Beiträge von Nayouk24

    Hallo Vayana,

    die Frage ist doch, was versprichst Du Dir von der Kontrolle.
    Dass er weniger trinkt oder gar ganz aufhört ?
    Es ist eine Sucht und das Merkmal einer Sucht ist, dass sie nicht kontrolliert werden kann,
    weder vom Alkoholiker selbst noch von einem Dritten.

    die Sucht, wenn sie voll da ist, ist auch für ihn nicht kontrollierbar und kann nicht durch deine Kontrolle klein gehalten

    Genau so ist es.
    Der einzige Weg ist die Erkenntnis, dass ich Alkoholiker bin und wenn ich nichts unternehme, dies zum Tode führt und der Wille, den Leidensweg zu beenden und ein abstinentes Leben aufzubauen. Diese Erkenntniss muss von mir selbst kommen.

    Als mich meine Frau kontrolliert hat, mussten andere Startegien her um genügend trinken zu können.
    Das hat mich noch mehr gestresst, da das System immer komplexer und anfälliger wurde.
    Dann hatte ich eine Weile Ruhe, bis auch diese "Strategien" aufflogen und es von vorne los ging.

    Warum lügen ?

    Ich wusste schon lange, dass ich ein massives Problem habe und irgendwann war mir klar, dass ich Alkoholiker bin.
    Diese Erkenntnis war mit Scham behaftet. Wie kann es sein, dass ich soweit gekommen bin. Ich, als klar denkender, intelligenter Mensch.
    Ich habe mich vor mir selbst geschämt, mir Vorwürfe gemacht, mich für schuldig erklärt,
    mich geradezu selbst fertig gemacht. Und ich habe mich vor meiner Frau meinen Kindern geschämt.
    Deshalb habe ich gelogen, getäuscht und getrickst.
    Meine Frau hat mal gesagt, warum trinkst Du heimlich, trinke doch wenigstens offen.
    Das ist ungefähr so, als wenn ich vor jemandem "offen" in die Hose mache.
    Ich hätte es liebend gerne anders gemacht, aber ich wusste nicht wie, ich musste trinken um überhaupt noch täuschen zu können.
    Fragen über Fragen, wie, wenn ich entgifte, wenn ich in eine Reha gehe, muss ich mich ja anderen mitteilen, mich ihnen anvertrauen, und ... und... und..
    All diese Probleme haben mich lange vom richtigen Schritt abgehalten.
    Bis ich irgendwann nicht mehr konnte, meinen Tiefpunkt erreicht hatte.

    Meine Frau hat mir irgendwann klar gemacht, dass sie sich rauszieht, nicht mehr kontrolliert und ihren eigenen Weg geht. Ob das eine Trennung bedeuten würde,
    war offen. Das war die Hilfe, die sie mir geben konnte ohne sich selbst zu verlieren.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Hallo Silbersteifen,

    In meiner Reha hatte ich 5x die Woche Einzel- und Gruppengespräche.
    Gerade die Einzel waren sehr wertvoll aber auch die Gruppe mit anderem Fokus.
    Ich kam mir so vor, als ob die Psyche freigelegt wurde, fein säuberlich auf dem Tisch ausgebreitet. Und dann ging es an das Wiederzusammenfügen. Das dauerte und dauert bis heute an.
    Was dort in Gang gesetzt wurde hat mir sehr geholfen und heute kann ich selbst daran weiterarbeiten. Selbst hätte ich das nicht erreicht.
    Vorraussetzungen dafür war aber die bedingungslose Einsicht, dass ich Alkoholiker bin und fremde Hilfe brauche und dass ich dem,was dann folgte, so offen wie möglich begegnet bin.

    Es gibt hier auch Beispiele, die es nur mit dieser SHG geschafft haben, die Vorraussetzungen sind aber die gleichen.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Hallo Kamill,

    Auch von mir herzlich willkommen.

    Mich würde interessieren, wie es Dir in den 1,5 Jahren Abstinenz ergangen ist? Wie hast Du es geschafft? Alleine oder mit Hilfe und welche Herausforderungen gab es für Dich dabei ? Du schreibst von einem Programm im Internet, war da sonst nichts ?

    So jetzt höre ich auf zu fragen.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Warum kauft er das Zeig nicht selbst?

    Die Frage kam mir auch in den Sinn.

    Bei mir haben die wenigsten gleichzeitig mit beidem aufgehört, inklusive mir,
    nur wenige haben die Gelegenheit genutzt.

    Körper und Psyche stehen unter außergewöhnlichem Stress und ich hatte nicht den Willen
    auch noch mit dem Rauchen aufzuhören.

    Hallo Cat-Mom,

    mir war klar, dass ich irgendwann auf dem Abwärtsweg meine Frau durch die Sucht verlieren werde.
    Meine Frau hat sich relativ früh fremde Hilfe geholt und mit all dem was ich hier über Co-Abhängigkeit
    gelernt habe, hatte sie nur am Anfang Co-Züge (kontrollieren etc….) gehabt und diese bald abgelegt.

    Aber der Grund warum ich aus der Abwärtspirale ausgestiegen bin, lag ganz alleine bei mir. Ich konnte und wollte so nicht mehr weitermachen. Ich habe die Entscheidung für mich getroffen. Das Wissen, dass sie mich verlassen wird, hat das Ganze vlt bestärkt.
    Was ich damit sagen will ist, dass sie mir ihre Grenzen deutlich aufgezeigt hat und ich gespürt habe, dass sie mehr und mehr ihren eigenen Weg geht. Das war die Hilfe, die sie mir gegeben hat
    Nach der Reha mussten wir uns auch erst als Paar mit meiner Nüchternheit wieder finden und ich war mir nicht sicher, wie das Ergebnis aussehen würde.
    Heute sind wir beide über unsere Zweisamkeit glücklich und genießen sie.

    Aber auch heute: ich will nie wieder trinken müssen und deshalb trinke ich nicht mehr.
    Und auch heute würde sie wieder Ihren eigenen Weg gehen, sollte „es“ passieren.
    Ich laufe aber nicht durch die Gegend und sage mir bei Gedanken an Alkohol, ich darf nicht, sonst verlässt sie mich.
    Das würde nicht funktionieren und ist auch nicht Teil meiner Trockenarbeit.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Reboot,

    Ich habe auch „meinen“ Hausarzt, mit dem ich von Anfang an alles über meine Alkoholkrankheit besprochen habe. Ich mache nur bei ihm Termine. Beim letzen Mal gab es ein Vorgespräch bei einer jungen Ärztin, für mich ungeplant. Es sollte nochmal überprüft werden, welche Blutwerte genommen werden. Im Gespräch sagte ich dann, sie sehen ja meine Geschichte auf dem Bildschirm. Sie schaute mich an und sagte: was sie für sich getan haben, da haben sie meinen allergrößten Respekt, wir schauen jetzt in Zukunft gemeinsam, dass es ihnen weiterhin gut geht. Ich weiß nicht , ob sie mit gemeinsam Sich und meinen Wahlarzt meinte, oder sich und mich.

    Ist mir egal. Jetzt habe ich zwei als Anlaufstelle😉

    Der Erstkontakt mit ihr war mir etwas unangenehm. Sie könnte meine Tochter sein. Aber ihre Reaktion hat mich sehr gefreut. Geht doch!

    Viele Grüße

    Nayouk

    Ich kann das nur bestätigen. Einer meiner erfolglosen Versuch war genau das.

    Mein Therapeut, selbst trockener Alkoholiker, sagte man vergisst die psychische Komponente der Sucht. Das Suchthirn registriert das alles aber die Wirkung bleibt aus.
    Das ist so, als ob ich dem Baby immer den Löffel Brei an den Mund führe aber nicht reinschiebe. Es wird irgendwann schreien und rebellieren bis ich den Löffel rein schiebe - bis ich richtiges Bier trinke.

    Wie wird es auf der ersten Party sein, wie wenn jemand einem das erste mal zum trinken überreden will

    Auf das Szenario "Party" kann ich mich doch gedanklich darauf vorbereiten und das durchspielen.
    Wir haben genau ein solches Szenario (jemand will mich zum trinken animieren) in der Gruppe im Rollenspiel geübt.
    War sehr interessant, wie unterschiedlich die Rollenspiele gestaltet wurden und wie sie ausgegangen sind.
    Bei manchen war ich mir nicht sicher, ob sie schon widerstanden hätten.

    Momentan gehe ich auf keine Parties oder Feste, wo der Alkohol im Mittelpunkt steht.
    Bei Events, wo Alkohol zwar angeboten wird, aber nicht Mittel zum Zweck ist, überlege ich, ob ich es möchte und ob mir der Event es wert ist.
    Dann habe ich einen Plan, falls ich aus der Situation raus muss und der ist mit meiner Frau abgesprochen.
    Auch bin ich immer in der Lage, mich unabhängig nach Hause zu bringen. Habe ich hier gelernt :)

    Bei den früheren Therapien und in der Selbsthilfegruppe wurde immer gesagt, ich soll dabei sein. Das möchte ich eigentlich nicht mehr.

    Du entscheidest, ob Du dabei sein willst.
    In meiner Reha wurde das angeboten, wenn ich und meine Frau es wollten. Wir haben dann mit meinem Einzel-Therapeuten ein FaceTime Gespräch gehabt, was sehr gut war.

    Es ist seine Therapie. Die Problematik, wie Du damit fertig wirst, wenn er wieder zurück ist, klärst Du für Dich, u.U. auch mit einer psychotherapeutischen Hilfe für Dich oder
    in Gruppe.
    Ich war 4 Wochen in ReHa. Meine Frau wollte mich nach 2 Wochen besuchen. Ich habe das dankend abgelehnt, erstens, weil ich selbst noch mit mir nicht soweit war und zweitens, weil ich ihr keine 800km für Hin- und Rückfahrt zumuten wollte.

    Hallo Cat-Mom,

    Eine Mitpatientin hat ihn gefragt, warum ich nur kurz Sachen in die Klinik gebracht hab, und nicht länger da war.

    Interessant wäre, was er geantwortet hat. Die Frage an sich ist ja erstmal wertfrei.
    Du selbst weißt, warum Du nur kurz da warst und das ist das Entscheidende.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Das Thema kam ja quasi zufällig in meinem Faden hoch. Da konnte ich noch nicht wissen, dass quasi übermorgen eine Light-Version von psychischem Stress auf mich zukommt. So spielt das Leben.
    Gerade stecke ich in einer nicht alltäglichen Situation. Stress, Sorgen und ein Gefühl der Ohnmacht,
    da die lieben Schwiegereltern mit ihren Gebrechen andere Vorstellungen über ihre Zukunft haben.
    Von Katastrophe oder Schicksalsschlag kann keine Rede sein.

    Früher haben mich solche Vorfälle enorm gestresst mit einem Gefühl der Überforderung.
    Es war mir alles schnell zuviel. Das Lösungsmittel ist bekannt.

    Heute habe ich gespürt, wie ich immer unruhiger wurde, aber ich war klar im Kopf, ich konnte trotzdem ruhig überlegen, was zu tun möglich ist und danach handeln. Ich konnte ruhige, sachliche Gespräche mit meiner Schwiegermutter führen.
    Früher hätte ich die nächste Gelegenheit genutzt um mich mit Alkohol handlungsfähig zu trinken.
    Ich habe immer wieder in mich reingehört, trotz des ganzen Tohuwabohu. Viel Wasser getrunken ( war heute sowieso wichtig) und mal raus aus der Situation ins Nebenzimmer. Ich war aufmerksam bei mir und das Beste war,
    es hat sich sau gut angefühlt.

    Die Unruhe blieb zwar auf niedrigem Level, fühlte sich ähnlich an, wie aufkommende Entzugserscheinungen, aber …..nix aber. Es war da und ich habe es da gelassen. Es war ja auch eine Situation in der man schon mal unruhig sein kann.

    Da habe ich an die Diskussion in meinem Faden gedacht. Sätze wie „nie an Alkohol gedacht“ oder „keine Option“ schienen mir doch die logische Konsequenz von rationalem Denken zu sein. Aber funktioniert das auch bei Schicksalsschlägen?
    Kann ich da noch rational denken und die notwendigen Schlüsse ziehen, wie „keine Option“?

    Ich habe heute nicht an Alkohol zur Beruhigung gedacht. Es war einfach klar, keine Option (!) und da war kein rationales Denken vor geschaltet.

    Kann ich mich präventiv auf richtige Schicksalsschläge vorbereiten ?
    Mit Radio Eriwan geantwortet: „Im Prinzip ja, aber das machst Du schon präventiv, durch Deine Trockenheitsarbeit, durch Deine Achtsamkeit, durch Deine Reflektion“.
    Ich denke so war es heute. Das was ich erlebt und gefühlt habe war eben genau das Ergebnis von 6 Monaten intensiver Nachsorge.


    Der Faktor Zeit, die Dauer der anhaltenden Nachsorge , könnte ein Risiko bei Schicksalschlägen sein.
    Es ist sicher ein Unterschied, ob ich ein traumatisches Ereignis als Alkoholiker nach 3 Monaten Abstinenz abstinent verarbeiten kann oder nach 3 Jahren.
    Daraus folgt, über meine tägliche Trockenarbeit hinaus, wenn ich sie den gewissenhaft und richtig mache, kann ich nicht viel mehr tun. Das wiederum heißt, mach Dich nicht verrückt mit Eventualitäten.
    Sie kommen wie sie wollen und wann sie wollen. Investiere Deine Energie vielmehr in deine Trockenarbeit und deine innere Haltung zur Abstinenz und das richtig gemacht, kommt der Rest von ganz alleine.

    Hallo Lavendel Fuchs,

    Herzlichen Glückwunsch zu 6️⃣ Monaten.
    Das fühlt sich doch toll an.

    Ich weiß wovon ich rede😉

    Du hast einen anderen Weg in die Nachsorge genommen. Entscheidend ist, dass Du Dich damit gut fühlst und Du, wie Du schreibst, spürst, dass es voran geht, voran mit der Stabilisierung der Abstinenz.

    Ich freue mich mit Dir.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Rennschnecke,

    Schön zu hören, dass es Dir wieder besser geht.

    Das hört sich sehr nachvollziehbar für mich an.

    Ich für mich ziehe daraus, dass das Erkennen von zusammenwirkenden oder summierenden Faktoren auch Teil der Achtsamkeit sein sollte. Bin ich schon angeschlagen sollte ich darauf achten, das ich mich nicht mit Zusätzlichem durch Unachtsamkeit belaste.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    P.S. Falls Du es gestern aus genanntem Grund nicht genießen konntest:
    Herzlichen Glückwunsch zu 🏅🏅🏅🏅🏅🏅Monaten Abstinenz. Toll 😉

    Hallo Alfojores,

    Der Satz ist hochgradig manipulativ. Aber er hat recht, nur übersieht er, dass er bei sich anfangen muss.
    Ein Kind groß zu ziehen, wenn ein Elternteil Alkoholiker ist ?
    Nur er kann die Vorraussetzungen für ein Zusammenraufen schaffen, aber nicht mit Versprechungen und
    Absichtserklärungen.

    Viele Grüße

    Nayouk