Hallo foxi,
Ich habe mich zuerst auch total aufgeregt, als mein Mann plötzlich wieder Zuhause war aus der Notaufnahme. Habe dort sogar angerufen in der Klinik und einen lautstarken Aufstand am Telefon gemacht 🙈. Jetzt, nachdem ich mich wieder beruhigt habe, sehe ich es anders.
Wenn jemand so lange Zeit immer wieder trinkt, dann ist nach der Entgiftung wahrscheinlich vor der Entgiftung. Und wenn der Betroffene immer wieder sofort aufgefangen wird, dann erreicht er keinen Tiefpunkt.
Damit meine ich jetzt nicht, dass natürlich der Rettungsdienst gerufen werden muss, wenn es lebensbedrohlich aussieht. Und diese Frage fand ich auch oft sehr schwer zu beantworten. Ich bin eher jemand, die sehr schnell Panik bekommt und denkt er ist kurz vorm Exodus. Letztendlich muss ich diese Entscheidungen ja vor mir selbst verantworten.
Die Kliniken sind nun mal überfüllt. Aber selbst wenn es freie Betten gäbe stellt sich mir mittlerweile die Frage, ob es gut wäre jemanden immer sofort aufzunehmen, ihn aufzupäppeln und weiter geht's mit der Sauerei. Aber es ist ein schmaler Grat. Natürlich habe ich Sorge er schädigt sich jetzt soweit, dass er bleibende oder tötliche Schäden davonträgt. Dann denke ich: "Mensch! Ihr müsst den doch aufnehmen, sonst passiert sonst was". Ich atme tief ein, wenn ich das schreibe und denke dann mit tapferem Kopf: vielleicht ist es auch seine Chance wenn "sonstwas" passiert. Andernfalls wird es jedenfalls immer so weitergehen, auf sanfte Weise wird das nicht funktionieren. Hilfe durch Nichthilfe. Aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen, finde ich. Fühlt sich auch ein bisschen wie russisch Roulette an für mich.
Das Gefühl: ich hätte dies und das machen sollen, wenn er dann stirbt, das will ich auch nicht haben, will mit mir im Reinen sein. Wobei ich vermutlich immer was finden würde, was ich mir nachträglich vorwerfe... Und dieser Gedanke zeigt auch wieder dieses typische Co-Denken, als ob ich überhaupt die Macht hätte irgendwas auszurichten. Eigentlich ist es egal was ich mache, ich habe ja gar keinen nachhaltigen Einfluss. Und auch eine Millionen Entgiftungen werden nichts ändern, wenn der Betroffene nicht das verdammte erste Glas stehen lässt.
Was ich bei deinem Sohn nicht verstehe ist, weshalb er bei dieser langen Geschichte noch nie in einem Suchthilfe-Zentrum war. Dort kann er doch jederzeit den Bericht für den Reha-Antrag schreiben lassen und bekommt alle Unterstützung. Dafür ist doch gar kein Klinik-Sozialdienst nötig. Dort werden Gruppen angeboten, auch therapeutisch angeleitete. Das ist alles kostenlos.
Aber vor allem weshalb ihr als Eltern noch nie dort hin gegangen seid? Dort bekommt ihr doch die passende Beratung, die ihr braucht, um in dem ganzen Chaos nicht unterzugehen.
Freundinnen sind wichtig und hilfreich und eine riesige Stütze , aber sie sind ja keine Expertinnen und die spezielle Dynamik in punkto Sucht braucht einen ganz anderen Blick, finde ich.
Also ich würde ihm maximal die Telefonummer/Adresse des nächstgelegenen Suchthilfe-Vereins geben und dort kann er alles weitere klären. Und diese Angebote wahrnehmen. Arbeiten geht er ja auch noch ab und zu, habe ich verstanden und Nachschub kann er auch besorgen, dann kann er dort doch auch selbst hin gehen.
Sagt Jump! 🏵️ die jeden Tag selbst um die eigene Abgrenzung ringt, aber stur weiter macht