Beiträge von Nayouk24

    Das fühlt sich wie ein Rückschritt an, aber es geht vorwärts. Ein paar Tage noch, für Dich und Deine Gesundheit !

    Du bist doch schon seit Sonntag im betreuten Entzug, da hast Du ein gutes Stück der Entgiftung schon hinter Dir,
    oder konntest du noch trinken ?
    Jetzt bist du zur eigentlichen Entgiftung verlegt worden und da spult man das gewohnte Programm ab.
    Ich konnte die ersten Tage auf der Entgiftungsstation gar nicht TV sehen. Ich habe mich nur mit mir selbst beschäftigt.
    All deine Gedanken zeigen, dass du das gerade auch durchmachst und es ist wichtig. Nimm dir die Zeit, wann wenn nicht jetzt.
    Schreibe für dich, schreibe hier, lass deinen Gedanken freien Lauf.

    Bei mir startete quasi parallel auch die Entwöhnung mit Therapie. Ich wünsche dir, dass du einen nahtlosen Übergang bekommst.
    Und das mit den Flaschen Zuhause ist keine gute Idee, wenn dir dann der Alkohol um die Ohren fliegt. Lass die Flaschen in deiner Abwesenheit entsorgen.

    Alles Gute, Nayouk

    Danke für deine Erfahrung und Sichtweise zur Kapitulation.

    Kapitulation ist für mich Aufgabe wegen Einsicht und im schlimmsten Falle aber auch Unterwerfung, deswegen passte es für mich nicht.

    Den Alk oder Klitschko stehen lassen und mich einfach umdrehen und gehen, das Bild gefällt mir.

    Ich habe aufgehört zu kämpfen, kapituliert. Das ist ein Ausdruck von Stärke und Weitsicht und da ich einfach gehe, ist es auch keine Unterwerfung.
    Dass mir der Alk von hinten ins Kreuz tritt, wird nicht passieren, ich hab ihn mir immer von vorne zur Brust genommen.

    Du hörst Dich "aufgeräumt" an.

    ich bleibe misstrauisch und wachsam. Aber auch froh, nüchtern zu sein!

    Das war bei mir am Anfang auch so.
    Misstrauisch heisst ja, ich trau dem Frieden nicht. Ich weiss, dass die Sucht jederzeit mit perfiden Mustern um die Ecke kommen kann,
    vielleicht gerade dann, wenn ich angegriffen bin. Je mehr mein 7. Sinn trainiert ist, desto mehr wird aus Misstrauen Selbstvertrauen mit Respekt vor der Sucht,
    weil ich Situationen erkennen kann und ich meine Stärke einschätzen kann.

    Neu in der ARD Mediathek (08.01.2025)

    Dirty Little Secrets · Staffel 1 · Warum wir immer weiter trinken

    3 Folgen á 30 min

    Doku über das Thema Alkohol in der Gesellschaft.
    Stichworte: Jugendliche und Alkohol, Status in der Gesellschaft, Frauen, Alkoholindustrie und Lobby, Politik und Alkohol, Märchen vom gesunden Glas, ….

    Hallo Kadett,

    Du hast dich auf den richtigen Weg gemacht und das ist anstrengend und belastend.
    Die Phasen von Traurigkeit kenne ich auch aus der Anfangszeit.
    Obwohl ich doch glücklich und froh hätte sein müssen, war ich manchmal traurig.
    Ich komme jetzt mal wieder mit der Biochemie:)
    In der langen Zeit des Alkoholkonsums hat das Gehirn zusätzliche Rezeptoren aufgebaut, da es durch den Alkohol mit dem Neurotransmitter Dopamin
    zugeschüttet wurde. Fehlt plötzlich der Alkohol, feht auch das Dopamin, das Glückshormon, welches als Belohnung für gute Gefühle sorgt. Die vielen Rezeptoren können nicht mehr adequat versorgt werden.
    Das kann die Traurigkeit in den ersten Monaten bewirken. Dinge, die einem früher Spass gemacht haben und für Befriedigung gesorgt haben, machen plötzlich keinen Spass mehr, weil das Belohnsystem nicht mehr funktioniert.
    Da hilft nur ausprobieren. Suche dir Beschäftigung, Tätigkeiten, die dir Spass machen und habe Geduld. Der Körper braucht mehrere Monate, bei manchen sogar über ein Jahr, je nach Veranlagung, bis sich die biochemischen Prozesse regeneriert haben. Das gilt zumindest für das Belohnsystem.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Hallo liebes Forum,
    ich möchte nicht versäumen, mich auch hier in meinem Anfangsthread im offenen Bereich zu melden.

    Diese Bahnfahrt und dann weiter mit dem Taxi in die Klinik werde ich nicht mehr vergessen. Ich hatte einen Flachmann dabei, zur Sicherheit, für alle Fälle.
    Am Bahnhof angekommen habe ich ihn rausgeholt und noch auf dem Bahnsteig in eine Mülltonne geworfen. „ Das war’s!“ waren meine Worte.
    Das war heute, genau vor einem Jahr.

    Wo ist das Jahr geblieben? Es war ein sehr intensives Jahr, mit Ups and Downs.
    Seit ich verstanden habe, dass ich nie wieder Alkohol trinken kann, mein restliches Leben mit Achtsamkeit und Selbstfürsorge erleben will,
    fühlte ich mich hier richtig angekommen. Mit dem Verstehen kam die Akzeptanz.
    Akzeptanz – hatte ich hier so oft gelesen. Wie bekomme ich sie? Hat man sie oder hat man sie nicht? Sie war irgendwann da.
    Und eines habe ich auch verstanden, dass die Alkoholkrankheit in erster Linie eine psychische Erkrankung ist und ich an den körperlichen Folgen dieser Krankheit zu Grunde gehen kann.

    Wie heile ich meine Psyche, kann ich sie doch nicht sehen.
    Ich kann sie hören aber oft nicht verstehen.
    Ich weiss, dass sie da ist, tief in mir drin.
    Ich suche den Zugang, Tag für Tag und dann spüre ich sie, meine Seele, mit ihrer ganzen Zerrissenheit.
    Da bin ich als Mensch mit meinem Sein und da ist dieses kalte, dunkle Irgendwas, was da nicht mehr sein darf.
    Ich hör in meine Seele, mal bewusst, oft unbewusst und die Zeit macht es heller. Das Dunkle weicht zurück, nur langsam und ich fülle den Raum mit Neuem.
    Fremd ist das Neue, aber ich lasse es zu, immer mehr und das Dunkle wird nicht mehr sichtbar, aber ich fühle noch seine Nähe.
    Distanz ist es heute.
    Wird aus Distanz wieder Nähe, weiss ich, was ich zu tun habe und meine Achtsamkeit wird mir dabei helfen.

    All dies konnte geschehen, weil ich hier "ganz einfach" mit den Grundbausteinen angefangen habe. "Tun muss man tun", der Rest ergibt sich dann.

    Im Februar letzten Jahres war ich auf der Suche nach einer realen SHG und habe dieses Forum entdeckt.
    Ich habe hier alles gefunden, was ich brauche, um meine Seele zu heilen und die Distanz zum Dunklen zu wahren.
    Das war möglich, weil dieses Forum so ist, wie es ist und ich will weiterhin meinen Beitrag leisten,
    dass es so bleibt, wie es ist und ich möchte jeden, der es ernst mit sich meint, ermutigen sich weiter auf den Weg zu machen und dran zu bleiben.
    Es lohnt sich so sehr!

    Liebes Form, lieber Alex07 , liebe Moderatorinnen und Moderatoren, danke dass es euch gibt und danke, dass ihr das tut, was ihr tut.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Trotz aller Trauer und Grübeleien über das Vergangene, was ich nicht mehr ungeschehen machen kann, habe ich sehr schnell gemerkt, dass ich wieder handlungsfähig bin, um auch meinen Bedürfnisse und Verpflichtungen gerecht zu werden, ohne diesen immensen Stress durch Alkohol. Das lese ich bei dir auch heraus.

    An so grauen Wintertagen kommen die Gedanken und du hast genau das Richtige gemacht und hast sie hier aufgeschrieben und du wirst gemerkt haben, wie es dich weiter bringt. Manchmal ist Stillstand, manchmal geht es sogar ein Schritt zurück, aber meistens geht es ein Schritt weiter.

    Gefällt mir, was du heute geschrieben hast. Du bist auf dem richtigen Weg.

    So wie du dich deinem Umfeld mitteilst, so halte ich es auch.
    Das kann jeder für sich selbst entscheiden und bei jedem sind die Verhältnisse anders gelagert.
    Komplettes Outing oder differenzierter zurückhaltend hat beides vor und Nachteile und ich sollte mir dessen bewusst sein.

    Können Verzichtsgedanken durch Vermeidung von alkoholischen Situationen gar nicht erst aufkommen?

    Verzichtsgedanken können alle möglichen Ursachen und Trigger haben. Wenn ich diese Situationen bewusst meide, schliesse ich einen grossen Teil der Ursachen aus.
    Das hat mir gerade am Anfang geholfen. Wenn ich am Anfang noch nicht stabil bin, muss ich mir ja das Leben nicht unnötig schwer machen, oder gar Risiken heraufbeschwören.

    Und wenn man diese Erleichterung und Freiheit tief im Herzen spürt, haben dann Verzichtsgedanken überhaupt eine Chance?

    Wenn du mit Chance meinst, dass die Verzichtsgedanken überhaupt hochkommen können, dann sage ich "Ja".
    Manche haben gar keine, ich habe immer weniger und ich behandele sie immer gleich. Ich spüre in dem Moment keinen Verzicht, es war der Gedanke und nicht ich..
    Seit ich das verinnerlicht habe, kann ich die Gedanken genauso schnell ablegen, wie sie gekommen sind.

    . Den körperlichen Entzug habe ich ja schon Monate hinter mir, aber mit dem seelischen Entzug fange ich gerade erst an.

    Das ist eine sehr wichtige Selbstanalyse.
    Eine Weisheit hier heißt, "nur nicht trinken reicht nicht".
    Die letzten 7 Monate hast du wohl maßgeblich nur nicht getrunken. Der körperliche Entzug war spätestens nach 14 Tagen durch.
    Die psychische Abhängigkeit ist nach wie vor da.
    Sie ist auch der wesentlich schwierigere Teil.

    Es geht immer um die Stabilisierung der Abstinenz. Wie mache ich das?
    Der erste Wegweiser sind die Grundbausteine und Wissen über Fakten der Alkoholsucht.
    Ein Alkoholiker ist suchtkrank.
    Will er abstinent für immer leben, kann er keinen Alkohol mehr trinken, keinen, nie wieder, ob ihm das passt oder nicht.
    Tut er es doch, kann er sehr schnell an einen noch tieferen Punkt gelangen, als sein Ausstiegspunkt war. Die Suchtspirale kennt nur eine Richtung – abwärts.

    Das sind Fakten und sie müssen zu meinen Glaubensätzen werden, damit ich sie nicht immer wieder hinterfrage.
    Warum werden sie hinterfragt? Weil sie meinen alten, einprogrammierten Erfahrungen und Glaubensätzen widersprechen.
    Es kann nicht sein, was nicht sein darf! oder Es kann nicht sein, was ich nicht kenne! oder noch schlimmer Es kann nicht sein, was ich nicht will.

    Zuerst habe ich alle Grundstrukturen, die mit Alkohol zu tun hatten geändert
    - Grundbausteine umgesetzt, so gut es mir möglich war
    - keine sozialen Events mit Alkohol
    und ich habe mir viel Wissen über die Alkoholkrankheit angeeignet um dem aufkommenden Widerwillen (gesteuert durch das Suchtgedächtnis) gegenüber den neuen Glaubenssätzen durch weitere Fakten die Grundlage zu entziehen.

    Nach 3-4 Monaten kamen dann vorsichtige Gehversuche in der Öffentlichkeit in Umgebungen mit „normaler“ Alkoholpräsenz. Restaurantbesuche mit meiner Frau etc. und nach 5 Monaten der erste Auslandsurlaub

    Bei den ersten Erlebnissen mit einer Alkohol trinkenden Öffentlichkeit habe ich mich unwohl gefühlt. Ich registrierte jedes Glas, jede Flasche und ich wusste wer Wasser trank.
    Dann kamen die „Sprüche“ des Suchtgedächtnisses, „…ach wär das jetzt schön,,,,“, usw. und so fort.
    Ich konnte sie anfangs nicht abstellen und das kann ich heute noch nicht. Sie sind seltener geworden und ich beantworte sie kurz und knapp. Punkt und erledigt. Willentlich kann ich sie nicht unterdrücken aber ich habe gelernt, damit um zu gehen. So gibt es viele weitere Beispiele.

    Es ist schwer zu beschreiben, aber es war und ist ein lang anhaltender Prozess, die Psyche umzuprogrammieren. Gerade am Anfang meide ich Risiken, die ich kenne, kennengelernt habe und deren Wirkung ich nicht einschätzen kann. Z.B. hat mir ein Restaurantbesuch immer wieder gezeigt, wo ich stehe, wie ich reagiere und ich wurde sicherer in der Abschätzung von unbekanntem Umfeld und habe meinen Lebensraum erweitert.
    Zeitgleich ging meine tägliche Auseinandersetzung mit meiner Alkoholkrankheit hier in diesem Forum weiter.
    So werden aus Erfahrungen und Selbstreflektion neuen Strukturen, Verhaltensmuster und die neuen Glaubenssätze werden immer selbstverständlicher.
    Irgendwann konnte ich die neuen Fakten akzeptieren, ohne Wenn und Aber und wenn doch mal etwas aufblitzt, wird es durch geübte Verhaltensmuster in die Schranken gewiesen.

    Dieser Prozess kennt kein Ende und er hat ein entscheidendes Merkmal: Er braucht Zeit.
    Zeit, die meiner anfänglichen Ungeduld im Wege stand. Ich habe gelernt, mit mir geduldig zu sein und mir die Zeit zu geben.

    Eines ist bei diesem Prozess wichtig. Ich will die Risiken kennen und einschätzen und sollte ich mich doch mal überschätzt haben, weiß ich was zu tun ist. Mein persönlicher Notfallkoffer ist jederzeit bei mir und wenn auch der an seine Grenzen kommt, will ich immer so gehandelt haben, dass ich mich nicht einem Zwang unterziehen muss, weil ich die Situation für mich nicht beenden kann.

    Da du nun schon 7 Monate abstinent bist, wird sich bei dir einiges anders darstellen. Vlt. kannst du für dich etwas mitnehmen.

    Viele Grüsse

    Nayouk