Beiträge von Nayouk24

    Hallo Cat-Mom,

    mir war klar, dass ich irgendwann auf dem Abwärtsweg meine Frau durch die Sucht verlieren werde.
    Meine Frau hat sich relativ früh fremde Hilfe geholt und mit all dem was ich hier über Co-Abhängigkeit
    gelernt habe, hatte sie nur am Anfang Co-Züge (kontrollieren etc….) gehabt und diese bald abgelegt.

    Aber der Grund warum ich aus der Abwärtspirale ausgestiegen bin, lag ganz alleine bei mir. Ich konnte und wollte so nicht mehr weitermachen. Ich habe die Entscheidung für mich getroffen. Das Wissen, dass sie mich verlassen wird, hat das Ganze vlt bestärkt.
    Was ich damit sagen will ist, dass sie mir ihre Grenzen deutlich aufgezeigt hat und ich gespürt habe, dass sie mehr und mehr ihren eigenen Weg geht. Das war die Hilfe, die sie mir gegeben hat
    Nach der Reha mussten wir uns auch erst als Paar mit meiner Nüchternheit wieder finden und ich war mir nicht sicher, wie das Ergebnis aussehen würde.
    Heute sind wir beide über unsere Zweisamkeit glücklich und genießen sie.

    Aber auch heute: ich will nie wieder trinken müssen und deshalb trinke ich nicht mehr.
    Und auch heute würde sie wieder Ihren eigenen Weg gehen, sollte „es“ passieren.
    Ich laufe aber nicht durch die Gegend und sage mir bei Gedanken an Alkohol, ich darf nicht, sonst verlässt sie mich.
    Das würde nicht funktionieren und ist auch nicht Teil meiner Trockenarbeit.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Reboot,

    Ich habe auch „meinen“ Hausarzt, mit dem ich von Anfang an alles über meine Alkoholkrankheit besprochen habe. Ich mache nur bei ihm Termine. Beim letzen Mal gab es ein Vorgespräch bei einer jungen Ärztin, für mich ungeplant. Es sollte nochmal überprüft werden, welche Blutwerte genommen werden. Im Gespräch sagte ich dann, sie sehen ja meine Geschichte auf dem Bildschirm. Sie schaute mich an und sagte: was sie für sich getan haben, da haben sie meinen allergrößten Respekt, wir schauen jetzt in Zukunft gemeinsam, dass es ihnen weiterhin gut geht. Ich weiß nicht , ob sie mit gemeinsam Sich und meinen Wahlarzt meinte, oder sich und mich.

    Ist mir egal. Jetzt habe ich zwei als Anlaufstelle😉

    Der Erstkontakt mit ihr war mir etwas unangenehm. Sie könnte meine Tochter sein. Aber ihre Reaktion hat mich sehr gefreut. Geht doch!

    Viele Grüße

    Nayouk

    Ich kann das nur bestätigen. Einer meiner erfolglosen Versuch war genau das.

    Mein Therapeut, selbst trockener Alkoholiker, sagte man vergisst die psychische Komponente der Sucht. Das Suchthirn registriert das alles aber die Wirkung bleibt aus.
    Das ist so, als ob ich dem Baby immer den Löffel Brei an den Mund führe aber nicht reinschiebe. Es wird irgendwann schreien und rebellieren bis ich den Löffel rein schiebe - bis ich richtiges Bier trinke.

    Wie wird es auf der ersten Party sein, wie wenn jemand einem das erste mal zum trinken überreden will

    Auf das Szenario "Party" kann ich mich doch gedanklich darauf vorbereiten und das durchspielen.
    Wir haben genau ein solches Szenario (jemand will mich zum trinken animieren) in der Gruppe im Rollenspiel geübt.
    War sehr interessant, wie unterschiedlich die Rollenspiele gestaltet wurden und wie sie ausgegangen sind.
    Bei manchen war ich mir nicht sicher, ob sie schon widerstanden hätten.

    Momentan gehe ich auf keine Parties oder Feste, wo der Alkohol im Mittelpunkt steht.
    Bei Events, wo Alkohol zwar angeboten wird, aber nicht Mittel zum Zweck ist, überlege ich, ob ich es möchte und ob mir der Event es wert ist.
    Dann habe ich einen Plan, falls ich aus der Situation raus muss und der ist mit meiner Frau abgesprochen.
    Auch bin ich immer in der Lage, mich unabhängig nach Hause zu bringen. Habe ich hier gelernt :)

    Bei den früheren Therapien und in der Selbsthilfegruppe wurde immer gesagt, ich soll dabei sein. Das möchte ich eigentlich nicht mehr.

    Du entscheidest, ob Du dabei sein willst.
    In meiner Reha wurde das angeboten, wenn ich und meine Frau es wollten. Wir haben dann mit meinem Einzel-Therapeuten ein FaceTime Gespräch gehabt, was sehr gut war.

    Es ist seine Therapie. Die Problematik, wie Du damit fertig wirst, wenn er wieder zurück ist, klärst Du für Dich, u.U. auch mit einer psychotherapeutischen Hilfe für Dich oder
    in Gruppe.
    Ich war 4 Wochen in ReHa. Meine Frau wollte mich nach 2 Wochen besuchen. Ich habe das dankend abgelehnt, erstens, weil ich selbst noch mit mir nicht soweit war und zweitens, weil ich ihr keine 800km für Hin- und Rückfahrt zumuten wollte.

    Hallo Cat-Mom,

    Eine Mitpatientin hat ihn gefragt, warum ich nur kurz Sachen in die Klinik gebracht hab, und nicht länger da war.

    Interessant wäre, was er geantwortet hat. Die Frage an sich ist ja erstmal wertfrei.
    Du selbst weißt, warum Du nur kurz da warst und das ist das Entscheidende.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Das Thema kam ja quasi zufällig in meinem Faden hoch. Da konnte ich noch nicht wissen, dass quasi übermorgen eine Light-Version von psychischem Stress auf mich zukommt. So spielt das Leben.
    Gerade stecke ich in einer nicht alltäglichen Situation. Stress, Sorgen und ein Gefühl der Ohnmacht,
    da die lieben Schwiegereltern mit ihren Gebrechen andere Vorstellungen über ihre Zukunft haben.
    Von Katastrophe oder Schicksalsschlag kann keine Rede sein.

    Früher haben mich solche Vorfälle enorm gestresst mit einem Gefühl der Überforderung.
    Es war mir alles schnell zuviel. Das Lösungsmittel ist bekannt.

    Heute habe ich gespürt, wie ich immer unruhiger wurde, aber ich war klar im Kopf, ich konnte trotzdem ruhig überlegen, was zu tun möglich ist und danach handeln. Ich konnte ruhige, sachliche Gespräche mit meiner Schwiegermutter führen.
    Früher hätte ich die nächste Gelegenheit genutzt um mich mit Alkohol handlungsfähig zu trinken.
    Ich habe immer wieder in mich reingehört, trotz des ganzen Tohuwabohu. Viel Wasser getrunken ( war heute sowieso wichtig) und mal raus aus der Situation ins Nebenzimmer. Ich war aufmerksam bei mir und das Beste war,
    es hat sich sau gut angefühlt.

    Die Unruhe blieb zwar auf niedrigem Level, fühlte sich ähnlich an, wie aufkommende Entzugserscheinungen, aber …..nix aber. Es war da und ich habe es da gelassen. Es war ja auch eine Situation in der man schon mal unruhig sein kann.

    Da habe ich an die Diskussion in meinem Faden gedacht. Sätze wie „nie an Alkohol gedacht“ oder „keine Option“ schienen mir doch die logische Konsequenz von rationalem Denken zu sein. Aber funktioniert das auch bei Schicksalsschlägen?
    Kann ich da noch rational denken und die notwendigen Schlüsse ziehen, wie „keine Option“?

    Ich habe heute nicht an Alkohol zur Beruhigung gedacht. Es war einfach klar, keine Option (!) und da war kein rationales Denken vor geschaltet.

    Kann ich mich präventiv auf richtige Schicksalsschläge vorbereiten ?
    Mit Radio Eriwan geantwortet: „Im Prinzip ja, aber das machst Du schon präventiv, durch Deine Trockenheitsarbeit, durch Deine Achtsamkeit, durch Deine Reflektion“.
    Ich denke so war es heute. Das was ich erlebt und gefühlt habe war eben genau das Ergebnis von 6 Monaten intensiver Nachsorge.


    Der Faktor Zeit, die Dauer der anhaltenden Nachsorge , könnte ein Risiko bei Schicksalschlägen sein.
    Es ist sicher ein Unterschied, ob ich ein traumatisches Ereignis als Alkoholiker nach 3 Monaten Abstinenz abstinent verarbeiten kann oder nach 3 Jahren.
    Daraus folgt, über meine tägliche Trockenarbeit hinaus, wenn ich sie den gewissenhaft und richtig mache, kann ich nicht viel mehr tun. Das wiederum heißt, mach Dich nicht verrückt mit Eventualitäten.
    Sie kommen wie sie wollen und wann sie wollen. Investiere Deine Energie vielmehr in deine Trockenarbeit und deine innere Haltung zur Abstinenz und das richtig gemacht, kommt der Rest von ganz alleine.

    Hallo Lavendel Fuchs,

    Herzlichen Glückwunsch zu 6️⃣ Monaten.
    Das fühlt sich doch toll an.

    Ich weiß wovon ich rede😉

    Du hast einen anderen Weg in die Nachsorge genommen. Entscheidend ist, dass Du Dich damit gut fühlst und Du, wie Du schreibst, spürst, dass es voran geht, voran mit der Stabilisierung der Abstinenz.

    Ich freue mich mit Dir.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Rennschnecke,

    Schön zu hören, dass es Dir wieder besser geht.

    Das hört sich sehr nachvollziehbar für mich an.

    Ich für mich ziehe daraus, dass das Erkennen von zusammenwirkenden oder summierenden Faktoren auch Teil der Achtsamkeit sein sollte. Bin ich schon angeschlagen sollte ich darauf achten, das ich mich nicht mit Zusätzlichem durch Unachtsamkeit belaste.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    P.S. Falls Du es gestern aus genanntem Grund nicht genießen konntest:
    Herzlichen Glückwunsch zu 🏅🏅🏅🏅🏅🏅Monaten Abstinenz. Toll 😉

    Hallo Alfojores,

    Der Satz ist hochgradig manipulativ. Aber er hat recht, nur übersieht er, dass er bei sich anfangen muss.
    Ein Kind groß zu ziehen, wenn ein Elternteil Alkoholiker ist ?
    Nur er kann die Vorraussetzungen für ein Zusammenraufen schaffen, aber nicht mit Versprechungen und
    Absichtserklärungen.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Rennschnecke,

    es sind Gedanken, Du nennst sie Verzichtsgedanken. Du hast sie als solche erkannt und das ist der wichtigste Punkt.

    Das mit dem Wein kenne ich auch und ich habe mich gefragt warum ich dann gerade an Wein gedacht habe.
    Wein steht gesellschaftlich höher. Man trinkt gepflegt oder kultiviert einen guten Wein. Der gleiche Satz mit Bier hört sich komisch an,
    für mich zumindest. Also ist es doch was Besseres Wein zu trinken, das hat nichts mehr mit saufen zu tun. Nur ein Schlückchen guten Wein gepflegt trinken.
    So hat mir mein Suchthirn das suggerieren wollen.

    Diese Gedanken haben mich unzufrieden gemacht. Es hat bei mir was mit zufriedener Abstinenz zu tun.

    Ich hol Dir das mal von mir in einem anderen Thread hierher.
    "Eine zufriedene Abstinenz habe ich noch nicht, dazu ist die innere See noch nicht glatt genug.
    Ich weiss aber, dass ich da hinkomme, genauso wie bei der See, wenn der Wind gegangen ist und die Zeit alles geglättet hat.
    Zeit habe ich als wesentlichen Faktor erkannt, inklusive Höhen und Tiefen. Ab da habe ich aufgehört zufrieden abstinent sein zu wollen.

    Vielleicht hilft es, die Gedanken einzuordnen und tiefer in Dich reinzufühlen.
    Auf alle Fälle finde ich es toll, dass Du Dich mitgeteilt hast und mach das bitte zeitnah weiter.

    Du wirst mit Hilfe von all den Erfahrenen hier einen Weg finden, wie Du damit umgehen kannst.

    Du bist mit einem Tag Unterschied genauso lange abstinent wie ich, ein halbes Jahr oder 6 Monate.
    Deswegen schicke ich Dir einen "Glückwunsch" zu Deinen 6 Monaten, denn das ist ein riesen Erfolg für Dich.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Gestern war es genau ein halbes Jahr her, dass ich mich vom Alkohol befreit habe.
    Dieser Tag hat mein Leben entscheidend verändert, wie nur wenige Ereignisse zuvor.
    Die Ausweglosigkeit hatte ein Ende und der Blick nach vorne war plötzlich möglich.

    Zum Wendepunkt hatte ich viel Glück, auch durch Zufälle.
    Mit meiner Verzweiflung war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit den richtigen Menschen.
    Aber das Wichtigste war meine eigene Entscheidung, diese teuflische Abhängigkeit endlich zu beenden.
    Anruf, Beratung, Entscheidung, Koffer packen.
    Ein paar Tage später war ich in der Klinik.
    Es musste schnell gehen, bevor ich mir es wieder anders überlegt hätte.

    Für mich war dieser Weg der richtige, der mich nahezu sofort und dann in Folge über 4 Wochen an einen Punkt brachte, von dem aus ich auf eigenen Füssen stehen konnte, wenn auch noch ziemlich wackelig und unsicher.

    Zulange hatte ich zu viele Versuche, die gescheitert sind.
    Die Lebensuhr tickt und ich wollte endlich keine Zeit mehr verlieren und mein selbstbestimmtes Leben zurück haben. Ich hatte erkannt, dass es für mich nur mit fremder Hilfe gehen wird.
    Lange habe ich diese Hilfe für mich verweigert, aus den unterschiedlichsten, fadenscheinigen Gründen. Alkoholismus ist eine schreckliche Krankheit, welche mit dem Tod endet, wenn sie nicht gestoppt wird.
    Es gab für mich nur einen Weg ohne Alternative.


    Es geht mir heute körperlich gut. Ich bin gesund und nach vielen Arztterminen kann ich zumindest für heute sagen, dass ich ohne größere Schäden aus der Nummer raus gekommen bin. Das ist unglaublich viel wert, wie es morgen ist, wird sich zeigen.
    Die Psyche hat gelitten, genau wie der Körper. Sie braucht Zeit, mehr Zeit, ihre Zeit.
    Ich spüre, dass die Zeit auch hier die Wunden heilt, aber nicht einfach so.
    Es bedarf schon meiner Anstrengung des Nachdenkens und Reflektierens.

    Ich wollte nicht mehr trinken, aber ich musste.
    Den körperlichen Entzugserscheinungen hatte ich nichts entgegenzusetzen.
    Das habe ich jeden Tag aufs Neue spüren müssen.
    Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung von der seelischen/psychischen Abhängigkeit und ihren Auswirkungen.
    Sie wurde durch die physischen Symptome überdeckt und ich habe sie nicht als solche wahrgenommen.

    Die Entgiftung ging relativ schnell, aber dann fing die Arbeit an und diese hat viel mit der geschundenen Psyche zu tun.
    Die Grundbausteine für ein solides Fundament der Abstinenz wurden schon in der Klinik, während der Entgiftung und in den Wochen danach gelegt.
    Es waren nur 4 Wochen Klinikaufenthalt und ab Woche 5 habe ich mich in diesem Forum angemeldet.

    Hier habe ich viel gelernt (und ich lerne immer noch) und konnte damit viel über mich selbst erfahren und meinen neuen Weg immer besser finden.

    Dass ich heute abstinent bin, empfinde ich mit Demut, dass ich das Forum gefunden habe, mit Dankbarkeit.

    Eine zufriedene Abstinenz habe ich noch nicht erreicht, aber ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg dahin bin.
    Meine Achtsamkeit lässt dem Zufall und dem Leichtsinn keine Chance.
    Damit das immer so bleibt, ist Achtsamkeit mein täglicher Begleiter.

    Ich bin gelassener und freier geworden. Ich bin der Gestalter, der Handelnde und nicht mehr der Getrieben, der Mutlose.
    Ich habe gelernt mir Zeit zu geben. Jeden Tag geht es ein Stück voran.
    Es gibt auch Tage des Durchhängens. Ich kann sie mittlerweile erkennen und zulassen und ich suche den Weg durch diese Tage.


    Dieses Forum mit all seinen einzigartigen Usern ist sehr bereichernd für mich.
    Ich bin froh, dass ich hier dabei sein kann und dass es dieses Forum gibt.
    Hier finde ich Hilfestellungen, Denkanstöße.
    Damit aus der Hilfe Selbsthilfe werden kann, muss ich ins Handeln kommen.
    Ich sitze im Driver-Seat und niemand sonst.

    Mein bisheriger Weg war nicht einfach.
    Aber es lohnt sich so ungemein.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Jump,

    Ich finde das sehr ehrlich, dass Du darüber schreibst. Ich kann mir vorstellen, dass das gar nicht so selten ist
    und einige Parallelen sehe ich in unserer Vergangenheit auch.

    Eine zufriedenen Abstinenz habe ich noch nicht, dazu ist die innere See noch nicht glatt genug.
    Ich weiß aber, dass ich da hinkomme, genauso wie bei der See, wenn der Wind gegangen ist.
    Deshalb habe ich aufgehört zufrieden abstinent sein zu wollen.

    Ist aber mit dem, wie Du zufriedene Abstinenz fühlst, nicht vergleichbar.


    Viele Grüße