen über die Gedanken des Suchthirns sind sinnlos. Abblocken, verwerfen....."Du schon wieder, geh zurück in deine Ecke".... manchmal auch mit kräftigeren Ausdrücken.

    Mir ist bewusst, das mein Suchthirn immer da sein wird, solange es in der Ecke sitzt und vor sich hintrocknet, kann ich gut damit leben. Ich habe akzeptiert, dass es da ist und nie wieder weg geht, es wird stiller und seltener, aber es ist da!

    Die Startegie ist vorsichtiges Rantasten, über die Zeit, immer mit Rücksicht auf meine Gefühlslage und Stabilität. Eben Risikominimierung.

    Ich komme mal zu dir Niota1983 , als trockener Alkoholiker.
    Für mich sind das 2 paar Stiefel. Zum einen, wie er selbst damit nach Außen umgeht, denn dass muss er entscheiden und wie du damit umgehst.
    Meine Frau hat darüber gesprochen, als es für sie wichtig und hilfreich war. Sie hat sich Hilfe bei einer (ihrer) Ärztin geholt, die sie damals über die drohende Co-Abhängigkeit aufgeklärt hat und sie konnte noch rechtzeitig danach handeln.
    In dem Moment, wenn es für Dich zur Belastung wird oder gar verhindert, dass du dir selbst helfen kannst, dann ist Schweigen kontraproduktiv.

    Das schlimme ist ja, dass ich tatsaechlich Krankenschwester in einer stationaeren Drogen und Alkoholreha bin.

    Schlimm finde ich das nicht. Wie heisst es so schön, "der Prophet gilt nichts im eigenen Land".
    Ich war selbst in einer Suchtklinik und weiss , was die Krankenschwestern in ihrem Beruf leisten und mit welcher Geduld und mit welchem Einfühlungsvermögen sie den Süchtigen auf den Weg helfen. Sie haben meinen grössten Respekt. Ich habe noch heute sporadisch Kontakt zum "Stationszimmer".
    Und das Urteil der Krankenschwestern, die ich kennenlernen durft, deckt sich mit deinem, Alkohol sei die schlimmste Droge von allen.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Biene.

    Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch in den nächsten 4 Wochen bitte nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Diese erkennst du am „orangeroten“ Namen.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße
    Nayouk

    Biene, du bist hier noch im Vorstellungsbereich. Der eigentliche Austausch beginnt, wenn du eine ärztlich begleitete Entgiftung begonnen hast. Die kann heute beginnen. Verheimliche und beschönige nichts, je besser dein Arzt deine Situation kennt, desto effektiver kann er dir helfen.
    Alles Gute bis dahin.

    Sehr gut und Respekt, dass du dich dazu durchringen konntest.

    Bammel brauchst du nicht haben, du bist nicht die Erste.
    Das da erstmal Stille am anderen Ende war, kann ich mir gut vorstellen, schliesslich kommt das nicht alle Tage vor, dass jemand sich so klar mitteilt.
    Hier kannst du öfters lesen, " ... und morgen das Krönchen richten, aufrecht hinstehen, Blick gerade aus und los...".
    Es gibt keinen Grund, mit gesengtem Haupt morgen zum Arzt zu gehen, im Gegenteil.

    Zum kalten Entzug ist alles gesagt, du weisst was du tun kannst.

    Wenn du morgen beim Arzt warst, melde dich, ich bin gespannt, wie es weiter geht;)

    Ich komme nochmal auf deine Frage nach den Zielen zurück.
    Ich nenne es Veränderung der Lebensweise. Ich habe mein Leben nach dem Prinzip der Risikominimierung ausgerichtet, besonders am Anfang.
    Das Suchtgedächtnis oder das Suchthirn, wie ich es nenne, spielt nicht nach meinen Vorgaben und Regeln. Es ist auch in der Lage Tabus zu brechen.
    Ich kannte mich anfangs nicht als "abstinenten Alkoholiker", ich wusste nicht, was da in mir schlummert und ob ich dem gewachsen bin, wenn ich gefordert werde.

    Ich hatte gehörigen Respekt davor, denn eines wusste ich sehr genau, ich will nie wieder dahin, wo ich herkam. Ein Schluck Alkohol und ich bin genau wieder da, möglicherweise noch tiefer drin als je zuvor.
    Also bieb mir nur, mich besser kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln und das bei bestmöglicher Risikominimierung.
    Mit dem was ich heute über mich weiss, wäre ein eigenes Restaurant, in dem ich auch noch selbst tätig bin, ein erhebliches Risiko gewesen.
    Das muss auch nicht gleich heissen, das ich die nächste Gelegenheit genutzt hätte, um Alkohol zu trinken, aber ich setze mich permanent dem Alkohol mit all meinen Sinnen aus und das wirkt auf mein Suchthirn, es macht etwas mit mir. Ich wäre ständig am kämpfen gewesen, nicht der Gelegenheit zu erliegen und, und das ist fast noch wichtiger, ich hätte nicht die Ruhe gehabt, meiner Psyche das Umfeld und die Zeit zu geben, damit sich meine Abstinenz "mit der Zeit" stabilisieren kann. Es musste eine innere Haltung wachsen, durch Information, Erfahrung und Selbstreflektion, das eigene Tun immer wieder hinterfragen und auch korrigieren.

    Hast du es als Notfall dringend gemacht?
    Du kannst auch in eine Notfall-Ambulanz gehen. Wenn du im kalten Entzug bist ist das ein Notfall.
    Wie gesagt, ein Alkoholiker kann daran sterben, er kann sich aber dadurch auch schwere Schäden zufügen.
    Du willst doch abstinent werden und für deinen Körper bestmöglich aus der Geschichte raus kommen, oder ?

    Überlege nochmal.

    wenn ich das so aufschreibe fühle ich grosse Scham ,finde es erbärmlich,dass es mir bisher nicht gelungen ist

    Wenn du hier die Beiträge liest, wirst du feststellen, dass es ganz vielen so geht oder ging.
    Die Alkoholsucht ist schon jahrzehnte als Krankheit anerkannt. Es ist eine Krankheit und dafür musst du dich nicht schämen.

    Das was du beschreibst nennt sich Kontrollverlust und ist ein Merkmal der Alkoholkrankheit.
    Ein Alkoholiker kann nicht kontrolliert trinken, weil er irgendwann wieder trinken muss.
    Das er immer weiter trinken muss, obwohl er nicht mehr will, das zieht einen Alkoholiker in der Suchtspirale immer weiter nach unten.

    Wie hast Du anfangs Deine Ziele gesteckt?

    Die Frage ist leicht zu beantworten, ich habe mich nach den Grundbausteinen gerichtet. Dort sind mehrere Aspekte aufgezählt. Am Angang konnte ich nicht gleich alle umsetzten,aber ich habe sie ernst genommen und Stück für Stück nach meinen Möglichkeiten umgesetzt.
    Eine der wichtigsten Massnahmen am Anfang ist ein alkoholfreies Zuhause. Der Grund ist schlicht, dass ich bei aufkommenden Suchtdruck Zeit gewinne um richtig zu reagieren.
    Denn wenn die Lösung der Gang an den Kühlschrank ist, kann es schon zu spät sein.

    da ich selbst Inhaber eines Restaurants bin.

    das ist nicht gerade förderlich. Stehst du selbst hinterm Tresen und schenkst Alkohol ein?

    Ich habe auch Angst vor weiterer Au...

    Kennst du die Geschichte:

    "Ein Förster geht in den Wald zu seinen Waldarbeitern. Da stellt er fest, dass sie sich mit dem Fällen der Bäume plagen. Ihr müsst eure Sägen schärfen, dann geht euch die Arbeit viel leichter von der Hand. Ein Mitarbeiter ruft ihm zu, wir haben keine Zeit die Sägen zu schärfen, wir müssen Bäume fällen....".

    Wenn du deine Säge schärfst, wird es viel weniger AU Tage geben, bei denen du alkoholbedingt ausfällst.