Nayouk24 - Aufbruch zurück ins Leben

  • Auf die Idee würden sie niemals kommen😉

    Das habe ich aber schon anders erlebt. Eigentlich fast nur.

    Ich brauche schon Hände und Füße um abzuzählen, wieviel Leute sich mir schon erklärt haben. Oder sich in meinem Beisein hinterfragt haben.

    Sogar meine früheren Sauffreunde haben angefangen zu erzählen. Praktisch, alle der Reihe nach. Z. B. "Ja, wenn ich nichts trinke, geht es mir die ersten drei Tage schlecht. Dann wird es besser." Und das nächste Bier bestellt.

    Sich rechtfertigen und/oder hinterfragen, scheint nicht wirklich etwas zu ändern.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Nun bin ich seit ein paar Tagen 11 Monaten abstinent und möchte mich mal wieder hier im offenen Bereich melden.
    Mir geht es gut. Von normal bin ich noch entfernt, trotzdem habe ich das Gefühl, es fühlt sich immer ein Stück normaler an.
    Ganz normal wird es nie mehr sein, es ist anders normal, mein Normal.

    Die Herausforderungen der Weihnachtszeit, die mich doch innerlich zunehmend beschäftigt haben, als die Zeit immer näher rückte, erzeugen keine Unruhe mehr.
    Aus dem Kopf verbannt oder abgesagt habe ich diejenigen Events, bei denen ich mich schon im Vorfeld unsicher fühlte oder der Alkohol schon per se angesagter VIP war.
    Andere habe ich zugelassen und als wohltuend erfahren. Diese Erfahrung ist sehr wichtig für mich, zeigt sie mir doch, wo ich stehe, was ich mir zutrauen kann und dass ich mich wieder auf mich verlassen kann.
    Die Crux dabei ist, dass ich vorher nicht weiß, wie ich reagiere. Mit kleinen Schritten taste ich mich vor und so wird der Radius mit der Zeit immer größer. Wichtig ist, dass ich mich wohlfühle, dass ich es will, dass es nichts Erzwungenes ist oder eine Gefälligkeit für jemanden.

    Und sollte ich mich doch mal überschätzt haben, gibt es immer Plan B, um mich aus der Situation heraus zu holen. Denn eines darf nie passieren, dass ich mich aus Scheu, Rücksichtnahme oder irgendwelchen Zwängen weiterhin einer Situation aussetze, die mich immer mehr unter Druck setzt, denn dann hat das Suchthirn irgendwann leichtes Spiel.

    Euch allen wünsche ich noch eine schöne Adventszeit.

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • wow, gratulation, fast schon ein jahr!

    ich habe das auch an mir gemerkt, die radien werden größer, die unruhen weniger, eine gewisse routine stellt sich ein. situationen sind nicht mehr so beängstigend und ausweglos. das ist alles ein schönes gefühl!

    und trotzdem muss ich immer vorsichichtig sein. gestern war ich zum ersten mal mit kollegenschaft auf dem weihnachtsmarkt. heißer apfelsaft mit zimt schmeckt lecker. nach einer halben stunde war's genug und ich bin gegangen. zufrieden und ganz gut im reinen mit mir.

    und trotzdem laufe ich nicht gerne an weinregalen vorbei, gehe nicht auf parties, treffe freunde am liebsten nachmittags.

    ich habe ja schon ein trockenes weihnachtsfest hinter mir und habe gemerkt, dass ich es trocken erleben kann.

    nayouk24, ich bin sicher, auch du wirst die feiertage gut meistern. halte dir einfach exitstrategien offen. wenn's zuviel wird, geh oder geh gar nicht hin.

    an diesen tagen gilt: sei dir selbst der nächste!

    alles gute!

    Abstinent seit dem 22.9.2023

  • saß ich auch in der Bahn auf dem Weg in die Klinik. Es war der Schritt der alles zum Positiven verändert hat

    Das würde ich mir, wie so viele andere hier auch von meinem XY wünschen, aber nicht mal sein Kind ist ihm Grund genug an sich bzw. der Krankheit zu arbeiten, so tief scheint er drin zu stecken... 😮‍💨🤷🏼‍♀️

    Alles Gute

    Matrix

  • Liebe Matrix,
    die Krankheitseinsicht kam nicht durch Gedanken an meine Frau oder meine Töchter. Ich wusste, dass sie leiden und dass ich sie irgendwann verlieren werde und trotzdem habe ich noch lange weiter gemacht. Das ist das Wesen der Sucht und es ist grausam.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich wusste, dass sie leiden und dass ich sie irgendwann verlieren werde

    Oh man, wie schrecklich! Deswegen umso schöner, wenn die Sucht gestoppt werden kann! Ich kenne es auch aus eigener Erfahrung, habe es selbst durch und bin absolut mega froh, dass ich davon weg bin! Eine "gute" Sache hat es aber erst seit bestimmter Zeit, dass mein xy mir was vor trinkt, egal ob heimlich oder nicht.. es ekelt mich einfach nur an, Tag für Tag, wenn er trinkt, aber es macht mich auch total traurig, zu sehen, wie er unter der sucht leidet und das irgendwie am meisten mit sich selbst ausmacht..

    Ich bin mir nicht sicher, ob meinem XY das wirklich bewusst ist, dass er uns auch verlieren könnte oder würde dadurch, aber er tut mich lieber emotional erpressen, um mich an sich zu "binden" . Aber er liebt mich ja soo sehr..

  • und das irgendwie am meisten mit sich selbst ausmacht..

    Als Alkoholiker kann man sehr einsam sein.

    Ich bin mir nicht sicher, ob meinem XY das wirklich bewusst ist, dass er uns auch verlieren könnte oder würde dadurch

    Meine Frau hat es mir nie direkt gesagt, aber ich wusste, dass es kommen wird.
    Sie hat sich abgegrenzt und ist zunehmend ihren eigenen Weg gegangen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Sie hat sich abgegrenzt und ist zunehmend ihren eigenen Weg gegangen.

    Ja das tue ich auch schon anfänglich und das bekommt er mit, er fragt sich warum, und das er doch mittlerweile so gut wie immer "gut und lieb" zu uns ist, obwohl er trinkt.. also ja, er benimmt sich schon meistens, wenn er getrunken hat, aber das ändert ja nichts an der Tatsache, dass er nicht so für seinen Sohn da sein kann und möchte, wie er gerne möchte.. und vorallem wie sein Sohn es braucht. Diese "kleinen" Situationen, wenn er zu Papa möchte und er genau dann entweder schläft, angetrunken/ betrunken ist oder unterwegs, aber auch immer mal wieder nüchtern ist, tun mir dann immer so leid und machen mich traurig..

    Meine Zwickmühle voller Probleme muss und möchte ich nun mal angehen, wenn meine neue ambulante VT losgeht..

  • Verstehe, ich wünsche dir viel Kraft dafür, noch rechtzeitig die Entscheidung für deinen Sohn und dich zu treffen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Danke! Die Kraft kann ich gut gebrauchen . Ich habe aber irgendwie für dieses Jahr ein gutes Gefühl, was das angeht..

    Wenn ich eventuell wieder eine Familienhelferin beantrage, dann geht er hoffentlich freiwillig... Dann kann er nicht mehr ständig angetrunken oder sonstiges bei mir sein..

  • Hallo liebes Forum,
    ich möchte nicht versäumen, mich auch hier in meinem Anfangsthread im offenen Bereich zu melden.

    Diese Bahnfahrt und dann weiter mit dem Taxi in die Klinik werde ich nicht mehr vergessen. Ich hatte einen Flachmann dabei, zur Sicherheit, für alle Fälle.
    Am Bahnhof angekommen habe ich ihn rausgeholt und noch auf dem Bahnsteig in eine Mülltonne geworfen. „ Das war’s!“ waren meine Worte.
    Das war heute, genau vor einem Jahr.

    Wo ist das Jahr geblieben? Es war ein sehr intensives Jahr, mit Ups and Downs.
    Seit ich verstanden habe, dass ich nie wieder Alkohol trinken kann, mein restliches Leben mit Achtsamkeit und Selbstfürsorge erleben will,
    fühlte ich mich hier richtig angekommen. Mit dem Verstehen kam die Akzeptanz.
    Akzeptanz – hatte ich hier so oft gelesen. Wie bekomme ich sie? Hat man sie oder hat man sie nicht? Sie war irgendwann da.
    Und eines habe ich auch verstanden, dass die Alkoholkrankheit in erster Linie eine psychische Erkrankung ist und ich an den körperlichen Folgen dieser Krankheit zu Grunde gehen kann.

    Wie heile ich meine Psyche, kann ich sie doch nicht sehen.
    Ich kann sie hören aber oft nicht verstehen.
    Ich weiss, dass sie da ist, tief in mir drin.
    Ich suche den Zugang, Tag für Tag und dann spüre ich sie, meine Seele, mit ihrer ganzen Zerrissenheit.
    Da bin ich als Mensch mit meinem Sein und da ist dieses kalte, dunkle Irgendwas, was da nicht mehr sein darf.
    Ich hör in meine Seele, mal bewusst, oft unbewusst und die Zeit macht es heller. Das Dunkle weicht zurück, nur langsam und ich fülle den Raum mit Neuem.
    Fremd ist das Neue, aber ich lasse es zu, immer mehr und das Dunkle wird nicht mehr sichtbar, aber ich fühle noch seine Nähe.
    Distanz ist es heute.
    Wird aus Distanz wieder Nähe, weiss ich, was ich zu tun habe und meine Achtsamkeit wird mir dabei helfen.

    All dies konnte geschehen, weil ich hier "ganz einfach" mit den Grundbausteinen angefangen habe. "Tun muss man tun", der Rest ergibt sich dann.

    Im Februar letzten Jahres war ich auf der Suche nach einer realen SHG und habe dieses Forum entdeckt.
    Ich habe hier alles gefunden, was ich brauche, um meine Seele zu heilen und die Distanz zum Dunklen zu wahren.
    Das war möglich, weil dieses Forum so ist, wie es ist und ich will weiterhin meinen Beitrag leisten,
    dass es so bleibt, wie es ist und ich möchte jeden, der es ernst mit sich meint, ermutigen sich weiter auf den Weg zu machen und dran zu bleiben.
    Es lohnt sich so sehr!

    Liebes Form, lieber Alex07 , liebe Moderatorinnen und Moderatoren, danke dass es euch gibt und danke, dass ihr das tut, was ihr tut.

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Nayouk was für ein Beitrag von dir. Ich haben eine Kloß im Hals und kleine Tränen. Ich gratuliere dir von Herzen für dein Jahr. Ganz große Klasse und dein Post geht unter die Haut.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Ich lebe das Leben.

    Heute ist der 6. des Monats und das bedeutet wieder 1 Monat gelebte Freiheit und das seit 15 Monaten.
    Ja, ich war unfrei. Alles drehte sich um das Suchtmittel Alkohol. Ist genügend da? Wann muss ich wieder Nachschub holen? Wie verstecke ich den Alkohol? Wie entsorge ich die leeren Flaschen? Wie komme ich über den Tag? An was muss ich alles denken, wenn ich Termine habe?
    Und an was muss ich alles denken, damit es keiner merkt?

    Damit war der Stresslevel, den ich ertragen konnte, mehr als erreicht. Alles was dazu kam habe ich abgeblockt, mit den abenteuerlichsten Erklärungen.
    Ich war gefangen in mir selbst.
    Einen Arzt aufsuchen, mir fremde Hilfe holen, kam aus Scham und Angst lange nicht in Frage.
    Und so war ich weiterhin gefangen, gefangen bis ich nicht mehr weiter konnte.

    Und dann ging es doch, weil es nur noch diesen Weg gab, aus der Suchtspirale auszusteigen, die Sucht zu stoppen.
    Ich werde mein Leben lang alkoholkrank bleiben, aber ich habe die Krankheit gestoppt.
    Der Anfang war nicht leicht, aber auch da war jeder neue Tag ohne Alkohol ein Tag in Freiheit. Eine Freiheit, die ich nicht mehr kannte.
    Ich habe akzeptiert, dass ich keinen Alkohol mehr trinken kann.
    Ein Alkoholiker kann nicht zurück zu einem Trinkverhalten eines Nicht-Süchtigen. Punkt. Ende. Aus.

    Für mich kam die Erkenntnis, dass Alkoholismus eine psychische Krankheit ist. Bis dahin war ich von psychischen Krankheiten verschont geblieben.
    Hier im Forum, immer wieder zu lesen, der Satz: „Nur nicht trinken reicht nicht“.
    Deshalb bin ich hier in diesem Forum. Hier habe ich gelernt, was ich mir aneignen kann und was ich verändern will. Nicht von heute auf morgen, aber von Anfang an bis heute.

    Ich hatte verstanden, wenn ich so weiter mache, wie gehabt, lande ich im günstigsten Fall im Krankenhaus. Es ist nur eine Frage der Zeit. Angst und Scham habe ich vlt. noch, aber sie spielen keine Rolle mehr.
    Es war die Einsicht in das Notwendige.

    „Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit“ (von Georg Wilhelm Friedrich Hegel).

    In diesem Kontext war es meine Einsicht in die eigene Krankheit.

    Viele Grüsse

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

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