Hallöchen,
Ich mag meine kleine Wohnung sehr.. bis jetzt sind eigentlich nur meine schönsten Dinge drinnen, die ganzen Alltagsgegenstände sind noch hier. Ich genieße es dort zu sein, alles ist hell, frei und so eine ruhige Atmosphäre. Ich fühle mich wie eine Prinzessin, und es ist alles meins! 
Irgendwie stelle ich mir dann immer vor wie ich an einem geöffneten Fenster stehe und alles frisch und hell ist um mich herum und ich nach vorne in die Ferne blicke. Na ja, in echt würde ich wohl nur gegen eine andere Hauswand gucken und heulend im Bett liegen 🤪...
Zur Not geht auch beides find ich
also ich glaube du würdest eine sehr sehr schöne Wohnung für dich finden..
Dass du meinst ihr "müsst" dort jetzt erst Mal zusammen wohnen, finde ich sehr unglücklich. Gibt es da denn wirklich keine andere Lösung? Was wäre denn gewesen, wenn es die Wohnung noch gar nicht gäbe?
Also, ich kann ja schlecht sagen, du hast mir das alles hier aufgebaut, gibst und kaufst mir alles was ich brauche, freust dich für mich, steckst viel arbeit in meine Zukunft, und jetzt kannst du mal selber schauen wie du zurecht kommst, geht mich nix an.
Ich finde es auch nicht so gut, dass er fürs erste mitkommt zu mir. Vor allem dass ich ihm dann auch einen Wohnungsschlüssel geben muss. Das wollte ich so nicht.
Ich glaube auch dass es schon ein Thema ist, wer geht. Aber so ist es nunmal. Ich werde sehen wie es wird. Irgendwie fühlt es sich so an als wollte ich mich befreien, und das Leben sagt, nö. Noch nicht..
Wenn ich lese, dass jemand so viel raucht, dann krampft sich bei mir immer alles zusammen, weil mein Vater über viele Jahre sehr langsam und qualvoll an COPD zugrunde gegangen ist.
Das tut mir wirklich sehr, sehr leid. Dabei jahrelang zusehen zu müssen, muss sehr schlimm gewesen sein.. Ich habe meinen Vater vor 2 Jahren verloren.. fühl dich gedrückt.
Nun, mit deiner Nachricht hast du gestern einen sehr langen Denkprozess bei mir ausgelöst, ich war mit dem Hund spazieren und dachte über das Thema Rauchen nach, kam von einem zum anderen, es hat sich ein großes Bild gezeigt, und ich habe überlegt ob und wie ich das ganze hier darlegen soll. Da es so wichtig ist für mich und ich finde auch darüber sollte offener gesprochen werden versuche ich es euch zu darzulegen. Ich hoffe dass mir die Anonymität dabei ein bisschen hilft.
Das Zauberwort heißt Stressregulation. Ich war ab meinen 24. Lebensjahr opiatabhängig und war auch funktional. Ich habe immer Vollzeit gearbeitet, habe das Arbeiten geliebt, habe mich in einer Männerdomäne durchgesetzt, damals war weit und breit keine andere Frau. Ich hatte eine Führungsposition und war immer gefordert. Ich habe die Kinder alleine großgezogen, und war so stolz. Ich habe uns versorgt, ich habe alles in meiner Macht stehende getan um glückliche Kinder zu haben. Aber die Sucht forderte auch ihren Tribut. Manchmal habe ich mir Freitags frei genommen, bin in der Früh aus dem Haus als ob ich arbeiten gehen würde (meine Mutter hat die Kinder in Schule oder Kindergarten gebracht) bin in den nächsten Wald gefahren und hab dort im Auto geschlafen. Ich war oft so fertig. Die Sucht, die Doppelbelastung..
Also, Opiate sind sehr weiche Drogen, sie dämpfen, legen einen sanften Schleier um dich, und so habe ich in den 14 Jahren verlernt mich selbst zu regulieren. Die Droge war immer griffbereit, egal wann. Vor 5 Jahren also habe ich entzogen. Seitdem bin ich nüchtern, keine Rückfälle, keine 2. Anläufe, ich stehe dazu wie ein Fels. Nie mehr zurück. Ich habe Monate körperlich gebraucht, und emotional fühlte ich mich wie ein Neugeborenes.
Ich hatte wieder einen sehr guten Job, ich fühlte mich genau am richtigen Platz. War gefordert, habe gelernt, wurde angenommen, musste mich durchsetzen. Doch privat gab es auch viel zu viel.. ich konnte mich nicht mehr regulieren. Konnte Gedankenkreisen nicht mehr unterbrechen, habe nicht mehr viel geschlafen, und so passierte es, mein Hirn tickte aus und ich wurde schwer psychotisch. Kein Bezug mehr zur Realität. Ich hatte optische und akustische Halluzinationen, ich war in einer Parallelwelt..
Mein Partner war für mich da. Er brachte mich damals auf die Station wo ich entzogen hatte, denn dort kannten sie mich und dort gibt es immer einen Psychiater der Dienst hat. Der hat mit mir dann ein Gespräch geführt (ich war geistig ganz woanders) und meinem Partner dann geraten mich in die Psychiatrie zu bringen, ich soll mich am besten selbst einweisen, denn wenn ich auf Zwang eingewiesen werde, und da jemand kommt und mich "mit Gewalt" mitnimmt könnte das für mich noch traumatischer werden. Mein Partner hat noch meinen großen Sohn um Hilfe gebeten. Ich weiß noch, wir sind ewig lange vor dem Krankenhaus gesessen, ich wollte da auf keinen Fall rein, doch die beiden haben mit mir geredet und geredet. Ich war ja geistig ganz woanders, aber ich habe den beiden vertraut, also bin ich da rein.
Und dann, Medikamente, ich habe 2 Tage geschlafen, und kam wieder in die Realität. Keine Stimmen mehr, keine Halluzinationen. Ich bin so so dankbar, dass es Psychiatrien gibt, so dankbar für die Medikamente. Ich kann wieder ich sein..
Natürlich ist es für das Hirn irre anstrengend, so eine Psychose, ich brauchte Monate um wieder ganz hier zu sein. Und auch die Depression kann eine Folgeerscheinung sein, da es eben die Hirnchemie bei sowas durcheinander würfelt. Ich hatte leider noch einmal eine Psychose, doch die wurde viel schneller abgefangen, ich war auf Reha, und ich wurde sofort abgefangen und medikamentiert. Das war mir eine Lehre, ich nehme seitdem täglich mein Medikament. Es stützt mich und ich hält mich bei mir.
Warum schreibe ich euch das? Ich möchte auch von diesem Dogma wegkommen. Man spricht nicht über Süchte, man spricht nicht über psychische Krankheiten. Naja, vielleicht doch, aber ich habe oft das Gefühl das psychische Krankheiten nicht ernst genommen werden. Weil, man sieht mir ja nix an! Auch meine Depression nicht. Solange du nicht mit einem gebrochenen Bein herumläufst gibt es für die Gesellschaft keinen Grund nicht zu arbeiten.
Jetzt sind meine Kinder groß, ich bin nur für mich selbst verantwortlich. Doch wenn es um Arbeit geht habe ich Angst. Ich weiß nicht wieviel ich mir noch zutrauen kann..
Ja, und derzeit rauche ich halt viel.. Ist dem ganzen Thema sicher auch nicht förderlich, aber sie wegzulassen, das bring ich irgendwie nicht. Noch nicht..
So, ich lass das jetzt mal so stehen. Sollte ich es mir doch anders überlegen bin ich mir sicher ein Moderator wird das dann für mich löschen.
Ich geh jetzt dann mit dem Hund, euch allen einen schönen Tag!
lg Alexa