Ich lebe das Leben.
Heute ist der 6. des Monats und das bedeutet wieder 1 Monat gelebte Freiheit und das seit 15 Monaten.
Ja, ich war unfrei. Alles drehte sich um das Suchtmittel Alkohol. Ist genügend da? Wann muss ich wieder Nachschub holen? Wie verstecke ich den Alkohol? Wie entsorge ich die leeren Flaschen? Wie komme ich über den Tag? An was muss ich alles denken, wenn ich Termine habe?
Und an was muss ich alles denken, damit es keiner merkt?
Damit war der Stresslevel, den ich ertragen konnte, mehr als erreicht. Alles was dazu kam habe ich abgeblockt, mit den abenteuerlichsten Erklärungen.
Ich war gefangen in mir selbst.
Einen Arzt aufsuchen, mir fremde Hilfe holen, kam aus Scham und Angst lange nicht in Frage.
Und so war ich weiterhin gefangen, gefangen bis ich nicht mehr weiter konnte.
Und dann ging es doch, weil es nur noch diesen Weg gab, aus der Suchtspirale auszusteigen, die Sucht zu stoppen.
Ich werde mein Leben lang alkoholkrank bleiben, aber ich habe die Krankheit gestoppt.
Der Anfang war nicht leicht, aber auch da war jeder neue Tag ohne Alkohol ein Tag in Freiheit. Eine Freiheit, die ich nicht mehr kannte.
Ich habe akzeptiert, dass ich keinen Alkohol mehr trinken kann.
Ein Alkoholiker kann nicht zurück zu einem Trinkverhalten eines Nicht-Süchtigen. Punkt. Ende. Aus.
Für mich kam die Erkenntnis, dass Alkoholismus eine psychische Krankheit ist. Bis dahin war ich von psychischen Krankheiten verschont geblieben.
Hier im Forum, immer wieder zu lesen, der Satz: „Nur nicht trinken reicht nicht“.
Deshalb bin ich hier in diesem Forum. Hier habe ich gelernt, was ich mir aneignen kann und was ich verändern will. Nicht von heute auf morgen, aber von Anfang an bis heute.
Ich hatte verstanden, wenn ich so weiter mache, wie gehabt, lande ich im günstigsten Fall im Krankenhaus. Es ist nur eine Frage der Zeit. Angst und Scham habe ich vlt. noch, aber sie spielen keine Rolle mehr.
Es war die Einsicht in das Notwendige.
„Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit“ (von Georg Wilhelm Friedrich Hegel).
In diesem Kontext war es meine Einsicht in die eigene Krankheit.
Viele Grüsse
Nayouk