Beiträge von Nayouk24

    Hallo Hartmut ,

    ich schätze Deine Haltung und Kommentare sehr. Momentan kann ich sie für mich leider(!) nicht vorbehaltlos übernehmen.
    Ja, man muss nicht gleich hinterm Steuer oder hinterm Knüppel sitzen und Personen befördern.
    Es gibt Berufe in denen man eine Zulassung erlangen muss und Teil der Zulassung ist ein personenbezogener Fragebogen
    und da wird sowas Ähnliches gefragt wie: "Hatten/Haben Sie einen problematischen Umgang mit Alkohol ?". Man muss die Frage nicht beantworten,
    sollte es aber tun, wenn man das Zertifikat haben möchte. Weiter möchte ich hier nicht gehen. Vlt. ein Thema für den geschlossenen
    Bereich.

    VG Nayouk

    …..ich bin alkoholiker-punkt, scheue ich mich auch noch, und das ärgert mich ganz gewaltig. und zeigt mir auf der einen seite, wie tief dieses gesellschaftliche klischee in mir drin steckt und wie wie ich mich andererseits damit schwer tue, meine krankheit öffentlich zu machen.

    Es geht mir ganz genauso.
    Aber es ist für mich nicht nur eine Frage konsequenter Haltung , wie es Hartmut propagiert, sondern es muss auch zur persönlichen Situation passen. Z.B. es gibt nun mal Berufe, da ist ein Alkoholiker ein NoGo und obwohl er trocken ist wird er anders bewertet, z.B. Kraftfahrer, Zugführer und Piloten. Dies kann berufliche Konsequenzen haben. Es gibt bestimmte Bereiche bei mir, da möchte ich es nicht kund tun , z.B. das berufliche Umfeld. Oute ich mich aber in anderen Bereichen, z.B. Freundeskreis um das Rotweinsossen-Problem erst gar nicht zu bekommen, dann muss ich damit rechnen, dass es auch im beruflichen Umfeld bekannt wird, wo ich es genau dort nicht haben wollte. Das ist die Krux.

    ich finde, essenseinladungen sind der gute test, wo man gerade steht. lässt du die rotweinsauce einfach weg oder sagst du's vorher, dass du die nicht willst. ich sag's mittlerweile, aber ich begründe es nicht.


    Wenn das Wildgulasch schon fertig in der Soße schwimmt, wird’s mit dem Weglassen auch schwierig.

    Liebe Grüsse Nayouk

    Hallo Hartmut ,

    es ist keine Lüge, einzig und alleine der Grund warum das alles so ist wird nicht genannt.
    Aber voll umfänglich ehrlich ist es nicht, da hast Du schon recht.

    Eine Stigmatisierung ist, wenn eine Person von anderen durch gesellschaftlich negativ bewertete Merkmale charakterisiert wird,
    dann wird sie dadurch in sozialer Hinsicht diskriminiert. Dabei spielt nach meiner Meinung die eigene Bewertung der betreffenden Person
    bzgl. ihres Status oder Verhaltens keine Rolle. Die Person kann die Stigmatisierung, die sie betrifft, nicht beeinflussen. Entweder es passiert, um beim
    Thema Alkohol zu bleiben, z.B. durch Unkenntnis über die Alkoholsucht oder es passiert nicht, da durch Wissen/Einschätzung eine von der gesellschaftlichen Norm
    abweichende Bewertung erfolgt ist.
    Also, ob ich bekennender Alkoholiker bin oder nicht zu der Tatsache stehe ändert an einer Stigmatisierung nichts aber selbst mache ich mir das Leben schwer oder
    blockiere mich sogar auf dem Weg der permanenten Abstinenz. Das ist aus meiner Sicht ein anderer Punkt.
    Wenn ich aber das Risiko einer Stigmatisierung durch bestimmte Personen in meinem sozialen Umfeld nicht eingehen möchte, aus welchen Gründen auch immer,
    sollte ich es auch nicht erzählen, es reicht ein "Nein" oder "Ich trinke keinen Alkohol" oder "Für mich bitte ein Wasser". Es gibt aber keine Notwendigkeit sich erklären zu müssen. Da gebe ich Dir recht.
    Ist es mir aber egal ob ich möglicherweise stigmatisiert werde, dann brauche ich es nicht zu verheimlichen.
    Für mich ist es jetzt klarer. Danke.

    Viele Gruesse

    Nayouk

    „Mein schwarzer Hund“ von Matthew Johnstone.

    Es ist ein kleines illustriertes Buch. Es handelt von Depressionen, lässt sich aber auf psychische Belastungen wie Angst, Sucht etc. übertragen.
    Der Schwarze Hund ist anfangs sehr klein. Er wird, ohne dass man es wahrnimmt stetig grösser und bedrohlicher und er .........

    Sehr bedrückend aber sehr treffend geschildert wie ich finde. Ich denke oft an meinen schwarzen Hund den ich heute an .......

    Google Suche!

    Viele Grüße Nayouk

    Hallo Biene,

    Eine Frage hätte ich da an dich. Was war bei dir der Auslöser, dass du ins Handeln gekommen bist?

    Da stellst Du eine gute Frage, die ich mir immer wieder selbst stelle und so richtig habe ich bis heute darauf keine Antwort. Ich will es mal probieren.

    In Lizzy 's Thread habe ich folgendes beschrieben:

    Nayouk24
    4. März 2024 um 11:34

    und bei Jump! folgendes:

    Nayouk24
    8. März 2024 um 16:42

    Da ist viel zusammen gekommen. Ich habe mich mit dem Gedanken eine Klinik aufzusuchen schon einige Monate auseinandergesetzt.
    Ich wusste genau, wo ich hin will, was es kostet, was dort passiert und wo ich anrufen muss 24/7.
    Der Zeitpunkt war dann einfach da. Ich hatte meinen Tiefpunkt erreicht, wobei das eigentlich nicht richtig stimmig ist, den es hätte genauso gut sein können, dass ich auch in dieser Situation wieder gekniffen hätte und einfach weitergemacht hätte.
    Ich habe dann meiner Familie die Entscheidung mitgeteilt und in der Klinik angerufen, damit ich nicht mehr so einfach zurück konnte. Heute muss ich sagen, dass ich unglaublichen Dusel hatte, dass alles zusammen gepasst hat und ich zu dem Zeitpunkt so willenstark war, dass ich es dann auch durchzuziehen konnte. Ich könnte viele Situationen schildern, wo es genau so nicht war und ich keine Entscheidung getroffen habe.

    Ein wesentlicher Punkt war sicherlich die Haltung meiner Frau. Ich habe gespürt, dass wir uns von einander entfernen und dies nicht nur durch meine Trinkerei sondern dass sie mehr und mehr ihren eigenen Weg gegangen ist. Sie hat es einfach gemacht ohne mich zu fragen :( Ich habe sie ja auch nicht gefragt ob ich trinken darf.

    Beim nochmals durchlesen stelle ich fest, dass der Umstand, dass ich in einer Klinik angerufen habe und 5 Tage später dort war, also kein langes Genehmigungsverfahren und lange Wartezeiten, sicherlich mit ein entscheidender Faktor war. Ich hätte sogar am nächsten Tag anreisen können. Heute sind es 62 Tage und ich arbeite daran, dass ich den Status Quo behalten kann, den die Risiken sind mir heute bewusst und das muss auch morgen und übermorgen noch so sein. Hierfür ist diese SHG die beste Hilfe die ich bekommen kann.

    LG Nayouk

    Für mich ist unverständlich, wie man sich so vor der Realität verschließen kann.

    Hallo Biene, man nennt es Sucht und es hat Prio1 im Leben eines Süchtigen. Alles was dem Bestreben der Sucht im
    Wege steht ist gefährlich und wird bekämpft. Deine Ansage für Ostern finde ich gut. Ich würde mir aber überlegen, was ich tun könnte falls die Ansage nichts bewirkt. Sonst wird sie wertlos und folgende eventuell auch.

    LG Nayouk

    Jedenfalls flogen son paar Beschimpfungen hin und her, und aufeinmal haut meine Frau den Satz raus "dann hau doch wieder ab und geh saufen".

    Hallo Happy, ähnliche Situationen wie diese kenne ich auch, vielleicht nicht ganz so heftig. Es ist Frust, Ohnmacht und Verzweiflung was solche Reaktionen hervorbringt.
    Jahre lang habe ich gelogen und meine Familie versucht hinters Licht zu führen. Damit wurde viel Vertrauen zerstört.
    Jetzt kann ich nicht erwarten, dass meine Frau mir wieder blindlings vertraut nur weil ich im Januar 4 Wochen in Reha war. Das Vertrauen wurde über Jahre verspielt und es wird genauso eine Zeit brauchen bis es wieder gewachsen ist.
    Das mit den Blumen finde ich gut aber nur Du kannst entscheiden ob es angebracht ist. Du hast ja auch schon einige Loops gedreht. Was soll diesmal anders sein, damit es Deine Frau erkennen kann, dass es Dir diesmal ernst ist?
    Ich stehe diesbezüglich noch ganz am Anfang (es war meine erste Reha) und darf Dir eigentlich diese Frage gar nicht stellen.

    LG Nayouk

    Hallo Jump!
    ich bin (war) auch Spiegelrinker. Ich war eigentlich ständig unter Alkohol ausser irgendwann Nachts im Bett. Funktioniert habe ich trotzdem. Über die Zeit erhöht sich der Spiegel Stück für Stück und mir war klar, dass es nicht mehr lange gut geht, da ich physisch nicht mehr konnte.
    Ich fand es am Schluss so furchtbar anstrengend trinken zu müssen mit allem was dazu gehört.
    Offensichtlich ist es bei Deinem Mann trotz dem Krampfanfall noch nicht soweit.
    Du kannst nichts machen. Es muss von ihm kommen.

    Er trinkt morgens und mittags und timed das so, dass er wieder bei 0 ist, bis ich von der Arbeit komme. Er hat einen Alkoholtester.

    Du kannst ihm aber mitteilen was Du weisst, dass Du es nicht gut findest, es Dich belastet und Du nicht mehr weisst wie Du selbst für Dich damit klar kommen kannst,
    Du Dir jetzt aber einen Weg suchen wirst genauso wie er momentan seinen Weg geht.
    Und dass Du nicht verstehst wie er nach dem Anfall weitertrinken kann und alle Wahrzeichen ignoriert, dass es ihm egal ist.

    Ich habe sehr bald verstanden, dass der Weg mit Alkohol vorbestimmt ist und ich meine Frau dadurch auch verlieren werde, denn alle Versuche reduziert oder kontrolliert
    zu trinken sind gescheitert.
    All die Dinge die ein Leben als Alkoholiker bedeuten oder eben nicht mehr bedeuten haben am Ende dazu geführt, dass ich mich in eine Klinik begeben habe,
    da ich es alleine nicht geschafft habe und auch nicht schaffen konnte.
    Es war mein Tiefpunk. Jeder hat einen anderen.

    Liebe Grüße Nayouk

    Ich frage mich, ob sie auch noch heute im Jahr 2024 in stationären Therapien nahe gelegt werden?

    Ich war 4 Wochen stationär. Es gab Kaffee jeglicher Art und Getränke wie Säfte, Saftschorlen, Wasser, aromatisiertes Wasser usw. in jeder Schattierung, sogar so kleine Schokoriegel im Speisesaal. Ich habe aber jemand kennengelernt der gefühlt 10 Tassen Kaffee und 15 oder mehr Schokoriegel am Tag zu sich genommen hat. Man nannte es Suchtverlagerung. Oberstes Ziel war aber „Weg vom Alkohol“. Suchtverlagerung wurde aber thematisiert. Ich habe vorher kaum Schokolade gegessen. Bin noch dabei, das wieder zu reduzieren. Getriggert in Richtung Alkohol hat es mich nicht.

    Alexa ich will hier nicht Deinen Thread sprengen. Was ich meinem letzten Post noch hinzufügen muss ist: Meine Frau und meine beiden erwachsenen Töchter haben auch die Frage gestellt , wie sie mit der Tatsache umgehen sollen wenn ich nicht sage, dass ich Alkoholiker bin. Es gab Diskussionen aber mit der Version wie oben geschildert können sie umgehen. Ich denke jeder muss für sich seinen eigene Weg des Umgangs finden. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

    Nayouk