Beiträge von Nayouk24

    Hallo Hartmut ,

    es ist keine Lüge, einzig und alleine der Grund warum das alles so ist wird nicht genannt.
    Aber voll umfänglich ehrlich ist es nicht, da hast Du schon recht.

    Eine Stigmatisierung ist, wenn eine Person von anderen durch gesellschaftlich negativ bewertete Merkmale charakterisiert wird,
    dann wird sie dadurch in sozialer Hinsicht diskriminiert. Dabei spielt nach meiner Meinung die eigene Bewertung der betreffenden Person
    bzgl. ihres Status oder Verhaltens keine Rolle. Die Person kann die Stigmatisierung, die sie betrifft, nicht beeinflussen. Entweder es passiert, um beim
    Thema Alkohol zu bleiben, z.B. durch Unkenntnis über die Alkoholsucht oder es passiert nicht, da durch Wissen/Einschätzung eine von der gesellschaftlichen Norm
    abweichende Bewertung erfolgt ist.
    Also, ob ich bekennender Alkoholiker bin oder nicht zu der Tatsache stehe ändert an einer Stigmatisierung nichts aber selbst mache ich mir das Leben schwer oder
    blockiere mich sogar auf dem Weg der permanenten Abstinenz. Das ist aus meiner Sicht ein anderer Punkt.
    Wenn ich aber das Risiko einer Stigmatisierung durch bestimmte Personen in meinem sozialen Umfeld nicht eingehen möchte, aus welchen Gründen auch immer,
    sollte ich es auch nicht erzählen, es reicht ein "Nein" oder "Ich trinke keinen Alkohol" oder "Für mich bitte ein Wasser". Es gibt aber keine Notwendigkeit sich erklären zu müssen. Da gebe ich Dir recht.
    Ist es mir aber egal ob ich möglicherweise stigmatisiert werde, dann brauche ich es nicht zu verheimlichen.
    Für mich ist es jetzt klarer. Danke.

    Viele Gruesse

    Nayouk

    „Mein schwarzer Hund“ von Matthew Johnstone.

    Es ist ein kleines illustriertes Buch. Es handelt von Depressionen, lässt sich aber auf psychische Belastungen wie Angst, Sucht etc. übertragen.
    Der Schwarze Hund ist anfangs sehr klein. Er wird, ohne dass man es wahrnimmt stetig grösser und bedrohlicher und er .........

    Sehr bedrückend aber sehr treffend geschildert wie ich finde. Ich denke oft an meinen schwarzen Hund den ich heute an .......

    Google Suche!

    Viele Grüße Nayouk

    Hallo Biene,

    Eine Frage hätte ich da an dich. Was war bei dir der Auslöser, dass du ins Handeln gekommen bist?

    Da stellst Du eine gute Frage, die ich mir immer wieder selbst stelle und so richtig habe ich bis heute darauf keine Antwort. Ich will es mal probieren.

    In Lizzy 's Thread habe ich folgendes beschrieben:

    Nayouk24
    4. März 2024 um 11:34

    und bei Jump! folgendes:

    Nayouk24
    8. März 2024 um 16:42

    Da ist viel zusammen gekommen. Ich habe mich mit dem Gedanken eine Klinik aufzusuchen schon einige Monate auseinandergesetzt.
    Ich wusste genau, wo ich hin will, was es kostet, was dort passiert und wo ich anrufen muss 24/7.
    Der Zeitpunkt war dann einfach da. Ich hatte meinen Tiefpunkt erreicht, wobei das eigentlich nicht richtig stimmig ist, den es hätte genauso gut sein können, dass ich auch in dieser Situation wieder gekniffen hätte und einfach weitergemacht hätte.
    Ich habe dann meiner Familie die Entscheidung mitgeteilt und in der Klinik angerufen, damit ich nicht mehr so einfach zurück konnte. Heute muss ich sagen, dass ich unglaublichen Dusel hatte, dass alles zusammen gepasst hat und ich zu dem Zeitpunkt so willenstark war, dass ich es dann auch durchzuziehen konnte. Ich könnte viele Situationen schildern, wo es genau so nicht war und ich keine Entscheidung getroffen habe.

    Ein wesentlicher Punkt war sicherlich die Haltung meiner Frau. Ich habe gespürt, dass wir uns von einander entfernen und dies nicht nur durch meine Trinkerei sondern dass sie mehr und mehr ihren eigenen Weg gegangen ist. Sie hat es einfach gemacht ohne mich zu fragen :( Ich habe sie ja auch nicht gefragt ob ich trinken darf.

    Beim nochmals durchlesen stelle ich fest, dass der Umstand, dass ich in einer Klinik angerufen habe und 5 Tage später dort war, also kein langes Genehmigungsverfahren und lange Wartezeiten, sicherlich mit ein entscheidender Faktor war. Ich hätte sogar am nächsten Tag anreisen können. Heute sind es 62 Tage und ich arbeite daran, dass ich den Status Quo behalten kann, den die Risiken sind mir heute bewusst und das muss auch morgen und übermorgen noch so sein. Hierfür ist diese SHG die beste Hilfe die ich bekommen kann.

    LG Nayouk

    Für mich ist unverständlich, wie man sich so vor der Realität verschließen kann.

    Hallo Biene, man nennt es Sucht und es hat Prio1 im Leben eines Süchtigen. Alles was dem Bestreben der Sucht im
    Wege steht ist gefährlich und wird bekämpft. Deine Ansage für Ostern finde ich gut. Ich würde mir aber überlegen, was ich tun könnte falls die Ansage nichts bewirkt. Sonst wird sie wertlos und folgende eventuell auch.

    LG Nayouk

    Jedenfalls flogen son paar Beschimpfungen hin und her, und aufeinmal haut meine Frau den Satz raus "dann hau doch wieder ab und geh saufen".

    Hallo Happy, ähnliche Situationen wie diese kenne ich auch, vielleicht nicht ganz so heftig. Es ist Frust, Ohnmacht und Verzweiflung was solche Reaktionen hervorbringt.
    Jahre lang habe ich gelogen und meine Familie versucht hinters Licht zu führen. Damit wurde viel Vertrauen zerstört.
    Jetzt kann ich nicht erwarten, dass meine Frau mir wieder blindlings vertraut nur weil ich im Januar 4 Wochen in Reha war. Das Vertrauen wurde über Jahre verspielt und es wird genauso eine Zeit brauchen bis es wieder gewachsen ist.
    Das mit den Blumen finde ich gut aber nur Du kannst entscheiden ob es angebracht ist. Du hast ja auch schon einige Loops gedreht. Was soll diesmal anders sein, damit es Deine Frau erkennen kann, dass es Dir diesmal ernst ist?
    Ich stehe diesbezüglich noch ganz am Anfang (es war meine erste Reha) und darf Dir eigentlich diese Frage gar nicht stellen.

    LG Nayouk

    Hallo Jump!
    ich bin (war) auch Spiegelrinker. Ich war eigentlich ständig unter Alkohol ausser irgendwann Nachts im Bett. Funktioniert habe ich trotzdem. Über die Zeit erhöht sich der Spiegel Stück für Stück und mir war klar, dass es nicht mehr lange gut geht, da ich physisch nicht mehr konnte.
    Ich fand es am Schluss so furchtbar anstrengend trinken zu müssen mit allem was dazu gehört.
    Offensichtlich ist es bei Deinem Mann trotz dem Krampfanfall noch nicht soweit.
    Du kannst nichts machen. Es muss von ihm kommen.

    Er trinkt morgens und mittags und timed das so, dass er wieder bei 0 ist, bis ich von der Arbeit komme. Er hat einen Alkoholtester.

    Du kannst ihm aber mitteilen was Du weisst, dass Du es nicht gut findest, es Dich belastet und Du nicht mehr weisst wie Du selbst für Dich damit klar kommen kannst,
    Du Dir jetzt aber einen Weg suchen wirst genauso wie er momentan seinen Weg geht.
    Und dass Du nicht verstehst wie er nach dem Anfall weitertrinken kann und alle Wahrzeichen ignoriert, dass es ihm egal ist.

    Ich habe sehr bald verstanden, dass der Weg mit Alkohol vorbestimmt ist und ich meine Frau dadurch auch verlieren werde, denn alle Versuche reduziert oder kontrolliert
    zu trinken sind gescheitert.
    All die Dinge die ein Leben als Alkoholiker bedeuten oder eben nicht mehr bedeuten haben am Ende dazu geführt, dass ich mich in eine Klinik begeben habe,
    da ich es alleine nicht geschafft habe und auch nicht schaffen konnte.
    Es war mein Tiefpunk. Jeder hat einen anderen.

    Liebe Grüße Nayouk

    Ich frage mich, ob sie auch noch heute im Jahr 2024 in stationären Therapien nahe gelegt werden?

    Ich war 4 Wochen stationär. Es gab Kaffee jeglicher Art und Getränke wie Säfte, Saftschorlen, Wasser, aromatisiertes Wasser usw. in jeder Schattierung, sogar so kleine Schokoriegel im Speisesaal. Ich habe aber jemand kennengelernt der gefühlt 10 Tassen Kaffee und 15 oder mehr Schokoriegel am Tag zu sich genommen hat. Man nannte es Suchtverlagerung. Oberstes Ziel war aber „Weg vom Alkohol“. Suchtverlagerung wurde aber thematisiert. Ich habe vorher kaum Schokolade gegessen. Bin noch dabei, das wieder zu reduzieren. Getriggert in Richtung Alkohol hat es mich nicht.

    Alexa ich will hier nicht Deinen Thread sprengen. Was ich meinem letzten Post noch hinzufügen muss ist: Meine Frau und meine beiden erwachsenen Töchter haben auch die Frage gestellt , wie sie mit der Tatsache umgehen sollen wenn ich nicht sage, dass ich Alkoholiker bin. Es gab Diskussionen aber mit der Version wie oben geschildert können sie umgehen. Ich denke jeder muss für sich seinen eigene Weg des Umgangs finden. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

    Nayouk

    Kopffuessler Das sehe ich auch so. Erst in den letzten Monaten als ich noch getrunken habe kam mehr und mehr der Gedanke auf, dass ich Alkoholiker sein könnte. Ich wollte aber keiner sein und all die Versuche es mir zu bestätigen sind gescheitert und mit jedem mal reifte die Erkenntnis, dass ich doch einer bin. Als ich dann zu dem Schluss kam, dass ich einer bin, war auch der Weg offen für einen Entzug, obwohl mich das auch viel Überwindung gekostet hat. Die Klinik war 400km entfernt und dort läuft alles unter ärztlicher Schweigepflicht und Zuhause war ich halt 4 Wochen in Reha. Ich habe lange mit mir gerungen wem ich es außer meiner Familie und den Ärzten/Therapeuten noch mitteile. Ich habe es bis jetzt nicht getan. Ich trinke kein Alkohol. Wenn jemand fragt verweise ich auf die Reha und wegen meiner Herz/Kreislauf Insuffizienz haben mir die Ärzte Alkohol verboten da ich auch Medikamente nehme. Punkt. Das ist noch nicht einmal gelogen nur den eigentlichen Grund für die Herzprobleme, den Alkohol, nenne ich nicht. Da wird es dann auch keine Diskussionen mehr geben. Ich weiß noch nicht ob es für mich funktioniert.

    Hartmut ich sehe Deinen Punkt. Du verstehst es als besten Selbstschutz was es sicherlich auch ist. Wenn ich mich öffentlich mache muss ich mir aber auch über die Konsequenzen im Klaren sein und die müssen von mir selbst akzeptiert sein. Wenn ich es einigen erzähle muss ich davon ausgehen, dass es alle wissen. Solange ich damit ein Problem habe, geht es nicht.

    Hallo liebes Forum,

    Heute sind es genau 2 Monate oder 60 Tage Abstinenz.
    Bisher her gab es nur einmal ein komisches Gefühl.
    Es passierte bei der Beerdigung meines guten Freundes ( s.o.).
    Ich saß auf meinem Stuhl während der Trauerfeier. Emotional war ich betroffen und traurig.
    Ein Musikstück brachte dann den Rest.
    Ich verspürte eine ziemliche Unruhe und Nervosität. Habe mich dann aufrecht hingesetzt
    und Atemübungen, wie in der Therapie gelernt, gemacht. Das half erstaunlich gut und schnell. Später gab es noch Kaffee und Kuchen im engsten Familien- und Freundeskreis. Alkohol war hier nicht zugegen, bei keinem. Ich bin dann aber doch recht bald gegangen.

    Habe das später nochmal reflektiert. Ich denke was mich da überkam war wohl Suchtdruck, obwohl ich nicht im geringsten das Verlangen nach Alkohol verspürt habe. Aber es fühlte sich an wie früher wenn ich schon länger nichts mehr für meinen Pegel getan hatte. Bei Stress war es immer besonders ausgeprägt. Das Suchtgedächtnis meldet sich in schwierigen, belastenden Situationen aber ohne das damit ein direkter Saufdruck entsteht, aber das Lösungsmuster wäre natürlich früher Alkohol gewesen. Ich kann es mir nur so erklären, da ich in den letzten 8 Wochen sehr viel ruhiger und ausgeglichener geworden bin.

    In den Wochen 4 - 6 ging es mir körperlich richtig gut. Mental ist es momentan ok aber physisch fühle ich mich müde und habe Zipperlein🙄die ich so nicht kenne. Immer kalte Hände, Muskelbeschwerden und Steifigkeit, Verspannungen…. Ich hoffe es ist Teil der Abstinenz und gibt sich irgendwann wieder trotz das ich schon ein paar Jahre auf dem Buckel habe. Verglichen mit den Beschwerden durch Alkohol sind diese aber Peanuts! Kennt der/die ein oder andere das auch, mit dem oben beschriebenen Gefühl und den körperlichen Symptomen? Würde mich interessieren.

    LG Nayouk

    Hallo Lizzy,

    Ich bin Alkoholiker und seit 6 Wochen abstinent. Der ungesunde Umgang mit Alkohol begleitet mich schon
    20 Jahre. Es war ein schleichender Prozess. Richtig betrunken war ich nie und wenn ich Auseinandersetzungen mit meiner Frau hatte und gemerkt habe, dass ich eine schwere Zunge habe, habe ich mich zurückgezogen. Sie wusste natürlich was los war.

    Habe gesagt ich habe mir selbst ein Ultimatum gestellt und möchte so nicht weiter machen.

    Meine Frau hat versucht mich anfangs zu kontrollieren. Es gab dann einen Punkt nach einem Gespräch mit Ihrer
    Ärztin ab dem sie es sein gelassen hat. Die Ärztin hat ihr gesagt, sie soll damit aufhören sonst wird sie Co. Das ist ca. ein Jahr her.
    Zwischen Weihnachten und Neujahr hatten wir ein Gespräch. Meine Frau meinte sie hat für das neue Jahr ein Motto.
    Das Motto ist „Move“ und sie sagte, entweder du move-st mit mir oder ich move alleine. Im ersten Moment habe ich gedacht, sie ist auf dem Weg mich zu verlassen. Was sie aber meinte ist, dass sie ihren eigenen Weg in Gang bringen will und sich durch meine Trinkerei nicht mehr davon abhalten lässt. Mein Motto war „Hope“, Hoffnung es endlich zu schaffen vom Alkohol loszukommen.Ich habe lange darüber nachgedacht mit der Erkenntnis, dass ich lange genug gehofft habe und es so nicht weitergehen kann, das ich es alleine nicht schaffe und sie dann auch noch verlieren werde. Mein neues Motto war „Do it!“. Am nächsten Tag habe ich in einer Suchtklink angerufen und eine Woche später war ich für 4 Wochen da. Das ich über das Ergebnis unheimlich dankbar bin brauche ich hier nicht zu schreiben. Diese Forum ist meine SHG in der Nachsorge.

    Du hast Dir ein Ultimatum gestellt und das ist gut. Ich wünsche Dir Kraft damit Du diesen Weg konsequent weitergehen
    kannst auch für Deinen Sohn. Entweder es macht bei Deinem Mann Klick oder nicht. Er muss spüren, das es Dir ernst ist und was es in Konsequenz bedeutet. Lass Dir keine Schuld einreden. Der Alkoholiker ist Schuld und nur er kann es ändern.

    Bei uns hat es geklappt aber das heißt für Andere noch lange nichts und ich hatte viel Glück, dass ich in dem Moment meinen eigenen Tiefpunkt erkennen konnte.

    Viele Grüsse Nayouk